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Zeitgenössische Kunst bei Lempertz

Liebe ist etwas, was man benutzt, nicht etwas, dem man verfällt



Sie waren eine Traumbesetzung: John Malkovich, Glenn Close, Michelle Pfeiffer, Uma Thurman und Keanu Reeves in Stephen Frears’ Film „Gefährliche Liebschaften“. Seit 1988 kennt jeder die intrigante Geschlechtergeschichte um die Marquise de Merteuil und den Vicomte de Valmont. Doch „Les Liaisons dangereuses“ sind weitaus älter. Der Briefroman von Pierre-Ambroise-François Choderlos de Laclos gilt als ein Hauptwerk der französischen Literatur des 18. Jahrhunderts und als Sittengemälde des ausgehenden Ancien régime. So bediente sich Konrad Klapheck 1968 bei diesem Titel und übertrug auf sein Ölgemälde. Doch darauf ist kein einziger Mensch zu sehen, vielmehr die für Klapheck typische Dingwelt mit Telefon, langem Kabel und Drehstuhl. Aber versteht Klapheck seine präzis gemalten Maschinen und technischen Apparaturen durchaus anthropomorph. Er erhebt sie zu Lebewesen, individualisiert sie und weist ihnen Geschlechterrollen zu. Und tatsächlich scheint sich zwischen Telefon und Stuhl eine libidinöse, verschlingende Beziehung entwickelt zu haben; windet sich doch das Telefonkabel um das Bein des Stuhles. Klaphecks „Gefährliche Liebschaften“ gehören zu den Favoriten der Zeitgenossen-Auktion bei Lempertz und bringen für 120.000 bis 150.000 Euro etwas Unruhe in ein neues Heim.


Aus den insgesamt 300 Positionen hat das Kölner Auktionshaus für die Versteigerung am 4. Juni 62 Highlights ausgewählt und in einem eigenen Katalog zusammengefasst, der traditionell mit den Malern des Informel und mit Peter Brünings ausgefranstem Farbbalkenfeld in Schwarz und Rot um 1958 beginnt (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR). Höhepunkt ist hier mit 180.000 bis 200.000 Euro Ernst Wilhelm Nays leuchtend buntes Scheibenbild „Vega“ von 1957, dem Nays verhaltenere „Harfenspielerin“ von 1948 vorausgeht. Doch auch hier ist von der Musikerin und dem Instrument kaum noch etwas zu erkennen (Taxe 70.000 bis 80.000 EUR). Zu den letzten Arbeiten Hans Hartungs zählt die Leinwand „T1989-U27“, die ohne die typischen Strichbündel der frühen Jahre auskommt, dafür die im Spätwerk charakteristische Sprühtechnik mit vielen kleinen farbigen Punkten verwendet (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR).

Breiten Raum nehmen dann ZERO und das Umfeld ein. Neben einigen Feuergouachen im unteren fünfstelligen Bereich stellt Otto Piene ein charakteristisches Rasterbild in Rot und Schwarz mit goldenem Rahmen von 1958/72 zur Verfügung (Taxe 200.000 EUR). Ebenfalls in das Jahr 1958, das Gründungsjahr der ZERO-Gruppe, datiert eine frühe serielle Reihung Heinz Macks, der dafür eine Aluminiumplatte mit einem Rillenmuster bearbeitete. Mit „Pyramide + Horizont“ von 1972 steht ein signifikantes Exemplar aus Macks Werkreihe der silbernen Lichtreliefs zur Verfügung. Sie entwickeln ihre dynamische Wirkung durch geformte Aluminiumplatten, die das Licht zurückwerfen und in eine rhythmisierte Schwingung versetzen (Taxe 150.000 bis 200.000 EUR). Auch Adolf Luther hat sich mit dem Licht als grundlegender Energieform der Welt beschäftigt und es in seinen Spiegelobjekten sichtbar gemacht. Bei Lempertz ist diesmal ein eher ungewöhnliches Stück zu haben: ein großer runder Hohlspiegel mit integrierter Leuchtstoffröhre (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR).

Das Pendant der ZERO-Gruppe war in den Niederlanden die „Nul-beweging“. Ihr geöhrte Henk Peeters an, der 1961 mit einem quadratischen Rastermuster aus weißem Farbpigment und Glasstaub auf einer Kunststofffolie experimentierte (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR). Ähnlich, nur etwas bunter ging Jean-Pierre Pincemin 1967/68 in seiner großformatigen Rechteckstaffelung „Pliage“ in Rot, Blau und Weiß vor (Taxe 20.000 bis 25.000 EUR). Nach Italien zu den Spatialisten geht es mit einem „Volume“ von Dadamaino aus dem Jahr 1959. Dafür hat die Künstlerin in eine hochrechteckige, schwarz bemalte Leinwand ein großes eiförmiges Loch geschnitten und damit das Bild eines leeren Raums entworfen (Taxe 45.000 bis 50.000 EUR).

Seine künstlerisch prägenden Eindrücke erhielt Afro Basaldella während seines Amerika-Aufenthaltes in den 1950er Jahren. Angeregt durch die Malerei des Abstrakten Expressionismus und die Kunst Arshile Gorkys entfaltet er einen gegenstandslosen, dynamischen und kontrastreichen Stil, der auch in seiner übermalten Papiercollage „Progetto per il grande rosso“ von 1963 zum Ausdruck kommt (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR). Günter Fruhtrunk orientierte sich in dieser Zeit lieber an geometrischen Prinzipien und legte 1964 in der quadratischen Leinwand „Centre d’Énergie“ diagonale Streifenbahnen in Rot und Schwarz mit blauen Rändern an. Doch plötzlich bricht die strenge Rhythmisierung ab, es klafft mittig ein Spalt und dynamisiert das Bild (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR). Auch wenn sich Zdenek Sýkora bei seinen Schöpfungen gleichfalls auf die Mathematik beruft und seit den 1960er Jahren die Zahlenkombinationen für die Länge, Krümmung, Dicke als auch die Farbe seiner Linien durch Computerprogramme berechnen lässt, kommen seine Bilder ungleich lustvoller und verspielter daher, so die „Linie Nr. 74“ von 1990 (Taxe 120.000 bis 150.000 EUR).

Wojciech Fangors konzentrische Farbkreise, wie sein „B 68“ in Blau und Violett auf graubraunem Grund von 1965, rechnet man mit ihren vibrierenden Farbrändern der Op-Art zu (Taxe 60.000 bis 70.000 EUR). Joseph Marioni setzt allein auf die Kraft der Farbe und lässt in seinem „Red painting“ von 2000 nur an wenigen Stellen den Leinwanduntergrund und den Keilrahmen durchschimmern (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR). Zwei Jahre zuvor hat Sol LeWitt, der Meister des Quadrat und des Minimalismus, zu einer „Irregular Form“ gegriffen und eine doch nur fast quadratische blaue Fläche auf den roten Untergrund gelegt (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR). Paul Thek wählte 1983 für seine rosa-gelbe Farbexplosion in einem blauen Meer als Malunterlage eine Zeitungsseite, die die Vergänglichkeit des Materials wie auch der darauf gedruckten Nachrichten symbolisiert (Taxe 30.000 EUR).

Auch in der Skulpturenofferte bleibt es abstrakt. Der Kubaner Agustín Cárdenas orientiert sich in seiner Bronze „Composition aux trois formes“ von 1956 an dem typisch amorphen surrealen Gestaltungswillen jener Zeit (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR). Mit seiner kompakten Terrakotta-Arbeit „Lurra G-61“ nimmt Eduardo Chillida 1985 schon im Material Bezug zur Natur und hat drei Tonwürste auf die dunkelbraune Kubusform gelegt (Taxe 90.000 bis 120.000 EUR). Günter Haese ist dagegen für seine filigranen, aus Messingdraht konstruierten, kosmisch-kinetischen Skulpturen bekannt; so erscheint seine Arbeit „Tukano I“ von 1998 wie eine Erdfunkstelle in Miniaturformat (Taxe 18.000 bis 22.000 EUR). Einen zackigen drängenden Schwung greift Parviz Tanavolis dunkelblaue Fiberglasarbeit „Heech Lovers“ von 2007 auf und gleicht darin einem springenden Delphin (Taxe 28.000 EUR).

Figurativ wird es erst wieder mit der Pop Art. Deren Hauptexponent Andy Warhol stellt zwei Farbserigrafien aus seiner späten Serie „Myths“ von 1981 zur Verfügung: die diabolisch lachende „Witch“ für 40.000 bis 45.000 Euro und den uramerikanischen Helden „Superman“ für 150.000 bis 160.000 Euro. In hyperrealistischer Manier hat Karin Kneffel 1995 ihr großformatiges Pfirsichstillleben gemalt. Die Darstellung wirkt so überzeugend, dass die fünf Früchte aus dem Bildraum herauszutreten scheinen und an ein riesiges, computerbearbeitetes Werbemotiv erinnern. Jedoch wird die Vollkommenheit durch minimale Dellen in der Oberfläche der Pfirsiche leicht gebrochen (Taxe 150.000 bis 200.000 EUR). In ihren jüngeren Arbeiten suggeriert Kneffel einen Blick hinter eine Glasscheibe. Durch Spiegelungen und Reflexionen im Vordergrund wird die gläserne Fläche erkennbar, die sich wie ein Filter vor das Motiv legt, so auch bei dem Gemälde eines Filmsets aus Hollywood von 2013, für das der Hitchcock-Klassiker „Der zerrissene Vorhang“ von 1966 Pate stand (Taxe 150.000 bis 160.000 EUR).

Wieder abstrakt wird es bei der Mondlandschaft „Basic Research“, für die Isa Genzken 1989 eine braune Frottage ihres Atelierbodens angefertigt hat (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR). Auch der Berliner Maler Christian Hellmich liebt die Abstraktion und schuf 2009 das Farbspiel „Sensortype“, das vor allem von vertikalen Linien bestimmt wird (Taxe 5.000 EUR). Auf Uwe Kowskis Ölgemälde „Uhrwerk“ aus dem Jahr 2004 ist von der titelgebenden Mechanik nichts zu sehen. Allein das Verwirrende eines Uhrwerks mag der gemeinsame Nenner sein. Der Belgier Michiel Ceulers legt seiner Leinwand aus dem Jahr 2013 ein kleinteiliges, schwarz-weißes Raster à la ZERO zugrunde, untersucht aber dabei die Bedingungen der Malerei (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR).

Auf der anderen Seite bedient sich die jüngere Malergeneration wieder ungeniert beim Gegenstand, so etwa bei den vier jungen Damen an einem Gewässer bei rätselhaften Tätigkeiten, denen Rosa Loy 2005 den Titel „Die andere Zeit“ gab (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR). Mythologie, Kunstgeschichte und aktuelle Zeitgeschehnisse verwebt Jonas Burgert in seinem Triptychon „Zyklus Potsdam (Teil II)“ zu einer archaischen Version menschlicher Beziehungen. Verbindendes Element zwischen den beiden äußeren schmalen Teilen und dem Hauptbild ist ein orangefarbenes Band (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR). Norbert Bisky ist mit einem seiner erotischen Jungmännerbilder vertreten; doch fliegen über das Gesicht des blonden Jünglings in „Tempest“ aus den Jahr 2012 viele kleine bunte Farbflecken (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR).

Inez van Lamsweerde „Anastasia“ aus dem Jahr 1994 besticht mit der Mischung aus Eleganz und einer durchgestylten kühlen Erotik. Dem Halbfigurenakt der jungen Frau ist eine rokokohafte weiße Perücke aufgesetzt, ihr Gesicht bedeckt eine schwarze Maske. Das Foto soll 15.000 bis 20.000 Euro kosten. Ungegenständliche fotografische Äußerungen gibt es dann von Gerhard Richter. Seine vier C-Prints „Irfit. Bagdad. Bagdad. Aladin“ mit Farbmassen in Zitronengelb, Violett, Rot, Türkis und Königsblau entstanden 2015 nach Hinterglasmalereien und wurden in einer Auflage von 500 Stück herausgegeben (Taxe 18.000 EUR). Eine zum Schmunzeln anregende Serie ist die achtteilige Fotoarbeit „Daseinsrenovierung“ von Jürgen Klauke. Die Selbstinszenierung des Künstlers zeigt ihn an Drahtseilen über einem Tisch mit weißen Kissen horizontal hängend. Diese greift er mit den Händen und schwenkt sie energisch um sich, bis er am Ende selbst auf den leeren Bezügen und auf dem Tisch liegt (Taxe 9.000 bis 12.000 EUR).

Die Auktion beginnt am 4. Juni um 11 Uhr. Die Besichtigung ist noch bis zum 2. Juni täglich von 10 bis 17:30 Uhr möglich. Der Internetkatalog listet die Objekte unter www.lempertz.com.

Kontakt:

Kunsthaus Lempertz

Neumarkt 3

DE-50667 Köln

Telefon:+49 (0221) 92 57 290

Telefax:+49 (0221) 92 57 296

E-Mail: info@lempertz.com



02.06.2016

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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04.06.2016, Auktion 1071: Zeitgenössische Kunst










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