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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Die Zeitgenossen geben sich die Ehre bei Lempertz in Köln und besonders die Künstlergruppe ZERO ist prominent vertreten. An der Spitze stehen ein Lichtrelief von Heinz Mack, eine Feuerleinwand von Otto Piene und ein zweidimensionaler Wald Günther Ueckers

Die fabelhaften ZERO-Boys



Wie so oft in den letzten Jahren schwingt in Lempertz’ Gegenwartskunstauktion auch diesmal wieder die Künstlergruppe ZERO das Zepter und offeriert die höchsten Taxierungen des Tages. Spitzenreiter ist Günther Ueckers aus Ästen, Nägeln, Asche, Leim und Kohle gefertigter „Wald“ von 1992. Für 450.000 bis 500.000 Euro ist der Name Programm: Um die Beziehung zwischen Natur und Mensch darzustellen, hämmerte Uecker einen dichten Astwald entgegen der natürlichen Wuchsrichtung auf eine Holzplatte und spielt mit der Gegensätzlichkeit der Materialität. Für den kleineren Geldbeutel gibt ist auch eine unbetitelte Nagelung auf einer 60 Zentimeter langen Holzleiste; die 40.000 bis 50.000 Euro teure Arbeit ist eines von 30 Teilen eines über drei Meter langen Nagelobjekts, das Uecker während einer selbstironischen Aktion 1981 mit einer Axt eigenhändig zerstückelte.


Ruhiger geht es am 28, November bei einem Lichtrelief Heinz Macks zu: Die aus der Münsteraner Sammlung Dobermann kommende Holztafel von 1964 entwickelt ihre besondere Dynamik aus der Lichteinwirkung auf ihr Obermaterial Aluminium und gehört zu Macks zentraler Werkgruppe. Sein Versuch, ästhetische Bewegung sichtbar zu machen und mittels Vibration den reinen Ausdruck des Lichts zu formulieren, kann man für 100.000 bis 150.000 Euro erstehen. Seine seit 1956 entstandenen „Dynamischen Strukturen“ sind als Schlüsselwerke auf dem Weg zu seinen Lichtreliefs und -kuben zu bewerten und sind zugleich Ausdruck der künstlerischen Auflehnung gegen den seinerzeit vorherrschenden, spontan agierenden Tachismus. Die vorliegende Arbeit aus dem Jahr 1962 setzt denn auch auf gestalterische Reduktion zu schwarzen Linien und Rillen und ist mit 150.000 bis 180.000 Euro bewertet. Eine kleinere unbetitelte Variante aus schwarzer Kreide auf Bütten von 1970 ist bereits ab 25.000 Euro zu haben. Bei 60.000 bis 80.000 Euro rangiert hingegen Macks Acrylarbeit „Doppel-Karo“ von 1996, eine bunte Leinwand mit zwei zentralen dunkelblauen Quadraten aus den „Chromatischen Konstellationen“.

Zahlreich vertreten ist auch das Œuvre Otto Pienes. Die Offerte führt seine winterlich weiße „Retinal Sun“ von 1973 mit 200.000 bis 250.000 Euro an. Instrumentalisierte Mack das Aluminium und Uecker den Nagel zur Visualisierung der ZERO-Grundprinzipien, so wählte Piene das Feuer und behielt dies auch nach der Auflösung des Künstlerkollektivs 1966 konsequent bei. Arbeiten wie die in Köln angebotene, große quadratische Leinwand mit ihrem runden, eisblauen Zentrum sind von zeitloser Schönheit und vibrierender Dynamik. „Retinal Sun“ macht es möglich, das schwelende Zentrum einer Flamme zu erfahren und Licht und Energie auf ein flaches Medium gebannt zu empfinden. Von der Dunkelheit und Brutalität des Feuers künden hingegen sein rußiger „Roter Sturm“ von 1964 (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR), die neblig auslaufende Leinwand „Dunkel“ von 1973/74 (Taxe 40.000 bis 50.000 EUR) sowie das blutrote Ölbild „Run“ von 1978 (Taxe 50.000 EUR). Die Transformation lebendiger Lichtreflexionen ins Dreidimensionale glückte Piene in seiner plastischen Arbeit „Pearl Flower“, einer blütenstandartigen Kugel auf hohen Stängel um 1965. Das 51 Zentimeter kleine Unikat aus Metall, Holz und Kunststoff mit Messinglegierung ist mit einer Schätzung von 80.000 bis 120.000 Euro versehen.

Daneben halten gleich zwei klassische Zeitgenossen eine Schätzung von 100.000 bis 150.000 Euro bereit. Die von 1956 stammende „École“ von Jean-Paul Riopelle scheint vor Farbe zu flirren, die mit einem Spachtel in Weiß, Schwarz, Rot und Blau großzügig kreuz und quer aufgetragen wurde. Die nahezu gleichgroße Arbeit „Onyx“ von Ernst Wilhelm Nay aus dem Jahr 1963 häuft hingegen dieselben Farben abzüglich des Weiß’ zu kräftigen Wolkengebirgen auf und kann mit ihrer Eliminierung von kantigen Formen zugunsten von Ringformen zu den sogenannten „Augenbildern“ gezählt werden. Ein bereits 1948/49 entstandenes Gemälde zeigt Nays abstrakte, farbintensive Verarbeitung der Kriegserlebnisse: „Frau mit Hahn“ dokumentiert die Anfänge seines charakteristischen Formenvokabulars (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR).

Auf den Vogel gekommen sind auch Georg Baselitz und Karin Kneffel. Baselitz steuert die überlebensgroße, rund 2,5 Meter hohe Metallskulptur „Scarecrew/Vogelscheuche (Adler)“ aus Bronze, Eisen und Kupfer von 2009 für 80.000 bis 100.000 Euro bei, deren fahnenähnlicher Körper entlang der Achse gedreht werden kann. Kneffel befasst sich hingegen wie oft ihn ihrem Schaffen mit einer Armee aus Hühnern inmitten einer bedrückend realistisch gemalten, pseudoidyllischen Natur. Die riesige Leinwand von 1990 wird mit 180.000 bis 220.000 Euro aufgerufen. Weitere Nutztiere präsentiert Kneffels neunteilige Porträtserie, in der sie das altehrwürdige Genre umfunktioniert und Hahn, Rind und Schaf vor monochromem Hintergrund festhielt (Taxe 80.000 bis 100.000 EUR).

Einen Kühlschrank sollte der Käufer von Los 662 bereithalten, sonst hat er in den eigenen vier Wänden nicht mehr viel von Olafur Eliassons „Eisskulptur“. Bewertet mit 70.000 bis 90.000 Euro ist das dreiteilige Gebilde aus einem Eisquader, Holz und Spiegelfolie das wohl vergänglichste Werk der Auktion, was jedoch so gewollt ist: Die Eiswelt Islands und deren ständige Abhängigkeit von Wasser sollen auch im südlicher gelegenen Innenraum erlebbar werden. Ähnlich vereinnahmend möchte auch Nam June Paiks „Radio Man“ von 1987 sein, eine zu einem Roboter zusammengeschusterte Möbelfigur, die die beiden Videoarbeiten „Good Morning Mr. Orwell“ und „Bye Bye Kipling“ durch integrierte DVD-Player und Bildschirme miteinander verbindet (Taxe 75.000 EUR). Radio Ga Ga empfängt man sicher auch mit Isa Genzkens „Weltempfängern“, Betonskulpturen mit eingegossenen Antennen, für 8.000 bis 12.000 Euro und 10.000 bis 15.000 Euro im kleineren Format sowie in größeren Varianten für jeweils 20.000 bis 25.000 Euro.

Direkt erklärt der Titel von Yves Kleins Kunstobjekt, was den Betrachter erwartet: „Table d’Or“ ist ein Plexiglastisch, der gefüllt ist mit aufgehäuftem Blattgold von 22 Karat. Neben diesem 25.000 Euro teurem Exemplar aus einer posthumen Edition seiner Frau Rotraut Klein-Moquay gibt es noch zwei weitere Varianten in Internationalem Klein Blue und kräftigem Pink. Das Gold steht jedoch für das Absolute als höchste Instanz. Einen ledernen Knieschoner für Pferde mit metallener Schnalle auf Holz kann man mit der „Objektcollage I.1.61“ von Herbert Zangs aus dem Jahr 1952 bald sein Eigen nennen (Taxe 10.000 EUR), und Liebhaber kleiner Modell-Feuerwehrautos kommen mit der Holzvariante samt integrierter „Mausefalle“ von Andreas Slominski auf ihre Kosten (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR).

Unter den Nachkriegskünstlern, die ihren Fokus auf die Substanz der Farbe legten, sticht vor allem Emil Schumacher heraus. Für seine Leinwand von 1964 stellte er die Farben selbst her. Intensives Rot und Schwarz kämpfen durch pastosen Auftrag auf dem Bildträger miteinander, an manchen Stellen brechen sie gar aus dem flachen Medium aus. „Banga“ ist mit 80.000 bis 120.000 Euro eines der Auktionshighlights. Dürfte man mit den Fingern entdecken, wären die zwei Mischtechniken von Bram Bogart für je 25.000 bis 30.000 Euro nicht vor Übergriffen sicher: „Les Blanc“ von 1960 und „Night-Walk“ von 1961 entstanden im Liegen auf dem Boden, da die nasse Farbmasse darauf zu schwer gewesen wäre, um sie in der Senkrechten auf der Leinwand anzubringen. Mit Messern und Schabern geformt, entstanden so zwei pastose Leinwand-Reliefs. Weniger extrem ist „Desiderata“, ein rhythmisch durch erhabenen Farbauftrag strukturiertes Gemälde von Piero Dorazio von 1958 für 50.000 bis 60.000 Euro. Allein die Mengen an Farbe, die Eugène Leroy für seine changierende Leinwand „Marina Jaune“, eine späte Arbeit von 1990, verwendet, legitimieren die Bewertung des zwischen Abstraktion und Körperlichkeit verschwimmenden Bildes mit 40.000 bis 50.000 Euro.

Mit der Substanz des Bildträgers beschäftigten sich Simon Hantaï und Cy Twombly. Während sich der ungarische Künstler Hantaï unter dem Einfluss André Bretons mit den organischen Formen des Surrealismus beschäftigte und diese in seinen Faltbildern weiterentwickelte, von denen nun ein unbetiteltes leuchtend blaues Exemplar von 1971 auf gefalteter Leinwand für 70.000 bis 90.000 Euro zu haben ist, entschied sich Twombly 1959 dafür, in „Sperlonga Collage“ das Material auseinanderzureißen und auf einem Papier zu fixieren. Letzteres ist ein Musterbeispiel dafür, wie aus zerfetztem kariertem Papier ein Erlös von 50.000 bis 70.000 Euro gewonnen werden kann. Material simulieren, obwohl man auf einem anderen Werkstoff arbeitet, hat Gerhard Richter für sich perfektioniert und erweckt mit seiner diskreten Malerei den Eindruck von metallener Oberfläche auf der kleinen Leinwand „Blech“ von 1988 (Taxe 70.000 bis 90.000 EUR).

Figürlich und geordnet geht es hingegen zu auf Antonio Seguis 3,6 Meter langer Leinwandcollage „De Como los Nervios saltan a la Vista“ von 1990 für 50.000 Euro, auch wenn sie die Hektik und Anonymität des Großstadtlebens spiegelt. Ohne Probleme identifizierbar sind auch die wuchernde braune Kopflandschaft mit langen Haaren auf Marwans kleinem Ölbild aus dem Jahr 1973 für 70.000 bis 90.000 Euro und die mythisch aufgeladene Staffage auf Jonas Burgerts wandfüllendem Gemälde aus dem „Potsdam Zyklus“ von 2006 für 60.000 bis 80.000 Euro. Zu den aktuellen zeitgenössischen Werken zählt „Naked (Institution)“, eine Installation mit zehn schwarzen Holzstangen samt kleiner weißer Unterbrechung von Jorinde Voigt, die ihren Eindruck von den Burka tragenden Frauen auf der Insel Lamu vor der Küste Kenias visualisieren soll (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR).

Zum Abschluss noch eine reichhaltige Portion Joseph Beuys: Der Meister selbst ist mit elf Positionen präsent, darunter dem Spitzenobjekt „Nun?“, eine Kartonarbeit von 1979 mit Bleistift und rotem Filzschreiber für 50.000 bis 70.000 Euro, sowie einer überraschend tragbaren Jeanshose mit zwei runden Löchern knapp über den Knien. Sie trägt den hitverdächtigen Namen „Das Orwell-Bein – Hose für das 21. Jahrhundert“. Lediglich ihr Kaufpreis von 10.000 bis 12.000 Euro erklärt wohl, warum sie nur mit 35 Exemplaren in Produktion ging. Beuys funktioniert aber auch als Objekt der Kunst. Zwei von vier Serigrafien Andy Warhols zeigen den Anti-Künstler: Eine Grafik mit Diamantstaub auf braunem Papier von 1980 bringt es auf 50.000 Euro, und Beuys in vierfacher Ausführung auf türkisfarbenem Grund von 1980/83 auf 15.000 bis 18.000 Euro. Wer es nicht ganz so farbenfroh und detailliert mag, dem sei C.O. Paeffgens schwarz-grau-weiße Beuys-Variante ans Herz gelegt, die es bereits für 5.000 bis 7.000 Euro gibt. Und einen typischen Filzhut von Beuys mit rosafarbenem Pappmaché-Überzug gibt es dank Franz West für 15.000 bis 25.000 Euro zu kaufen.

Die Auktion „Zeitgenössische Kunst I“ beginnt am 28. November um 11 Uhr, im Anschluss daran folgen die Lose der Abteilung „Zeitgenössische Kunst II“. Der Katalog listet die Objekte unter www.lempertz.com.

Kontakt:

Kunsthaus Lempertz

Neumarkt 3

DE-50667 Köln

Telefon:+49 (0221) 92 57 290

Telefax:+49 (0221) 92 57 296

E-Mail: info@lempertz.com



27.11.2015

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Viviane Bogumil

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