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Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz

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Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Angezogene Handbremse in der Versteigerung von Alter Kunst, Moderne und Kunstgewerbe bei Fischer in Luzern

Ein sanfter Büffel wandert aus



Robert Zünd, Ansicht des Pilatus, 1852

Robert Zünd, Ansicht des Pilatus, 1852

Die gemalte Idylle schmeichelt dem Auge, die warme Luft und die Stille der Morgenatmosphäre verbreiten Harmonie. Vielleicht aufgrund dieses pittoresken Charmes konnte die „Ansicht des Pilatus, im Vordergrund Weg mit Figuren- und Tierstaffage“ des Luzerner Künstlers Robert Zünd in der vergangenen Versteigerung des Schweizer Auktionshauses Fischer positiv hervorstechen. Denn mit einer Verdoppelung der Schätzung und einem Hammerschlag bei 120.000 Franken erwies sich das Ölgemälde aus dem Jahr 1851 als teuerste Position bei den älteren und neueren Meistern und bescherte den Luzerner Auktionatoren einen freudigen Moment. Leider gehörten solch glückliche Bieterrunden zur Ausnahme, die eher zähe Kaufbereitschaft des Publikums blieb im Laufe der drei Auktionstage insgesamt erhalten und sorgte dafür, dass nicht annähernd die Hälfte der Einlieferungen auf nachhaltiges Interesse stieß.


Aber einige Stimmungshochs gab es trotzdem, und so konnte zum Beispiel ein spätbronzezeitlicher Stier aus dem östlichen Mittelmeerraum ebenfalls die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Das imposante gehörnte Haupt des Bullen ist mit großen geschlitzten Augen unter stark abgesetzten Lidern ausgestattet. Er hat sein Maul geöffnet und präsentiert seine Zunge. Sein Körper wirkt im Verhältnis zum Kopf drahtig und schmal, seine vier Hufen weisen Ösen zur Befestigung an einer Plinthe auf. Trotz der mächtigen Hörner weckte das Tier mit seinem scheinbar sanften Gemüt Mitte Juni eher Sympathie als Furcht im Betrachter und konnte auf diese Weise das Herz eines britischen Bieters gewinnen, der die aus einer Schweizer Privatsammlung stammende Plastik gegen die Zahlung von 120.000 Franken nun zur Auswanderung auffordern darf (Taxe 50.000 bis 70.000 SFR).

Moderne und zeitgenössische Kunst

Durchschnittlich wurde die Sparte moderner und zeitgenössischer Kunst mit einer losbezogenen Zuschlagsquote von knapp 42 Prozent angenommen. Giorgio Morandis Radierung „Natura morta con cinque ogetti“ von 1956 ist ein Paradebeispiel seiner charakteristischen Gestaltung mit Licht und Schatten sowie mit Ruhe und Bewegung. Der Zuschlag bei 40.000 Franken für das recht unscheinbare, aber qualitätvolle Blatt lockerte die Gemüter spürbar auf (Taxe 25.000 bis 35.000 SFR). Ein weiterer großer Name kam mit Le Corbusier aufs Parkett. Der gebürtige Schweizer Architekt und Möbeldesigner machte sich auch als Zeichner und Maler einen Namen. Das wusste so mancher Bieter und beteiligte sich am Kauf um die Collage „Ubu-Bois“ von 1942. In kubistischer Manier wurde ein mit Tuschfeder gemalter menschlicher Körper in seine geometrischen Grundbausteine aufgespalten, der Hintergrund lebt von ruhigen, gedeckten Brauntönen und einzelnen Zeitungsschnipseln. Die Arbeit konnte sich regen Interesses von 33.000 Franken freuen (Taxe 20.000 bis 30.000 SFR). Und da Gleichgesinnte gerne unter sich bleiben, reihte sich eine weitere Schweizer Berühmtheit in die Riege der Gefragten. Giovanni Giacometti steuerte seine bunte Ansicht von „Capolago“ bei. Typisch für seine spätere Zeit in den 1920er Jahren findet sich auch hier die Begeisterung des Künstlers für seine Heimat wieder. Die Heimatverbundenheit kam gut an und forderte schließlich 36.000 Franken ein (Taxe 34.000 bis 38.000 SFR).

Einen eindrücklichen Auftritt hatte die gebürtige Berlinerin Clara Porges mit ihrer dynamischen Schilderung der „Cavalieri dell’apocalisse“. In Mischtechnik brachte sie die in der Johannes-Offenbarung geschilderten Reiter als Entwurf zur Ausführung in der Züricher Pauluskirche auf die Leinwand und wurde dafür mit 30.000 Franken belohnt (Taxe 30.000 bis 40.000 SFR). Der Züricher Bildhauer Otto Charles Bänninger reüssierte mit seinem eineinhalb Meter hohen „Stehenden Frauenakt mit Apfel“ in voluminösen Rundungen bei 20.000 Franken (Taxe 20.000 bis 30.000 SFR). Für bekannte Künstler anderer Nationalitäten stand zum Beispiel Pablo Picasso, der gleich mit mehreren Blättern zugegen war. Gut lief es für seine Kaltnadelradierung „Minotaure caressant une Dormeuse“ von 1933 bei 28.000 Franken (Taxe 25.000 bis 35.000 SFR). Ferner kann sich auch sein ornamental aufgefasster Akt „Diurnes“ von 1961 nicht beklagen. Der in Hell- und Dunkelbraun gehaltene Linolschnitt ging für 9.500 Franken über das Auktionspult (Taxe 7.000 bis 10.000 SFR).

In einer tiefschwarzen Fläche, die er mit Aussparungen versah, ließ Antoni Clavé seine „Meisje met Kat“ entstehen. Die weißen Stellen füllte er mit kräftigen Türkis- und Lilatönen und kreierte ein ruhiges Mädchen mit seinem kleinen Stubenkater auf dem Schoß. Aus einer Schweizer Privatsammlung geht es nun für 25.000 Franken in neue Hände über (Taxe 25.000 bis 30.000 SFR). Dankbar war der Einlieferer des „Portraits von Mary“ aus den Händen Franz von Stucks. Für höchstens 20.000 Franken gelistet, konnte das lieblich lächelnde Gesicht der Künstlertochter auf rundem Format trotz müder Stimmung 24.000 Franken für sich verbuchen. Schade: Die hoffnungsvoll angepriesene abstrakte, farbenstarke Arbeit „Physichromie MIL/A“ von Carlos Cruz-Diez erfüllte nicht die Erwartungen und entschied sich, bei einer Schätzung von 50.000 bis 70.000 Franken doch beim Einlieferer zu bleiben.

Alte und Neuere Meister

Mit einer losbezogenen Zuschlagsquote von rund 37 Prozent verlief der Auktionstag um die Arbeiten Alter und Neuerer Meister noch etwas schleppender. Aber auch hier lassen sich einige Trostpflaster verbuchen. So erzeugte eine lebendige „Insektenstudie“ von Jan van Kessel d.Ä. einige wache Momente. In den 1650er Jahren entstanden, gelang dem Antwerpener Künstler in seinem Kupfergemälde eine bezwingende Feinheit in der Darstellung der kleinen Krabbeltiere. Diese präzise und naturalistische Art der Widergabe konnte sich an der unteren Schätzgrenze von 60.000 Franken positionieren. Ebenfalls die unteren anvisierten 40.000 Franken erreichte die „Ansicht eines Marktplatzes im Zentrum Mailands“ aus dem Jahr 1828 von Giuseppe Canella, der seine Vedute um unzählige, sich tummelnde Menschen bereicherte.

Die Schlachtenmalerei aus Frankreich kam mit Jacques François Joseph Swebach zum Zug. Sein in Öl gearbeitetes „Heerlager“ zeigt Soldaten, die sich in einem Kampf zu Pferde inmitten einer weitläufigen Landschaft befinden, zahlreiche Staffagefiguren suchen Schutz und Rast in großen Zelten. 1997 bereits schon mal über das Auktionspult des Luzerner Versteigerers Fischer gewandert, konnte es diesmal wieder seinen Besitzer bei 13.000 Franken wechseln (Taxe 12.000 bis 18.000 SFR). Ein Schweizer Landsmann hatte abermals Heimvorteil: Anton Winterlins weiter Blick in die „Sarnerlandschaft“ von 1854 lebt vor allem von milder Morgenröte und duftiger Luft, die einen Wanderer und einen Kuhhirten den Tagesbeginn versüßen. Taxiert auf 25.000 bis 35.000 Franken, sprangen dann immerhin noch 26.000 Franken für den Einlieferer heraus.

Einen lichten Moment bescherten die sanften „Blumen pflückenden Mädchen“ von Walther Firle. Träumerisch versunken sind die beiden jungen Frauen im Begriff, sich die Blütenkelche auf einer saftig-reichen Wiese zuzulegen. Die zurückhaltend angesetzten 3.200 bis 4.500 Franken bewahrheiteten sich mit einer Steigerung auf 13.000 Franken nicht. Das glich jedoch nicht das Desinteresse an Jean-Baptiste Pillements unter einem mächtigen Laubbaum arbeitenden „Wäscherinnen“ aus, die trotz meisterhafter, niederländisch inspirierter Malmanier die Hoffnung von mindestens 60.000 Franken enttäuschten. Ebenso erging es auch Frank Buchsers „Marine“ von 1871. Die imposant-bedrohliche Stimmung auf der von Wind und Wetter umhergepeitschten Gischt, in deren Ferne ein Schiff um Stabilität ringt, riss das Publikum nicht mit (Taxe 35.000 bis 40.000 SFR). Dass das vermeintliche Highlight der Auktion, die goldgrundierte Tafelmalerei der „Madonna dell’Umiltà“ des Florentiner Maestro di Sant’Ivo, als Zeugnis italienischer Spätgotik keine Aufmerksamkeit für sich gewinnen konnte, schlug sich ebenfalls auf die Bieterlaune nieder (Taxe 150.000 bis 180.000 SFR).

Kunsthandwerk

Der umfangreichste Auktionsteil kam aus dem Kunstgewerbe, bei dem ein unscheinbarer Schaffhausener Becher aus dem Ende des 16. Jahrhunderts eines der Rennen für sich entschied. Das silberne Trinkgefäß mit den eingravierten Initialen „A A“ sowie einem im Boden eingelassenen Basler Reichs-Guldenthaler von 1567 wanderte mit seinem musealen Charakter für 32.000 Franken in neue Hände (Taxe 8.000 bis 12.000 SFR). Die Möbelsparte wird von einem vermutlich um 1700 in Antwerpen gefertigten Kabinett mit Unterbau angeführt, das durch die Materialsymbiose aus Ebenholz, Schildpattfurnier und Elfenbein und die Zier mit Säulen und bemalten Feldern besticht. Praktisch sind die zwölf Schubfächer und die weiteren Staumöglichkeiten. Trotz altersbedingter Gebrauchsspuren fiel der Hammer schließlich bei 17.000 Franken (Taxe 12.000 bis 15.000 SFR).

Für die private Andacht dient eine Madonna mit Kind in Manier der Oberrheinischen Schule des 16. Jahrhunderts. Die in Holz gearbeitete und polychrom gefasste Schnitzerei schaffte erfreuliche 13.000 Franken (Taxe 1.500 bis 2.500 SFR), während sich ein Büstenfragment eines bärtigen Heiligen, das Michel Erhart zugeschrieben wird, ein sattes Ergebnis von 12.000 Franken sichern konnte (Taxe 3.000 bis 5.000 SFR). In den Jugendstil ging es dann noch mit mehreren Zinnarbeiten Archibald Knox’, unter denen sich eine Tischuhr um 1901/02 mit zwölf Perlmuttscheiben bei 8.000 Franken am besten platzierte (Taxe 2.500 bis 3.500 SFR).

Alle Preise verstehen sich als Zuschläge ohne Aufgeld.

Kontakt:

Galerie Fischer Auktionen AG

Haldenstrasse 19

CH-6006 Luzern

Telefax:+41 (041) 418 10 80

Telefon:+41 (041) 418 10 10

E-Mail: info@fischerauktionen.ch



27.07.2016

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Claudia Rauth

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In zärtlicher Einheit

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Anton Winterlin, Sarnerlandschaft, 1854
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Walther Firle, Blumen pflückende Mädchen
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Giuseppe Canella d.Ä., Ansicht eines Marktplatzes im Zentrum Mailands, 1828
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Jacques François Joseph Swebach, Heerlager
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Madonna mit Kind, Oberrhein, 16. Jahrhundert
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Jan van Kessel d.Ä., Insekten-Studie, 1650er Jahre

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Taxe: 60.000 - 90.000 SFR

Zuschlag: 60.000,- SFR

Losnummer: 1030

Franz von Stuck, Portrait von Mary

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Taxe: 18.000 - 20.000 SFR

Zuschlag: 24.000,- SFR

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Giuseppe Canella d.Ä., Ansicht eines Marktplatzes im Zentrum Mailands, 1828

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Taxe: 40.000 - 60.000 SFR

Zuschlag: 40.000,- SFR

Losnummer: 1098

Stier, Levante, späte Bronzezeit

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Taxe: 50.000 - 70.000 SFR

Zuschlag: 120.000,- SFR

Losnummer: 3898

Giovanni Giacometti, Capolago, um 1925

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Taxe: 34.000 - 38.000 SFR

Zuschlag: 36.000,- SFR

Losnummer: 119

Kabinett mit Unterbau, wohl Antwerpen, um 1700

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Taxe: 12.000 - 15.000 SFR

Zuschlag: 17.000,- SFR

Losnummer: 3515

Münzbecher, Schaffhausen, um 1575/1600

Münzbecher, Schaffhausen, um 1575/1600

Taxe: 8.000 - 12.000 SFR

Zuschlag: 32.000,- SFR

Losnummer: 4054

Walther Firle, Blumen pflückende Mädchen

Walther Firle, Blumen pflückende Mädchen

Taxe: 3.200 - 4.500 SFR

Zuschlag: 13.000,- SFR

Losnummer: 1151

Madonna mit Kind, Oberrhein, 16. Jahrhundert

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Taxe: 1.500 - 2.500 SFR

Zuschlag: 13.000,- SFR

Losnummer: 3709

Jacques François Joseph Swebach, Heerlager

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Taxe: 12.000 - 18.000 SFR

Zuschlag: 13.000,- SFR

Losnummer: 1054

Anton Winterlin, Sarnerlandschaft, 1854

Anton Winterlin, Sarnerlandschaft, 1854

Taxe: 25.000 - 35.000 SFR

Zuschlag: 26.000,- SFR

Losnummer: 1159

Michel Erhart Zugeschrieben, Büstenfragment eines Heiligen

Michel Erhart Zugeschrieben, Büstenfragment eines Heiligen

Taxe: 3.000 - 5.000 SFR

Zuschlag: 12.000,- SFR

Losnummer: 3707




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