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Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz

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Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Viel italienische Kunst in der Herbstauktion mit zeitgenössischer Kunst im Dorotheum Wien

Ästhetisch, konstruktiv, revolutionär



Offenbar zahlt sich der Ausgriff auf Italien aus: Das Dorotheum hat unter den rund 400 Werken seiner beiden Auktionen „Contemporary Art“ eine erkleckliche Zahl italienischer Künstler der letzten Generationen im Portfolio und sich damit in den vergangenen Jahren im deutschsprachigen Raum als Spezialist für Kunst vom Apennin etabliert. Die Italiener stellen auch die teuerste Arbeit der Versteigerung: Für 250.000 bis 350.000 Euro steht eine der faszinierenden „Oberflächen“ zum Verkauf, denen sich der 1930 bei Rovigo geborene Enrico Castellani seit 1959 widmet. Seine „Superficie bianca“ ist ein 1987 entstandenes, weißes Acryl-Leinwand-Relief mit der typischen Struktur aus Erhebungen und Vertiefungen, das wirkt, als sei eine regelmäßige geometrische Formation von weichem Schnee verweht worden.


Die 100 Highlights kommen am 22. November im Palais Dorotheum zum Aufruf. Rund zwei Dutzend Arbeiten bewegen sich im sechsstelligen Preisbereich bis zu einer Viertelmillion. So etwa auch ein konzeptuelles Werk des aus Argentinien stammenden Lucio Fontana, der wie Castellani in den 1950er Jahren zum „Movimento Arte Nucleare“ gehörte. Sein „Concetto spaziale“ von 1964 mit einem weiß lackierten Rahmen-Pfeil, der eine braune, regelmäßig durchlöcherte Leinwand stört, ist auf 200.000 bis 300.000 Euro veranschlagt. Ein ähnliches Spiel mit formalen Variationen und Tiefenschichtungen, aber in blau, kennzeichnet Paolo Scheggis „Intersuperficie curva dall’ azzurro“ von 1966. 160.000 bis 220.000 Euro will das Dorotheum für dieses Beispiel des italienischen Konstruktivismus erlösen.

Gleich drei Werke des 1988 früh verstorbenen, lange unterschätzten römischen Künstlers Tano Festa hat das Dorotheum im Angebot. „Rosso Nero n. 44“, eine rot leuchtende, von schwarzen Linien gegliederte und leicht erhabene Fläche, fertigte er 1961 in der Zeit, in der Tana als 23jähriger seine erste Einzelausstellung erhielt. 150.000 bis 200.000 Euro sollte dem Interessenten das Werk wert sein; keine utopische Summe, bedenkt man, dass Christie’s im Frühjahr in Mailand eine 1961 entstandene, ähnliche Arbeit Tanas, auf 60.000 bis 90.000 Euro taxiert, für brutto 517.800 Euro versteigert hat. Tanas collageartig wirkende Malerei „Elements of drawing“ von 1965 ist mit 40.000 bis 60.000 Euro veranschlagt; dieselbe Summe erwartet das Dorotheum für ein blaues Acrylbild von 1966, das vor einer Kachelwand Kopf und Schulter eines jungen Menschen wie aus einem Altmeister-Gemälde zitiert: „Indagine sul punto no 1“.

Obwohl Giuseppe Uncini gemeinsam mit Tana 1959 in einer Ausstellung teilnahm, hat er mit dessen virtuosen Artistik wenig gemein. Uncini beschäftigte sich mit den Materialien Zement und Eisen. 1959 schuf er „Cementarmato“ – ein Jahr, nachdem er mit „Primocementoarmato“ eine Serie von Arbeiten mit dem grob wirkenden Material begonnen hatte. Er gestaltet heftig bewegte Strukturen, ohne den Charakter des Bildes ins Skulpturale zu erweitern. Für die spannungsvolle Eisen-Zement-Landschaft erwartet das Auktionshaus 150.000 bis 200.000 Euro.

Einen individuellen Aspekt der italienischen Moderne verkörpert Pier Paolo Calzolari. Er lässt sich kaum auf irgendeine der Bewegungen festlegen, sondern sucht, ständig sich verändernd, seinen eigenen Weg zwischen Konzeptkunst, Arte Povera und Minimalismus. Bei seiner titellosen Arbeit von 1970 schwebt eine Kerze vor schwärzlichen, aus Blei modellierten Graten. Das poesievolle, geradezu meditative Werk ist für 120.000 bis 160.000 Euro zu haben. Calzolaris „Agua Silente“, ebenfalls eine Bleiarbeit mit den in Filz eingebrannten Titelworten, wirkt in seinem körnigen Weißgrau ähnlich reduziert und gedankenvoll (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR).

Wie eine futuristische Maschine – oder das Innere eines rätselhaft-archaischen Computers – wirkt Arnaldo Pomodoros „Cippo I“ von 1983/84. Diese „Stele“ lässt Pomodoros Interesse an Technik deutlich werden, aber auch seine versierte, von seiner Vergangenheit als Goldschmied herrührende Liebe zum Metall. Das 2,30 Meter hohe Werk ist auf 120.000 bis 160.000 Euro veranschlagt. Eine durchbrochen-flächige Bronzeskulptur Pietro Consagras von 1960 gehört in die stürmischen Aufbruchsjahre der italienischen Nachkriegskunst und setzt einen Kontrapunkt zu Pomodoros ausgetüftelter kleinteiliger Konstruktion (Taxe 70.000 bis 100.000 EUR).

Mit zehn Werken ist der 2013 verstorbene Agostino Bonalumi in beiden Auktionen am Dienstag und Donnerstag einer der Künstler, die am häufigsten auftreten. Der vorzüglich vernetzte und europaweit agierende Bonalumi – er arbeitete unter anderem mit Enrico Castellani und seinem Mentor Lucio Fontana – verband Malerei, Skulptur und Objektkunst: ein hochästhetisches Objekt ist das 1968 entstandene „Rosso“ aus geformter Ciré, einem Betonputz (Taxe 45.000 bis 65.000 EUR). Ähnlich in der Wirkung ist „Verde“, eine dreidimensional reliefierte Leinwand, die mit Licht und Schatten spielt (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR). Zwei ähnliche Stücke in Weiß – das horizontale „Bianco“ von 1980 für 38.000 bis 55.000 Euro und „Bianco“ von 1979 mit diagonalen Elementen für 80.000 bis 120.000 Euro – dürften den Liebhaber dieser edle, einfache Schönheit ausstrahlenden Kunst erfreuen. Bonalumi hat beim Dorotheum in vergangenen Auktionen durchweg gute Ergebnisse erzielt; so ist 2013 etwa ein „Giallo“ von 1974 für 100.000 Euro über den Tisch gegangen – bei einem Schätzwert von 30.000 bis 40.000 Euro.

Abseits des italienischen Aspekts hat das Dorotheum ein „klassisches“ Werk Robert Rauschenberg von 1988 zu bieten: Ein Foto von Gianfranco Gorgoni mit ihm im Swimming Pool, auf Leinwand gedruckt, von Rauschenberg mit einem mehrfarbigen Acrylbalken übermalt und am oberen Rand mit figurativen Lösungsmitteltransfer-Segmenten collageartig abgeschlossen. Eine untitulierte großformatige Kohlezeichnung auf Papier von Robert Longo aus dem Jahr 2006 zeigt eine von Wolkenwirbeln überzogene Erdkugel vor dem tiefen Schwarz des Weltalls (Taxe je 200.000 bis 250.000 EUR). Aus einem schwarzen Rund besteht auch eine Arbeit von Antoni Tàpies: „Cercle au graffiti blancs“ von 1986, gefüllt mit zwei dominierenden horizontalen Linien und filigranen Zeichen dazwischen, ist ein Werk, das Vertiefung fordert (Taxe 120.000 bis 150.000 EUR).

Auf den ersten Blick sehr konventionell wirkt eine „Landschaft mit Barge“ des Ukrainers Ilya Kabakov. Das Bild war 2005 im Museum of Contemporary Art in Cleveland Teil einer riesigen Installation, die eine fiktive „alternative“ Geschichte der russischen Malerei des 20. Jahrhunderts mit drei imaginären Künstlern entwarf: Charles Rosenthal, Ilya Kabakov und Igor Spivak – Künstler, die ganz aus der Fantasie Kabakovs entsprungen sind. Die impressionistisch anmutende Landschaft mit dem in der Weite des Flusses fast verschwindenden flachen Schiffstyp spiegelt die russische Genremalerei, während der hart abgesetzte Keil eines schwarzen Randes auf die geometrisch-abstrakten Formen der russischen Moderne verweist und damit die pure Idylle bricht. 160.000 bis 240.000 Euro erwartet das Dorotheum für dieses Bild.

Weitere bemerkenswerte Stücke: Die rostige Eisenguss-Skulptur „Elbquelle“ von Jörg Immendorff aus einer Privatsammlung mit Provenienz direkt vom Künstler (Taxe 70.000 bis 90.000 EUR), ein organisch wirkendes, blaues Mischtechnik-Bild aus den 1980er Jahren von Gino de Dominicis (Taxe 90.000 bis 120.000 EUR). Die spannungsvolle Linienbündelung „Zentralgestaltung“ von Arnulf Rainer auf grauem Grund aus seinen „Flegeljahren“, 1951 mit TRR signiert, soll für mindestens 190.000 bis 230.000 Euro unter den Hammer kommen. Von der 2014 verstorbenen Österreicherin Maria Lassnig sind zwei ruhevolle Bergbilder aus der Mitte der 1950er Jahre im Angebot, die zwischen 60.000 und 120.000 Euro erzielen sollen. Mel Ramos zeigt wieder einmal die klassische Pop-Ikone Marilyn Monroe, nackt bespäht durch ein riesiges Schlüsselloch. Das signierte Ölbild „Peek-a-boo Marilyn: Lost painting of 1964“ aus dem Jahr 2002 soll 120.000 bis 180.000 Euro erwirtschaften. Aus der Pop Art zudem zwei Siebdrucke von Andy Warhol zur Disposition: Ein vierfacher Joseph Beuys auf olivfarbenem Grund um 1980 für 80.000 bis 100.000 Euro und das gleichaltrige Porträt von Mario Borsato auf bunten Farbspuren für 100.000 bis 120.000 Euro.

Die Auktion beginnt am 22. November um 18 Uhr. Die Vorbesichtigung findet bis zum Auktionsbeginn täglich von 10 bis 18 Uhr, samstags von 9 bis 17 Uhr und sonntags von 14 bis 17 Uhr statt. Der Internetkatalog listet die Objekte unter www.dorotheum.com.

Kontakt:

Dorotheum

Dorotheergasse 17

AT-1010 Wien

Telefon:+43 (01) 515 60 0

Telefax:+43 (01) 515 60 443

E-Mail: client.services@dorotheum.at



20.11.2016

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Werner Häußner

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