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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Fotografie aus Moderne und Gegenwart versteigert das Berliner Auktionshaus Grisebach

Alte Fotografien, neues Sehen



Vier Schwestern – ihre Ähnlichkeit sticht sofort ins Auge – schauen den Betrachter direkt an. Die 1978 entstandene Schwarz-Weiß-Fotografie „Heather Brown, Mimi Brown, Bebe Brown Nixon, Laurie Brown, Harwichport, Massachusetts“ von Nicholas Nixon fängt die ernsten, jedoch offenen Blicke der vier jungen Frauen ein. Sehr nah sind die Brown Sisters an den Fotografen herangerückt, der Bildaufbau ist beinahe symmetrisch. Der Silbergelatine-Kontaktabzug ist Teil einer vierzig Jahre umfassenden Serie. Der amerikanische Fotograf porträtierte seine Frau und ihre drei Schwestern jedes Jahr von 1975 bis 2014 in der immer gleichen Anordnung mit einer Großbildkamera. Die gesamte Serie war letztes Jahr im Museum of Modern Art zu sehen und ist nun in die Pinakothek der Moderne nach München gewandert. Diesen frühen Fixpunkt aus diesem Drama des Älterwerdens offeriert das Auktionshaus Villa Grisebach nun für 7.000 bis 9.000 Euro.


Klassische Fotografie

Doch Nicholas Nixon gibt es diesmal auch anders: Mit einer Ansicht der New Yorker Skyline von der Park Avenue in Richtung Westen aus dem Jahr 1975 erweist er sich ebenfalls als ein Meister der Vedute (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR). Rund 250 Positionen, angefangen bei piktoralistischen und dadaistischen Fotografien aus dem frühen 20. Jahrhundert bis zur zeitgenössischen Fotokunst, hat der Berliner Versteigerer für seine Auktion am 3. Juni zusammengetragen. In weißem Abendkleid, langen Handschuhen und Pelzstola sitzt „Madame Alix Gres“ auf ihrem Sofa. Diane Arbus fotografierte die elegante französische Modedesignerin Germaine Emilie Krebs 1964 in Schwarz-Weiß (Taxe 4.500 bis 5.000 EUR). Bewegter geht es in der berühmten Szene mit Marylin Monroe über einem Lüftungsschacht zu. Der weite Rock ihres weißen Kleides wird 1954 am Set von „The Seven Year Itch“ nach oben gewirbelt. Die Fotografie von Elliott Erwitt erwartet 6.000 bis 8.000 Euro. Einen anderen Filmstar lichtete Norman Parkinson 1953 für die Vogue ab: Ava Gardner hinreißend im schwarzen Abendkleid (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR). Mick Jagger dagegen scheint vollkommen nackt. Er wird jedoch zu großen Teilen vom Schatten verschluckt. Leni Riefenstahls Momentaufnahme des Sängers aus den 1970er Jahren hofft auf 4.000 bis 5.000 Euro.

Horst P. Horst knipst eine durch klare Linien dominierte Szene einer Dame, die sich ihres Korsetts entledigt, eine zweite räkelt sich nackt auf einem Seidentuch. Für 6.000 bis 8.000 Euro und 4.000 bis 6.000 Euro sind die späteren Silbergelatineabzüge von „Mainbocher Corset, Paris“ aus dem Jahr 1939 und „Lisa on Silk I, New York“ aus dem Jahr 1940 bei Grisebach zu erwerben. „Adrienne mit Waschbrett“ von 1938 erweckt den Eindruck, als trage die junge Frau das Brett als eine Art langen Rock. Man Ray" target="Man Ray" name="Man Ray">Man Ray stellt hier vor allem die Stärke der exotischen Tänzerin Adrienne Fidelin aus Guadeloupe heraus, die von 1936 bis 1940 seine Muse und Geliebte war (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR). Sehr sanft charakterisiert Martin Munkácsi zwei Jahre früher sein Modell „Peignoir with Dove“ in wehendem weißem Mantel mit Taube vor einem alten Baum (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR).

Den Schnappschuss einer Pariser Straßenszene um 1930 liefert André Kertész: Eine Frau mit Hut unterhält sich mit einem Zeitung lesenden Herrn, der vom Einkauf zurückkehrt ist und ein langes Baguette unter seinen Arm geklemmt hat (Taxe 7.000 bis 9.000 EUR). Zu den ältesten Exemplaren der Auktion zählen „Hans und Lotte auf der Wiese“ von Heinrich Kühn um 1910. Mit dem mehrfachen Gummidruck auf Bütten hat der österreichische Piktoralist eine ebenso malerisch inspirierte Fotografie geschaffen, wie mit dem gleichfalls verschwommenen Bromöldruck „Blumenstillleben im Krug“ von 1920 (Taxe je 6.000 bis 8.000 EUR). Kühns „Hände“ von 1915 sind eine expressive Studie (Taxe 2.000 bis 3.000 EUR), mit denen sich auch Kurt Kranz 1930/31 in einem Triptychon beschäftigte (Taxe 800 bis 1.200 EUR).

Die Hand ist ein zentrales Motiv der Grisebach-Auktion. Für 10.000 bis 15.000 Euro stellt Walker Evans das Photogramm des Körperteils um 1929 zur Verfügung, der sich mit seinen gespreizten Fingern hell vor dem schwarzen Hintergrund abhebt. Von Edward Weston stammt der schemenhafte Platin-Abzug „The Hand of E.M.“ aus dem Jahr 1921, der als Vintage 6.000 bis 8.000 Euro einspielen soll. „Der Dieb“ lässt sich auch durch ein ganzes Bündel fotografierter Hände, die nach ihm greifen, nicht fassen. Durch expressive Mehrfachbelichtung erzielte Yva, die eigentlich Else Neuländer hieß, 1926 den Bewegung suggerierenden Effekt (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR). Als Portrait für den Violinisten Szymon Goldberg wählte Ilse Bing 1949 dessen Hand beim Geigenspiel (Taxe 1.200 bis 1.600 EUR). Und bei dem Interieur „La Chaise de Gertrude Stein“ von Brassaï aus dem Jahr 1931 sieht man erst auf den zweiten Blick eine Hand über den Bezugsstoff des Louis-Philippe-Sessels huschen (Taxe 600 bis 800 EUR).

Aus acht Händen formte Anton Stankowski 1929 seine quadratischen „Verbindungen“ (Taxe 600 bis 800 EUR), Paul Strand interessierte sich 1957 für die alten „Hands of Georges Braque, Varengeville, France“ (Taxe 2.000 bis 3.000 EUR), und Raoul Ubac ließ 1932 „Main et Pierre“ aus dem surrealistischen Nichts auftauchen (Taxe 2.000 bis 3.000 EUR). Zaghaft schauen vier Finger einer Hand aus dem Spalt einer nur wenig geöffneten Tür bei Elliott Erwitts Aufnahme „Jacksonville, Florida“ von 1968 heraus (Taxe 800 bis 1.200 EUR), während in „Jeu de dés“ von René-Jacques aus dem Jahr 1928 eine Hand und ihr Abdruck groß und ausschnitthaft das Würfelspiel dominieren (Taxe 1.400 bis 1.600 EUR). Auch sonst setzen einige der von Grisebach ausgewählten Fotografien nicht den ganzen Menschen, sondern einzelne Körperteile gekonnt ins Bild. 1933 schnitt Henri Cartier-Bresson einer nackten Badenden den Kopf ab. Allein der elegant schwimmende Körper wirbt nun um 6.000 bis 8.000 Euro. Ein zwischen Strümpfen und Rock entblößtes Paar Knie knipste Weegee in den 1940er Jahren (Taxe 2.500 bis 3.000 EUR).

Der „Neusachlichen Fotografie“ ist Karl Blossfeldts „Cotula Coronopifolia“ um 1920 zuzurechnen. Dokumentarisch erfasst er die einzelne Blüte der Laugenblume von ihrer Unterseite vor neutralem Hintergrund. Eine grafische, eigentlich für die Kunst und Architektur seiner Zeit typische Struktur dominiert das natürliche Motiv. Die Vintage-Fotografie gehört mit 22.000 bis 32.000 Euro zu den hochpreisigen Offerten der Auktion. Die Natur als Künstlerin ist auch Inhalt von René Burris „Kung Min-Lake, Summer Palace Beijing“ von 1964. Der Magnum-Fotograf fängt die Schilfpflanzen, welche aus dem See wachsen und sich in selbigem spiegeln, mit Betonung auf die entstandenen grafischen Linien ein (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR). Während sich Harry Callahan in „Trees with Sumac“ für das rot-grüne Farbenspiel mehrerer Bäume und Büsche interessiert (Taxe 2.000 bis 3.000 EUR), hebt Imogen Cunningham in den 1920er Jahren die Form eines einzelnen Blattes hervor. Den eleganten Silbergelatineabzug der „Rubber Plant“ aus den 1970er Jahren bietet Grisebach für 7.000 bis 9.000 Euro an.

Herbert List legt dagegen den Akzent auf das „Magische“ im Bild, wenn er 1937 etwa eine stehende und eine umgestürzte korinthische Säule samt Baum im Athener Olympieion vor sommerlichem Himmel festhält (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR). Sein Kollege Man Ray fotografiert die Pont Neuf in Paris ganz unspektakulär. Die 1926 entstandene Fotopostkarte stammt aus einer New Yorker Privatsammlung und ist bei 3.000 bis 5.000 Euro angesetzt. Den rustikal-winterlichen Charme des Ruhrgebiets dokumentiert Albert Renger-Patzsch 1931 in seinem „Anwesen am Ruhrschnellweg b. Wattenscheid“. Der Vertreter der sachlich realistischen Fotografie war drei Jahre zuvor ins Ruhrgebiet gezogen (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR). Julius Shulmans „Case Study House # 22, Los Angeles, California“ von 1960 wirkt da schon deutlich einladender, aber auch waghalsiger; schwebt doch eine Gebäudeecke über dem Lichtermeer der nächtlichen Stadt (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR). Eine subjektive Herangehensweise an die Fotografie, die trotzdem nüchtern sein sollte, verfolgte Otto Steinert. Grisebach offeriert zwei in Paris entstandene Fotografien von 1949. Die Säulenreihe des „Musée d’Art Moderne“ und die „Geschichteten Stühle, Boulevard Sait-Germain-des-Prés“ vor einer Plakatwand sollen jeweils 5.000 bis 7.000 Euro einbringen.

Vertreter des tschechischen „Neuen Sehens“ war Jaromír Funke, der eine „Komposition mit Flasche“ von 1925 beisteuert. 25.000 bis 30.000 Euro erhofft sich ein amerikanischer Sammler, der neben diesem weitere hochwertige Objekte in die Auktion gegeben hat, für das aus Licht und Schatten entwickelte, fast entmaterialisierte Stillleben. Zu der individuellen Zusammenstellung gehören etwa noch das netzartige Metallgitter des Bodens einer Aussichtsplattform, mit dem Iwao Yamawaki 1932 seinen Blick auf die darunter liegende Straße mit ihren Spaziergängern überzieht (Taxe 5.000 bis 10.000 EUR), oder zwei Vintages von Umbo. Im Geist des Bauhauses arbeitete er in den 1950er Jahren mit einem musterartigen weißen Netz auf schwarzem Fond und der abstrakt wirkenden, rechtwinkligen Struktur einer amerikanischen Kleinstadtsiedlung aus der Vogelperspektive (Taxe je 3.000 bis 5.000 EUR). Schließlich tritt noch Paul Citroen mit seiner dadaistischen Collagetechnik auf dem Silbergelatineabzug „Johnson training again (Boxing)“ um 1923 hinzu, der bei Grisebach im Jahr 2007 schon einmal 7.500 Euro einbrachte und nun daran angelehnt mit 5.000 bis 7.000 Euro ins Rennen geht.

Zeitgenössische Fotografie

Vor neutralem Hintergrund und mit großer Nüchternheit fotografieren Bernd und Hilla Becher Industriegebäude in Serie und erstellen damit eine Typologie oft nicht mehr vorhandener Bauten. Ihr „Getreidesilo, Canton, Ohio, USA“ von 1977 steht für 15.000 bis 20.000 Euro zum Verkauf. In anämisches gelbliches Licht hat Elger Esser seine „Passage du Gois“ von 1999 getaucht und damit eine Kuriosität des Straßenbaus in Szene gesetzt; denn die Departementstraße D 948 im Naturschutzgebiet Baie de Bourgneuf zwischen der Île de Noirmoutier und Beauvoir-sur-Mer auf dem Festland ist nur bei Ebbe befahrbar (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR). Einen majestätischen burgartigen Eisberg hat Sebastião Salgado 2005 mit seiner schwarzweißen Aufnahme „Antarctica“ in seiner ganzen Schönheit eingefangen (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR).

Im Allgemeinen konzentriert sich die Auswahl zeitgenössischer Fotografie bei Grisebach auf den Menschen in den verschiedensten Facetten. Das stressige und in Großstädten wie Rom und New York ähnliche Straßenleben ist Thema von Philip-Lorca diCorcias Bildern anonymer Passanten aus den Jahren 1993 und 1995 (Taxe je 4.000 bis 6.000 EUR). Rineke Dijkstra fängt einen jungen portugiesischen Stierkämpfer direkt nach dem Kampf ab, um ihn – gedanklich noch vollkommen im Geschehenen verhangen – zu porträtieren. Der blutverschmierte Stierkämpfer des 8. Mai 1994 aus Vila Franca de Xira steht für 30.000 bis 40.000 Euro bereit. Die beiden winkenden Mädchen von Loretta Lux sind mit ihrer niedrigen Horizontlinie und ihren manierierten Erwachsenenposen bewusst fotografische Kompositionen (Taxe je 4.000 bis 6.000 EUR). Private Einblicke in ihr eigenes Leben und das ihrer Freunde gibt Nan Goldin mit „Cody in her dressing room at Boy’s Bar, NYC“ von 1991 und „Joey and Andres in bed, Berlin“ von 1992 (Taxe 5.000 bis 7.000 und 6.000 bis 8.000 EUR). Durch die Inszenierung distanziert sich Robert Mapplethorpe von der fotografierten Erotik. Die nackte, fast gemeißelte „Lisa Lyon“ von 1981 soll 10.000 bis 15.000 Euro einbringen, der 1987 in glänzende High Heels gesteckte Fuß von „Melody (Shoe)“ 12.000 bis 16.000 Euro.

Die Auktion beginnt am 3. Juni um 17:30 Uhr. Die Besichtigung ist bis zum 1. Juni täglich von 10 bis 18 Uhr, am 2. Juni von 10 bis 17 Uhr möglich. Der Katalog listet die Werke unter www.villa-grisebach.de.

Kontakt:

Grisebach

Fasanenstraße 25

DE-10719 Berlin

Telefon:+49 (030) 885 91 50

Telefax:+49 (030) 882 41 45

E-Mail: auktionen@grisebach.com



01.06.2015

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Mona Zimmer

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