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Aktuellzum Archiv:Ausstellung

Anlässlich des Düsseldorf Photo Weekends beherbergt das NRW-Forum seit Februar zwei Fotografie-Ausstellungen: Eine Hommage an Modefotograf Horst P. Horst tritt gegen die Abbildung der Realität durch Mareike Foecking an

Der Magier des Lichts im Scheinwerfer der Wirklichkeit



Der aus Deutschland stammende Fotograf Horst P. Horst zählt zu den wichtigsten Vertretern seiner Zunft im 20. Jahrhundert. Seine Modeshootings waren nicht nur genrebildend, sondern sind bis heute auch stilprägend. Grund genug für das NRW-Forum, ihm die umfassende Retrospektive „Horst: Photographer of Style“ zu widmen. Als einzige Stadt in seinem Heimatland machen die über 250 Werke aus 60 Jahren Schaffenszeit seit Anfang Februar Station in Düsseldorf. Das Londoner Victoria and Albert Museum konzipierte die Schau unter der Leitung von Susanna Brown und entschied sich für das NRW-Forum als einen von insgesamt fünf Ausstellungsorten weltweit. Zu bestaunen gibt es vor allem Horsts berühmte Arbeiten als Fotograf für die Vogue, Porträts von Stars wie Marlene Dietrich, Rita Hayworth oder Bette Davis, aber auch surrealistische Aufnahmen im Stil Dalís sowie Natur- und Reisebilder. Skizzenbuchauszüge, private Briefe, Couturekleider und bisher unveröffentlichtes Material komplettieren das Museumserlebnis, das sich Fashion Victims und an Fotografiegeschichte Interessierte nicht entgehen lassen sollten.


Der 1906 in Weißenfels an der Saale als Horst Paul Albert Bohrmann geborene Fotograf war zunächst Architekt, frisch von der Kunstgewerbeschule in Hamburg, als er bei Le Corbusier in Paris sein Studium begann. 1930 lernte er den Cheffotografen der französischen Vogue, George Hoyningen-Huene, kennen und lieben. Die mehrjährige Beziehung führte den attraktiven Horst erst ins Modellbusiness und mit den so geknüpften Bekanntschaften zur Fotografie selbst. 1932 veröffentlichte die britische Vogue bereits eine ganzseitige Kampagne von ihm mit dem Porträt der Tochter eines Kunstmäzens und katapultierte Horst P. Horst so über Nacht in den Modeolymp. Eleganz wurde das Markenzeichen des seit 1935 in New York arbeitenden und lebenden Fotografen, die sich durch sein gesamtes Œuvre zieht. 1943 verpflichtete er sich als gerade eingetragener amerikanischer Staatsbürger bei der US-Army und änderte dort seinen Nachnamen in Horst. Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte er in die USA zurück, wo er 1999 schließlich im Alter von 93 Jahren verstarb.

Seine graziösen Schwarz-Weiß-Studien bereits zu Anfang seiner Karriere brachten Horst P. Horst den Titel „Meister von Licht und Schatten“ ein. Er fotografierte die Kreationen der führenden Modedesigner und porträtierte die Berühmtheiten des letzten Jahrhunderts. Die Ausstellung bietet einen profunden Einblick in die Freundschaften, die Horst mit Modeschöpfern wie Coco Chanel und Elsa Schiaparelli oder Filmstars, Künstlern und Designern knüpfte. Originale Kontaktbögen, Vorzeichnungen und Kameras dokumentieren die kreativen Vorgänge hinter den ikonischen Bildern, von denen die Schau nur so strotzt. Setzte er auf der einen Seite die Reichen und Schönen in Schlaglicht und Hochglanz in Szene, beschäftigte er sich später mit der ausgesuchten Schlichtheit natürlicher Formen wie Muscheln oder Steine. Seine Arbeiten außerhalb der Modefotografie dominieren Aktstudien und Stillleben, bei denen er griechische und surreale Motive mit verschiedenen Malstilen verschmelzen ließ. Ihn inspirierten besonders die klassische Architektur, das moderne Bauhaus-Design sowie die surrealistische Kunst. Salvador Dalí und der Innenausstatter Jean-Michel Frank wurden zu seinen Freunden und Mentoren, was man dem Werk ansieht.

Nach dem Zweiten Weltkrieg veränderte sich die Modefotografie: Taucht der Besucher im ersten Raum in eine elegante Welt aus Schwarz und Weiß ein, vollzieht sich der Wandel mit lautem, bunten Knall durch das Weiterschreiten in den zweiten Ausstellungsflügel. Die Farbe hielt Einzug in die Magazine der 1950er Jahre und mit ihr eine vorher nicht dagewesene Ausdrucksstärke. Horst schuf 90 schillernd-leuchtende Titelblätter für die Vogue, die das NRW-Forum neben 25 ausgewählten, großformatigen Abzügen vollständig präsentiert. Wie Gemälde Tamara de Lempickas wirken die neuen Drucke von den originalen Diapositiven aus dem Condé Nast Archiv und inszenieren Horsts beliebteste Modelle aus der Zeit wie Carmen Dell’Orefice, Muriel Maxwell und Dorian Leigh. Die Bilderschau zeigt an dieser Stelle eindrucksvoll die Verwandlung des Lichtmeisters zum Farbenkünstler.

Weniger bekannt sind hingegen Horsts Reisefotografien aus dem nahen Osten, die seine Faszination für antike Kulturen, Landschaften und Architektur dokumentieren. In späteren Jahren buchten ihn die Vogue oder House and Garden vor allem für Aufnahmen einiger der schönsten Wohnungen und Häuser der Welt, darunter für Karl Lagerfelds Art Déco-Apartment, die Häuser von Yves Saint Laurent und den römischen Palazzo Cy Twomblys. Das NRW-Forum breitet sie dank interaktiver Projektionstechnik panoramaartig um den Betrachter an drei Wänden herum aus, lässt so den Eindruck von Dreidimensionalität und damit ein Gefühl für die Tiefe von Horsts zweidimensionalen Abbildungen entstehen. Ein Kontrast sind im zweiten Ausstellungssaal die abstrakten, kaleidoskopartigen Collagen aus Naturfotografien, die Horst im botanischen Garten von New York, den Wäldern New Englands, in Mexiko und an den atlantischen und pazifischen Küsten schoss.

Unterbrochen werden die Ausstellungsflügel von einer in Nischen „versteckten“ zweiten Fotoschau. In „Reality hung up so I called“ beschäftigt sich die Düsseldorfer Künstlerin Mareike Foecking parallel zur strahlenden Horst-Welt mit dem digitalen Wandel des Mediums. Die Professorin für Fotografie an der Düsseldorfer Fachhochschule hinterfragt in dieser B-Seite der glamourösen Welt anhand von Arbeiten der letzten fünf Jahre Sehgewohnheiten und die Oberfläche der fotografischen Abbildung von Dingen und Personen. Wie beeinflussen Bilder und deren Arrangement unsere Vorstellungen von der Welt? Wie manipulativ kann sich ein Foto auf das Verhältnis von Realem und Fiktivem auswirken? Haben Digitalisierung und Globalisierung unser Menschenbild verändert? Medientheoretisch vermischt Foecking die mit schlichten Pinnnadeln in scheinbar wahrloser Folge an der Wand befestigten Abzüge mit knappen, davon unabhängigen Statements wie „This is about Photography“ und „Empty Spaces“.

Das Ansinnen der Ausstellung ist nicht auf den ersten Blick ersichtlich. Es ist jedoch erfrischend, dass Mareike Foecking eben nicht den tieferen Sinn im Fotografieren von „Styles“ und „Looks“ in der Mode sucht. Vielmehr stellt sie heraus, dass diese Art des Abbildens nicht nur oberflächlich ist, sondern gezielt oberflächlich sein will, eine glatte Projektionsfläche für eine bearbeitete oder verschönte Wirklichkeit. Besonderes Highlight ist die Serie „Blocked Shops“, ein Langzeitprojekt, das sie 2011 in Angriff nahm: Läden von Chanel, Gucci, Jil Sander, Longchamps und Swarovski barrikadiert mit unästhetischen Holzblanken bis unters Markenschild in vier Metern Höhe. Auf einmal ist diese schöne Scheinwelt aus Reichtum und Glamour nichts weiter als verängstigt, versperrt und unzugänglich. Immer an Rosenmontag fotografierte Foecking die Nobelhäuser auf der Königsallee mit ihrer temporären Architektur während der Faschingszeit.

Genau diese Art von uninszenierter Realität ist es, die Foecking so reizt: Institutionen mit einem vermeintlich höheren Stellenwert als andere beugen sich den unteren Kräften, so unästhetisch diese Lösung auch sein mag. Eine Parodie auf die heile Welt, in der man für einen Rock vierstellige Beträge ausgibt und Kleider vom Wert eines Kleinwagens kaufen kann. Und damit ein Kommentar auf Horsts Fotografien, die solche Welten erschufen.

Die Ausstellungen „Horst: Photographer of Style“ und „Mareike Foecking. Reality hung up so I called“ sind beide bis zum 22. Mai zu sehen. Das NRW-Forum hat täglich von 11 bis 18 Uhr geöffnet, am Freitag und Samstag zusätzlich jeweils bis 20 Uhr. Der Eintritt beläuft sich auf 6 Euro, ermäßigt 4 Euro. Begleitend zur Ausstellung „Horst“ hat das Victoria and Albert Museum eine Publikation veröffentlicht; die deutsche Ausgabe aus dem Knesebeck Verlag ist für 49,95 Euro erhältlich.

Kontakt:

NRW-Forum Kultur und Wirtschaft

Ehrenhof 2

DE-40479 Düsseldorf

Telefax:+49 (0211) 892 66 82

Telefon:+49 (0211) 892 66 90

E-Mail: info@nrw-forum.de

Startseite: www.nrw-forum.de



21.03.2016

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Viviane Bogumil

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