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Christoph Brech gilt als der Poet unter den Foto- und Videokünstlern Deutschlands. München zeigt seine Ausstellung „Überleben. Im Dialog mit dem Mittelalter“ gleich an zwei Orten: In der Mittelalter-Abteilung des Bayerischen Nationalmuseums und in der Deutschen Gesellschaft für christliche Kunst

Luftballons in eisernen Händen



Vor der scheinbar unüberbrückbaren Distanz christlicher Kunst zu unserer Gegenwart hat dieser Video- und Installationserfinder offensichtlich keine Angst. Der 52jährige Christoph Brech entlockt ihnen mit den Mitteln der Gegenwart neue Momente der Wahrhaftigkeit. Das ist derzeit in München in der Ausstellung „Überleben. Im Dialog mit dem Mittelalter“ in der Sammlung mittelalterlicher Kunst im Bayerischen Nationalmuseum in München zu erleben, die ihre empfehlenswerte Forstsetzung in der Deutschen Gesellschaft für Christliche Kunst im Pinakotheken-Viertel findet. Entgegen der allgemeinen Museumspraktik klappt Christoph Brech im Bayerischen Nationalmuseum zum Beispiel die Seitentafeln eines geschnitzten Altars aus dem 15. Jahrhundert fast zusammen. Nur durch einen schmalen Spalt dringt grelles Licht hervor, das die von innen angeleuchtete Muttergottes wie eine unwirkliche Verheißung erscheinen lässt. In nüchterner Neonschrift schwebt darüber der Schriftzug „Cielo“, sprich „Himmel“.


An anderer Stelle setzt der vielfach ausgezeichnete Wahlmünchner ein I-Phone-großes Display mit einem Video des von Glockengeläut begleiteten Petersdomes bei Nacht in das weit aufgerissenen Maul eines Holzlöwen, der als Memento-Mori-Allegorie einst eine Turmuhr bekrönte. Brechs Video-, Sound- und Rauminstallationen sind unaufdringlich, doch eingängig. Sie machen sakrale Skulpturen oder bronzene Taufbecken neu erfahrbar. Die Sammlung mittelalterlicher Glasfenster etwa wird zu einem Klang-Farb-Erlebnis, indem auf die steinerne Mittelsäule des Raumes ein meditatives Farbspiel projiziert ist, das Brech dem schnell getakteten Farbwechsel eines Spielautomaten entnommen hat. Der Eindruck trügt, aber man glaubt an ein Lichtspiel der hoch oben arrangierten Glasbilder.

Christoph Brech hat in den letzen Jahren immer wieder bewiesen, dass sein großes Talent darin besteht, die Sichtweisen auf Althergebrachtes aufzubrechen. Sein eigener Blick ist dabei manchmal unverstellt, wie der eines Kindes. Und die formalen Methoden der Moderne wie etwa Verfremdung oder Fragmentierung sind sein Baukasten. In das 500 Jahre alte Büstenreliquar des heiligen Christophorus, des Schutzpatrons der Reisenden, schob er in die Brustöffnung das Heiligtum der westlichen Zivilisation, das Modell eines Autos. Bei einer auf den ersten Blick nicht sehr expressiv wirkende Regensburger Marienfigur von etwa 1300 hat er durch mehrere schräg aufgestellte Spiegel, die nur Details reflektieren, tiefe emotionale Momente zum Vorschein gebracht.

Nicht alle der 20 Arbeiten im Bayerischen Nationalmuseum, von denen zahlreiche von einer Durchdringung der mittelalterlichen Kunst zeugen, sind extra für diese Ausstellung entstanden. Als Brech vor einigen Jahren als einer der wenigen Auserwählten im Vatikan fotografieren durfte, entstand schon jenes Video, das nur die Füße der Besucher einer Kirche und den Saum eines wallenden Vorhangs zeigt. Manchmal schummelt sich wie ein Blitz das Tageslicht dazwischen. Solchen Belanglosigkeiten kann Christoph Brech eine ungemeine Poesie abgewinnen. Banales kann er in ästhetisches Staunen transformieren und mitunter sogar Witz, Nachdenklichkeit und Ironie hervorbringen. Die chromglänzenden Luftballons, die Brech dem Heer von Ritterrüstungen am Ausgang des Museumsrundgangs in die eiserne Hand gegeben hat, sind ein heiterer und zugleich doppelbödiger Kommentar zum gesamten Waffensaal.

Aber Christoph Brech ist kein Spaßkünstler. Die Deutsche Gesellschaft für Christliche Kunst präsentiert eine Reihe seiner Fotografien, die einen Wesenszug fast aller Arbeiten offenbaren. Brech treibt die Suche nach dem Flüchtigen und Vergänglichen im direkten und übertragenen Sinn um. Ein besonderes Licht oder Schattenspiele lassen auf seinen Fotografien die Räume des Bayerischen Nationalmuseums aus dem Alltäglichen heraustreten. Und mit seiner Installation „Hobellocken“, die nicht länger als die Ausstellung existieren wird, bewegt er sich gar in die Nähe des Absurden. Das um 1490 geschnitzte Brustbild des heiligen Sebastians mit gelocktem Haar ist umgeben von spiralförmigen Spänen, die wie abgeschnittenes Haar neben dem Werk liegen. Bilder zu kreieren, die leise und eindringlich sind, das ist die Klammer in Brechs sehr verschiedenem und vielseitigem Werk.

Das Schicksal, ein Kunstwerk der Vergänglichkeit zu sein, trifft auch Brechs tiefgründigste Installation, zu sehen in der Deutschen Gesellschaft für christliche Kunst. Sein Video „Upstream II“, eine scheinbar endlose Kamerafahrt über Wasser und Küste des kanadischen St-Lorenz-Stroms, ist dort auf eine Wand projiziert. Sie wiederholt sich auf einem am Boden liegenden Spiegel, auf dem sich ein kleines Kalksteinboot aus dem 15. Jahrhundert erhebt, eine Leihgabe des Bayerischen Nationalmuseums. Darin aufgebahrt ist der heilige Arigius, der im Jahr 604 selbst bestimmt haben soll, dass sein Grab dort sei, wo ihn der Fluss ans Ufer treibt. Wer jetzt noch glaubt, die Distanz zwischen christlicher Kunst und Gegenwart sei unüberwindbar, muss ein Atheist mit betonharter Schale sein.

Die Ausstellung „Überleben – Christoph Brech. Im Dialog mit dem Mittelalter“ läuft im Bayerischen Nationalmuseum bis zum 4. September, in der Deutschen Gesellschaft für christliche Kunst bis zum 9. Juli. Das Bayerische Nationalmuseum hat täglich außer montags von 10 bis 17 Uhr, donnerstags bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 9 Euro, ermäßigt 8 Euro. Die Deutsche Gesellschaft für christliche Kunst öffnet ihre Pforten dienstags bis freitags von 12 bis 19 Uhr. Der Katalog zur Ausstellung wurde von beiden Institutionen herausgegeben und ist im Deutschen Kunstverlag erschienen. Er kostet 24,90 Euro.

Deutsche Gesellschaft für christliche Kunst e.V.
Türkenstraße 16
D-80333 München

Telefon: +49 (0)89 – 28 25 48
Telefax: +49 (0)89 – 28 86 45

Kontakt:

Bayerisches Nationalmuseum

Prinzregentenstraße 3

DE-80538 München

Telefon:+49 (089) 211 24 01

Telefax:+49 (089) 211 24 201

E-Mail: bay.nationalmuseum@bnm.mwn.de

Startseite: www.bayerisches-nationalmuseum.de



27.06.2016

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Sabine Spindler

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