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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Neumeisters Sonderauktion: Expressionistische Druckgrafik aus dem Nachlass Lothar-Günther Buchheims im Bernrieder Buchheim Museum

Von Tod und Auferstehung



Der kämpferische Lothar-Günther Buchheim aus Weimar war nicht nur Kriegsveteran, Maler, Fotograf, Romanautor und Verleger. Sein kaum zu bändigendes Interesse am Kunstgeschehen seiner Zeit bewog ihn, sich neben seiner aktiven Tätigkeit als Künstler eine eigene Sammlung zuzulegen. In den 1950er Jahren begann er in einer Stuttgarter Galerie, grafische Blätter von Brücke-Künstlern sowie Mitgliedern des Blauen Reiters zu erwerben. Von deren radikalem Formenrepertoire beeindruckt, entfaltete sich sein anfängliches Interesse zu einer großen Leidenschaft. So etablierte Buchheim eine stattliche Sammlung und avancierte zum Spezialisten für das avantgardistische Medium des Holzschnittes und dessen zeitgemäße Aneignung. Nun soll ein umfangreicher Teil aus dem privaten Nachlass des 2007 verstorbenen Künstlers über den Münchner Versteigerer Neumeister unter den Hammer kommen. Als Auktionsort dienen nicht die Münchner Räumlichkeiten, sondern das 2001 mittels einer Stiftung von Buchheim ins Leben gerufene „Museum der Phantasie“ in Bernried am Starnberger See.


Beachtlich fundiert baute Buchheim seinen Kunstbesitz auf. Er überließ zeitlebens nichts dem Zufall, wägte bis ins Kleinste ab, blieb stets zielstrebig und passioniert, wollte uneingeschränkt Kontrolle behalten. Darum erwarten den Interessierten Arbeiten, die unter Sorgfalt und Hingabe zusammenkamen und nun von einer externen Provenienzforscherin geprüft worden sind. Ein Highlight der umfangreichen Auktion markiert die 1921 entstandene Kaltnadelradierung „Selbstbildnis mit steifem Hut“ von Max Beckmann. Der kräftige Abzug des dritten Zustands besticht durch den tiefen, frontalen Blick des Dargestellten. Viele Striche und Linien modellieren das vom Leben gezeichnete Gesicht. Dieses Hauptblatt Beckmannscher Selbstportraits führt mit einem Schätzwert von 40.000 bis 60.000 Euro das gut 30teilige Beckmann-Konvolut preislich an, das ansonsten mit „Zwei Frauen“ in Umarmung von 1922 (Taxe 1.000 bis 1.500 EUR), einer Dame bei der „Toilette“ von 1923 (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR) oder einem wertgleichen „Schlafenden Mädchen im Kornfeld“ von 1922 aufwartet. Teurer wird es bei Max Beckmann noch einmal mit einer weiteren Selbsterkundung. 1922 sah er sich „Selbst im Hotel“ zigarrerauchend und zeichnend mit zwei Spiegel im Hintergrund gleich dreimal und eröffnete mit dieser Lithografie seine Folge „Berliner Reise“ (Taxe 15.000 bis 25.000 EUR).

Mit seinem 50teiligen Radierzyklus „Der Krieg“ von 1924 verarbeitete Otto Dix seine persönlichen Erlebnisse an der Front. Die Blätter sind von bewegender Authentizität, denn als Zeuge seiner Zeit musste er im Ersten Weltkrieg Schreckliches erleben. Schonungslose Darstellungen wie „Gastot“, „Pferdekadavar“ oder „Fliehender Verwundeter“ schildern die grauenerregenden Umstände auf dem Schlachtfeld. Dabei pendelt Dix stets zwischen sachlicher Protokollierung und individueller Wahrnehmung als Leidender unter den Erfahrungen abscheulicher Handlungen. Als einem von 70 gedruckten Exemplar soll das gut erhaltende Monumentalwerk für 100.000 bis 150.000 Euro den Besitzer wechseln. Wer sich lediglich für einzelne Blätter aus der Mappe interessiert, für den hält die Versteigerung einige Einzelexemplare bereit, wie zum Beispiel die vielfigurige Schilderung „Abgekämpfte Truppe geht zurück (Sommeschlacht)“ (Taxe 3.000 bis 5.000 EUR) oder einen im Dunkel liegenden „Toten im Schlamm“ (Taxe 2.000 bis 3.000 EUR). Außerhalb der „Kriegs“-Serie schockiert Dix mit Szenen aus seiner Folge „Tod und Auferstehung“ von 1922. Sein unverhohlen geschilderter „Lustmord“ (Taxe 2.000 bis 3.000 EUR) oder die von einer Leiche bedeckten „Barrikade“ sind nichts für seichte Gemüter (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR).

Als „Brücke“-Mitbegründer hat auch Erich Heckel seinen Platz in der Buchheimer Sammlung. Hafen- und Strandschilderungen liegen bei 800 bis 1.000 Euro, eine in groben Linienduktus gehaltene „Ruhende“ von 1914 wünscht sich 2.000 bis 3.000 Euro. Auch Otto Mueller schloss er sich der expressionistischen „Brücke“-Vereinigung an. Seine „Drei Mädchen im Profil“ von 1921 aus der Mappe „Kreis graphischer Künstler“ haben ihren Kopf gesenkt, ihre Blicke suchen nachdenklich den Boden. Als separater Abzug außerhalb der Auflage verlangt die Lithografie 5.000 bis 7.000 Euro, während der Auktionskatalog dasselbe Motiv als eines von 150 unsignierten Exemplaren für 1.500 bis 2.500 Euro listet. Im „Brücke“-Kreis darf auch der Name Karl Schmidt-Rottluff nicht fehlen. Nach der Auflösung der „Brücke“ 1913 entwickelte er eine zunehmend reduziertere Formensprache, der Holzschnitt als Technik sowie der tragische Krieg als Inhalt gewannen zunehmend an Bedeutung in seinem Schaffen. So lebt auch seine personifizierte „Melancholie“ von 1914 von satt-schwarzen Flächen, einer geometrisch-reduzierten Formensprache bei gleichzeitiger Sichtbarmachung schwerlastender Gefühle (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR). Der Wahlfranzose Max Ernst mischt mit einem von seinem Studienkollegen Patrick Waldberg herausgegebenen 19teiligen Farblithografie-Buch „Aux Petits Agneaux“ von 1971 mit, das mit 800 bis 1.000 Euro ins Auktionsgeschehen geht.

Lothar-Günther Buchheim fühlte sich nicht nur zu deutschsprachigen Künstlern hingezogen, als beflissener Sammler hatte er auch ein Gespür für das Kunstschaffen in Frankreich oder Spanien und bereicherte darum ab den 1960er Jahren seinen Bestand um Werke von großen Namen der internationalen Kunstszene. Als gelernter Dekorationsmaler kam Georges Braque 1902 zum Kunststudium an die Pariser Académie Humbert und lernte dort den Impressionismus kennen, später entwickelte er dann neuartige kubistische Ausdrucksweisen. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg widmete er sich verschiedenen Druckverfahren und verfeinerte deren Umsetzungsmöglichkeiten. Von 1958 stammen seine als Farblithografie geschaffenen „Pommes et feuilles“, die als schlichtes Stillleben vor braunem Hintergrund in Erscheinung treten (Taxe 1.500 bis 2.000 EUR). Russisch-jüdischer Herkunft entstammt Marc Chagall, der erstmals 1910 in Paris weilte. In der Neumeister-Versteigerung steht unter anderem sein 103teiliges zwischen 1931 und 1957 entstandenes Mappenwerk „Bible“ zum Verkauf. Als eine seiner umfangreichsten Grafikmappen mit langem Schaffensprozess gelang ihm damit eine mit Lichteffekten ausgestattete Vergegenwärtigung biblischer Geschichten in lebendiger Weise (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR). Ein sonnig-farbiger Beitrag Chagalls heißt „Bonjour sur Paris“, der für 6.000 bis 8.000 Euro ein schwebendes Liebespaar unter freiem Himmel, einen Blumenstrauß und einen Hahn zeigt.

Henri Matisse steht ebenfalls auf dem Plan, ein aus wenigen Linien bestehendes „Portrait de Claude“ von 1946 beispielsweise ist mit 2.000 bis 2.500 Euro im Rennen. Fernand Léger tritt mit seiner kräftiger ausformulierten Farblithografie „Les femmes au perroquet“ von 1952 für 5.000 bis 7.000 Euro hinzu. Als Kenner des globalen Kunstmarktes schaffte sich Buchheim auch Arbeiten von Joan Miró an. Seine mit weichen Formen spielende Radierung „Daphnis et Chloe“ von 1933 ist gleich zweimal in der Auktion mit 2.000 bis 3.000 Euro zugegen, während sich sein Zeitgenosse und Landsmann Pablo Picasso mit unterschiedlichen Positionen hervortut. Zwei cartoonartig angelegte und vom Spanischen Bürgerkrieg erzählende Aquatintaradierungen „Sueno y Mentira de Franco“ von 1937 warten jeweils auf 2.000 bis 3.000 Euro, ebenso wie der Farblinolschnitt „Vallauris 1960 Exposition“, der als Plakat für eine im Juli 1960 ausgerichtete Ausstellung in Cannes diente. Nach seinem Gemälde „Buste de femme au chapeau bleu (Dora Maar)“ von 1944 ließ Picasso rund zehn Jahre später eine Farblithografie in sattem Curry und Royalblau anfertigen (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR).

Betont religiös waren die Inhalte von Georges Rouaults Kunst, der, ursprünglich den Fauvisten angehörend, zunehmend expressionistisch arbeitete, aber stets die Religion ins Zentrum seines Schaffens behielt. Für 3.000 bis 5.000 Euro bietet Buchheims Sammlung 31 Blätter aus Rouaults Folge „Miserere“, die zwischen 1922 und 1927 entstand. Der Zyklus umfasst eigentlich 58 Blätter und wurde 450 Mal gedruckt. Er schildert persönliche religiöse Ansichten der katholischen Reformbewegung seiner Zeit und verknüpft den Glauben mit den Erfahrungen des Krieges. Als besondere Position aus der Fotografie tut sich ein 114seitiges Buch von Henri Cartier-Bresson hervor. In originalem Pappband von 1955 präsentiert sich die mit Schwarz-Weiß-Fotografien gefüllte Erstausgabe als 80 bis 100 Euro günstiges Schnäppchen.

Die Auktion beginnt am Samstag den 28. November um 15 Uhr. Die Vorbesichtigung ist bis zum Auktionsbeginn im Buchheim Museum in Bernried parallel zu der Gedächtnisausstellung „Marché sentimental – Schätze aus dem Nachlass Buchheim“ dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr möglich. Der Internetkatalog listet die Objekte unter www.neumeister.com.

Museum Buchheim
Am Hirschgarten 1
D-82347 Bernried

Telefon: +49 (0)89 – 23 17 100
Telefax: +49 (0)89 – 23 17 155

Kontakt:

Neumeister Münchener Kunstauktionshaus

Barer Straße 37

DE-80799 München

Telefax:+49 (089) 23 17 10 55

Telefon:+49 (089) 231 71 00

E-Mail: auctions@neumeister.com



27.11.2015

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Claudia Rauth

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Otto Mueller, Drei Mädchen im Profil (Drei Mädchenköpfe), 1921
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Otto Mueller, Drei Mädchen im Profil (Drei Mädchenköpfe), 1921
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Otto Mueller, Drei Mädchen im Profil (Drei Mädchenköpfe), 1921

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Taxe: 1.500 - 2.500 EURO

Zuschlag: 2.700,- EURO

Losnummer: 100

Otto Mueller, Drei Mädchen im Profil (Drei Mädchenköpfe), 1921

Otto Mueller, Drei Mädchen im Profil (Drei Mädchenköpfe), 1921

Taxe: 5.000 - 7.000 EURO

Zuschlag: 7.500,- EURO

Losnummer: 99

Otto Mueller, Zwei Figuren am Waldbach 2 (Waldlandschaft), 1921/22

Otto Mueller, Zwei Figuren am Waldbach 2 (Waldlandschaft), 1921/22

Taxe: 1.000 - 2.000 EURO

Zuschlag: 2.600,- EURO

Losnummer: 101




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