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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Gegenwartskunst mit hoher deutscher Beteiligung bei Christie’s in London

Heiße Liebe



Feuer spielte als Material der Kunst seit Ende der 1950er Jahre eine wichtige Rolle. Auch Yves Klein ließ sich davon begeistern, bestückte 1957 erstmals eine Holztafel mit sechzehn Feuerwerkskörpern und entzündete sie. Sein „Feux de Bengale – Tableau de feu bleu d’une minute“ kam seiner Vorstellung von der immateriellen und spirituellen Wirkung der Kunst sehr entgegen. In seiner legendären Museumsausstellung „Monochrome und Feuer“ 1961 in Haus Lange in Krefeld entfachte Klein mehrere Feuerfontänen, die wie seine Feuerwand den Nachthimmel blau und orangegelb färbten und ephemere Bild- und Farbkompositionen waren. Auch in seinem Todesjahr 1962 experimentierte Klein mit Feuer und richtete den Flammenwerfer auf einen mit Farbpigmenten bestrichenen Karton. Herauskam sein „Peinture de feu sans titre (FC 27)“ mit Verläufen in seinen charakteristischen Farben Gold, Rosa und Blau sowie Verbrennungsspuren. Dieses Werk ist nun einer der Favoriten der Auktion „Post-War and Contemporary Art“ bei Christie’s in London. Für die 5 Millionen Pfund spricht neben der Marktfrische auch die Provenienz aus der Sammlung François de Menils, Spross’ der legendären amerikanischen Sammlerfamilie.


Auch für Alberto Burri gehörte Feuer und die daraus entstehende Transformation zum Bestandteil seiner Kunst. Für seine „Bianco plastica P“ verschmorte er 1970 eine breite Plastikbahn und verwandelte das durchsichtige, glatte Material in eine schwarze, schrundige Textur (Taxe 2 bis 3 Millionen GBP). Einen Zug ins Zerstörerische, um damit etwas Neues zu kreieren, weisen auch die Bilder Lucio Fontanas auf. Ein dreifach geschlitztes „Concetto spaziale, Attese“ in Knallrot von 1967 listet der Katalog für 2,5 bis 3,5 Millionen Pfund, ein durchlöchertes und mit Sand mondlandschaftartig geformtes „Concetto spaziale“ in Braun und Rot von 1956 für 400.000 bis 600.000 Pfund. Die italienische Suite ergänzen noch eine silbrige reliefierte „Superficie alluminio“, mit der Enrico Castellani 1984 den planen Bildraum wie Fontana durch die Schlitzung in eine dreidimensionale Struktur überführt hat (Taxe 350.000 bis 500.000 GBP), und eine typische in den Länderflaggen gestickte Weltkarte Alighiero Boettis von 1990 (Taxe 1,1 bis 1,5 Millionen GBP).

Bei einer Schätzpreissumme von 82 bis 117 Millionen Pfund für die 76 Lose der Abendauktion am 30. Juni kann Christie’s – wie schon bei der impressionistischen und modernen Kunst in London – diesmal mit seinem Erzrivalen nicht konkurrieren: Sotheby’s bringt es am 1. Juli auf mindestens 140 Millionen Pfund für 59 Lose. Die teuersten Objekte der Auktion stammen von Francis Bacon. Da sind zunächst die unförmigen „Two Men Working in a Field“ von 1971, die 2007 am selben Ort schon einmal 4,5 Millionen Pfund brachten und nun mit 7 bis 10 Millionen Pfund ins Rennen gehen, und dann vor allem die „Study for the Head of Isabel Rawsthorne and George Dyer“ von 1967. Das auf Grün gemalte Diptychon vereint die verzerrten Gesichter von zwei der wichtigsten Personen in Bacons Leben: Der Malerin und Bacon-Vertrauten Rawsthorne sowie seines langjährigen Liebhabers Dyer (Taxe 8 bis 12 Millionen GBP).

Dann macht sich auch schon die deutsche Kunst bemerkbar und redet in London ein Wörtchen mit. Drückende, sommerliche Hitze scheint über Gerhard Richters „Bäumen im Feld“ von 1988 zu liegen (Taxe 4 bis 6 Millionen GBP). Ein frühes Exemplar dieser fotorealistisch-verschwommen Malerei ist sein weiter Blick auf den Meereshorizont in „Seestück (Oliv bewölkt)“ von 1969 (Taxe 2 bis 3 Millionen GBP). Der deutsche Malerfürst steuert noch einige seiner in flirrender Rakeltechnik erstellten „Abstrakten Bilder“ bei, darunter die grautonige Leinwand 685-4 von 1989 (Taxe 2,5 bis 3,5 Millionen GBP) oder das horizontal strukturierte, Spiegeleffekte nachahmende „Kine“ mit der Werknummer 832-4 von 1995 (Taxe 2 bis 3 Millionen GBP). Landschaftlich wird es auch bei Sigmar Polke; doch hat er seine auf zwei unterschiedliche Stoffe aufgebrachte „Mondlandschaft mit Schilf“ von 1969 mit stilisierten Versatzstücken aus der Natur versehen (Taxe 3,5 bis 4,5 Millionen GBP). Weitere drei Arbeiten Polkes machen auf dessen Bedeutung in der Auktion bei Christie’s aufmerksam, darunter das wandfüllende auf Filz gemalte Triumvirat „Ik mach dass schon Je$s“ aus Handwerker, Cowboy und Kriegsheld von 1972 (Taxe 2 bis 3 Millionen GBP).

Sich selbst nahm Martin Kippenberger 1992 auf einer unbetitelten Leinwand aus der Serie der „Hand Painted Pictures“ in klassischer Skulpturenpose und rot-schwarzer Radrennfahrerhose aufs Korn und stellte noch seine berühmte Eiform nebenan (Taxe 2,5 bis 3,5 Millionen GBP). Auch Albert Oehlen nimmt seine Kunst nicht so ernst, wenn er in seinem „Abstrakten Bild 19B“ schriftlich fragt: „Eine neue Spülmaschine?“ Warum nicht? Wenn sie nichts kostet!“ Die gelb-braun-violette Farbschmiererei von 1987 soll 300.000 bis 400.000 Pfund einspielen. Neo Rauchs größtes Gemälde steht bei Christie’s ebenfalls zur Verfügung. Auf über vier Metern Breite hat er 2006 in „B.O.N.S.I.“ eine kryptische Männerszene im Wald geschaffen, die christliche Motive wie Geißelung und Kreuzigung mit einer Kafkaesken Metamorphose verknüpft (Taxe 450.000 bis 650.000 GBP).

Auch eine Frau gehört zur deutschen Riege: Isa Genzken, die sich 2006 dafür ausgesprochen hat, Leonardo da Vincis „Mona Lisa“ auf eine einsame Insel mitzunehmen. Das Gesicht der wohl schönsten Frau der Welt hat sie 2007 dann auch in „Oil XIII“ anspielungsreich mit Fotos von Hunden und Ferkeln collagiert (Taxe 100.000 bis 150.000 GBP). Thomas Schütte macht mit zwei Figurengruppen auf sich aufmerksam. 1994 positionierte er sein kleines bronzenes „Quartett“ mit zwei Krüppeln auf einem hohen stählernen Dreifuß (Taxe 180.000 bis 250.000 GBP), und die drei miteinander verschnürten, schwarz bemalten Männergestalten in „Kleiner Respekt“ können mit der über zwei Meter hohen Plinthe nur aus der Untersicht betrachtet werden (Taxe 500.000 bis 700.000 GBP). Auf einen Kontrast setzt Andreas Gursky in seiner Fotoarbeit „Hong Kong, Grand Hyatt Park II“ von 1994 und stellt dem gepflegten kleinen Garten die schmuddelige Hafenanlage im Hintergrund gegenüber (Taxe 90.000 bis 120.000 GBP).

Die Pop Art ist in London mit ihren Hauptprotagonisten zugegen. Für jeweils 2,2 bis 2,8 Millionen Pfund sind von Andy Warhol das Portrait „Lenin“ mit rot-gelber Konturbetonung aus dem Jahr 1986 und die „Five Deaths“ in Rot zu haben. Roy Lichtenstein folgt mit seinem Stillleben „Apples, Grapes, Grapefruit“ in Comicmanier von 1974 aus der Sammlung Jacobs bei 1,8 bis 2,5 Millionen Pfund. Das britische Sammlerpaar Lord Anthony und Lady Evelyn Jacobs trennt sich außerdem noch von Jean Dubuffets abstraktem Stillleben „Tasse de thé V (utopique)“ von 1966 (Taxe 350.000 bis 450.000 GBP), Ben Nicholsons zweidimensionalen Formüberlagerungen „Nov 51 (Silver and Black)“ von 1951 (Taxe 100.000 bis 150.000 GBP) oder Morris Louis’ bunten vertikalen Pinselstrichen „Number 36“ von 1962 (Taxe 500.000 bis 700.000 GBP). Im Bildhauerischen interessierten sich die Jacobs für Isamu Noguchis elegant abstrahierte, blank polierte Bronze „Strange Bird“, die zwischen 1945 und 1971 elfmal gegossen wurde (Taxe 400.000 bis 600.000 GBP). Nicht mehr so recht in seine Sammlungsstrategie passt Norman Braman eines der Hauptwerke Malcolm Morleys. Der Sammler aus Miami will für das frühe fotorealistische Gemälde „SS Amsterdam in Front of Rotterdam“ von 1966 den neuen Auktionsrekord von 600.000 bis 800.000 Pfund sehen.

Ein weiteres umfangreiches Konvolut stammt aus dem privaten „Museum of Old and New Art“ in Australien, das der Geschäftsmann und Kunstsammler David Walsh 2011 gegründet hat. Seine Wunderkammer wird nun auf Werke der jüngeren britischen Kunstszene verzichten müssen, um einen Neubau für Arbeiten James Turrells zu realisieren. Chris Ofilis aus bunten Stecknadeln und Elefantendung entwickelte „Holy Virgin Mary“ von 1996 war ein Jahr später an der berühmt-berüchtigten Saatchi-Ausstellung „Sensation“ genauso beteiligt wie Jake & Dinos Chapmans von Goya inspirierte, hyperrealistische Leichenteile „Great Deeds Against the Dead“ (Taxe 1,4 bis 1,8 Millionen GBP und 400.000 bis 600.000 GBP). Genauso drastisch geht Jenny Saville 1999 bei ihrem Aktgemälde „Matrix“ vor, in dem sie die Fleischberge einer Frau samt Vagina mit dem Kopf eines Mannes zusammenfügt (Taxe 650.000 bis 850.000 GBP). Die Young British Artists haben zudem noch Tracey Emins Stoffschriftbild „It Always Hurts“ von 2005 für 200.000 bis 300.000 Pfund oder Sarah Lucas’ aus Zigaretten gebildete Drachenskulptur von 2003 für 350.000 bis 450.000 Pfund zu bieten.

Tierisch und auch humorvoll bleibt es mit Maurizio Cattelans „Ostrich“ von 1997. Der ausgestopfte Straußenvogel steckt gerade seinen Kopf in den Holzboden des Museumsraums (Taxe 1,5 bis 2 Millionen GBP). In dieser Preiskategorie rangiert mit 1,8 bis 2,5 Millionen Pfund auch Julie Mehretus zwischen Chaos und Ordnung changierendes Monumentalgemälde „Looking Back to a Bright New Future“ von 2003. Auf den ersten Blick entführt Raqib Shaw in eine bunte, glitzernde, fernöstliche Welt, doch dann entdeckt man in „Absence of God II“ von 2008 auch Totenköpfe, erstochene Gottheiten oder zerfallende Lebewesen (Taxe 700.000 bis 1 Million GBP). Das Gegenteil sind die reduzierten Bilder in R. H. Quaytmans Installation „Constructivismes, Chapter 13“, mit der die 1961 geborene Künstlerin formale und inhaltliche Fragen der Malerei untersucht (Taxe 300.000 bis 500.000 GBP). Die jüngsten Künstler der Auktion sind der 1975 geborene Vietnamese Danh Vo mit seinem „L“ aus dem golden-schäbigen „Alphabet“ von 2011 (Taxe 150.000 bis 200.000 GBP), sein gleichaltriger Kollege Joe Bradley mit einer abstrakten kritzeligen Komposition von 2010 (Taxe 300.000 bis 500.000 GBP) und Brent Wadden, Jahrgang 1979, dessen Dreiecksmotiv in dem aus schwarz-weißen Stoffbahnen gewebten „Alignment“ etwas aus dem Lot geraten ist (Taxe 30.000 bis 50.000 GBP).

Kontakt:

Christie’s

8 King Street, St. James’s

GB-SW1Y 6QT London

Telefon:+44 (020) 78 39 90 60

Telefax:+44 (020) 78 39 83 26

E-Mail: info@christies.com



29.06.2015

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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30.06.2015, Post-War and Contemporary Art Evening Auction

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