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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Zeitgenossen bei Van Ham in Köln

Es ist immer der Gärtner



Die Gartenkunst hatte es nie leicht, als höhere Kunstform anerkannt zu werden. Schon Friedrich Schiller beklagte sich 1794: „Da es so schwer hält, der ästhetischen Gartenkunst ihren Platz unter den schönen Künsten anzuweisen, so könnte man leicht auf die Vermutung geraten, daß sie hier gar nicht unterzubringen sei.“ Kein Problem damit hatte knapp 200 Jahre später Sigmar Polke. Denn auf seinem floral gemusterten Stoff mit dem sonderbaren Titel „Es war der Gärtner“ lässt er jenen nach getaner Arbeit friedlich über einem bunten Farbsee und unter einer silbernen Spirale neben Gartenschere und Kehrbesen ausruhen. Mit dieser humorvollen Arbeit von 1977 liefert Polke gleich mehrere Bezüge zur ästhetischen Gartentheorie der Renaissance, der Frage nach der Kunsthaftigkeit des Formschnittes, zu Reinhard Meys Lied „Der Mörder ist immer der Gärtner“ von 1971, damit auch zu englischen Kriminalromanen oder zu seinem eigenen Schaffen. Denn der zufriedene Gärtner, der sich aus Buschwerk eine Liege geschnitten hat, wird überlagert von der bildbeherrschenden Spirale, einem Motiv, das sich auf eine programmatische Zeichnung Polkes von 1968 bezieht. Hier beschreibt er die Erweiterung des Sonnensystems um einen zehnten Planeten namens „Polke“. Seit 1979 befand sich die Arbeit in hessischem Privatbesitz; nun steht sie für 300.000 bis 500.000 Euro bei Van Ham zum Verkauf.


Gut 250 Positionen zur zeitgenössischen Kunst enthält die Versteigerung des Kölner Auktionshauses am 30. November. Zeitlich beginnt das Angebot in den 1950er Jahren, etwa mit Karel Appels buntem „Tigerbird“ von 1952, aus dem die Freude über eine von intellektuellen Einflüssen und kulturellen Traditionen befreite, kindliche Bildgestaltung spricht (Taxe 175.000 bis 200.000 EUR). Das war auch eine Hochzeit des deutschen Informel, für das etwa Fritz Winters mit kontrastierenden Farbblöcken bestückte Papierarbeit „Mit Gelb und Schwarz“ von 1954 (Taxe 18.000 bis 24.000 EUR) oder Ernst Wilhelm Nays Tuscheskizze einer nicht mehr erkennbaren „Sitzenden Frau“ von 1949 stehen (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR). Diese künstlerische Haltung überdauerte einige Jahrzehnte, und so machte sich Karl Fred Dahmen 1979 an eine mit Geraden und Schriftzeichen bestückte Leinwand in „Grau-beige horizontal“ (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR), Hann Trier 1981 an seinen von Rippen- und Knochenstrukturen bestimmten vierteiligen Zyklus „Das Jahr“ in braun-grünem Kolorit (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR), Emil Schumacher 1987 an eine kraftvolle, von schwarzen Linien durchfurchte Mischtechnik auf Packpapier (Taxe 20.000 bis 25.000 EUR), Fred Thieler 1992 an rot-weiße Farbinseln mit „Schwarz von Blau umrandet“ (Taxe 11.000 bis 15.000 EUR) und Bernard Schultze 1997 an seine bunten wuchernden Farbwelten in „Launige Blumenschlacht“ (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR).

Auch in Frankreich war die gestische Kunst ohne rationale Kontrolle en vogue, wofür der Katalog mehrere Beispiele von Jean Miotte zwischen 1957 und 1999 zu Preisen zwischen 3.000 und 12.000 Euro, von Ernest Albert Gérard Schneiders 1983 ausformulierte „Grande abstraction“ für 8.000 bis 12.000 Euro sowie zwei kleinteilige Farbspachtelungen Jacques Germains zwischen 3.000 und 6.000 Euro anführt. Die Affichisten wollten dann weg vom Malerischen und suchten mit dem Plakatabriss neue Wege des Tafelbildes. François Dufrêne gehört mit seiner fast monochrom weißen, gegenstandslosen Decollage „Peu ou Proust“ von 1973 zu ihnen (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR), ebenso Mimmo Rotella mit seinem „Muro romano 5“ von 1957, bei dem fast nur noch der Wandputz übrigblieb (Taxe 18.000 bis 24.000 EUR). Auch die ZERO-Künstler beschworen Ende der 1950er Jahre die „Stunde Null“ in der Kunst und griffen auf neue Materialien zurück. Licht, wie es in Heinz Macks Aluminiumflügel von 1974 vielfältig reflektiert wird (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR), war eines ihrer Gestaltungselemente und auch die Kinetik. Beides kommt in Christian Megerts „Lichtkasten“ von 1974 mit Leuchtstoffröhren und Spiegeln zusammen (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR).

Spiegel sind auch ein Grundmaterial bei Adolf Luther, um Licht sichtbar zu machen und zu lenken. Der Katalog hält mehrere seiner Objekte bereit, darunter einen quadratischen Kasten mit 136 kleinen Spiegeln für 40.000 bis 60.000 Euro. Luther und Günther Uecker treffen diesmal in einem Objektkasten von 1966/72 aufeinander: Luther steuerte die 64 konvexen Linsen auf verspiegelter Rückwand, Uecker die hinter jeder Linse eingeschlagenen 64 Nägel bei. Das Kunstwerk aus der Sammlung Fritz Moritz Sitte soll 50.000 bis 70.000 Euro einspielen. Sitte, von 1975 bis 1989 Präsident der Bundesbaudirektion, interessierte sich außerdem noch für Mary Bauermeister, die mit ihrer in sechzehn horizontalen Reihen angeordneten, immer größer werdenden Steinpyramide eine ebenso poetische Arbeit schuf (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR), wie mit ihren Linsen und beschrifteten Glasplatten in dem Objektkasten „Wortschatten“ von 1978 (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR).

Ins Kosmische wagt sich Otto Piene in seiner rein schwarzen Feuergouache „Weißer Himmel – Schwarzer Stern“ aus dem Jahr 1974 vor (Taxe 120.000 bis 180.000 EUR). Seine stellaren Konstellation liegen zudem in etwas farbigerer Ausführung mit dem „Zyklop“ von 1976 samt orangefarbenem Zentrum (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR) und mit „Solar“ von 1989/90 auf leuchtend rotem Grund vor (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR). In den 1960er Jahren schuf der polnische Maler Wojciech Fangor farbgewaltige, in ihrer Komposition an Sternenexplosionen erinnernde Gemälde. Auch der hypnotisierenden Wirkung seiner Farbkreise „B 101“ von 1966 kann man sich kaum entziehen (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR). Licht ist dann wieder das Gestaltungsmaterial bei Maurizio Nannucci, der 1983 mit weißen Neonleuchten „Still a moment of happiness“ konzeptuell auf die schwarze Wand schrieb (Taxe 9.000 bis 12.000 EUR).

Ein nicht auf den ersten Blick erkenntliches Konzept steht hinter Gerhard Richters „Vermalung (braun)“ von 1972. Als Jahresgabe für den Westfälischen Kunstverein in Münster hängte er 120 kleine Leinwände zu einem kompakten Block zusammen und bemalte sie als Ganzes mit einem braunen Schlierenspiel. Dann wurden sie einzeln verkauft. Das komplette Bild gibt es erst dann wieder, wenn alle 120 Leinwände zusammenkommen. Das mit 88 nummerierte Exemplar hängt nun für marktgängige 40.000 bis 60.000 Euro bereit. Mit monochromer Farbfeldmalerei agiert auch der Schotte Callum Innes, der 2008 in „Monologue Black 13“ graue Streifen vertikal über die Leinwand zog (Taxe 18.000 bis 24.000 EUR), während er 2009 auf quadratischer Leinwand eine orangefarbene und eine weiße Fläche gegenüberstellte (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR). Zum gleichen Wert stellt dann Katharina Grosse bunte Farbkreise auf einer hochrechteckigen Leinwand von 2005 zur Verfügung und die zwischen 1964 und 1972 tätige Gruppo MID in Op-Art-Manier die „Immagine Sintetice“ von 1969 mit vibrierenden weißen Kreisen und Quadraten auf schwarzem Grund.

Doch auch die Gegenständler kommen zu Wort, vor allem Gottfried Helnwein, der für sein fotorealistisches, blau getöntes Gemälde von „James Dean“ auf eine Fotografie von Dennis Stock zurückgriff (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR). Jörg Immendorff tritt diesmal als Bildhauer mit seinem schwarzgrün patinierten Bronzeaffen „Malerstamm Kurt“ auf (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR), ebenso Markus Lüpertz mit der farbig gefassten, fragmentierten „Europa“ auf dem Stier von 2011 (Taxe 30.000 bis 50.000 EUR). Stephan Balkenhol zeigt uns in seinem schrundig aus Holz gehauenen „Kleinen Kopf“ von 1991 eine entindividualisierte Männergestalt (Taxe 12.000 bis 18.000 EUR). 1970/71 hat Dieter Roth aus Schokolade und Essensresten des Düsseldorfer Künstlerrestaurants „Spoerri“, darunter das Skelett eines Fisches, das fünfteilige Reliefobjekt „Düsseldorfer Fernmeldeturm Nr. 3“ kreiert (Taxe 30.000 bis 50.000 EUR).

Als moderner Symbolist gilt Anselm Kiefer, der sich mit Mythen und deutscher Geschichte auseinandersetzt und dafür auf Philosophie, Literatur oder jüdische Mystik zurückgreift. So zitiert er auf dem rätselhaften düsteren Gelatinesilberabzug eines schäumenden Wasserstrudels, den er mit kleinen Kleidungstücken aus Bleiblech collagiert hat, eine Verszeile aus Ingeborg Bachmanns Gedicht „Die Brücken“: „Von den Verlorenen gerührt, die der Glaube nicht trug, erwachen die Trommeln im Fluß“ (Taxe 70.000 bis 100.000 EUR). Bei Andreas Schulze wird es wieder etwas handfester, als er 1998 einen kugelig aufgeblähten „Vespa Service“ durch eine schemenhafte Landschaft rollen ließ (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR). Wang Guangyi mischt in seinen Werken die Propagandakunst der chinesischen Kulturrevolution mit der Ästhetik der Pop Art und westlicher Konsumwelt zu einem Abbild dieses ideologischen Gegensatzes, so auch in seinem Gemälde „Great Criticism Series: BMW“ von 1994 (Taxe 95.000 bis 120.000 EUR).

Einige Maler spielen bewusst an der Grenze von Figuration und Abstraktion, etwa Franz Ackermann, der in seinen „Mental Maps“ seine subjektiven Erfahrungen und Eindrücke von seinen vielen Reisen schildert. Das bei Van Ham offerierte lebhaft bunte Exemplar von 1997 verlangt 25.000 bis 35.000 Euro. Auch bei Eberhard Havekosts titelloser, gleichaltriger Arbeit weiß man nicht genau, ob er sich mit horizontalen Farbbahnen begnügt oder doch die Balkonbrüstungen eines anonymen Hochhauses formal reduziert ins Bild gesetzt hat (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR). Aus Tal Rs „Aerodynamik sun“ von 1999 scheinen sich aus dunklem Malgrund rauchende Vulkankegel herauszuschälen (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR). Während sich Ralph Fleck 2000 in seinem großformatigen Alpenstück 3/IV“ auf einen verschneiten und daher fast rein weißen Berggipfel konzentriert (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR), lösen sich die nackten kindlichen Figuren in Cornelius Völkers „Puttiklatsch“ von 1996/97 in einem grünen Farbmeer auf (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR).

Zwischen den beiden Polen hat sich zudem der Fotograf Wolfgang Tillmans positioniert, der 2001 einen Treppenabgang aus ungewöhnlicher, schwer zu entziffernder Perspektive aufgenommen (Taxe 3.000 bis 5.000 EUR) und sich dann in seinem Abzug „paper drop“ von 2006 einer schwarz-weißen abstrakten Papierfaltung angenommen hat (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR). Als Fotokünstler gehen noch Thomas Ruff mit seinen verschwommenen pornografischen „Nudes JI01“ von 2000 für 25.000 bis 35.000 Euro und Thomas Struth mit seinem dicht grünen Waldausschnitt „Paradise 17 – California“ von 1999 für 50.000 bis 70.000 Euro an den Start. Der Konzeptkünstler Hans-Peter Feldmann hat 70 Polaroids von einzelnen Kleidungstücken geschossen und sie zu der Installation „Alle Kleider einer Frau“ humorvoll zusammengestellt (Taxe 12.000 bis 18.000 EUR).

Die Auktion beginnt am 30. November um 14 Uhr. Der Katalog ist im Internet unter www.van-ham.com abrufbar.

Kontakt:

Van Ham Kunstauktionen

Hitzelerstraße 2

DE-50968 Köln

Telefon:+49 (0221) 925 86 20

Telefax:+49 (0221) 925 86 24

E-Mail: info@van-ham.com



29.11.2016

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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30.11.2016, 382. Auktion: Zeitgenössische Kunst










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