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Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Nicht alles nahmen die Sammler bei Grisebachs Auktion „Kunst des 19. Jahrhunderts“ mit

Kinderpilz mit rotem Hut



Wilhelm Leibl, Kücheninterieur, 1888

Wilhelm Leibl, Kücheninterieur, 1888

Wilhelm Leibl hieß der Überraschungssieger der vergangenen Versteigerung von Gemälden und Zeichnungen des 19. Jahrhunderts im Berliner Auktionshaus Grisebach. Auf 40.000 bis 60.000 Euro war das 1888 datierte „Kücheninterieur“ des Realisten angesetzt, der 1844 in Köln zur Welt kam und 1900 in Würzburg starb. Das sowohl motivisch wie in der Umsetzung originelle, für den eigenwilligen Maler aber charakteristische Werk zeigt einen im Halbdunkel versunkenen Raumausschnitt eines einfachen Bauernhauses, in dem sich nur wenige Gegenstände wie Schalen und Brennholz befinden. Wohl schon seit 1891 gehörte das kaum DIN-A4-große Bild dem drei Jahre jüngeren Künstlerkollegen Max Liebermann und nach dessen Tod 1935 seiner Frau Martha. Zwei Jahre später verkaufte die Witwe das Bild, das wiederum ein Jahr darauf in den Besitz der Österreichischen Galerie Belvedere in Wien überging. Jetzt wurde die Holztafel den Liebermann-Nachfahren zurückerstattet. Vielleicht lag es auch an dieser bewegten Geschichte, dass sich um das Bild ein unerwartet heftiges Bietgefecht entfachte, das erst bei 230.000 Euro sein Ende fand. Nur zwei Leibl-Bilder erzielten auf Versteigerungen bislang höhere Preise.


Damit hängte Leibl am 25. November auch den eigentlichen Favoriten ab: Augustin Théodule Ribots packendes Genrebild „Die leere Flasche“ mit einem betrunkenen jungen Mann, der auf dem Boden liegt und den Betrachter wie wahnsinnig zu fixieren versucht, war mit 160.000 bis 180.000 Euro sicherlich angemessen bewertet, aber über die untere Taxe ging der Erlös auch nicht hinaus. Dennoch reichte es zum Auktionsrekord für den 1823 geborenen Franzosen, dessen unverkennbare Vorbilder die Italiener des frühen 17. Jahrhunderts um Jusepe de Ribera und Michelangelo Merisi da Caravaggio waren. Sein Landsmann Jean Antoine Théodore Gudin reüssierte mit einer 1839 datierten Küste im Mondlicht samt Schiffbruch unter dramatisch aufgewühltem Wolkenhimmel bei 31.000 Euro (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR).

Mit der Kunst des 19. und frühen 20. Jahrhunderts traf Grisebach diesmal nicht so ganz den Geschmack der Sammler. Zwar lag die losbezogene Zuschlagsquote mit 70 Prozent immer noch recht hoch, doch ist man in Berlin aus den vergangenen Auktionsrunden Werte von über 80 Prozent oder gar fast 90 Prozent gewohnt. Zudem fanden doch einige der hochpreisigen Offerten keinen Abnehmer, darunter zwei Arbeiten des Hausgottes Adolph von Menzel: ein aquarelliertes Kinderbildnis aus dem Jahr 1848 für 80.000 bis 120.000 Euro und die spöttische Satire auf die gerade wütende Revolution „Urwähler“ mit einem schlafenden Protestler von 1849 für 100.000 bis 150.000 Euro. Vielleicht hätte Grisebach den zwar malerischen Gummidruck „Schafe auf der Weide“ des Fotografen Heinrich Kühn von 1899 doch besser in die Photographie-Auktion eingeordnet. 80.000 bis 100.000 Euro waren hier jedenfalls zu viel.

Auf der Rückgangsliste stellten sich dann noch Johann Gottfried Schadows Marmorgruppe „Freundschaft und Liebe (Bacchus und Pomona)“ von 1798 (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR) oder Carl Robert Kummers romantischer „Blick von den Bergen Montenegros auf den Scutari-See“ von 1850 ein (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR). Mit 38.000 Euro deutlich unterhalb der Erwartungen schloss Heinrich Reinholds „Brandung an der Küste von Sorrent“ ab, auch „Die Welle aufwärts“ betitelt und eine beeindruckende Naturstudie des aus dem sächsischen Gera nach Italien eingewanderten Künstlers von 1823 (Taxe 50.000 bis 60.000 EUR). Karl Wilhelm Wachs biedermeierliches Bildnis einer Velletrinerin in Landestracht aus etwa der gleichen Zeit traf seine untere Grenze von 60.000 bis 80.000 Euro. Hans Thomas zwischen französischem Impressionismus und deutschem Realismus pendelnde „Wiese mit zwei großen Bäumen“ konnte sich dann von 18.000 bis 24.000 Euro auf 35.000 Euro steigern.

Eine Reihe guter Ergebnisse erzielten auch Werke der unteren Preisklassen. So verdreifachte sich der Wert einer schönen jungen Römerin, gemalt um 1820/30 von Adolf Senff aus Halle an der Saale, auf 10.000 Euro. Von 8.000 bis 10.000 auf 19.000 Euro kletterte eine romantische Mondlandschaft auf Rügen von Johann Friedrich Boeck aus der Zeit um 1840, die lange als Schöpfung von Boecks Dresdner Lehrer Caspar David Friedrich galt. Etwas enttäuschend waren die 28.000 Euro für Johan Christian Dahls Studie einer Rückenfigur von 1821, möglicherweise ein Abbild des dänischen Kronprinzen Christian Frederik, das dann in einem großen, heute in Neapel befindlichen Ölbild mit Figuren auf einer Terrasse vor imposanter Landschaftskulisse Verwendung fand. Eigentlich waren 40.000 bis 60.000 Euro vorgesehen. Dahls Schüler und norwegischer Landsmann Knud Andreassen Baade erregte mehr Aufmerksamkeit: Seine kleine stimmungsvolle Dresden-Ansicht bei Sonnenuntergang von 1838 verbesserte sich von 4.000 bis 6.000 Euro auf 19.000 Euro. Verzehnfachen konnte sich bei 16.000 Euro der Wert für die mit Aquarell und Gouache erstellte Zarenvilla auf der Krim des italienischen, 1891 in Konstantinopel verstorbenen Vedutenmalers Luigi Premazzi.

Gute Ergebnisse verzeichnete Grisebach auch mit Werken deutscher Maler der Zeit um 1900, die dem Symbolismus zugerechnet werden. Hier hatte Osmar Schindlers gleich mehrere fulminante Auftritte: zunächst mit dem Bildnis einer eleganten jungen Frau vor gelber Mustertapete aus dem Jahr 1911 für 31.000 Euro (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR) und sodann in Gestalt von „Gertrud mit Nelke und Katze“ von 1904 für stolze 51.000 Euro zum Auktionsrekord. Die Bilder waren auf nicht mehr als 12.000 Euro angesetzt, was wenig verwundert, denn auf dem Auktionsmarkt tauchte der 1927 verstorbene Künstler, der bis 1924 an der Kunstakademie Dresden lehrte und immerhin George Grosz, Karl Hanusch, Bernhard Kretzschmar und Paul Wilhelm zu seinen Schülern zählte, kaum auf. Aber auch Schindlers Ölstudien wie das rote Herbstlaub in der Heide oder das Seeaquarium in Helgoland mit Zuschauern arbeiteten sich aus der Dreistelligkeit auf 2.600 Euro und 2.500 Euro empor.

Die Symbolisten-Suite ergänzten noch Martin Brandenburgs fast komisch anzuschauende „Windsbraut“ von 1899 für 20.000 Euro (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR), Wilhelm Lists betont statisch auf die quadratische Bildfläche gebannte „Salome“ mit dem Haupt des Johannes für hohe 32.000 Euro (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR) und Arnold Böcklins drei „Dryaden“, also antik-mythologische Baumgeister, von 1897 für 60.000 Euro (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR). Auch Franz von Stuck war mit zwei hervorragenden Arbeiten vertreten. Zunächst wurde mit seiner Verbildlichung der antiken Hetäre „Phryne“ von circa 1917 in aufwendigem Künstlerrahmen für 50.000 Euro ein Lieblingsmotiv des Münchner „Malerfürsten“ versteigert (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR). Dann aber ging es um den Humoristen Franz von Stuck: „Der Schwammerling“ betitelte der junge Mann 1882/83 ein Pastell, das bei flüchtigem Hinsehen wirklich wie ein großer Pilz ausschaut. Auf dem dazugehörigen zweiten Bild aber lüftet der Pilz seinen roten Hut – und entpuppt sich als lachendes Knäblein. 44.000 Euro gab es für dieses kleine Versteckspiel (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR).

Alle Preise verstehen sich als Zuschläge ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Grisebach

Fasanenstraße 25

DE-10719 Berlin

Telefon:+49 (030) 885 91 50

Telefax:+49 (030) 882 41 45

E-Mail: auktionen@grisebach.com



08.01.2016

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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25.11.2015, Kunst des 19. Jahrhunderts

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Grisebach

Bericht:


Blickinjektion

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Wilhelm List,
 Salome, um 1900
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Kunstwerk:

Adolf
 Senff, Junge Römerin, um 1820/30
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Knud Andreassen Baade, Blick auf Dresden bei Sonnenuntergang, 1838
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Luigi Premazzi, Die Zarenvilla auf der Krim, 1850
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Osmar Schindler, Seeaquarium Helgoland mit Zuschauern
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Osmar Schindler, Weibliches Modell mit gelbem Hintergrund, 1911
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Wilhelm List, Salome, um 1900

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Taxe: 4.000 - 6.000 EURO

Zuschlag: 32.000,- EURO

Losnummer: 291

Osmar Schindler, Getrud mit Nelke und Katze, 1904

Osmar Schindler, Getrud mit Nelke und Katze, 1904

Taxe: 8.000 - 12.000 EURO

Zuschlag: 51.000,- EURO

Losnummer: 281

Knud Andreassen Baade, Blick auf Dresden bei Sonnenuntergang, 1838

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Taxe: 4.000 - 6.000 EURO

Zuschlag: 19.000,- EURO

Losnummer: 132

Arnold Böcklin, Dryaden, 1897

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Taxe: 60.000 - 80.000 EURO

Zuschlag: 60.000,- EURO

Losnummer: 296

Johann Friedrich Boeck, Mondscheinnacht auf Rügen, um 1840

Johann Friedrich Boeck, Mondscheinnacht auf Rügen, um 1840

Taxe: 8.000 - 10.000 EURO

Zuschlag: 19.000,- EURO

Losnummer: 125

Jean Antoine Théodore Gudin, Küstenszene bei Mondlicht, 1839

Jean Antoine Théodore Gudin, Küstenszene bei Mondlicht, 1839

Taxe: 10.000 - 15.000 EURO

Zuschlag: 31.000,- EURO

Losnummer: 190

Heinrich Reinhold, Brandung an der Küste bei Sorrent (Die Welle aufwärts), 1823

Heinrich Reinhold, Brandung an der Küste bei Sorrent (Die Welle aufwärts), 1823

Taxe: 50.000 - 70.000 EURO

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Losnummer: 136

Osmar Schindler, Seeaquarium Helgoland mit Zuschauern

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Johan Christian Dahl, Rückenfigurstudie (Kronprinz Christian Frederik von Dänemark in Neapel?), 1821

Johan Christian Dahl, Rückenfigurstudie (Kronprinz Christian Frederik von Dänemark in Neapel?), 1821

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Losnummer: 129

Karl Wilhelm Wach, Bildnis einer Velletrinerin in Landestracht, um 1820

Karl Wilhelm Wach, Bildnis einer Velletrinerin in Landestracht, um 1820

Taxe: 60.000 - 80.000 EURO

Zuschlag: 60.000,- EURO

Losnummer: 153

Osmar Schindler, Weibliches Modell mit gelbem Hintergrund, 1911

Osmar Schindler, Weibliches Modell mit gelbem Hintergrund, 1911

Taxe: 5.000 - 7.000 EURO

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Adolf Senff, Junge Römerin, um 1820/30

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Taxe: 3.000 - 4.000 EURO

Zuschlag: 10.000,- EURO

Losnummer: 109




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