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Das Clemens-Sels-Museum in Neuss untersucht die Relevanz des Symbolismus in der Kunst von heute

Abgründig, anspielungsreich, rätselhaft



Im Foyer kreuzt den Weg des Besuchers ein grimassenhaft lächelnder Cowboy. Auf einem Schimmel reitend, überspringt der mit weißem Hut, rotem Halstuch und schwarzer Weste ausgestattete Draufgänger die Straßenflucht einer amerikanischen Einkaufs- und Vergnügungsmeile. Wie helle Spotlights durchsetzen glimmende Sterne den dunklen, von breiten grünblauen Pinselstrichen akzentuierten Himmel. In der bühnenhaft surrealen Atmosphäre machen sich erst auf den zweiten Blick zwei rot und violett konturierte, geisterhafte Gestalten unter dem Pferd bemerkbar. Stark geneigt, als würde Gegenwind blasen, bewegen sie sich fest umklammert zur anderen Straßenseite, wobei eine Person schon den Bodenkontakt verloren hat. In ihrem nahezu durchsichtigen artifiziellen Duktus scheinen sie außerirdischen Sphären entflohen und überbrücken den Rundblick in die bunte Szenerie aus parkenden Autos, Leuchtreklamen und wartenden Menschen.


Zunächst mutet das Ganze fröhlich an, doch rasch verwandelt sich die Szenerie ins Bedrohliche. Unvereinbares, Zusammenhangloses, üblicherweise voneinander Gelöstes hat Peter Doig 1982 in seinem titellosen Ölgemälde versatzstückähnlich zu einer neuen Traumwelt collagiert. Der Schotte gilt als Wiederentdecker des Erzählerischen in der Kunst der 1980er Jahre und griff mit narrativ konzipierten Bildern deutlich in das Kunstgeschehen ein. Einige mag diese Art begeistern, andere sicherlich auch abstoßen. Das großformatige Bild aber bringt Komponenten im Werkschaffen einer Gruppe von Gegenwartskünstlern auf den Punkt, die Seelenzustände, Unterbewusstes, Träume oder Visionen in der Form von Symbolen aufleben lassen. Sie sind als Ausdruck einer reservierten Haltung gegenüber einer immer erbarmungsloseren Welt zu verstehen. Schon früher hatten sich Symbolisten auf sinnlich erfahrbaren Ebenen eine eigene Welt in Metaphern geschaffen, die Halt gaben und Schutz vor einer unsicheren Umgebung bieten sollten. Als sichtbarer Ausdruck der Flucht vor der Welt kann bei Peter Doig seine Wohnsitznahme auf Trinidad im karibischen Meer gewertet werden.

In eine angeregte Ausstellung ist nun das Vorhaben des Clemens-Sels-Museums in Neuss gemündet, dem Fortleben der mehr als Geisteshaltung denn als Epoche zu verstehenden Haltung des Symbolismus auf den Grund zu gehen. Dazu wählte die Kuratorin Bettina Zeman vier international bedeutende zeitgenössische Künstler aus, die gattungsübergreifend in der Malerei, Plastik, Zeichnung und Videokunst Gedanken und ästhetische Qualitäten des Symbolismus aufleben lassen. In diesem Zusammenhang sind erstmals ihre Werke parallel zu betrachten. Abseits der Untersuchung einer Präsenz des Symbolismus in den aktuellen Künsten bietet sich der – wenn auch nicht ausdrücklich gesuchte – Vergleich mit Werken der Vergangenheit an. Denn der herausragende Fundus des Museums aus Bildern der Symbolisten in der ständigen Präsentation visualisiert so manche formal-ästhetischen und motivischen Anleihen.

Peter Diogs zentralem Werk in der Gesamtauswahl von fast 50 Arbeiten sind kleinformatige Ölbilder und Druckgrafiken aus den 1990er Jahren beiseite gestellt, die seine thematische Ausrichtung hin zu Landschaften dokumentieren. Sie entführen in eine seltsam bekannte, unheimliche Welt. Visuelle Effekte aus Film, Werbung und Zeitungen setzte er in eine Malerei um, deren Momentaufnahmen in lange Erzählungen münden. Gleichfalls noch im Foyer treffen die eintretenden Gäste direkt auf die „Zombies“ von Thomas Schütte. Der für vielgestaltige Ausdrucksformen der menschlichen Figur bekannte Düsseldorfer Bildhauer und Zeichner schlug ähnlich wie Doig in den vom Minimalismus und der Konzeptkunst beherrschten 1980er Jahren den Weg zur damals unzeitgemäßen figurativen Skulptur ein. Dank seiner Experimentierlust verzeichnet sein Œuvre zahlreiche Brüche.

Erstmals in Europa sind nun Köpfe aus der zehnteiligen Figurenserie der „Zombies“ zu sehen. Vorhandene Gipsformen der Gruppe „Große Geister“ fügte Thomas Schütte in einer Assemblage neu zusammen. Dabei wurde der Verfremdungseffekt so stark, dass eine Zuordnung der Einzelelemente nicht mehr möglich scheint. Schroff abweisend, ineinander verschränkt und verschachtelt, spiegeln die Bronzen in ihrer Selbstbezogenheit spürbar physisch-materielle Schwere wider. Der spielerische, experimentelle Effekt findet sich auch bei Schüttes „Fimos“ wieder, zwei unter einer Glashaube platzierten Figuren aus Modelliermasse, Stoff, Holz, Glas und PVC, die als verbindendes Glied zum obersten Geschoss die Ausstellung fortsetzen. Das „United Enemies“ titulierte Ensemble aus dem Jahr 1994 erscheint gleichfalls abgründig wie rätselhaft. Die janusköpfigen, aus gebrauchten Materialien zusammengefügten Gestalten kehren sich den Rücken zu.

Der in Berlin lebende Videokünstler Bjørn Melhus schneidet aus Bild- und Tonfragmenten verfremdende Montagen zusammen. Deren imaginäre Sequenzen verdichten sich zu verstörenden, komischen oder tragischen Geschichten. Sie erinnern an Märchen und Fabeln und spiegeln die eigene Sehnsüchte, Hoffnungen und Wünsche. Dazu passt, dass Melhus selbst seine filmischen Figuren verkörpert. Endlose Wiederholungen und verzerrte Text- und Tonbruchstücke ergeben die verstörenden Dialoge seiner Personen. Durch einen breiten roten Vorhang betritt der Besucher die Videoinstallation „No Sunshine“ von 1997, die wie eine durch Playmobil-Figuren inszenierte Tragikomödie anmutet. Zwei mit rotem Anzug und gelber Perücke gekleidete geschlechtsneutrale Doppelgänger agieren zärtlich vor dunklen Schwärmen roter Blutkörperchen und führen Dialoge aus wechselseitigen Fragen. Kindheitsbilder und Probleme der eigenen Identitätssuche fließen hier ein. Vier weitere Videos ergänzen den üppig inszenierten Film in einem quasi immateriellen Raum mit rot verklebten Fenstern und fleischfarben getönter Tapete.

Über 30 Zeichnungen und Gemälde des gebürtigen Krefelders Christoph Worringer führen die Schau zu einem fulminanten, überaus lüsternen wie kuriosen und doch sehr instruktiven Abschluss. Nukleus bildet dabei der 27teilige Grafikzyklus „Magischer Kubus“ aus dem Jahr 2013, der speziell das zeichnerische Talent des Künstlers offenbart. Virtuos versteht es Worringer, attrappenhaft zitierte Einzelelemente sinnreich zu komplexen Kompositionen zu verbinden, die einerseits das Betrachterauge anziehen, andererseits verzweigte eigene Realitäten produzieren. Menschen, Tiere, Gegenstände, Mischwesen, Phantasielandschaften vereinen auch in Bezugnahmen auf Sujets der Kunstgeschichte verschiedene Zustände und Zeiten.

Teilweise pultartig wie in einer alten Schulklasse arrangiert, arbeitet Christoph Worringer geschickt mit Metaphern: Der Kubus steht für ihn selber, die Leiter für Freunde, das Pferd für den Partner, Blumen für Kinder. Sehen, erkennen, lernen ist angesagt. Viele seiner Bildthemen wie etwa Fabelwesen stammen aus der antiken Mythologie und verkörpern einen zentralen Stellenwert im Symbolismus. Brutale Kräfte signalisierende Zentauren zitiert der Künstler auch als figurative erotische Aufladung, deren Zügellosigkeit und Narzissmus besonders in seinen Gemälden stark in den Vordergrund tritt.

In ihrer farblichen Aufgeladenheit werden die Symbole aller vier Künstler zum Spiegel der Seele und ihres Unterbewussten, ihrer Träume und Visionen. Dies alles zeigt, dass der Symbolismus über seine „Kernzeit“ an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert bis in die Gegenwart nachlebt. Erfreulich konzentriert bringt die bündig arrangierte Schau die charakteristische Beschreibung des Nestors der Symbolismus-Forschung, Hans H. Hofstätter, auf den Punkt: „Die Bildwelt der Symbolisten ist voller Erfindungen, voller Nachahmungen, voller Künstlichkeit – voller Träume, voller Ängste, voller Wünsche.“

Die Ausstellung „Geliebte Feinde – Symbolismus heute. Von Peter Doig bis Thomas Schütte“ ist bis zum 19. Februar 2017 zu besichtigen. Das Clemens-Sels-Museum hat täglich außer montags von 11 bis 17 Uhr, sonn- und feiertags bis 18 Uhr geöffnet. Das Haus bleibt an Heiligabend, erstem Weihnachtstag, Silvester und Neujahr geschlossen. Der Eintritt beträgt 5 Euro, ermäßigt zwischen 1,50 Euro und 3,50 Euro. Zur Ausstellung ist im Verlag Kettler ein Katalog erschienen, der an der Museumskasse 24,90 Euro kostet.

Kontakt:

Clemens-Sels-Museum

Am Obertor

DE-41460 Neuss

Telefon:+49 (02131) 90 41 41

Telefax:+49 (02131) 90 24 72

E-Mail: info@clemens-sels-museum.de



11.11.2016

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Weitere Inhalte:

Veranstaltung vom:


23.10.2016, Geliebte Feinde – Symbolismus heute. Von Peter Doig bis Thomas Schütte

Bei:


Clemens-Sels-Museum

Künstler:

Bjørn Melhus

Künstler:

Thomas Schütte

Künstler:

Peter Doig

Künstler:

Christoph Worringer










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