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Die Albertina in Wien widmet sich dem druckgarfischen Schaffen Edvard Munch und kann dabei auf eine erlesene Privatsammlung zugreifen

Nicht nur Liebe, Tod und Einsamkeit



Edvard Munch, Melancholie II, 1898

Edvard Munch, Melancholie II, 1898

„Wenn wir so stehen – und meine Augen sehen in deine großen Augen – im bleichen Mondlicht – da flechten feine Hände unsichtbare Fäden.“ Edvard Munch war hingerissen von seiner ersten großen Liebe. Während der Sommermonate des Jahres 1885 verband den 22jährigen eine kurze, heimliche Beziehung mit der drei Jahre älteren, verheirateten Milly Thaulow, der Frau seines Vetters. Eine verbotene Liebe, die ihm lange zusetzte und die er zwischen 1890 und 1893 in romanhaften Aufzeichnungen, in denen er der Geliebten den Namen „Frau Heiberg“ verlieh, verarbeitete. In Åsgårdstrand an der Westküste des Oslo-Fjords hatten sich die beiden kennengelernt. Hier verbrachte Munch mehrere Sommer. Die Affäre endete jedoch schon im Herbst 1893, und Munch bekundete: „Danach hab ich alle Hoffnung, lieben zu können, aufgegeben.“


Ein Jahr später, im November 1894, hatte sich sein Zustand jedoch zumindest so stabilisiert, dass er an seine Tante Karen Bjølstad schrieb: „Ich bin in sehr guter Arbeitsstimmung, habe begonnen zu radieren, um später möglichst eine kleine Sammlung von Radierungen herauszugeben.“ Bereits ein Jahr später veröffentlichte Julius Meier-Graefe, Literat, Herausgeber der Zeitschrift „Pan“ und ein enger Freund und Unterstützer von Munch, eine Auswahl mit acht neuen Radierungen. Diese Mappe, die Munchs erste druckgrafische Werke umfasst und in denen er seine Auseinandersetzung mit den existentiellen Fragen des Menschen beginnt, ist nun im Rahmen einer Ausstellung in der Albertina in Wien zu sehen.

Schon vor zwölf Jahren gab es an gleicher Stelle eine große Einzelausstellung zu Edvard Munch. Wurden 2003 den grafischen Arbeiten auch zahlreiche Gemälde zum Vergleich gegenübergestellt, konzentriert sich die aktuelle Schau ganz auf das druckgrafische Schaffen Munchs mit Schwerpunkt auf der Thematik des „Lebensfrieses“. Diese Motivreihe, in der sich Munch mit den verschiedenen Abschnitten des Lebens und den unterschiedlichen menschlichen Empfindungen befasste, beschäftigte den Künstler mehr als dreißig Jahre. Der „Lebensfries“ ist kein klassischer Fries, hinter dem ein Gesamtkonzept steht. Vielmehr arrangierte Munch mehrere einzelne Blätter zusammen. Die Konstellationen konnten durchaus wechseln, und so fand der „Lebensfries“ auch nie eine endgültige Gestalt. Bilder, die er verkaufen konnte, wurden herausgenommen und durch neue Arbeiten ersetzt, sodass von vielen Grafiken mehrere Fassungen existieren. Aber auch einzelne Themen wurden immer wieder neu ausgearbeitet und variiert.

Einer privaten Sammlung mit rund 100 Leihgaben ist es nun zu verdanken, dass in Wien anhand verschiedener Versionen desselben Themas nachvollzogen werden kann, wie experimentell Edvard Munch im Bereich der Radierung, der Lithografie und vor allem des Holzschnitts arbeitete. Variantenreich entwickelte er seine Kompositionen weiter, wenn er Drucke in unterschiedlichen Farbvariationen herstellte, Papierschablonen verwendete, Bildausschnitte fragmentierte und seine Grafiken später handkolorierte. Wie Munch beispielsweise das Einbeziehen der Holzmaserung steigerte, lässt sich eindrucksvoll in „Kuss IV“ oder den Variationen „Zum Walde“ ablesen. In seinen monochromen Abzügen von „Kuss auf dem Felde“ von 1943 verschwindet das Motiv schlussendlich zugunsten der Darstellung der reinen Materialität einer Holzplatte, die sowohl farblich als auch strukturell wiedergegeben wird.

Besonders variantenreich war Munchs Umgang beim Motiv der „Madonna – Liebendes Weib“ von 1895/1902, die als Mischtyp die weiblichen Kunstfiguren des 19. Jahrhunderts in einer Person zwischen Femme fragile und Femme fatale vereinigt und heute zu seinen bekanntesten Arbeiten zählt. In mehreren Variationen machte Munch aus einer Heiligen ein verführerisches Wesen, mal eine rothaarige Dämonin mit grünen Augen, mal eine zarte Schönheit, mit dunkel umrahmten Augen und langem wallenden Haar. Edvard Munch variierte auch den Bildausschnitt und ergänzte das Motiv durch eine rahmende Darstellung mit Spermien und Embryo. In diesen Fassungen, von denen in Wien eine Suite zum Vergleich einlädt, gibt das skelettartige Wesen der Empfängnisszene einen morbiden Unterton. „Die Hand des Todes berührt das Leben“, schrieb Edvard Munch – dem Anfang wohnt das Ende schon inne. Nach 1930 entstanden die letzten Druckgrafiken. Das Portrait des Schriftstellers und Bohemiens Hans Jæger, eine Lithografie von 1943, die der Künstler ein Jahr vor seinem Tod anfertigte, dokumentiert als singuläres Motiv Munchs Spätwerk.

Der Ansatz der Wiener Ausstellung mit dem Untertitel „Liebe, Tod, Einsamkeit“ ist in der Munch-Rezeption alles andere als neu. Edvard Munch wird vor allem als Melancholiker und düsterer Biograf einer Wendezeit vorgeführt, als labiles, zeitweise alkoholabhängiges, nach innen gekehrtes und von Ängsten und traumatischen Erinnerungen getriebenes Malergenie. Mittels zahlreicher Zitate auf den blau und grün gefassten Wänden werden die Betrachter zudem aufgefordert, die Erinnerungsarbeit als wesentlichen Antrieb im Schaffensprozess von Munch nachzuverfolgen. Mittlerweile ist das Munch-Bild nicht zuletzt dank der fulminanten Ausstellung „Edvard Munch. Der moderne Blick“ im Centre Pompidou und in der Frankfurter Schirn im Jahr 2012 korrigiert worden. Munch starb 1944, drei Viertel seines Œuvres realisierte er also im 20. Jahrhundert, und in diesem Teil seines Werks bekommt man einen Schlüssel für eine andere Betrachtung. So hat sich Edvard Munch für modernes Theater, für die Arbeiterbewegung, für soziale Themen, für naturwissenschaftliche Erfindungen und vor allen Dingen für Fotografie und Film interessiert. Die alleinige Konzentration auf seine Druckgrafik spiegelt damit notgedrungen nur einzelne Aspekte des breiten Schaffens von Munch wider, wenn gleich die Albertina mit der Deutung seiner Werke als autobiografisch motivierte Seelenbilder deren faszinierende Wirkung noch einmal höchst eindrucksvoll unter Beweis stellt.

Die Ausstellung „Edvard Munch – Liebe, Tod und Einsamkeit“ ist bis zum 24. Januar zu sehen. Die Albertina in Wien hat täglich von 10 bis 18 Uhr, am Mittwoch von 10 bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 12,90 Euro, ermäßigt für Senioren 9,90 Euro und für Studenten 8,50 Euro. Der Katalog kostet 29 Euro.

Kontakt:

Albertina

Albertinaplatz 1

AT-1010 Wien

Telefax:+43 (01) 53 37 69 7

Telefon:+43 (01) 53 48 30



14.01.2016

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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Edvard Munch, Selbstporträt, 1895

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Edvard Munch, Angst, 1896

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Edvard Munch, Zwei Frauen am Meeresufer, 1898/1906-1914

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