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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Viele Sparten der Kunst und des Kunsthandwerks an den Auktionstagen im Wiener Kinsky

Wenn Blumen für die Ewigkeit blühen



Jan Breughel d.J., Blumenstrauß in einer skulptierten Vase, um 1630

Jan Breughel d.J., Blumenstrauß in einer skulptierten Vase, um 1630

Ob Alte Meister, Antiquitäten oder Kunst aus dem 19. Jahrhundert und der Klassischen Moderne bis nach dem Zweiten Weltkrieg – der Wiener Versteigerer Im Kinsky hat für jeden Geschmack etwas zu bieten. An zwei Auktionstagen sollen in der kommenden Woche rund 900 Losnummern ein neues Zuhause finden, das Preisniveau ist breit gefächert. Im Sortiment der Alten Meister sticht ein opulenter „Blumenstrauß in einer skulptierten Vase“ von Jan Breughel d.J. aus den Jahren um 1630 heraus. In schillernder Farbenpracht erscheint sein Blumenbouquet, das eine schier unzählige Menge an verschiedenen Blumensorten und Blütenformen in sich birgt. Die Schönheit transformiert der Maler mittels Farbe zu einem unvergänglichen Gut. Lilien, Tulpen, Rosen, Glockenblumen, Nelken, Mohn und Narzissen vereinen sich zu einem bunten Blumenteppich. Der dunkle, fast schwarze Hintergrund lässt das Farben- und Blütenmeer aufleuchten, die vielen mit Deckweiß gestalteten Höhungen bewirken eine realistische Plastizität, der ein intensives Naturstudium des Künstlers vorausgeht. Die am Fuß der edlen Vase abgelegten Muschelformen schildern einmal mehr die Faszination Breughels für die Ästhetik naturgeschaffener Erscheinungen. Die seit dem 19. Jahrhundert lückenlos dokumentierte Provenienz der auf Holz gearbeiteten Ölmalerei begünstigt die Authentizität und unterstreicht das nun erhoffte Preisgeld von 500.000 bis 1.000.000 Euro.


Alte Meister

Rund 50 Jahre später schuf Jan van Kessel d.J., ebenfalls Antwerpener Maler der Lukasgilde und Breughels Großneffe, zwei Stillleben, einmal einen „Blumenkorb mit Papagei“ und als gleichformatiges Pendant eine „Porzellanschale mit Obst und Eichhörnchen“. Auf der einen Kupfertafeln nagt das Eichkätzchen genüsslich an einer Haselnuss, und der sattgrüne zierliche Vogel auf der anderen Tafel erfüllt den rechten unteren Bildrand mit Leben. Die aus einer österreichischen Privatsammlung stammenden Arbeiten zeugen von der hohen Professionalität des als Hofmaler Karls II. am spanischen Herrschaftssitz tätigen Kessel. Die in der Maltradition der Brueghel-Familie stehenden, aber in der freien Malweise schon sichtbar barocken Stillleben können nun am 16. Mai für 25.000 bis 50.000 Euro erworben werden. Jean Baptiste Belin de Fontenay d.Ä. ergänzt mit einem aus dem Halbdunkel hervortretenden Blumenstrauß in reliefierter Vase um 1700, aus dem ein Zweig des bunten Amaranthus tricolor herauswächst (Taxe 12.000 bis 20.000 EUR).

Im Bereich der religiösen Kunst trumpft vor allem eine um 1500 in Tirol entstandene „Anbetung der Könige“ auf. Die mit Eitempera bemalte Tafel gehörte ursprünglich zum Flügelaltar in der damals neu erbauten Pfarrkirche von Westendorf im Brixental. Auf ihrer Rückseite lassen sich Spuren einer Verkündigungsszene erkennen. Den Hintergrund der quergestaffelten Malerei bildet die Andeutung architektonischer sowie vegetativer Elemente. Aufgrund seiner stilistischen Vielseitigkeit liegt die Vermutung eines regen Werkstattaustauschs zwischen Bayern, Schwaben und Österreich nahe (Taxe 50.000 bis 100.000 EUR). Eine weitere „Anbetung der Könige“ stammt von Sebastiano Conca. Das bislang undokumentierte Gemälde des neapolitanisch-römischen Spätbarockmeisters datiert in die Jahre um 1710/20 und erinnert an vergleichbare Werke seines Lehrers Francesco Solimena (Taxe 25.000 bis 50.000 EUR). Simone Cantarinis „Heilige Familie“ um 1640/42 zeichnet eine liebevolle Anmut aus, wenn der kleine nackte Jesus seiner Mutter eine Rose zum Schnuppern reicht (Taxe 50.000 bis 100.000 EUR).

Eine nahsichtige „Pieta“ aus der Werkstatt Quentin Massys’ um 1525/30 besticht durch ihre Beschränkung auf die zwei Hauptfiguren Maria und ihren leblosen Sohn, deren tiefdunkler Hintergrund die heiligen Strahlen um ihre Köpfe noch heller scheinen lässt (Taxe 25.000 bis 50.000 EUR). Ebenfalls recht erfolgreich agierte die Werkstatt Guido Renis, die die Kompositionen ihres Chefs gerne vervielfältigte, so auch einen „Christus mit Dornenkrone“. Die ovale Leinwand präsentiert den aufs Gesicht konzentrierten Schmerzensmann, der seinen Mund leicht geöffnet hat und leidvoll nach oben blickt (Taxe 15.000 bis 30.000 EUR). Als Cranach-Schüler schuf Wolfgang Krodel d.Ä. 1544 einen „Lot und seine Töchter“, der sich kompositorisch eng an die Gemälden seines Lehrers anlehnt (Taxe 35.000 bis 70.000 EUR). Mythologisches steuert der venezianische Maler Pietro Liberi mit seiner dicht gedrängten Aktschilderung „Venus, Amor und die drei Grazien“ um 1660/70 bei (Taxe 15.000 bis 30.000 EUR). Bei einer Pauwels Franck zugeschriebenen „Toilette der Venus“ geht es recht real zu, wenn Amor der Göttin eben die Fußnägel feilt (Taxe 10.000 bis 20.000 EUR).

Naturdarstellungen kommen von Jacob Savery II, der in seiner felsigen Waldlandschaft mit steigendem Araberhengst und brauner Stute auch einige exotische Geschöpfe wie Papageien, Stachelschwein, Wildkatze, Löwe oder eine leguanartige Echse hineinkomponiert hat (Taxe 35.000 bis 70.000 EUR), oder von Cornelis Droochsloot. Im Vordergrund seiner weiten belebten „Dorfstraße“ aus den 1670er Jahren stillt gerade eine Bäuerin ihr Kind (Taxe 12.000 bis 20.000 EUR). Das Kompositionsschema hat er von seinem Vater Joost Cornelisz Droochsloot übernommen, was dessen Bauernszene „Vor der Dorfschenke“ von 1654 bezeugt. Hauptthema bei Isaac van Ostade ist ebenfalls das Leben der einfachen Landbevölkerung, wie er es etwa 1641 mit Bauern beim Schlachten eines Schweines vor einer leicht ruinösen Kate zeigt (Taxe 25.000 bis 50.000 EUR).

Karel van Mander I lässt um 1660/05 in einer offene Waldlichtung die vielfigurige Szene der Begegnung zwischen David und Abigail aufmarschieren und verknüpft so Landschaft mit biblischer Historie (Taxe 15.000 bis 30.000 EUR). Bei Gillis Peeters spielt dann das Element Wasser eine tragende Rolle, etwa auch in seiner „Schiffsstation beim Flusswirtshaus“ aus den 1640er Jahren, die schon einmal dem bekannteren Jan van Goyen zugeordnet war (Taxe je 15.000 bis 30.000 EUR). Herman Saftleven bietet dann einen weiten Blick über eine idealisierte Rheinlandschaft von 1670 (Taxe 20.000 bis 40.000 EUR). In das österreichische Rokoko weist Franz Christoph Janneck mit seiner um 1735 entstandenen „Galanten Szene im Park mit Schlossarchitektur“, in der sich höfische Paare mit Gärtner und Magd gegenüberstehen (Taxe 35.000 bis 70.000 EUR). Klassizistisch wird es schließlich bei Angelika Kauffmann und ihrer gleich hoch bewerteten Allegorie „Der Fleiß, von der Geduld und der Ausdauer begleitet, wird von der Ehre bekrönt und vom Überfluss belohnt“ in Grisaille-Manier um 1779.

Gemälde des 19. Jahrhunderts

Im 19. Jahrhundert war es unter anderem Rudolf von Alt, der sich mit der Natur auseinandersetzte, etwa in dem sommerlichen Aquarell „Der Gamskarkogel bei Gastein“ von 1893 (Taxe 25.000 bis 50.000 EUR) oder zwei Bleistiftskizzen aus der alpinen Bergwelt (Taxe je 2.000 bis 4.000 EUR). Ihm zur Seite stehen Thomas Ender mit seinem aquarellierten Blick auf Lofer und die Loferer Steinberge, der vornehmlich als Schriftsteller bekannte Adalbert Stifter mit seinem verblauenden Ölgemälde „Bauerngehöft am Grundlsee“ von 1839 (Taxe je 5.000 bis 10.000 EUR) oder Markus Pernhart mit seiner ebenfalls biedermeierlichen Festung Malborghetto, eingebunden in das Kanaltal an der Grenze zwischen Österreich, Italien und Slowenien (Taxe 15.000 bis 30.000 EUR). Die mit schwungvollem Pinselstrich und impressionistischer Lichtstimmung gemalten „Fischer in der Laguna Veneta“ Lea von Littrows kommen ebenfalls auf 15.000 bis 30.000 Euro.

Das Antlitz eines „Talmudschülers“ schien den im heutigen Rumänien geborenen Akademiekünstler Isidor Kaufmann sehr zu faszinieren. Er schuf ein in Öl gearbeitetes Portrait des mit Bart, Schläfenlocken und schwarzem Filzhut ausgestatteten ernst blickenden, jungen Mannes. Das signierte Bild des angehenden Gelehrten vor grünem nicht näher definiertem Hintergrund soll für 70.000 bis 140.000 Euro den Besitzer wechseln. Ferdinand Georg Waldmüller lässt 1821 sein Kind unter einem blauen Seidenvorhang hervorschauen, wobei der locker drapierte blaue Vorhang um das zarte Gesicht des sympathisch blickenden blonden Mädchens von einer modernen Auffassung einer Rahmengestaltung zeugt (Taxe 70.000 bis 140.000 EUR).

Ernst Klimt gründete in den 1880er Jahren mit seinem heute viel bekannteren Bruder Gustav die sogenannte „Künstler-Compagnie“, in deren Atelier unzählige Bilder entstehen sollten, die dem Kunstgeschmack der anspruchsvollen Wiener Bevölkerung zusagten. Besonders Aufträge für die dekorative Ausstattung der Ringstraßenpalais setzte das Duo im Verbund mit Franz von Matsch um. Aus dieser Zeit stammen auch die „Zwei betende Mädchen“, die andächtig ihre Hände falten und ihre großen Augen nach oben richten (Taxe 25.000 bis 50.000 EUR). Die Gattung Genre bedienen zudem Johann Baptist Reiter, der sich um 1875 dem „Hanfhandel“ zwischen einem jüdischen Händler und einer großbürgerlichen Kauffrau verschrieb (Taxe 25.000 bis 50.000 EUR), oder von Josef Danhauser, dessen Aufmerksamkeit 1845 einem armen alten „Stiegenweibchen“ galt, das sich im einem Sonnenstrahl wärmt (Taxe 10.000 bis 20.000 EUR). Biedermeierlich bleibt es mit Friedrich von Amerlings innigem Portrait seiner Tochter Ludmilla im Schlaf von 1835 (Taxe 7.000 bis 14.000 EUR), Johann Matthias Ranftls Großmutter bei Rosenkranzgebet mit spielenden Kindern von 1852 (Taxe 8.000 bis 16.000 EUR) oder Johann Baptist Wenglers „Geschwisterliche Fürsorge“ bei der Feldarbeit von 1848 (Taxe 1.000 bis 2.000 EUR).

Für Pferdeliebhaber bilden die Arbeiten aus dem Schaffen des Wiener Malers Ludwig Koch ein besonderes Schmankerl. In der Spanischen Hofreitschule sowie der Wiener Campagneschule oft zugegen, kam Koch zu einer meisterhaften künstlerischen Durchdringung des in Bewegung befindlichen Pferdekörpers. Sieben Aquarelle und Zeichnungen zeigen das Pferd im Krieg, die sicheren Reitfertigkeiten eines Offiziers, den taktreinen, anatonmisch korrekt dargestellten verstärkten Trab eines Fiakergespanns, einen Rappen oder einen Fiaker (Taxen zwischen 500 und 6.000 EUR). Wer es ulkig mag, freut sich über Franz Xaver Gaul und seine für 3.000 bis 6.000 Euro gelisteten sechs Karikaturen von Schauspielern, darunter auch den heute noch bekannten Johann Nepomuk Nestroy.

Klassische Moderne

Die Sparte Klassischer Moderne führt eine österreichische Privatsammlung an, die Werke Marc Chagalls beinhaltet. Am meisten Hoffnung weckt dabei die späte Mischtechnik „Les Amoureux au Bouquet“ von 1978. Farbenprächtig und vital vereinen sich Äste, Blüten und Blätter mit einem Liebespaar und fliegenden Tieren (Taxe 250.000 bis 500.000 EUR). Weitere druckgrafische Arbeiten des russisch-jüdischen Franzosen gibt es zwischen 3.000 und 30.000 Euro. Zwar kein österreichisches Sujet, aber doch aus der Hand eines Wieners ist die 1936/37 in Öl gearbeitete „Brooklyn Bridge“. Otto Rudolf Schatz konnte sich nach der Heirat mit Valerie Wittal, die aus gutem Hause stammte, den Wunsch einer New York-Reise erfüllen. Das von bewegter Wetterstimmung lebende Brückenmotiv befreit sich von seinem bloßen Wesen als Vedute, vielmehr vermittelt es den pulsierenden, veränderlichen dynamischen Charakter einer lebendigen Stadt (Taxe 25.000 bis 50.000 EUR). Otto Erich Wagner aquarellierte seine Standansichten in kristallinen Formen, etwa 1953 „Le Mont Saint-Michel“ (Taxe 2.000 bis 4.000 EUR).

Auch der 1977 in New York gestorbene Wiener Künstler Josef Floch schuf fünfzehn Jahre zuvor eine „Stadt an der Küste“. Doch seine Schilderung einer nicht weiter definierten Ansiedlung konzentriert sich vorrangig auf das satte Grün ihrer Umgebung. Dicke dunkle Linien schematisieren Gebäude und Straßen, der Einsatz von helleren Farben deutet ein Gewässer an, in dem sich der graue Himmel spiegelt (Taxe 10.000 bis 20.000 EUR). Für den gleichen Schätzwert soll es eine „Kirche in Le Revest“ von Willy Eisenschitz geben, der sich um 1930 zu einer warmen, mit Erdtönen gestalteten südfranzösischen Landschaft hinreißen ließ. Seine „Bauern in der Provence“ von etwa 1935 speisen sich aus dem gleichen gedämpften Kolorit (Taxe 14.000 bis 18.000 EUR). In sprühender Buntheit malte dagegen Greta Freist ihre fantasiereichen Bilder. Mit „La Libération“ schuf die Wahlfranzösin 1945 ein tänzelndes Zusammenspiel aus einem Blumenstillleben, bunten vitalen Pferdchen und einem posaunendem Engel, der einen weiten, rosafarbenen Stoff um die Szenerie drapiert hat. Den Rahmen bilden verspielte florale Erscheinungen (Taxe 9.000 bis 18.000 EUR). Weitere Farb- und Formfantasien von Greta Freist erwarten den Kunden für Preise zwischen 1.500 bis 12.000 Euro. Stillleben gibt es zudem mit Emil Beischlägers neusachlichem Arrangement aus Büchern und Kakteen von 1931 (Taxe 3.000 bis 6.000 EUR) oder Ernst Hubers spätexpressionistischem Strauß aus gelben Wiesenblumen von 1969 (Taxe 10.000 bis 20.000 EUR).

Freunde symbolistischer Darstellungsweisen kommen bei der „Wunderquelle“ von Alexander Rothaug auf ihre Kosten. Nackte, manieriert muskulöse Leiber umringen den Fluss des Vergessens am Eingang zum Totenreich. Nur jenen, denen der Eintritt in die Glückseligkeit gestattet wurde, dürfen an der magischen Quelle ihren Durst stillen und sich damit von den Lasten der irdischen Welt lossagen. Die erotische, aber gleichzeitig unheimliche Atmosphäre steht für die individuelle Interpretation des Wiener Künstlers (Taxe 15.000 bis 30.000 EUR). Auf Ovids Metamorphosen greift Oskar Laske bei seinem Ölgemälde „Diana und Aktäon“ zurück und lässt die beim Baden überraschte Göttin wild ihren Speer auf den zum Hirsch verwandelten Jäger schleudern (Taxe 10.000 bis 20.000 EUR). Liebliche, großäugige „Hirschkühe“ vor pastellfarbenen Hintergrund sind dann friedliches Thema bei Ludwig Heinrich Jungnickel um 1923 (Taxe 10.000 bis 20.000 EUR). Eine märchenhafte Traumlandschaft mit Tieren erschafft auch Franz von Zülow in seiner kleinteilig abstrahierten Zeichnung (Taxe 4.000 bis 8.000 EUR). Auch Carl Krenek war ein großer Märchenillustrator und beschäftigte sich 1913 mit „Hänsel und Gretel“, die in einem dunklen jungendstilig-ornamentalen Wald eben auf das bunte Hexenhaus treffen (Taxe 5.000 bis 10.000 EUR).

Jugendstil

Der 17. Mai ist dann der angewandten Kunst vorbehalten. Schmuckvolles aus der Formenvielfalt des Jugendstils kreierte Josef Hoffmann 1908 mit einer originellen quadratischen Brosche, deren Gestalt der Fassade des Ausstellungsgebäudes der Wiener „Kunstschau 1908“ nachempfunden ist. Bunte Schmuckstein-Cabochons sowie aus Silber gefertigte Stäbe bilden die vertikalen Achsen, über ihnen thront ein goldenes, flügelartiges Dach. Das seit der Herstellung in deutschem Familienbesitz beheimatete Stück kann nun für 100.000 bis 200.000 Euro in neue Hände kommen. Die selbe Provenienz weist eine zweite Brosche Hoffmanns von 1908/09 auf, die sich an Elementen der Gartenfassade des Palais Stoclet orientiert. Auch hier stehen 100.000 bis 200.000 Euro auf dem Etikett. Sein aus vergoldetem Silber gefertigtes Armband mit Blätterfries ist mit 20.000 bis 40.000 Euro aufgeführt. Zahlreiche weitere Zierobjekte der Wiener Werkstätte listet der Auktionskatalog mit Taxen von 1.500 bis 20.000 Euro, darunter etwa Carl Otto Czeschkas Schmuckschale mit Schweinen zwischen stilisierten Blättern, Koloman Mosers eleganten feinen Likörkelch von 1904 oder die mit Therese Trethan gemeinsam gestaltete voluminöse hölzerne Spielzeugpuppe.

Kühle Ästhetik ist dann signifikant für die Entwürfe Franz Hagenauers, dessen Paar „Kaktusleuchter“ von 1930 mittels aneinandergesetzter silbrig schimmernder Messingrohre den Eindruck einer konstruktivistischen Skulptur vermittelt (Taxe 8.000 bis 14.000 EUR). Nicht weniger konstruiert ist sein golden leuchtender Messing-„Page“ von 1979/80 , der, einst direkt in der Hagenauer-Werkstatt erworben, seither in Wiener Privatbesitz war und nun für 8.000 bis 16.000 Euro zum Verkauf steht. Nüchtern und sachlich zeigt sich auch Carl Witzmanns vertikal orientierte Deckenlampe, die er 1910 für den Theatersaal im Kasinogebäude der Philips-Werke in Eindhoven entwarf (Taxe 10.000 bis 20.000 EUR). Verspielter wird es dann wieder mit Dagobert Peches Spiegel um 1922, der von einer durchbrochenen Blätter- und Weinrankenschnitzerei bekrönt wird (Taxe 20.000 bis 40.000 EUR).

Keramik steuert Otto Prutscher bei, dessen farbig glasierte und mit Tier- und Pflanzendekor ausgestattete hohe Bodenvase mit einem Schätzpreis von 15.000 bis 25.000 Euro ins Rennen geht. Bekannte Keramikkünstler sind zudem Michael Powolny mit seinem bunt staffierten Frühlingsputto von 1907 oder seiner Uhr um 1911/12, gerahmt von Mädchen mit Rosengirlande (Taxen zwischen 5.000 und 10.000 EUR), oder Bertold Löffler, der sich in seinem Christophorus um 1906/07 mit christlicher Thematik auseinandergesetzt hat (Taxe 3.000 bis 5.000 EUR). Walter Bosse notiert mit drei seiner „Grotesken“ diesmal recht hoch, darunter den Mann mit Antilope der zwischen 1925 und 1928 in der Porzellanmanufaktur Augarten ausgeführt wurde (Taxe 9.000 bis 15.000 EUR).

Ein Beispiel für die Leichtigkeit des französischen Art Nouveau liefert eine Tischlampe der Daum Frères um 1910. Das Glas mit blauen Pulvereinschmelzungen ist mit einer baumumringten Flusslandschaft in Emailfarben bemalt (Taxe 5.000 bis 10.000 EUR). Konkurrent Emile Gallé bietet einen grünen Parfumflakon um 1900 mit reliefierten Blatt- und Blütenauflagen in Rot und Rosa auf (Taxe 5.500 bis 11.000 EUR). Die österreichisch-böhmische Glasproduktion stammt vorwiegend aus der Firma Johann Lötz Witwe; mit dabei sind etwa Franz Hofstötters gelb-violette Vase mit diagonal verzogenem Streifenmuster und Silberauflage um 1900 (Taxe 6.000 bis 10.000 EUR) oder Marie Kirschners weitaus reduzierteres Exemplar von 1904/05 mit violetten Fäden, die zum silbrigen Bereich hin spitz zulaufen (Taxe 7.000 bis 12.000 EUR). Der Katalog listet diesmal auch mehrere Gläser von Leopold Forstner, neben Bechern und Trinkgläsern etwa auch eine Vase mit goldenem Gitternetz und stilisierten Blattmedaillons um 1920 (Taxe 3.500 bis 7.000 EUR).

Antiquitäten

Auf Antiquitätenliebhaber warten etwa eine teils vergoldete französische Girandole mit afrikanischen Musikanten um 1810 für 8.500 bis 16.000 Euro, ein ebenfalls bronzener, lasziver „Génie de la Danse“ von Jean-Baptiste Carpeaux für 12.000 bis 25.000 Euro oder ein farbig gefasster, hölzerner Hirschkopf mit Geweih aus dem 18. Jahrhundert, der mit seiner Muschelkartusche bis zu 20.000 Euro einspielen möchte. In der Salzburger Tradition steht eine um 1420 entstandene gotische Madonna aus Lindenholz mit Resten der originalen Fassung (Taxe 12.000 und 20.000 EUR). Wer einer monumentalen Gestaltung zugeneigt ist, könnte sich für eine im späten 16. Jahrhundert in Tirol entstandene „Auferstehung Christi“ begeistern. Das Lindenholzrelief mit Christus im Strahlenkranz und Wolkenbett, der sich über den überraschten Jüngern und Soldaten erhebt, soll 35.000 bis 70.000 Euro erwirtschaften.

Von einem italo-flämischen Meister stammt eine aus Marmoralabaster gefertigte „Raptus-Gruppe“ um 1600, aus dieser die neunte der zwölf Figuren, nämlich „Herkules im Kampf mit der Amazonenkönigin Hippolyte“ ihren Weg in die Wiener Auktion gefunden hat. In sich schlängelnder, spätmanieristischer Gestalt entreißt Herkules der Amazonenkönigin ihre Waffenmacht. Die 81 Zentimeter hohe Plastik wünscht sich einen Gegenwert von 35.000 bis 70.000 Euro. Etwas jünger ist die dann schon barocke Büste der alten faltenreichen Parze Lachesis, die ein italienischer Meister drastisch aus Marmor gehauen hat (Taxe 25.000 bis 50.000 EUR). Mit Jean-Antoine Houdons klassizistisch beruhigter Marmorbüste der Diana aus den späten 1770er Jahren (Taxe 50.000 bis 100.000 EUR) und Viktor Tilgners realistisch gestalteter Büste der Burgschauspielerin Charlotte Wolter in der Rolle der Sappho bleibt das Skulpturenangebot weiter auf hohem Niveau (Taxe 20.000 bis 40.000 EUR).

Der erste Teil der 107. Auktion beginnt am 16. Juni um 15 Uhr, weiter geht es am 17. Juni ab 15 Uhr. Eine Besichtigung ist bis zum Auktionsbeginn wochentags von 10 bis 18 Uhr, samstags von 10 bis 17 Uhr sowie sonntags von 11 bis 17 Uhr möglich. Der Katalog listet die Objekte unter www.imkinsky.com.

Kontakt:

im Kinsky - Kunst Auktionen GmbH

Freyung 4

AT-1010 Wien

Telefax:+43 (01) 532 42 00-9

Telefon:+43 (01) 532 42 00

E-Mail: office@imkinsky.com



14.06.2015

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Claudia Rauth

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