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Der norwegische Expressionist Edvard Munch wird oft mit dem Niederländer Vincent van Gogh verglichen. Einen Dialog beider bietet nun das Munch-Museum in Oslo

Nördliches Gipfeltreffen zweier Kunstpioniere



Vincent van Gogh, Selbstbildnis als Maler, 1887/88

Vincent van Gogh, Selbstbildnis als Maler, 1887/88

Am Anfang stellen sich beide persönlich vor. Kratzbürstig geschieht dies bei Vincent van Gogh. Das Betrachterauge konfrontiert ein prasselnder Regen kräftiger kurzer Striche, die unruhig wirbelnd zum Vollbart und dem kurzen rötlichen Bürstenhaarschnitt passen. Ähnlich kleinteilig geben sich die blaugrundige Jacke sowie eine kunterbunte Palette. Starr mustern die dunklen Maleraugen im verschatteten Gesicht konzentriert die Leinwand, deren Rückseite dem Betrachter zugewandt ist. Gleich daneben präsentiert sich Edvard Munch in analoger Pose, seine kritischen Augen auf eine nicht sichtbare Staffelei in freier Natur gerichtet. Sein Blick scheint noch düsterer, fast mürrisch abwägend. Das Kolorit gibt sich blasser, die Striche sind länger, weich geschwungen. Sofort wird deutlich: Beide Künstler verbindet inhaltlich viel, doch jeder interpretiert dies mit seiner spezifischen Handschrift.


In der Vergangenheit wurden Vincent van Gogh und Edvard Munch häufig vergleichend gegenübergestellt. Als Erhebungen des Amsterdamer Van Gogh Museums ergaben, dass Besucher häufig fragten, warum denn der „Schrei“ nicht ausgestellt sei, war den Kuratoren klar, wie intuitiv die Bilder beider Maler im Kopf des Normalbürgers miteinander verbunden sind. Die Wiederkehr von Vincent van Goghs Todestag am 29. Juli vor 125 Jahren und das Bestreben des Osloer Munch-Museums, eine Reihe dialogischer Ausstellungen zu inszenieren, führte zu dieser einzigartigen Kooperation beider Künstlermuseen. Die Doppelausstellung „van Gogh + Munch“, die noch bis Anfang September in Oslo zu sehen ist, zieht dann weiter nach Amsterdam.

Mit dem Parcours aus rund 100 Bildern intendieren die Kuratoren, die Gemeinsamkeiten und trennende Aspekte in einer Mischung aus bekannten und unbeachteten Werken aufzuzeigen. Dies ist so überzeugend gelungen, dass sich eine Reihe von Aspekten fast wie von selbst erschließt. Beide Künstler waren sehr sensibel, hatten seelische Belastungen und Zusammenbrüche durchzustehen, waren starke Alkoholiker und mussten im engsten familiären Umfeld schwere Schicksalsschläge verkraften. Jeder, der aufmerksam die Bilder aufnimmt, wird dies spüren. Hinzu treten vielen motivische Anklänge und generelle malerische Entwicklungen. Schon im zweiten, den Vorbildern gewidmeten Segment zeigt sich ostentativ der Beginn im finsteren akademischen Duktus. Erdfarben abgetönt schaffen beide in den 1880er Jahren überwiegend kleinformatige Landschaftsstudien und Porträts. Bilder von Jozef Israëls, Christian Krohg und Jean-François Millet verdeutlichen ihre Vorbildfunktion für Van Gogh.

Doch Aufenthalte in Paris sollten für beide einen entscheidenden künstlerischen Schub bringen. Spürbar hellt sich ihre Palette auf, die Pinselstriche gehen in Tupfer über, wie der direkte Vergleich zweier Paris-Ansichten eindrucksvoll darlegt, in denen die Künstler das quirlige Großstadttreiben auf den Boulevards vor ihren Atelierfenstern festhielten. Dazu kommen noch Anregungen aus Japan, die sich in flächenhafter Linearität niederschlagen, wie es Munchs „Metabolism“ von 1898 signalisiert. Doch Munch als auch van Gogh streben nach Tiefe, wollen ihren Motiven mehr Gehalt geben. Schon der Vergleich mit exemplarisch eingefügten Gemälden von Claude Monet, Gustave Caillebotte, Georges Seurat, Henri de Toulouse-Lautrec oder Paul Gauguin verdeutlicht den starken Drang nach eigenen Wegen. Mit individuellem Ausdruck bereiten sie auf diese Weise zusammen mit Paul Cézanne und Gauguin dem Expressionismus den Weg.

Die nachfolgenden Abschnitte, geordnet nach thematischen Überschriften wie bildnerisches Denken, Farbe, Strichführung, Dekors, Gleichförmigkeit, stellen Einzelaspekte der teils frappant ähnlichen Sujets heraus. Die Landschaftsbilder Vincent van Goghs fallen durch dicken Farbauftrag und strahlende Farbigkeit auf. Neben der expressiven Verwendung des Kolorits verraten rastlos wirbelnde Linien innere Unruhe. Spiralen und Wellen werden fast bis an die Grenze der Abstraktion getrieben. Deutlich weniger dramatisch sind Munchs Bilder. Linien sind gedehnt, die Farbwahl weniger aggressiv und eher blasser. Trotzdem gelingt es ihm, wie bei dem „Red Virginia Creeper“, die Farbe zu steigern. Brennt das Haus oder ist es lediglich der Anstrich? Daneben wird man bei Van Goghs „Gelbem Haus“ vom grellen Gelb fast schon geblendet.

Ähnlich geschieht dies im letzten, den künstlerischen Statements gewidmeten Abschnitt. Das riesige, fast zwei Drittel der Bildfläche einnehmende knallgelbe Weizenfeld Van Goghs mit dem einsamen kleinen Schnitter wirkt bedrohlich, während der damit korrespondierende Heumäher Munchs die langen Ähren agil aufwirbelt. Während die Schönheit der Landschaft und das helle Licht um Arles Van Goghs Bilder förmlich aufblühen lässt, fließen bei Munch maskenhafte Gesichter augenscheinlich Wahnsinniger ein. In seiner „Sternennacht“ von 1922/24 sind sie dann nur noch als Schatten präsent. Über drei Jahrzehnte zuvor widmete sich Vincent van Gogh der „Sternennacht über der Rhône“. Nirgendwo werden die bedrohliche Resignation und zunehmende geistige Umnachtung deutlicher als hier. Die Sternennächte flankieren eine der vier Varianten des wohl berühmtesten Munch-Motivs, des „Schreis“. Aufflammende Not und Niedergeschlagenheit bringt das aufwallende Sujet zum Ausdruck. Der um 1900 entstandene „Vampir“ mit langen welligen Haaren ist schon mehr den seichteren Wogen des Jugendstils verhaftet.

Vincent van Gogh und Edvard Munch entstammten dem selben Milieu, wurden in streng gläubigen protestantischen Familien geboren und maßgeblich davon geprägt. Komplizierte familiäre Verhältnisse, empfindliche Schicksalsschläge und mentale Zusammenbrüche wirkten sich deutlich auf ihre Kunst aus. Beide reisten nach Paris, um sich von der dortigen Kunstszene anregen zu lassen. Van Gogh gibt sich dabei energievoller, gesteigerter, während Munch eher klarer, malerischer unter besonderer Betonung von Linie und Fläche existentielle Erfahrungen des Lebens in sein Werk einfließen ließ. Beide Vorboten einer neuen Epoche besaßen genaue Kenntnis vom Schaffen des jeweils anderen, was sicherlich nicht ohne Auswirkungen blieb. Eine persönliche Zusammenkunft gilt als unwahrscheinlich und konnte bisher nicht belegt werden. Viel Zeit blieb dafür ohnehin nicht. Vincent van Gogh, geboren 1853 und damit genau zehn Jahre vor Edvard Munch, entschloss sich erst im Alter von 27 Jahren, Maler zu werden, und verstarb 37jährig bereits 1890. Munch überlebte ihn um 54 Jahre.

Während in Amsterdam der 125. Todestag Vincent van Goghs im Zentrum steht, starten die Osloer mit dieser Doppelschau eine Reihe vergleichender Gegenüberstellungen. Sie leiten in den nächsten Jahren über zum Neubau des Munch-Museums direkt im Osloer Stadthafen unweit des 2008 eröffneten Opernhauses. Das neue Munch-Museum wird den in die Jahre gekommenen Altbau von 1963 ersetzen. Dank des ideenreichen Engagements des agilen jungen Kulturdezernenten Hallstein Braaten Bjercke scheint es zu gelingen, Oslo als nordeuropäisches Kunstzentrum zu etablieren. Umfangreiche neue Wohn- und Museumsquartiere im alten Hafengebiet sollen in der langsam anbrechenden Nachölepoche attraktive Akzente auf baukulturellem und künstlerischem Feld setzen.

Aus Deutschland, speziell Berlin, kommt tatkräftige Unterstützung vor allem auf dem Feld der Gegenwartskünste. Das Museum für Zeitgenössische Kunst leitet beispielsweise Sabrina van der Ley, die ehemalige Direktorin der Kunstmesse Art Forum Berlin, der Aufsehen erregende Neubau des Norsk Folkemuseums Venner im Rathaushafen entsteht derzeit nach Plänen des Berliner Architekturbüros Kleihues + Kleihues. Empfehlenswert ist auch ein Besuch des Atelierhauses von Edvard Munch in der Osloer Künstlerkolonie Ekely. Hier arbeitete der Maler ab 1916 bis zu seinem Tod 1944. Heute stellen hier junge Künstler aus.

Die Ausstellung „Van Gogh + Munch. Zwei Meister begegnen sich im Munch-Museum“ ist bis zum 6. September zu sehen. Das Munch-Museum hat täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 120 Kronen, ermäßigt 60 Kronen. Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog erschienen, der im Museum 349 Kronen kostet. Mit der Color Line ist die Ausstellung in Form einer dreitägigen Städtekreuzfahrt von Kiel nach Oslo ab 208 Euro zu besichtigen.

Kontakt:

Munchmuseet

Tøyengata 53

NO-0578 Oslo

Telefon:+ (023) 49 35 00

E-Mail: info.munch@munchmuseet.no



14.07.2015

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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