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Anya Titova in Linz

Das Lentos Kunstmuseum in Linz präsentiert die institutionelle Ausstellung in Österreich mit Werken von Anya Titova. Die Schau „A Time Capsule“ besteht aus einer begehbare Gesamtinstallation der 1984 geborenen Russin, die sich als Kuratorin, Sammlerin, Forscherin und Ausstellungsgestalterin versteht. Titova verschiebt in ihren Werken die Grenzen zwischen Fotografie, Objekt, Installation, Skulptur und Collage. Sie hinterfragt die Ordnung der Dinge und verbindet an den Schnittpunkten Vergangenes und Gegenwärtiges. Anya Titova, die 2011 an der Biennale in Venedig teilnahm, bezieht sich auf Systeme der Überwachung und Kontrolle, die ideologische Konstruktion des Raums und der Lebensformen sowie auf die Technik der Unterdrückung.

Ihre raumbezogene Arbeit in Linz besteht aus vier Exponaten: Das Video „Katalog“, die Skulptur „Der pawlowsche Hund“ und die Installationen „Treibhaus-Bibliothek“ sowie „Pavillon“. Der „Pavillon“ bildet den Anfang der Schau, die Elemente der Vergangenheit mit der Gegenwart vereint. Der britische Philosoph Jeremy Bentham (1748-1832) entwickelte in seinem „Panoptikum“ eine Raumorganisation, die in ihrer Zweckmäßigkeit für Gefängnisse und Fabriken gedacht war. Im Kontrast zu diesem an Disziplin und Kontrolle ausgerichteten sozialen Raum steht Titovas Entwurf für einen Garten, den Lauben und allegorische Skulpturen zieren. In ihm herrscht also eine ästhetische, der Freiheit und Freizeit gewidmete Ordnung vor. In der Verbindung dieser zwei Welten, verdeutliche Titova, laut Kuratorin Klaudia Kreslehner, den traumähnlichen Charakter des sozialen Raumes. Die grellgelbe Skulptur „Der pawlowsche Hund“ verweist nicht nur auf das Experiment der Konditionierung, sondern ist auch als Metapher für den Menschen in der Massenkultur zu verstehen, der auf bestimmte Reize reagiert und damit manipuliert wird.

In der „Treibhaus-Bibliothek“ stellt Anya Titova, die an der Glasgow School of Art, am Institut für Zeitgenössische Kunst in Moskau und an der Valand Academy in Göteborg studierte, Bücher aus den frühen 1990er Jahren ein. Die Epoche war eine Zeit neuer Möglichkeiten, aber auch einer einsetzenden Desorientierung in Russland nach dem Fall der Sowjetunion. Die Autoren dieser Publikationen sind Sektenführer und Wunderheiler, esoterische Gurus und Propheten wie Juna Davitashvili (1949-2015) oder der „Neue Nostradamus”, Evgeny Berezikov, Jahrgang 1936. Diese Schriften dienen nicht zur Aufklärung, sondern erfüllen die Funktion von Handbüchern, die ein Überleben in einer neuen als chaotisch empfundenen Zeit ermöglichen. Die speziell angefertigte Vitrine und das Werk verdeutlichen historische Erfahrungen und unsichtbare wie auch unausgesprochene Grundannahmen, mit denen wir die Gegenwart erklären und die Vergangenheit strukturieren. Das sieben Minuten dauernde Video „Katalog“ orientiert sich an archäologischen Praktiken. Fragmente zerbrochener Gefäße werden nach nicht nachvollziehbaren Regeln zusammengeführt. In den Scherben der Gefäße gibt Titova einen Hinweis auf die Geschichte, die das Zerstörerische und Gewalt kennzeichnet.

Die Ausstellung „Anya Titova. A Time Capsule“ ist bis zum 29. Mai zu sehen. Das Lentos Kunstmuseum hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr geöffnet, am Donnerstag zusätzlich bis 21 Uhr. Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 6 Euro, Schüler und Studierende bis 27 Jahre zahlen 4,50 Euro. Zur Schau erscheint ein Saalheft.

Lentos Kunstmuseum Linz
Ernst-Koref-Promenade 1
A-4021 Linz

Telefon: +43 (0)732 – 7070 3600
Telefax: +43 (0)732 – 7070 3604

Quelle: Kunstmarkt.com/S. Hoffmann

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Veranstaltung vom:


18.03.2016, Anya Titova - A Time Capsule

Bei:


Lentos Kunstmuseum Linz

Künstler:

Anya Titova








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