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Vincent van Gogh im Städel

Die Künstlerfreunde vom Montmartre



Louis Anquetin, Avenue de Clichy, fünf Uhr Abends, 1887

Louis Anquetin, Avenue de Clichy, fünf Uhr Abends, 1887

Vincent van Gogh das verkannte Genie, der stets elektrisierte Einzelgänger, der rastlose Mensch, der überall aneckt und sich schließlich im Juli 1890 aus Verzweiflung und Wahnsinn selbst das Leben nimmt - das ist dramatische Seite, die man allgemein mit dem Künstler aus Holland verbindet. Das Frankfurter Städel stellt nun die Jahre zwischen 1886 und 1890 in den Mittelpunkt der Ausstellung „Van Gogh und die Maler des Petit Boulevard“ und zeigt einen van Gogh, der ehrgeizig um eine Stellung innerhalb der neuen Avantgarde bemüht war.



Eine Vielzahl von Künstlern wollte sich in der zweiten Hälfte der achtziger Jahre des 19. Jahrhunderts als modern und führend in der Kunst ausweisen. Sie alle bauten auf den Errungenschaften des Impressionismus auf, versuchten sich aber gleichzeitig davon absetzen. Dazu bedienten sie sich neuer Malstile, interpretierten die Themen auf eine persönliche Art und untermauerten dies mit eigenen Theorien. Ihr Ziel war es, von der Kritik anerkannt zu werden und einen Markt für die neuen Richtungen aufzubauen.

Als Vincent van Gogh 1886 von Antwerpen nach Paris in die Metropole der Kunst kam, begannen diese Bemühungen um Etablierung und Erfolg gerade. Über seinen als Kunsthändler tätigen Bruder Theo, bei dem er wohnte, knüpfte er bald Kontakte zu den jungen, aufstrebenden Malern. Charles Angrand, Louis Anquetin, Emile Bernard, Paul Gaugin, Henri de Toulouse-Lautrec, Paul Signac, Georges Seurat und Lucien Pissarro gehörten zu den Künstlern, die nach neuen Ausdrucksformen suchten. Sie stellten aber keine festgefügte Gruppe dar. Oft kam es zu Spannungen und Auseinandersetzungen zwischen ihnen, jeder strebte nach individueller Anerkennung.

Da van Gogh bemüht war, von allen zu lernen, spielte er die Unterschiede zwischen den verschiedenen Lagern oft herunter, etwa zwischen der theoretischen Sicht der Pointillisten Seurat und Signac und dem flächigen und expressiven Stil von Gaugin und Bernard. Für seine Kunst übernahm er den kurzen Pinselstrich von Signac und Pissarro und kombinierte diesen mit stark ausgeprägten Konturen und einer kräftigen Farbpalette, die sich von Gaugins Malweise ableiten.

Vincent van Gogh folgte dem Beispiel seines Bruders Theo, der am Montmartre einen Ausstellungsraum unterhielt, und organisierte für die Freunde in den Cafés und Bars am Boulevard de Clichy Ausstellungen. Um die unterschiedlichen künstlerischen Strömungen zusammenzufassen und öffentlichkeitswirksam vorzustellen, bezeichnete er sie als die „Maler des Petit Boulevard“. Diesen Terminus benutzte van Gogh, um sich von den bereits etablierten Impressionisten abzusetzen, die das mondäne Leben im Zentrum von Paris schilderten. Er nannte sie deshalb die „Maler des Grand Boulevard“.

Außerdem umreißt der Begriff den Lebensraum der jungen Künstler an der Peripherie der Seine-Metropole, der sie zu neuen Themen anregte: Die Architektur des Montmartre, das Halbweltmilieu mit Dirnen und Zirkusartisten, die einfachen Leute und das Interieur der Bars und Cabarets hielten Einzug in die Bilder. Der Montmartre, Wohnort der befreundeten Maler und Schriftsteller, wandelte sich in dieser Zeit zu einem städtischen Viertel. Van Goghs Ansicht des „Boulevard de Clichy“ präsentiert eine noch nicht festgefügte und keineswegs prachtvolle Stadtarchitektur. Noch wird die Abfolge der mehrstöckigen Häusern von kleinen, einstöckigen Gebäude unterbrochen. Auch Paul Signacs winterlicher Blick auf denselben, mit wenigen Passanten bevölkerten Boulevard zeugt von dem ehemals kleinstädtischen Charakter der Gegend. Dagegen hält Louis Anquetin eine von vielen schlicht gekleideten Menschen belebte Szene in seinem Gemälde „Avenue de Clichy, Fünf Uhr Abends“ fest.

Die vielen Cafés, Varietés und Bars begründeten den legendären Ruf des Montmartre. Die Halbwelt mit ihren Tänzerinnen und Bardamen, den Sängerinnen, Kurtisanen und ihren Freiern zog auch die Künstler an. Sie griffen die Freuden des abendlichen Vergnügens am Montmartre auf, wie Lucien Pissarro in seiner Gouache „Im Cafe-Concert“, oder stellten die Welt des Zirkus' karikaturhaft übersteigert dar, so in Henri de Toulouse-Lautrecs „Kunstreiterin“. Noch direkter zeichneten Toulouse-Lautrec in „Le Bourge (Der Zuhälter)“ und Bernard in „Die Stunde des Fleisches“ die Dekandez und die Lebensgier des Fin de Siècle nach.

Auch die Umgebung von Paris mit der aufkommenden Industrialisierung weckte das Interesse der Maler. Rauchende Schornsteine und hochaufragende Fabriktürme wurden zu markanten Gestaltungselementen. Paul Signacs „Quai de Clichy“, Vincent van Goghs „Fabriken in Asnières“ und Emile Bernards „Blick von der Brücke in Asnières“ zeugen von der Faszination der Künstler am schnellen technischen Fortschritt, der für sie zum Inbegriff des modernen Lebens wurde.

Doch mit der Zeit sehnten sich etliche der Freunde nach einem ursprünglichen Leben fernab des Fortschritts und der Hektik von Paris. 1886 machten sich Emile Bernard und Paul Gaugin erstmals in die Bretagne auf. Dort prägte das rauhe Klima den unberührten Charakter der Landschaft und das einfache Leben der Menschen. Die bäuerliche Welt bestimmte fortan die Bilder der Künstler, wie in Gaugins „Ernte in der Bretagne“ oder Bernards „Apfelernte“. Auch Vincent van Gogh trieb es aus der Stadt. 1888 zog er, wie schon ein Jahr zuvor Paul Signac, nach Südfrankreich. Dort ließ er sich in Arles nieder. Den Gedanken an eine Zusammenarbeit mit den Künstlerfreunden gab er aber nicht auf und gründete das „Atelier du Midi“. Obgleich ihm nur Paul Gaugin dorthin folgte, galt die Einladung allen Pariser Künstlerfreunden.

In der Provence griff er auf das zurück, was er in Paris gelernt hatte, und versuchte die Eindrücke der Landschaft mit den erworbenen Stilmitteln umzusetzen: Die festen Formen lösten sich auf und folgten einem schwungvolleren Pinselstrich. Auch die Farbpalette entwickelte sich unter dem hellen Licht des Südens hin zu ungemischten Farben. Deutlich werden diese Züge am „Weizenfeld mit Zypressen“: Das leuchtende Gelb des Getreides setzt einen kräftigen Farbakzent und läßt die grünen und blauen Töne leuchten. Durch die runde Pinselführung züngeln die Zypressen wie Flammen empor und in den Gebüschen verdichten sich die spontan gesetzten Striche zu wirbelnden Strukturen.

Die Ausstellung „Vincent van Gogh und die Maler des Petit Boulevard“, die vom Saint Louis Art Museum organisiert wurde, läuft noch bis zum 2. September. Geöffnet ist am Montag von 11 bis 20 Uhr, Dienstag bis Sonntag von 10 bis 20 Uhr, mittwochs und donnerstags zusätzlich bis 22 Uhr. Der broschierte Katalog, der von Cornelia Homburg herausgegeben wurde, kostet in der Ausstellung 49,90 Mark.

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Städelsches Kunstinstitut
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D-60596 Frankfurt am Main

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Telefax: +49 (0)69 – 61 01 63

Kontakt:

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E-Mail: info@staedelmuseum.de



23.08.2001

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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 Quai de Clichy, 1887
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Lucien Pissarro, Im Cafe-Concert, 1889
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Henri de Toulouse-Lautrec, Kunstreiterin (Im Cirque Fernando), 1887/88
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Paul Signac, Quai de Clichy, 1887

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Lucien Pissarro, Im Cafe-Concert, 1889

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Henri de Toulouse-Lautrec, Kunstreiterin (Im Cirque Fernando), 1887/88

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Vincent van Gogh, Weizenfeld mit Zypressen, 1889

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Vincent van Gogh, Boulevard de Clichy, 1887

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Paul Gaugin, Ernte in der Bretagne, 1889

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