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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Wählerisch waren die Kunden in der Auktion mit Gegenwartskunst bei Lempertz in Köln. Teils sorgten sie für hohe Zuschläge

Zeitgenossen mit Gesch-Mack



Heinz Mack drückte mit seinen Lichtobjekten der Auktion „Zeitgenössische Kunst“ bei Lempertz in Köln seinen Stempel auf. Besonders ein titelloses Lichtrelief aus Aluminium auf Holz von 1964 der Münsteraner Sammlung Dobermann ließ die Telefone kaum stillstehen, und auch der Saal beteiligte sich rege. Am Ende ergatterte ein Kunsthändler aus der Schweiz die schlichte kleinteilige Metallstruktur für 250.000 Euro und verdoppelte so die Schätzung von 100.000 bis 150.000 Euro. Als wichtige Schritte auf dem Weg zu Macks Lichtreliefs und -kuben aus Aluminium gelten die seit 1956 entstandenen „Dynamischen Strukturen“, vibrierend wirkende senkrechte Linien in reduzierter Farbigkeit, meist in Schwarz-Weiß, die sich zu bewegen scheinen. Sie gehören zu den Frühwerken der ZERO-Künstlergruppe. Eine großformatige Ausführung von 1962 übernahm derselbe Schweizer Käufer für 200.000 Euro anstelle der vorgesehenen 150.000 bis 180.000 Euro, während eine spätere Wachskreidenversion auf Bütten von 1970 für immerhin 36.000 Euro über die Ladentheke ging. Hier waren 25.000 bis 30.000 Euro vorgesehen.


Wer Mack sagt, muss auch Piene und Uecker sagen. Doch seine ZERO-Kollegen taten sich am 28. November in Köln eher schwer. Mit zahlreichen Feuergouachen war Otto Piene vertreten, der in diesem Herbst auch bei anderen Versteigerungen einige Federn lassen musste. Bei Lempertz blieben etwa seine winterlich weiße „Retinal Sun“ von 1973 (Taxe 200.000 bis 250.000 EUR) und die blütenstandartige Kugelskulptur „Pearl Flower“ um 1965 liegen (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR). Das rauchig gesprenkelte „Dunkel“ von 1973 kam nur auf 33.000 Euro (Taxe 40.000 bis 50.000 EUR), ein orangefarben kolorierter Karton aus demselben Jahr erreichte gerade seine untere Schätzung von 30.000 Euro, und nur der an eine rote Rosenknospe erinnernden Arbeit „Soon Again“ aus dem Jahr 1993 war mit 30.000 Euro ein gewisser Erfolg beschieden (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR). Spitzenreiter der Auktion sollte eigentlich Günther Ueckers aus Ästen, Nägeln, Asche, Leim und Kohle gefertigter „Wald“ von 1992 werden; jedoch fand sich bei 450.000 bis 500.000 Euro kein Interessent. Auch seine unbetitelte Nagelung auf einer 60 Zentimeter langen Holzleiste, Teil eines über drei Meter langen Nagelobjekts, das Uecker während einer selbstironischen Aktion 1981 mit einer Axt eigenhändig zerstückelte, blieb schon bei 34.000 Euro stecken (Taxe 40.000 bis 50.000 EUR). Immerhin konnte Lempertz 59 Prozent der 391 Positionen an den Sammler bringen, wobei aber auf den ersten Teil mit den teuren Arbeiten nur knapp 54 Prozent Abnahmequote entfielen.

Die ZERO-Künstler versuchten sich besonders gegen den Tachismus abzusetzen. Einer der bekanntesten Vertreter dieser abstrakt-spontanen Farbfleckenkunst machte den Einspielergebnissen des Spitzenreiters ein wenig Konkurrenz. 110.000 Euro war wiederum dem Schweizer Handel Jean-Paul Riopelles großzügig aufgespachtelte „École“ von 1956 aus einer deutschen Privatsammlung wert (Taxe 100.00 bis 150.000 EUR). Verwandt mit diesen künstlerischen Gedanken war auch Emil Schumacher, der mit „Banga“ aber über das reine Aneinanderreihen von Farbflecken und Linien hinausgehen wollte. Die tiefrote Leinwand von 1964 mit kraftvollen schwarzen Akzenten ging für 65.000 Euro in den deutschen Handel (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR). Ebenfalls an der Darstellung von Farbsubstanz interessiert war Simon Hantaï mit seinen Faltbildern. Das in Blautönen gehaltene „Pliage“ von 1971 entfaltet seine Wirkung – wie der Name sagt – durch das aufwendige Falten und Zerknittern des Maluntergrunds, in diesem Fall einer Leinwand, und spielte nach langem Bietgefecht auf sieben Telefonleitungen 115.000 Euro durch einen südfranzösischen Sammler ein (Taxe 70.000 bis 90.000 EUR).

Der Künstlergruppe CoBrA gehörte der Niederländer Corneille an, der deren Affinität zu Informel und kindlich-naiver Farb- und Formengebung auch 1960, fast zehn Jahre nach Auflösung der Gruppe, noch teilte. Das zeigt sein kleines Ölgemälde „Jeune paysage“ mit seinen parzellenartig unterteilen Farbflächen, das für 35.000 Euro in neuen Besitz wanderte (Taxe 30.000 bis 35.000 EUR). Im selben Jahr entstand auch Bram Bogarts Mischtechnik „Les Blanc“, auf der die Grenzen des Bildträgers von weißen Farbmassen gesprengt werden und in dicken Strängen aus der Leinwand hinausquillen – 26.000 Euro für so viel Materie war da quasi ein Schnäppchen. Sein schwarzes Pendant „Night-Walk“ von 1961 blieb indes unbeachtet (Taxe je 25.000 bis 30.000 EUR). Nicht minder reliefartig aufgeschichtet ist auch die Ölfarbe auf Eugène Leroys abstrakt-verzerrtem Porträt von Marina Jaune aus dem Jahr 1990, das schon für 38.000 Euro einen Liebhaber fand (Taxe 40.000 bis 50.000 EUR).

Gute Nachfrage herrschte im Kölner Auktionshaus für den Bestand von Isa Genzken. Obwohl nicht alle Werke Abnehmer fanden, gingen ihre vier skulpturalen „Weltempfänger“ aus Beton weg wie warme Semmeln. Zwei größere Arbeiten von 1987 für jeweils 20.000 bis 25.000 Euro wurden auf Preise von 60.000 Euro sowie 24.000 Euro getrieben, und auch die Wertsteigerungen für zwei kleinere Exemplare von 10.000 bis 15.000 Euro auf 42.000 Euro sowie von 8.000 bis 12.000 Euro auf 28.000 Euro konnten sich sehen lassen. Von massivem Beton zu illusionistischem Blech: Die gleichnamige kleine Leinwand mit monochromer Bemalung ihres damaligen Ehemanns Gerhard Richter aus dem Jahr 1988 weilt mittlerweile für erwartete 70.000 Euro in einer deutschen Privatsammlung. Ebenfalls in Deutschland bleiben Piero Dorazios Gemälde „Desiderata“ von 1958, an dessen rhythmisch aufgetragenen Farbschichten sich nach einem Gebot von 100.000 Euro nun ein Privatier ergötzen kann (Taxe 50.000 bis 60.000 EUR), Cy Twomblys ein Jahr später entstandene Papierschnipselarbeit „Sperlonga collage“, die der ansässige Handel auf 90.000 Euro anhob (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR), und Ernst Wilhelm Nays stark abstrahierte „Frau mit Hahn“ von 1948/49 für 60.000 Euro (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR).

Dass nicht nur jeder Mensch ein Künstler ist, sondern auch zum Kunstobjekt werden kann, bewies der Schöpfer dieses Ausspruchs gleich selbst: Während Joseph Beuys’ Bleistiftzeichnung „Amazone“ von 1959 Lempertz und dem Einlieferer 28.000 Euro einbrachte (Taxe 18.000 bis 22.000 EUR), schlug sein Polaroid-Konterfei von Andy Warhol als schwarz-weißer, mit Diamantenstaub überzogener Druck sowie in vierfacher Ausführung als schrill-bunte Farbserigrafie mit den erwarteten Taxierungen von 50.000 Euro und 15.000 Euro zu Buche. Aktiv am Umsatz beteiligte sich Beuys wiederum mit einem teils handgeschriebenen, 17seitigen Manuskript, das im Rahmen eines Happenings 1965 in der Galerie Parnass in Wuppertal entstand und nun 16.000 Euro einbrachte (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR). Nicht minder berühmt: Warhols Interpretation von Johann Heinrich Wilhelm Tischbeins klassizistischem Porträt Johann Wolfgang von Goethes inmitten der römischen Campagna, die zur unteren Erwartung von 35.000 Euro rangierte.

Zu den aktuellen Zeitgenossen zählt der Berliner Maler Jonas Burgert, dessen figurative, mythisch aufgeladene, drei Meter hohe Leinwand aus seinem „Potsdam“-Zyklus mit dem Gebot eines norddeutschen Sammlers von 80.000 Euro den erwarteten Erfolg einstrich. Taxkonform bei 30.000 Euro kam Michel Majerus’ triptychonartige Mischtechnik von 1990 mit zwei monochromen Farbbahnen und einer Eifersuchtsszene auf rosafarbenem Grund ans Ziel, ebenso Liam Gillicks Wandregal „Resolution Platform“ aus bunten Plexiglaslamellen und Aluminium von 2001 bei 40.000 Euro. Jorinde Voigts zehnteilige Stabinstallation „Naked (Institution)“ von 2010 blieb mit 20.000 Euro etwas hinter den Hoffnungen der Kölner Experten von 25.000 bis 35.000 Euro zurück, wohingegen Norbert Biskys übergroßer, Kraft strotzender „Klassenkämpfer Nummer 1“ im Stil des Neuen Realismus durch einen Zuschlag von 32.000 Euro überraschte (Taxe 18.000 bis 22.000 EUR). Überzeugen konnten Karin Kneffels pseudoidyllische Natur mit einer Armee aus Hühnern auf großformatiger Leinwand von 1990 bei 180.000 bis 220.000 Euro und Olafur Eliassons vergängliche „Eisskulptur“ aus einem Eisquader, Holz und Spiegelfolie von 1998 bei 70.000 bis 90.000 Euro allerdings nicht. Ein früher, vergleichsweise kleiner C-Print von Andreas Gursky ist „Schwimmbad/Teneriffa“ von 1987, der mit malerischer Farbgebung und geometrisch gegliedertem Bildaufbau bestach. Der ansprechende, auf zehn Exemplare limitierte Abzug verdoppelte seine Schätzung auf 32.000 Euro.

Aus demselben Jahr stammt die skurrile Videoskulptur „Radio Man“ von Nam June Paik für 85.000 Euro, die mit ihren fast zwei Metern Höhe, drei Radios und zwei Plasmabildschirmen schon damals das Dolby Surround-Erlebnis garantierte (Taxe 75.000 EUR). Eine Punktlandung machte bei 50.000 Euro eine 3,6 Meter lange Leinwand von Antonio Segui mit karikierten Männchen und stilisierten Bäumen und Häusern, die in ihrem Durcheinander die Hektik und Anonymität des Großstadtlebens verbildlichen sollen. Lyrisch abstrakt wurde es mit Bernard Schultzes „Erdleben-Bild“ von 1993, dessen akribisch gemalte Details an Wurzeln und Fantasiegewächse erinnern und das für 15.000 Euro versteigert wurde (Taxe 15.000 bis 18.000 EUR). Seine genauso kleinteilig konzipierte Bleistiftzeichnung „Ereignisse poltern durcheinander“ auf über zwei Meter Breite von 1986 platzierte sich gewinnbringend bei 8.500 Euro (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR).

Unter den preisgünstigeren Losen war Peter Herkenraths tristes Porträt einer Frau an der Nähmaschine von 1947 das älteste Exponat, das perfekt die hoffnungs- und farblosen Anfangsjahre der Nachkriegszeit widerspiegelt und 16.000 Euro einbrachte (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR). Respektable Wertsteigerungen auf 13.000 Euro und 14.000 Euro erfuhren zwei frühe quadratische collagierte Aluminiumarbeiten Gianfranco Baruchellos von 1969, die von kleinen Figuren und Objekten aus dem Alltagsleben bevölkert sind, verteilt wie Wegspuren auf Landkarten (Taxe je 6.000 bis 8.000 EUR). Hypnotische Wirkung hatte die spiralförmige „Rotation“ in Grün und Schwarz von Robert Rotar aus dem Jahr 1966, die es auf 13.000 Euro brachte (Taxe 10.000 EUR). Ein kleines weißes schemenhaftes Kissenbild von Gotthard Graubner überzeugte durch die Ruhe der Komposition mit einer Verdopplung der Schätzung auf 20.000 Euro, während die sechs schreiend roten, unterschiedlich großen Nagelbretter des im August verstorbenen ZERO-Künstlers geradezu martialisch auf die Käufer einwirkten und sie zu Geboten zwischen 9.000 Euro und 19.000 Euro zwangen (Taxe zwischen 8.000 und 20.000 EUR).

Verspielte Seifenblasen waren wohl eine Inspirationsquelle für Adolf Luthers Lichtobjekte: „Lichtschleuse (Optogon)“ von 1962/63 ist eine Skulptur aus geschliffenen Brillengläsern und war mit 10.000 Euro bei angesetzten 3.000 Euro erfolgreich, ebenso wie die beiden runden halbtransparenten Spiegel in Plexiglaskästen aus den frühen 1980er Jahren, die mit 4.000 bis 5.000 Euro taxiert waren und 16.000 Euro respektive 11.000 Euro einspielten. Sieben Jahre Pech sind für Christian Megert schon lange ausgestanden, versteigerte Lempertz seine titellose Skulptur aus Spiegelscherben von 1960/76 doch mit dreifacher Wertsteigerung für 17.000 Euro (Taxe 5.000 bis 6.000 EUR). Dass die Kunst eine kriminelle Handlung ist, beweisen abschließend Ulrike Rosenbach und Erró. Der gleichnamige C-Print der deutschen Medienkünstlerin zeigt die damals 29jährige Rosenbach Seite an Seite mit Warhols „Elvis“ von 1963 in gleicher Pose und Kleidung mit erhobener Waffe. Die Fotomontage der einst noch unbekannten Künstlerin entstand mit ausdrücklicher Erlaubnis von Warhol und brachte nun 26.000 Euro ein (Taxe 15.000 EUR). Der isländische Maler Erró bringt in bester Pop Art-Manier die moderne Welt mit ihrer Technik und deren Unmenschlichkeit zusammen und zeigt in „Moulain“ von 1972 eine Blondine beim Ertrinken neben einem Wasserhahn mit selbst gebastelter Wassermühle. Dafür gab es 17.000 Euro (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR).

Alle Preise verstehen sich als Zuschläge ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Kunsthaus Lempertz

Neumarkt 3

DE-50667 Köln

Telefon:+49 (0221) 92 57 290

Telefax:+49 (0221) 92 57 296

E-Mail: info@lempertz.com



30.12.2015

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Viviane Bogumil

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Die fabelhaften ZERO-Boys










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