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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Recht gut gelaunt beendeten die Auktionatoren im Wiener Dorotheum ihre Versteigerung von Gemälden des 19. Jahrhunderts

Flirten auf Polnisch



Jan Matejko, Portrait Carol Gilewski, 1872

Jan Matejko, Portrait Carol Gilewski, 1872

Wieviel Einflusskraft ein durchdringender Blick haben kann, zeigte die vergangene Auktion „Gemälde des 19. Jahrhunderts“ im Wiener Dorotheum bei Jan Matejkos Portrait von Carol Gilewski zur Freude seines Einlieferers. Nachdem der Krakauer Gerichtsmediziner und einstiger Leiter der chirurgischen Abteilung im Jahr 1872 verstarb, trat seine Frau Emilie an den studierten Maler und Krakauer Akademiedirektor Matejko heran und gab das Bildnis in Auftrag. Der im schwarzen Mantel gekleidete und mit üppiger goldener Kette ausgestattete Professor wendet seinen Blick in fesselnder, fast manipulativer Weise dem Betrachter zu, seine visionären, stahlblauen Augen stehen für die Fortschrittlichkeit seiner antiklerikalen Denkweise und für seine zukunftsweisenden Operationsmethoden. So verlieh Matejko dem Portrait eine tiefere Bedeutungsebene, denn nicht der Dargestellte, sondern die malerische Umsetzung seines wachen Geistes und dessen, was er der Medizin an innovativen Denkansätzen beschert hat, evoziert die Magie des Gemäldes. Dieser selbstsichere polnische Flirt mit dem Wiener Publikum war von Erfolg gekrönt und spielte satte 280.000 Euro in die Kassen, was einer Verdoppelung der oberen Schätzung von 140.000 Euro entsprach.


Ein weiteres Portrait mischte am Ende auf den vorderen Plätzen mit. Der Italiener Fausto Zonaro, der unter anderem als Hofmaler des Sultans Abdülhamid II. von Istanbul tätig war, schuf 1914 ein Selbstbildnis, das ebenfalls von der Eindringlichkeit des tiefen, aber diesmal gutmutigen Blicks lebt. Am Höhepunkt seiner Karriere angekommen, stellte Zonaro sich mit Brille und Spitzbart dar, sein schwarzer Mantel und der Kopf bedeckende Fes unterstreichen das charismatische Wesen, das schon 2014 bei einer jugendlicheren Selbstbefragung in einer Auktion des Dorotheums für die Überwindung des angesetzten Wertes sorgte und aktuell mit einem Hammerschlag bei 85.000 Euro nun wieder zufriedene Gesichter zauberte (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR). Auch wenn einige hoch taxierte Stücke liegenblieben, etwa B. Bachmann-Hohmanns Schlacht bei Karakal zwischen der russischen Kavallerie und einer übermächtigen türkischen Armee am 28. Mai 1854 (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR) oder Tina Blaus Frühlingslandschaft „An der Schleißheimerstraße“ (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR), verlief die Oktober-Versteigerung mit einer losbezogenen Zuschlagsquote von 63,5 Prozent recht erfolgreich. Zudem sorgten immer wieder kleine positive Überraschungen für eine ausgelassene Stimmung.

So erntete Giuseppe Sciutis 1877 entstandene Ölmalerei „Le gioie della buona mamma“ 73.000 Euro. Das noch im Entstehungsjahr in Melbourne ausgestellte und damals preisgekrönte Gemälde einer stillenden Mutter, deren andere zwei Söhne mit einer Magd die italienische Geografie studieren, zeugt von gemütlicher Intimität bei nobler Umgebung und kostbaren Gewändern. Die moralische Tragkraft eines intakten Familienlebens steht im Mittelpunkt der Komposition und wird durch die qualitativ hochwertige Ausführung und die kraftvoll leuchtende Farbpalette unterstrichen (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR). Auch die meisten anderen Werke Sciutis aus einer erst vor kurzem entdeckten Sammlung ließen die Kunden im Dorotheum nicht kalt. Seine der römischen Antike entlehnte Szene „Trionfo dei Catanesi sui Libici“ mit tosender Menschenmenge gab es für 26.000 Euro (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR), und „Un dolce disturbo“ in Gestalt eines kleinen aufwachenden Säuglings, der seine Mutter bei ihrem Nickerchen stört, um seine Milchration einzufordern, konnte seine untere Schätzgrenze von 40.000 Euro bestätigen.

Insgesamt lag die Nachfrage nach Gemälden italienischer Künstler hoch. Weniger klassische Weiblichkeit, dafür umso mehr Stärke und Willenskraft verlieh Vincenzo Irolli seiner „Fischverkäuferin“, die mit flinkem, sicherem Pinselstrich auf die Leinwand kam. Abgekämpft, aber zielstrebig hält sie ihren Eimer, der von aussortiertem Beifang umgeben ist. Selbstbewusst erzielte die junge Arbeiterin einen Zuschlag bei 50.000 Euro (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR). Noch mehr Genre bot Antonio Rotta, der mit seinem sympathischen Lausbubenbild „Bitte läuten!“ auftrumpfen konnte. Die zwei Jungs mühen sich in einer beengten Vorhofkulisse mit allem Erfindungsreichtum ab, den Zug der Klingel zu erwischen. Der Aufwand hat sich gelohnt, es sprangen erfreuliche 26.000 Euro heraus (Taxe 7.000 bis 10.000 EUR). Für die Alpenregion Aosta und deren gewaltige schneebedeckte Bergformationen interessierte sich der gebürtige Römer Cesare Maggi, der auf Studienreisen seine Faszination für Winterlandschaften entdeckte. Seine „Ansicht von Entrèves in Courmayeur“ ist eine Ergänzung einer mehrteiligen Bilderreihe, die der Künstler 1935 der Gemeinde widmete und nun für 29.000 Euro im oberen Schätzbereich den Besitzer wechselte. Consalvo Carellis feinteilig modellierter Blick auf den Lago d’Averno bei Pozzuoli fand im Publikum so viel Zuspruch, dass er leicht die Schätzung von 15.000 bis 20.000 Euro überstieg und 24.000 Euro einfahren konnte.

Die in die 1880er Jahre datierte Sicht auf die venezianische Lagunenstadt Chioggia von Guglielmo Ciardi zeigt die Ruhe des Meeres, die wärmende Wirkung des Sonnenlichts, die malerische Topografie der Ufersiedlung sowie das routinierte Leben der Fischer mit ihren Booten, die einem Bieter den oberen Schätzwert von 40.000 Euro wert war. Trotz lebhaften Menschengetümmels arrangierte Carlo Canella seine „Piazzetta San Marco in Venedig“ betont vedutenhaft. Der ostwärts gerichtete Blick fällt zunächst auf die berühmte Säule mit dem geflügelten Markuslöwen und danach auf die typisch venezianische Gotik des Dogenpalastes. Unzählige kleine Figürchen füllen das Stadtleben, die bewegte Atmosphäre und die alltäglichen Aktivitäten geben der Ansicht eine frische Lebendigkeit, die es auf 34.000 Euro brachte (Taxe 18.000 bis 22.000 EUR). Rubens Santoro drang tiefer in die Serenissima ein und schilderte in seinem „Kanal von Venedig“ die ruhige Seite der Stadt mit einem einsamen Gondoliere im Boot. Der verträumte Blick auf das ruhige Fleckchen erwirtschaftete 28.000 Euro (Taxe 25.000 bis 30.000 EUR). Bei den Venedig-Veduten mischten dann auch noch einige Ausländer mit, so Antonietta Brandeis mit zwei Kanalblicken für 9.000 Euro und 8.000 Euro oder Karl Kaufmann mit seiner Sicht von der Punta della Dogana über das Markusbecken auf den Dogenpalast für 12.000 Euro (Taxe je 7.000 bis 10.000 EUR). Friedrich Eibner verschlug es dagegen nach Spanien, wo er sein Motiv mit der gotischen Kathedrale von Toledo fand und es mit einer Prozession ausstaffierte. Das Gemälde von 1873 verdreifachte seine untere Schätzung auf 15.000 Euro.

Auf die vorderen Ränge der Auktion drängelten sich noch einige russische Maler. Dem alltäglichen Lärm entheben wollte Julius Sergius Klever seine „Winterlandschaft mit Schilf“. Als Hochformat angelegt, sind es die langen Schilfhalme, die den Blick in Richtung eines stillen Gewässers mit tief verschneiter Hütte freigeben. Tief orangerotes Sonnenlicht vermittelt eine heimelige Abendstimmung, die mehrere Bieter auf den Plan rief. Sie einigten sich auf 50.000 Euro (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR). Ivan Konstantinovich Ajvazovskij war als russischer Marinemaler bestens mit den Lichtphänomenen rund um sich bewegendes Gewässer vertraut. Technisch sicher und farblich meisterhaft komponierte er 1898 sein „Abendrot mit Fischer am Strand“, eine stille Symbiose von Wasser, Licht und Luft, bei der nur die dunklen Silhouetten eines großen Dampfers und eines Fischers am Ufer das Naturschauspiel unterbrechen. Tiefdunkles Blau, gepaart mit weichem Violett und satten Orangetönen bis hin zu lichtem hellen Gelb, kam bei den Kunden gut an und brachte es auf die obere Schätzgrenze von 45.000 Euro. Gespür für landschaftliche Erscheinungen und die Kraft der Natur bewies auch Nikolai Bogdanov-Belsky bei seinem „Sonnigen Tag im Winterwald“. Zwar klirrend kalt, aber mittels vielfältiger rosa- und fliederfarbener Töne in eine warme, ferienhafte Stimmung getaucht, gelang dem Moskauer Akademiemaler eine liebevolle Naturdarstellung, die in ihrer momenthaften Technik von den persönlichen Erfahrungen des Künstlers bei seiner Parisreise zu Studienzeiten profitiert hat. Sie erreichte ihre untere Schätzgrenze von 25.000 Euro.

Franz Xaver Simms rokokohafte „Galante Szene“ von einem seine Verehrerin umgarnenden jungen Mann in vornehmer Umgebung sorgte für schwärmerische Gefühle bei 15.000 Euro (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR). Hochgehandelt betrat die „Wilde Jagd“ von Alexander Koester das Parkett, seine schnatternden und kämpfenden Enten in brausender Wellengischt bestätigten aber ihre Favoritenposition nicht und blieben im Depot zurück (Taxe 120.000 bis 125.000 EUR). Dafür trösteten seine milder gestimmten, in Harmonie vereinten „Vier Enten am Weiher“ in warmer Abendsonne etwas über die Niederlage hinweg und schwammen bei 32.000 Euro davon (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR). Die untere Schätzgrenze von 7.000 Euro bestätigte der Wiener Landschafts- und Tiermaler Edmund Mahlknecht bei seiner „Tierherde mit Hirten am Seeufer“, ebenso wie die von unzähligen kläffenden Hunden, die ein verschrecktes Füchslein stellen, bevölkerte „Fuchsjagd“ von Thomas Blinks mit 15.000 Euro. Das imposante aquarellierte „Löwenpaar auf der Lauer“ von Wilhelm Kuhnert kam nur auf 9.500 Euro (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR).

Die üppig vertretene Landschaftsmalerei anderer Länder ließ auch diesmal keine Wünsche offen. Das honorierte das Publikum etwa bei Edward Theodore Comptons „Blick auf den Großglöckner vom Ködnitztal aus gesehen“ mit 17.000 Euro (Taxe 7.000 bis 10.000 EUR). Sein Sohn Edward Harrison Compton trat in väterliche Fußstapfen und malte ein Motiv aus dem Wettersteingebirge: Sein „Blick von der Zugspitze über das Zugspitzblatt in Richtung Hohe Munde“ schlug mit 13.000 Euro zu Buche (Taxe 12.000 bis 16.000 EUR). Mit einer auf den Stufen einer ruinösen Parklandschaft niedergesunkenen Frau hat Ferdinand Knab seine abendlich dunkle Waldszene zur „Elegie“ umgestaltet. Das Gemälde von 1866 kostete 10.000 Euro (Taxe 2.500 bis 3.500 EUR). Aber auch luftig helle Mittagssonne wurde gern gesehen und durch das „Küstenmotiv aus Lovrana, Istrien“ der Triester Malerin Lea von Littrow würdig repräsentiert. Viele zarte Farbtupfer aus Hellblau und Weiß ergeben eine weich-impressionistische Ansicht eines Ufers, das eine rot gekleidete Wäscherin über steinige Stufen erreichen möchte. Sorglos und leichtfüßig berappte ein Bieter 17.000 Euro (Taxe 7.000 bis 9.000 EUR). Und auch Marie Egners Ölstudie „Zur Tagesneige bei Alassio“ bestätigte problemlos ihre obere Schätzgrenze von 16.000 Euro.

Alle Preise verstehen sich als Zuschläge ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Dorotheum

Dorotheergasse 17

AT-1010 Wien

Telefon:+43 (01) 515 60 0

Telefax:+43 (01) 515 60 443

E-Mail: client.services@dorotheum.at



11.11.2015

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Claudia Rauth

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Taxe: 20.000 - 30.000 EURO

Zuschlag: 26.000,- EURO

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Consalvo Carelli, Der Lago d’Averno bei Pozzuoli

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Taxe: 15.000 - 20.000 EURO

Zuschlag: 24.000,- EURO

Losnummer: 1137

Guglielmo Ciardi, Chioggia, 1880er Jahre

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Taxe: 30.000 - 40.000 EURO

Zuschlag: 40.000,- EURO

Losnummer: 1131

Ivan Konstantinovich Ajvazovskij, Abendrot mit Fischer am Strand, 1898

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Taxe: 35.000 - 45.000 EURO

Zuschlag: 45.000,- EURO

Losnummer: 1215

Alexander Koester, Vier Enten im Weiher

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Taxe: 30.000 - 40.000 EURO

Zuschlag: 32.000,- EURO

Losnummer: 1261

Giuseppe Sciuti, Le gioie della buona mamma, 1877

Giuseppe Sciuti, Le gioie della buona mamma, 1877

Taxe: 50.000 - 70.000 EURO

Zuschlag: 73.000,- EURO

Losnummer: 1140

Rubens Santoro, Kanal in Venedig

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Taxe: 25.000 - 35.000 EURO

Zuschlag: 28.000,- EURO

Losnummer: 1112

Carlo Canella, Die Piazzetta San Marco in Venedig

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Taxe: 18.000 - 22.000 EURO

Zuschlag: 34.000,- EURO

Losnummer: 1136

Giuseppe Sciuti, Un dolce disturbo, 1885

Giuseppe Sciuti, Un dolce disturbo, 1885

Taxe: 40.000 - 60.000 EURO

Zuschlag: 40.000,- EURO

Losnummer: 1146




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