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Statussymbole, Luxuswaren und Konsumfetische spießt die Schweizer Installations- und Videokünstlerin Sylvie Fleury auf. Was da in 25 Jahren alles zusammenkommt, zeigt in München die groß angelegte Schau „My Life on the Road“ in der Villa Stuck

Der Konsumrausch als Kunst



Als im Jahr 1990 die damals 29jährige Sylvie Fleury in der Galerie Rivolta in Lausanne ihr Ausstellungsdebüt gab, waren die Besucher verblüfft: Die junge Künstlerin arrangierte papierne Einkaufstüten der teuersten Luxus-Boutiquen und erklärte sie zur Kunst. Ein bisschen Ready Made und Konzeptkunst, ein bisschen freche Pop Art schimmerten da durch. Anstößig und provozierend aber waren die Shopping Bags kaum, auch wenn sie den Nerv einer anschwellenden Markenvergötterung trafen. Für die Ausstellung „My Life on the Road“, die derzeit in der Villa Stuck in München zu sehen ist und mit 60 Werken aus 25 Jahren von Kuratorin Verena Hein durchaus retrospektiv angelegt ist, fährt der Star der Schweizer Kunstszene wieder Label-Tüten auf. Diesmal aus dem Jahr 2014, wie zufällig vergessen im prachtvollen Empfangssalon des einstigen Hausherrn, des Malerfürsten Franz von Stuck. Doch ganz so subtil bleibt die Präsentation, die sich durch die historischen Räume schlängelt, nicht.


Sylvie Fleury spielt in ihrer Kunst mit den Klischees einer übersteigerten Konsumgesellschaft, mit Statussymbolen und Marktmechanismen. Hübsch verchromt rotiert in „Ela 75K, (Go Pout)“ von 2000 ein typischer Supermarkt-Einkaufswagen auf einem runden Sockel, der in seiner veredelten Version auch als goldener Käfig einer Luxusgesellschaft gelesen werden kann. Große Spiegel in Form einer Rasierklinge in der Arbeit „Blade“ von 2012, die Birkin-Handtasche von Hermes in Bronze von 2010 und die wie eine Skulptur inszenierte Riesenparfümflasche „C’est la vie!“ von 1995 kreisen um den Hedonismus des Spätkapitalismus.

Und zwischen allem leuchten Neonschriften und formulieren den sinnlosen Sinn des ewigen Rauschs in Himmel des Luxus. Eine Neuauflage des 2003 kreierten Schriftzuges „Be Amazing“ – zu Deutsch „Sei aufregend“ – oder ein „Yes to All“, das in den letzen zehn Jahren ebenfalls schon mehrere Auflagen erlebte, entbehren nicht einer gewissen Ironie, die für die heute 55jährige ebenso typisch ist wie feministische Anklänge. Anspielungsreich phallisch sind ihre diversen Exemplare einer mannshohen Rakete mit dem Titel „First Spaceship on Venus“ aus den Jahren 1999 und 2015. Mal ist das ovoide Luftschiff in Pink gehalten, das laut Pressemitteilung den neuesten Nagellackfarben der Saison gefolgt sein soll, mal ist es – wie ein Gruß an Meret Oppenheim und ihre Pelztasse – mit einem flauschigen Flokati überzogen. Ein anderes Exemplar in schwarzem Samt hingegen gleicht eher einem schlapp gewordenen Sitzsack, vom dem jeder überzeugt ist, dass er die angepeilte Venus nie erreichen wird.

Sylvie Fleury versinnbildlicht Gedankenspiele. Etwa bei dem Werk „CrashTest“ von 2010. Drei große monochrome Tafeln mit bronze-, anthrazitfarbenem und blassgoldenem Lacküberzug suggerieren die Folgen eines großen Zusammenpralls. Die Perfektion der Oberfläche, Merkmal unserer Industrie- und High Tech-Produktion, ist zerstört. Aber wie sehr Fleurys Werke nur Attitüde sind, offenbart eine nachgeahmte minimalistische, geometrisch-scharfkantige Skulptur Donald Judds. Über „The Eternal Wow on Shelves“ von 2008 ließ Fleury breiige goldene Fladen laufen. Mit erstarrten Fließformen hatte Ende der 1960er Jahre schon der amerikanischen Bildhauer Gary Kuehn gegen die Autorität der Minimal Art protestiert. Nur wurde es bei ihm zu einem künstlerischen Konzept, mit dem er versuchte, „den Kubus zu demütigen“.

Das Wort Gesellschaftskritik ist für Sylvie Fleurys glänzende, glatte, aus modischen und kultischen Versatzstücken zusammengesetzten Arbeiten fehl am Platze. Ihre künstlerische Welt ist eine Warenwelt, gefangen in der Ästhetik des Konsums. Eher amüsiert als provokant kreist sie um die Hingabe an den schönen Schein und um die Verführungskraft einer Marken- und Werbewelt. Und wenn Fleury selbst in ihrem Video „Car Wash (Vivier)“ von 1995 im Haute Couture-Dress einen amerikanischen Wagen wäscht oder im Film „Cristal Custom Commando“ von 2008 eine Gruppe sogenannter She-Devils in bester testosteronschwangerer Wildwestmanier auf Chanel-Taschen schießen lässt, führt sie eingefahrene Geschlechterrollen ad absurdum.

Warum Sylvie Fleury in den 1990er Jahren zum Liebling der großen Galeristen aufgestiegen ist, wird in der Münchner Schau nur allzu deutlich. Ihre Kunst spiegelt in zugleich distanzierter und distanzloser Weise den Hedonismus dieser Jahre, ohne weh zu tun. Ihre riesigen Pilze, deren farbige Lackoberflächen den Glamour einer Luxuslimousine ausstrahlen, verwandeln den Garten der Stuckvilla in einen kurios-märchenhafte Ort und sind doch zugleich eine Art europäische Antwort auf Jeff Koons’ hochglanzpoliertes „Hanging Heart“. Auch wenn viele der gezeigten Arbeiten nicht älter als fünf, sechs Jahre sind, lassen die globalen Veränderungen lediglich der drei letzten Jahre das Werk der Schweizerin wie Kunst aus einer Zeit erscheinen, als man noch sorglos seiner Dekadenz frönen konnte und keiner daran Anstoß nahm.

Die Ausstellung „Sylvie Fleury. My Life on the Road“ ist bis zum 3. Oktober zu sehen. Das Museum Villa Stuck hat dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet, am ersten Freitag im Monat zusätzlich bis 22 Uhr. Der Eintritt beträgt regulär 9 Euro, ermäßigt 4,50 Euro. Für Kinder und Jugendlich bis 18 Jahre ist er frei. Ein Katalog erscheint im Herbst.

Kontakt:

Museum Villa Stuck

Prinzregentenstraße 60

DE-81675 München

Telefon:+49 (089) 455 55 10

Telefon:+49 (089) 45 55 51 25

Telefax:+49 (089) 45 55 51 24



28.07.2016

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Sabine Spindler

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Veranstaltung vom:


30.06.2016, Sylvie Fleury. My Life on the Road

Bei:


Museum Villa Stuck

Künstler:

Sylvie Fleury










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