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Das Würzburger Museum im Kulturspeicher widmet sich dem grafischen Schaffen Pablo Picassos und greift dabei auf die Bestände des Museums Kunstpalast in Düsseldorf zurück

Grafik mit dem Wattestäbchen



Pablo Picasso gehört zur Riege der großen Künstler und breitete sein Œuvre in vielen Medien aus. Die Grafik begleitete ihn fast sein ganzes Leben lang, mit ersten Versuchen um 1904 bis in seine letzten Lebensjahre hinein. Die Schau „Picasso in Würzburg“ im Museum im Kulturspeicher in Würzburg bietet einen Einblick in das Wirken des Künstlers in diesem Genre. Die Exponate stammen aus der Sammlung des Museums Kunst Palast in Düsseldorf, die zwar dort ausgestellt, aber bisher nicht publiziert wurden. Letzteres setzt die kleine Schau in Würzburg mit einer Broschüre nun um. Über zwei Räume erstrecken sich Arbeiten auf Papier aus den 1920er bis 1970er Jahren. Eine angenehme Frische bringen die zwei violetten Stellwände im Zentrum der Räume, die im Kontrast mit dem weißen Papier die Grafiken intensiver aufleuchten lassen.


Paul Klee sprach davon, „eine Linie spazieren zu führen“. Wer schon immer mal wissen wollte, was damit gemeint ist, wird bei Picasso gute Beispiele finden. Im ältesten Blatt, der „Mutterschaft“ von 1922/23, sitzt Picassos Sohn auf dem Schoß seiner Mutter, der Ballerina Olga Koklowa. Mit raschen Zügen und fester Hand ließ Picasso hier die Linie springen und Haken schlagen. Obwohl einzig Konturen zu sehen sind, besitzen die Figuren Volumen, wie es insbesondere in der fast monumentalen Mutter deutlich wird. Das Auge des Betrachters vervollständigt automatisch das Bild. Um bei Picassos Frauen zu bleiben, fällt auf der gegenüber liegenden Wand das Portrait Françoise Gilots vom 14. Juni 1946 ins Auge. Hier nutzt Pablo Picasso weiche Linien, und es scheint, als ob bei den lockigen Haaren wohl eher die Linie den Künstler führt. Die linke Braue auf dem Antlitz mit den sinnlichen Lippen ist als Zirkumflex gezeichnet. Dieses an ein Dach erinnerndes Zeichen löste auch bei Henri Matisse die Lust am Malen der jungen Geliebten Picassos aus, so in Gilots Memoiren „Life with Picasso“.

Hier wird bereits deutlich, dass die Motive meist mit Picassos eigenem Leben verknüpft sind. Er verarbeitete sie auch in Form mythologischer und allegorischer Motive. Der Minotaurus als Alter Ego des Künstlers zieht einen roten Faden durch Picassos Schaffen und taucht auch in der Grafik auf. So etwa im „Sterbenden Minotaurus“ aus dem Jahr 1933. Das gefährliche Geschöpf ist verletzt und bricht in einer Art Arena in sich zusammen. Nur eine Frau am linken Rand streckt ihre Hand nach dem Monstrum aus, als wolle sie es liebevoll streicheln und beruhigen. Dieses Blatt gehört zur „Suite Vollard“, in der 15 Blätter das Motiv des Minotaurus’ umsetzen. Die Verbindung aus Liebe und Gewalt thematisiert auch die Kaltnadelradierung „Die Vergewaltigung II“ mit muskelbepacktem Mann, ebenfalls aus dem Jahr 1933.

Wenn Pablo Picasso auch ein brillanter Künstler war, so trieb er seine Drucker in die Verzweiflung. Ein Grund dafür war der Einsatz unorthodoxer Malmittel. Bei der 1968 entstandenen Aquatintaradierung „Im Zirkus“ malte er die Kunstreiterin und den Pierrot mit einem Wattestäbchen. Im 1950 entstandenem Doppelportrait seiner Kinder Paloma und Claude trug er die Tusche mit seinem Finger auf, wie es vor allem am schwarzen Hintergrund um Claude erkennbar ist. Dies mag man bedenken, wenn man Picassos Ausspruch aus dem Jahr 1959 an einer der Wände liest: „Die vornehmste und die reichste [Technik] ist ohne Zweifel die Radierung.“

Eine Besonderheit bildet Picassos Druck seiner eigenen surrealen Texte, die er mit Bildern begleitete, etwa in „Poèmes et Lithographies“ von 1954. Er illustrierte jedoch nicht nur seine eigenen Schriften, sondern übernahm vor allem im Alter mehrere Aufträge. Ein Beispiel ist die Mappe „La Tauromaquia“ von 1959, die im Auftrag des spanischen Verlegers Gustavo Gili junior entstand. Der Matador José Delgado y Galvez (1754-1801) beschrieb 1796 die Regeln, nach denen er seinen Beruf ausübte. Es handelt sich hierbei um die erste Publikation, die den Ablauf des Stierkampfs, seine einzelnen Phasen und die Manöver der Akteure erläutert. Vor Picasso illustrierte bereits Francisco de Goya dieses Werk. Beide Künstler beziehen sich auf die Schrift, jedoch hielten sich beide nicht sklavisch an die Schilderung Delgados und wählten ihre Motive frei. Es heißt, Picasso habe innerhalb von drei Stunden die 26 Blätter geschaffen. Sie zeigen den idealen Ablauf des Stierkampfes, der den Künstler so begeisterte. Den Anfang bildet die friedliche Szene grasender Stiere, denen sich ein Reiter nähert; es folgen die zum Stierkampf strömenden Besucher und dieser selbst, bis hin zum Abtransport des getöteten Tieres.

Eine Ergänzung zu dieser Serie bilden die Fotografien Hubertus Hierls, der Pablo Picasso 1966 in Fréjus begegnete. Er hielt nicht nur Picasso beim Beobachten des Stierkampfes fest, sondern auch einige Szenen, die in den Grafiken auftauchen, etwa das Fortschleifen des Stierkadavers. Für Picasso war der Stierkampf, so René Hirner, Leiter des Kunstmuseums Heidenheim, „in seinem festen Ablauf, aufgeführt als volkstümliches Fest und ritualisierter Sport, ein Symbol für grundlegende Abläufe des Lebens, den Kampf von kultureller Zeremonie gegen naturhafte Kraft, den Kontrast von Licht und Dunkelheit, von Gut und Böse bis hin zu erotischen Konnotationen.“

Die Ausstellung dieses überschaubaren Konvoluts aus Düsseldorf besticht gerade durch die geringe Zahl an Arbeiten, die dennoch die meisten Motive und Schaffensphasen in der Druckgrafik Pablo Picassos behandeln. Die Schau strebt weder neue Einsichten in das Werk des Künstlers an, noch sucht sie sensationelle und unerwartete Blätter zu präsentieren. Vielmehr darf sich der Besucher Zeit nehmen, bekannte Motive Picassos in den Exponaten wieder zu sehen, einzelne Werke genauer zu betrachten und zu reflektieren. Es handelt sich um eine gemütliche Option für eine kulturelle Unternehmung an einem kühlen Wintertag.

Die Ausstellung „Picasso in Würzburg. Grafik aus dem Besitz des Museum Kunst Palast Düsseldorf“ läuft noch bis zum 17. Januar. Das Museum im Kulturspeicher hat täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr, dienstags ab 13 Uhr und donnerstags zusätzlich bis 19 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 5,50 Euro, ermäßigt 3,50 Euro.

Kontakt:

Museum im Kulturspeicher

Oskar-Laredo-Platz 1

DE-97080 Würzburg

Telefon:+49 (0931) 322 250

Telefax:+49 (0931) 322 25 18



04.01.2016

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/S. Hoffmann

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