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Stilleben mit Äpfeln in weißer Schale mit blauem Glas, 1925 / Otto  Modersohn

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Ohne Titel, 2012 / Heinz Mack

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Vor 125 Jahren wurde der Maler und Grafiker Otto Dix geboren. Im großen Umkreis seines letzten Wohnsitzes auf der Bodenseehalbinsel Höri erinnern mehrere Sonderschauen an ihn

Realistische Blicke in die Tiefen menschlichen Leids



Schaurige Gefühle weckt die apokalyptische Szene. Aktuelle Kriegsbilder kommen den Betrachtern in den Sinn, wenn sie vor Gemälden von Otto Dix stehen. Sein 1923 vollendeter „Schützengraben“ entfachte damals einen Skandal. Schonungslos direkt zeigt er die Kriegsgräuel auf. Über dem Geschehen schwebt auf Pfählen aufgebahrt ein lebloser Soldatenkörper. Darunter durchmischen sich in einem erdig-pflanzlichen Gewebe tote Körperteile zwischen Gasmasken. Hinter einem Vorhang wurde das Gemälde einst im Kölner Wallraf-Richartz-Museum platziert. Nach dem durch die Nazis erzwungenen Verkauf verlor sich 1940 die Spur. Als schwarzweiße Reproduktion ist es dennoch auf der Übersichtsschau „Otto Dix – Isenheimer Altar“ in Colmar zugegen.


Der „Schützengraben“ war Dix’ erstes Werk, das Kunsthistoriker mit dem Isenheimer Altar von Matthias Grünewald in Verbindung brachten. Zeitlebens ließ sich Otto Dix von dieser Inkunabel der Kunstgeschichte inspirieren. Da lag es nahe, zu seinem 125. Geburtstag eine vergleichende Ausstellung im 2015 wieder eröffneten Musée Unterlinden auszurichten, zumal das dortige Hauptexponat, eben jener Altar, seit 500 Jahren existiert. Über 100 Werke versuchen nun die künstlerischen Wechselwirkungen zwischen Grünewald und Dix zu ermitteln. Besonders deutlich wird dies bei dem dominierendem Thema des Krieges und dessen Folgen, so etwa beim gleichnamigen Triptychon, einer erschreckend realistisch illustrierten, verwüsteten, teils brennenden Landschaft aus Schlamm und Kadavern unter bedrohlichem Himmel.

Die altmeisterliche Maltechnik und eine Reihe eng an Grünewald angelehnter Details, etwa die Übernahme des Zeigefingers Johannes des Täufers, lassen das Dreitafelbild dem Altar ikonografisch am nächsten stehen. Heute fragil und nicht aus Dresden ausleihbar, besticht es trotzdem als Lichtbildreproduktion. Dagegen konnte Dix’ zwischen 1934 und 1936 gemaltes Bild „Flandern“ aus der Berliner Nationalgalerie anreisen. In einer weiten, überfluteten, von Gefechten verwüsteten Grabenlandschaft erwachen kauernde Soldaten im Lichte der aufgehenden Sonne, umgeben von verkrustetem Schlamm. Farbtöne und ikonografische Elemente korrespondieren abermals mit dem Isenheimer Altar: Ruinen, zerfetzte Bäume, eine Dornenkrone aus Stacheldraht sind einige der auffälligen Berührungspunkte. Dix sieht sich allerdings in der Rolle des Erzählers von Reportagen. „Ich habe doch nur ein Stillleben gemalt“, merkte er einmal zu seinen brutalen Sujets an.

Otto Dix musste aktiv das Grauen beider Weltkriege aus eigener Anschauung erleben. Im Dritten Reich verfemt, hätte er eigentlich allen Grund gehabt, ein zerbrochener Mensch zu sein. Doch er hat sich nie entmutigen lassen, scheute sich vor nichts, malte, was er für angemessen hielt, und verfolgte beharrlich eigene Vorstellungen. In fünf Kapiteln zeichnet die Auswahl seine Haltungen und Themen nach, die allesamt Erlebtes verarbeiten. Am Beginn steht der Vorbildcharakter von Grünewalds Altar.

Dix in Colmar

Rasch löste der seit 1853 in Colmar stehende Isenheimer Altar durch seine Ausdrucksstärke, physische Verformungen der menschlichen Gestalt und Farbfassungen Neugier und Begeisterung bei Künstlern wie Arnold Böcklin, Emil Nolde oder Pablo Picasso aus. Eine erneute Steigerung der Resonanz erfuhr das Altarretabel um 1918/19, als es in München gezeigt wurde. Dessen Mustergültigkeit belegen einleitend Gemälde von Max Beckmann, Max Ernst, Heinrich Nauen oder Gert Heinrich Wollheim. Der am 2. Dezember 1891 in Untermhaus bei Gera geborene Otto Dix musste sich schon während seines Studiums an der Dresdener Kunstgewerbeschule mit dem Meisterwerk auseinandersetzen. Kein anderer Maler hat sich so ausdauernd mit dem Altar beschäftigt wie Dix.

Das zweite Kapitel aber gilt zunächst den 1920er Jahren, in denen Otto Dix internationale Anerkennung als Interpret der harten, schnörkellosen Neuen Sachlichkeit erlangte. In einer 1920 geschaffenen Radierung hielt er einprägsam einen blinden, arm- und beinamputierten Streichholzhändler fest. Die abstrahiere Gestalt offenbart die politisch links verortete Kunst mit der Anprangerung sozialer Probleme. In den Folgejahren eignete sich Dix die in mehreren Schichten auf Holzplatten aufgetragene Maltechnik der Alten Meister an. Folglich entfalten sich kühle, präzise Ausdrucksweisen. Viele Porträts sind von diesem Duktus beherrscht.

Als einer der ersten verlor Otto Dix 1933 seine Professur für Malerei an der Kunstakademie Dresden. In Reaktion darauf entwarf er „Die sieben Todsünden“. Die politische Allegorie zeigt eine Horde grausiger Wesen. Unverkennbar ist die physiognomische Anlehnung beim Zwerg mit dem Schnauzbart, der den Neid personifiziert. Um Konfrontationen zu vermeiden, malte Dix nun scheinbar unpolitische Bilder und zog sich ins Schweizer Grenzgebiet auf die Bodenseehalbinsel Höri in die innere Emigration zurück. Unruhe, Widerstandswillen und Kritik am System äußern sich fortan in Hell-Dunkel-Kontrasten sowie symbolisch aufgeladenen Landschaften und religiösen Ikonografien.

Moose oder andere vegetabile Elemente sind wieder eng angelehnt an entsprechende Stoffe im Isenheimer Altar. Wie Feuerbälle glühende Heiligenscheine auf den Christophorus-Bildern oder Dämonen auf dem Antonius-Bild von 1940 zeigen deutliche Anklänge. Kurz vor Kriegsende 1945 wurde Dix zum Volkssturm eingezogen, im Schwarzwald verhaftet und im Lager Colmar-Logelbach interniert. Das vierte Kapitel widmet sich jener Zeit. Eine Vorzugsbehandlung bewirkte, dass Otto Dix in acht Monaten 50 Zeichnungen und 25 Gemälde gestalten konnte. Im Atelier des Colmarer Malers Robert Gall schuf er sein letztes Triptychon für die katholische Kapelle des Gefangenenlagers, die „Madonna vor Stacheldraht“. Der nahebei verwahrte Isenheimer Altar, zu dem nun Dix oft pilgern konnte, übte abermals starken Einfluss aus.

Der letzte Abschnitt widmet sich der Zeit nach der Entlassung im Februar 1946. Die Rückkehr zur Alla-Prima-Malerei, freiere Pinselstriche, gröbere Verteilung der nunmehr helleren Farbtöne beherrschen Dix´ letztes Werkschaffen. Vor allem das Festhalten an der Gegenständlichkeit bewirkte eine gewisse Isolierung des Künstlers, der mit dem Informel nichts anfangen konnte und der abstrakten Malerei feindselig gegenüber stand. In der BRD als unzeitgemäß empfunden, wurde in der DDR seine Kunst als herausragende Leistung des Realismus anerkannt. In Dresden hielt der „Grenzgänger“ sein Atelier bei.

Dix in Singen

„Krieg und Frieden“, zeitlebens Dix’ Begleiter, sind titelgebend für das monumentale, fünf mal zwölf Meter große Wandbild des Ratssaales im neuen Rathaus von Singen, das der Maler 1960 ausführte und dessen Entwurf am Abschluss der Colmarer Schau zur Fahrt nach Singen und auf die Höri ermuntert. Dem kompositorischen Vorbild mittelalterlicher Wandaltäre folgend, konzipierte Otto Dix für den Singener Rathaussaal ein vielfigurig bewegtes und handlungsreich gestaltetes Geschehen in der klassischen Dreiteilung mit Geißelung, Kreuzigung und Auferstehung in kraftvoller Sprache und intensiv leuchtenden Kontrasten, eine Mahnung gegen den Krieg und ein Aufruf an die Stadtverordneten, im Sinne der Bürger zu wirken. Zeitgleich malte Dix das Trauzimmer mit einer Paradiesdarstellung und einem ineinander greifenden Lebensalter- und Jahreszeitenzyklus aus. Mit leuchtenden, knapp gehaltenen Figuren, spontan und aggressiv zugleich, kommt die Wandgestaltung Aquarellen sehr nahe.

Vorbei an zahlreichen Kunstwerken, die im Rahmen eines ambitionierten Programms im Singener Stadtraum realisiert wurden, führt der Weg ins Kunstmuseum. Dessen Leiter Christoph Bauer überführt in seiner Geburtstagsschau Dix’ Werkschaffen in die Jetztzeit. Nukleus ist der komplette fünfzigteilige Grafikzyklus „Der Krieg“ aus dem Jahr 1924. Dieses kontrovers diskutierte Schlüsselwerk der Kunstgeschichte begegnet zwei gewagten fotografischen Positionen vergangener Jahre. Anja Niedringhaus, geboren 1965 in Höxter und 2014 in Afghanistan erschossen, berichtet über Kriegsgräuel und militärische Einsätze in farbig aufgenommenen, aber schwarzweiß abgezogenen Reportagefotos, die der klassischen Kriegsfotografie nahestehen. Der in Köln lebende Christoph Bangert, geboren 1978 in Daun in der Eifel, sammelt Aufnahmen, die aufgrund ihrer Brutalität von Redaktionen abgelehnt wurden und nun hier zu sehen sind. Zusammen mit Textbeiträgen animiert die Präsentation die Betrachter dazu, eine eigene Haltung einzunehmen.

Dix in Hemmenhofen

Nur noch kurz ist der Weg nach Hemmenhofen zum ehemaligen Wohnhaus von Otto Dix, das hoch am Hang über dem Bodensee auf der Halbinsel Höri liegt. Schon von weitem macht es durch das große Kastenfenster des Ateliers auf sich aufmerksam. Seit 2013 betreibt das Kunstmuseum Stuttgart als Hüter des weltweit größten Korpus’ an Werken Dix’ das Anwesen als Außenstelle. Reproduzierte Bilder an den Wänden und den Originalen nachempfundene „Schattenmöbel“ sollen eine Anmutung der alten Häuslichkeit vermitteln. Eine kleine Sonderschau versammelt im ehemaligen Salon von Dix’ Ehefrau Martha eine Auswahl lithografischer Selbstbildnisse von 1922 bis 1969. Das durchfurchte, schnittig-kantige Gesicht mit dem skeptisch sinnierenden, kritischen Blick verleiht Dix großen Wiedererkennungswert. In vielen seiner Gemälde hat er sich selbst verewigt.

Für die nahe gelegene protestantische Petruskirche im Ort Kattenhorn schuf Otto Dix 1959 zwei großflächige Glasfenster. Im zeittypischen Muster aus splittrig zerteilten Dreiecken und Parabeln stellen sie drei Lebensstationen des Jesusjüngers Petrus vor. Seinem protestantischen Glaubensbekenntnis stand Dix allerdings eher unbestimmt gegenüber. Am 25. Juli 1969 verstarb der große Maler nach einem zweiten Schlaganfall in Singen. Die letzte Ruhe fand er auf dem Friedhof in Hemmenhofen, wo heute unter einer großen Trauerbirke auf einer liegenden, grob behauenen Grabplatte goldene Lettern seine Namen leuchtend verkünden. Der Blick von hier oben über den See in die friedliche Landschaft scheint wie die Mahnung seiner Bilder, Frieden und Eintracht zu wahren.

Die Ausstellung „Krieg. Bilder der Gewalt – Otto Dix. Anja Niedringhaus. Christoph Bangert.“ läuft bis zum 4. Dezember. Das Kunstmuseum Singen hat dienstags bis freitags und feiertags von 14 bis 18 Uhr sowie samstags und sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 5 Euro, ermäßigt 3 Euro.

Kunstmuseum Singen
Ekkehardstraße 10
D-78224 Singen

Telefon: +49 (0)7731 – 85 271
Telefax: +49 (0)7731 – 85 373

Die Ausstellung „Otto Dix zum 125. Geburtstag: Selbstbildnisse von 1922 bis 1969“ ist noch bis zum 31. Oktober zu besichtigen. Das Museum Haus Dix hat täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 5 Euro, ermäßigt 4 oder 2 Euro.

Museum Haus Dix
Otto-Dix-Weg 6
D-78343 Gaienhofen-Hemmenhofen

Telefon: +49 (0)7735 – 937 160
Telefon: +49 (0)7735 – 937 16 11

Die Ausstellung „Otto Dix – Isenheimer Altar“ ist bis zum 30. Januar 2017 zu besichtigen. Das Musée Unterlinden hat täglich außer dienstags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 13 Euro, ermäßigt 11 bzw. 8 Euro. Zur Ausstellung ist ein Katalog in deutscher und französischer Sprache erschienen, der im Museum 35 Euro kostet.

Kontakt:

Musée Unterlinden

Palace Unterlinden

FR-68000 Colmar

Telefon:+33 (0389) 20 15 50

E-Mail: info@musee-unterlinden.com



24.10.2016

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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in der Ausstellung „Otto Dix – Isenheimer Altar“
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Das Grab Otto Dix’ auf dem Friedhof in Hemmenhofen
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Das Wohnhaus Otto Dix’ in Hemmenhofen
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Matthias Grünewald, Isenheimer Altar. Kreuzigung, 1512-1516

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