Die Kunst, online zu lesen.

Home


Magazin

News


Marktberichte


Ausstellungen


Journal


Portraits


Top Event


Netzkunst





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Auktionsanzeige

Am 14.09.2019 Auktion 14. September 2019

© Auktionshaus Stahl

Anzeige

Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz

Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz
© Galerie Neher - Essen


Anzeige

Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874 / Hans Thoma
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.com

Ausstellungen

Aktuellzum Archiv:Ausstellung

Pablo Picasso und die Kunst in Deutschland in der Kunsthalle Würth in Schwäbisch Hall

Er kam nie, sah nie und siegte trotzdem



In Deutschland ist er nie gewesen. Seine erste größere Einzelausstellung, die 1913 bei Heinrich Thannhauser in München stattfand, hat er nie besucht, geschweige dass er an ihrer Eröffnung teilgenommen hätte. Auch die in den folgenden Jahren und Jahrzehnten in deutschen Galerien und Museen gezeigten Schauen hat er nicht gesehen. Vor diesem Hintergrund erscheint es fast paradox, dass ausgerechnet in Deutschland kurz vor dem Ersten Weltkrieg der Siegeszug des spanisch-französischen Künstlers Pablo Picasso besonders an Fahrt aufnahm. Verschmähte man ihn in Frankreich damals noch, so wurde er in Deutschland durch renommierte Galeristen wie Alfred Flechtheim oder eben Thannhauser – Letzterer mehr aus geschäftlichen Interessen, Ersterer eher aus Idealismus – eifrig gefördert.


Gegenwärtig kann man sich vor Picasso-Ausstellungen kaum retten. Der Maler, Bildhauer und Grafiker, der in seinem langen Leben ein Œuvre von geradezu monumentalem Umfang schuf, eignet sich heute noch als Zugpferd für verhältnismäßig einfach zu erarbeitende, aber vielbesuchte Ausstellungen. Das hat man auch in der Kunsthalle Würth in Schwäbisch Hall erkannt und sich relativ kurzfristig zu einer Kooperation mit dem Museo Picasso in Málaga, der Geburtsstadt des Künstlers, entschlossen. Unter dem Titel „Picasso und Deutschland“ sollen die Beziehungen zwischen dem Titelhelden und seinen deutschen Kollegen vom frühen 20. Jahrhundert bis zu Picassos Spätwerk in den Blick genommen werden. Rund 160 Werke überwiegend aus der eigenen Sammlung des Schrauben-Unternehmers Reinhold Würth werden dem Publikum vorgestellt.

Den Hauptteil stellen auf deutscher Seite die Meister des Expressionismus. In München, bei den Angehörigen der Neuen Künstlervereinigung und im Umkreis des Blauen Reiters, rezipierte man den Spanier vor allem auf intellektuellem Wege. Wassily Kandinskys Schrift „Über das Geistige in der Kunst“ von 1911/12, die Picasso fast hymnisch feiert, ist ein Beispiel dafür. Doch auch Motivwahl und künstlerische Formensprache korrespondieren miteinander. Der von der Beschäftigung mit außereuropäischem Kunstschaffen inspirierte Primitivismus, die wilde Welt des Zirkus oder das Verhältnis zwischen Maler und Modell und seine künstlerische Neudefinition – das waren Themen, die Picasso ebenso wie Franz Marc oder August Macke interessierten. Auch das Ausreizen neuer Grenzen der malerischen Umsetzung, immer aber diesseits der Abstraktion, scheint ein wesentlicher Impuls gewesen zu sein, der von Picasso auf die deutschen Maler ausging.

Dies gilt ebenso für die Dresdner „Brücke“ um Erich Heckel, Hermann Max Pechstein und Karl Schmidt-Rottluff. Ernst Ludwig Kirchner hat Picassos Einfluss freilich immer geleugnet, die eigenen Bilder später vordatiert und sogar in autobiografischen Bemerkungen den Primat in der Entdeckung beispielsweise des Primitivismus für sich reklamiert. Wir wissen heute, dass das nicht der Fall war, aber auch, dass das dem künstlerischen Wert des Werkes Kirchners keinen Abbruch tut. Hier gibt es in der Haller Ausstellung einige schöne Gegenüberstellungen zwischen Arbeiten der Deutschen und solchen Picassos, wenngleich der Dialog manchmal etwas ausführlicher, lebhafter hätte sein können.

Das gilt auch für Max Beckmann. Gerade einige Arbeiten des drei Jahre Jüngeren aus den 1920er Jahren erinnern in Motivwahl, Zeichnung und Kolorit auffallend an Picassos neoklassizistische Schaffensphase der frühen 1920er Jahre. Nicht immer wird das in der Ausstellung so deutlich, Picassos Bildnis seiner Ehefrau Olga von 1923 und Beckmanns „Quappi in Blau im Boot“ von 1926, die gut nebeneinander gepasst hätten, hängen getrennt, quasi mit dem Rücken zueinander. Das ist schade, weil so die Erfüllung des eigentlichen Sinns und Themas der Schau – eben Dialog, Vergleich und mögliche gegenseitige Befruchtung – etwas zu kurz kommen.

Immer wieder bezog sich Pablo Picasso auch auf die kunsthistorische Tradition und auf künstlerische Vorläufer. Sein Blick war dabei stets auffallend selektiv. Die alten Italiener etwa verwarf er pauschal als dekorativ, von den Deutschen aus Spätgotik und Renaissance ließ er nur Lucas Cranach d.Ä. wirklich gelten, den aber schätzte er besonders. Immer wieder nahm er sich Gemälde des Wittenbergers zum Vorbild, paraphrasierte sie, schuf ganze Werkserien wie die zu „Venus und Amor“, aus der in Schwäbisch Hall neben einer Reihe von Grafiken in verschiedenen Stilmodi auch ein großes Ölbild hängt. Als Pendant muss man sich allerdings mit Cranachs „Adam und Eva“ begnügen – auch dies Zeichen einer gewissen Eile, die die Konzeption dieser Ausstellung bisweilen nicht völlig ausreifen ließ.

Dies gilt auch für die Gliederung der Schau insgesamt. Mal erfolgt sie unter thematischen Aspekten wie „Krieg und Frieden“ oder „Mythos“, mal mit stilgeschichtlichen Rubriken wie dem Dadaismus. Nicht immer wirkt das überzeugend. Recht verloren etwa steht das Kapitel „Entartete Kunst“, und der Bezug zu Picasso fehlt ganz. Auch der Abschluss, in den hintersten Räumen im Untergeschoss des Ausstellungshauses, passt nicht mehr ganz zum Thema. Hier soll es um das Spätwerk Picassos gehen. Das ist auch präsent, nur die Pendants aus Deutschland haben es offenbar nicht mehr rechtzeitig unter die Exponate geschafft.

Vielleicht ist also nicht Alles gelungen in dieser Ausstellung. Eine gewisse Willkür bei der Auswahl der Exponate lässt sich nicht leugnen, und in die Riege der großen Picasso-Schauen wird die Haller Retrospektive sicherlich nicht eingehen. Vor dem Hintergrund, dass Kunstmäzen Würth dem Publikum sein Haus nach wie vor gratis öffnet, wird der Besucher das aber sicherlich gut verschmerzen.

Die Ausstellung „Picasso und Deutschland. Die Sammlung Würth in Kooperation mit dem Museo Picasso Málaga“ läuft noch bis zum 18. September. Geöffnet ist bei freiem Eintritt täglich von 10 bis 18 Uhr. Der auf die Málaga-Ausstellung bezogene Katalog mit schmalem Zusatzheft für Schwäbisch Hall kostet in der Ausstellung 38 Euro.

Kontakt:

Kunsthalle Würth

Lange Straße 35

DE-74523 Schwäbisch Hall

Telefax:+49 (0791) 946 72 55

Telefon:+49 (0791) 94 67 20

E-Mail: kunsthalle@wuerth.com



13.07.2016

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an


Weitere Inhalte:

Veranstaltung vom:


06.04.2016, Picasso und Deutschland

Bei:


Kunsthalle Würth

Bericht:


Fondation Beyeler verlängert Picasso-Schau

Künstler:


Pablo Picasso










Copyright © '99-'2019
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Magazin

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce