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Eine Doppelausstellung in der Bundeskunsthalle und dem Rheinischen Landesmuseum widmet sich Deutschlands prägendem Strom

Bonn lädt zur Kunst am Rhein



Moritz von Schwind, Vater Rhein, 1848

Moritz von Schwind, Vater Rhein, 1848

Die Schlangenlinien, die der Besucher in einer großen biografischen Schau über den Rhein ablaufen muss, sind nicht dem Rheinweingenuss, sondern der geschlängelten Ausstellungsarchitektur geschuldet. Der raumgreifend geschwungene Raumteiler erinnert an die einst weit ausgreifenden Schleifen des Flusses, bevor er im vorletzten Jahrhundert radikal begradigt wurde. Zwischen Basel und Worms wurde so die Strecke um ein rund Viertel von 345 auf 273 Kilometer verkürzt. Dies und viele weitere natur-, kultur- und kunsthistorische Aspekte ruft am Beispiel von rund 300 Exponaten die Bundeskunsthalle derzeit in Erinnerung. Die Schau „Der Rhein – eine europäische Flussbiografie“, so ihr Titel, findet ihre Ergänzung im „Bilderstrom“ des Rheinischen Landesmuseums in Bonn. Hier steht der Fluss im Spiegel der Fotografie seit 1853 im Fokus.


Zwar weit abgeschlagen hinter den Giganten Nil und Amazonas oder auch der Donau, fließt der Rhein immerhin 1250 Kilometer weit durch sechs westeuropäische Länder, dessen kulturelle Diktion er kraftvoll beeinflusste. Ab dem 12. Jahrhundert entfaltet sich beiderseits des Stroms ein blühendes Kunstschaffen, dessen sichtbarer Ausdruck eindrucksvolle Bauten sind. Dome, Festungen, Klöster und Universitäten entstanden und sind bis heute prägend. Residenzstädte mit aufwendiger Hofhaltung wie Karlsruhe, Mannheim, Koblenz, Bonn, Düsseldorf oder Mainz lockten Künstler an die Rheinschiene. Schon in ihrem „Goldenen Zeitalter“ nutzten holländische Maler den Rhein für ihre Natur- und Tierstudien. Landschaftsbilder bannten das fahle Licht am hohen Himmel über den Ebenen der niederrheinischen Flusslandschaft in Szenen von bleibender Schönheit, wie Ölgemälde von Anthonie van Borssom, Jan van Huchtenburgh, Anthonie Jansz van der Croos oder Salomon van Ruysdael belegen.

Rheingold-Dukaten aus dem 18. Jahrhundert verweisen auf das recht spärlich ausgewaschene Edelmetall und im Rhein versenkte Schätze, die der Strom im Laufe der Jahrhunderte immer wieder freigab. Dazu gehören etwa der Hortfund von Neupotz aus dem 3. Jahrhundert nach Christus oder der sogenannte „Xantener Knabe“, ein stummer Diener aus Bronze aus den Jahren um 150 vor Christus, wohl einst beheimatet in einem edlen römischen Wohnsitz. Die berühmte Oper „Rheingold“ aus Richard Wagners „Ring der Nibelungen“ versuchte der Maler Hans Makart detailreich in einem Deckengemälde zu verarbeiten. Bis heute scheint der Name „Rheingold“ zu bezaubern, und sei es als knalliger Begriff für ein mittlerweile nicht mehr existentes Kunstsammlungsprojekt.

Besonders im 19. Jahrhundert avancierte „Vater Rhein“ zum malerischen Sehnsuchtsort und zur Hochburg des europäischen Tourismus. Im Zuge des „Gothic Revival“ erlebten viele Schloss- und Burgruinen ihre Rekonstruktion. Der Kölner Dom konnte nach 632 Jahren Bauzeit endlich vollendet werden. Künstler ließen sich zu Rheinreisen animieren, wie Skizzen von Joseph Mallord William Turner, stimmungsvolle, die Vergangenheit beschwörende Gemälde des Drachenfelsen von Caspar Scheuren oder die Kölner Domansicht von Johann Adolf Lasinsky vor Augen führen.

Auch als umkämpfte Grenze war der Rhein über Jahrhunderte emotional besetzt. Evidente Zeichen sind bis heute landschaftliche Markierungen territorialer Ordnungen in der Form monumentaler Denkmäler etwa des Kaiser-Wilhelm-Denkmals am Deutschen Eck in Koblenz von Emil Hundrieser, von dem Teile der Erstfassung einen eindrucksvollen Größenvergleich vermitteln. Die Germania am Niederwalddenkmal diente als Untermauerung eines gegen Frankreich gerichteten Nationalismus.

Die Ausstellung in der Bundeskunsthallte behandelt zudem die Rolle des Flusses als Transportachse in gleich mehrfacher Hinsicht, so als Beförderungsweg von neuen Ideen und Stilen, Künstlern oder Produkttransporten wie rheinischem Steinzeug nach Flandern, England bis hin zu anderen Kontinenten oder die Verschiffung begehrter Möbel aus der Neuwieder Roentgen-Werkstatt an Höfe in St. Petersburg, Berlin oder Potsdam. Schon für das 15. Jahrhundert ist der gewerbsmäßige Vertrieb von Kunst in Köln belegt; heute sorgen weltweit bedeutende Kunstmessen in Basel, Karlsruhe oder Köln für Beachtung.

Gestreift wird in diesem Zusammenhang auch die industriegeschichtliche Entwicklung mit all ihren zollfiskalischen, umweltzerstörerischen und architekturgeschichtlichen Aspekten, etwa der imposanten Eisengussbasilika der Sayner Hütte von 1830. Nichts verdeutlicht imponierender die Position des Rheins als Handels- und Wirtschaftsachse als Anton Woensams 1531 gestochenes Panorama von Köln, eines der bekanntesten und bedeutendsten seiner Art und Zeit überhaupt. Der Rhein als Zentrum der Kirche und die Dominanz des Katholizismus münden in die rheinisch geprägte Bonner Republik, als dessen Ausdruck der von Hildegard Domizlaff entworfene Bischofsstab des legendären Kölner Erzbischofs Josef Frings dient.

Als beliebtes Fotomotiv überflutet der Rhein viele Bände über Deutschland ähnlich einem breiten „Bilderstrom“. Der zweite Teil der Doppelschau im Rheinischen Landesmuseum untersucht am Beispiel des Mediums Fotografie das Oszillieren zwischen Realität und Imagination. Über 260 Lichtbilder von 1853 bis heute erzählen zugleich motivgebunden die Geschichte der Fotografie. Unter den 62 Fotografen reihen sich so bedeutende Vertreter ihres Fachs ein wie Albert Renger-Patzsch, Lee Miller, Hermann Claasen, Boris Becker, Robert Capa, Chargesheimer, Ruth Hallensleben, Candida Höfer, Barbara Klemm, August Sander oder Wolfgang Tillmans. In teils verstörenden Perspektiven, kühl kalkulierten Ausschnitten oder in Rückbesinnung auf Naturhaftes schreitet der Besucher ein chronologisch geordnetes Panorama zwischen Karneval und Religion, Ausflugszielen und Fährbetrieben, Eisgängen und Stromschnellen, unwirtlichen Flussbegradigungen zwischen Straße und Schiene, Krieg und Idyll, Anglern und Hafenarbeiten, Hochwasserkatastrophen und Kriegshandlungen ab.

Als eher düstere Kulisse mit wagnerianischem Pathos wird der Rhein in den 1930er Jahren empfunden. Zwischen Schönheit, Präzision und Schrecken bewegt sich eine Aufnahme der Royal Air Force beim Überflug von Köln-Marienburg im Jahr 1945. Quasi durchlöchert von Bombentrichtern und übersät von Ruinentrümmern, nutzte Gerhard Richter die Fotografie mit dem Ergebnis, dass das Symbol des Kreuzes aus Linien zweier Autobahnen die Szenerie umfasst. Das Schweizer Fotografenpaar Jojakim Cortis und Adrian Sonderegger entlarven Andreas Gurskys Arbeit „Rhein II“ aus dem Jahr 1999, die zeitweilig als teuerste Fotografie der Welt gehandelt wurde, als streng marktkalkuliertes Artefakt, wie es künstlich mit malerischen Mitteln im Fotostudio entsteht. Bissig hinterfragt das „Streifenmusterbild“ die Wahrheit heutiger Fotografie. Was soll man heute noch glauben?

Die Ausstellungen „Der Rhein – Eine europäische Flussbiografie“ und „Bilderstrom. Der Rhein und die Fotografie 2016-1853“ sind noch bis zum 22. Januar zu sehen. Die Bundeskunsthalle hat täglich außer montags von 10 bis 19 Uhr, dienstags und mittwochs bis 21 Uhr geöffnet, das Rheinische Landesmuseum täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr, samstags erst ab 13 Uhr. Der Eintritt in die Bundeskunsthalle beträgt 12 Euro, ermäßigt 8 Euro, in das Rheinische Landesmuseum 8 Euro, ermäßigt 6 Euro. Das Kombiticket für beiden Ausstellungen kostet 16 Euro, ermäßigt 11,20 Euro. Den Katalog gibt es in der Bundeskunsthalle für 39,95 Euro, im Rheinischen Landesmuseum für 19,80 Euro.

LVR-Landesmuseum Bonn
Colmantstraße 14-16
D-53115 Bonn

Telefon: +49 (0)228 – 20 70 0
Telefon: +49 (0)228 – 20 70 299

Kontakt:

Kunst - und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland

Friedrich-Ebert-Allee 4

DE-53113 Bonn

Telefon:+49 (0228) 91 71 200

Telefax:+49 (0228) 91 71 209

E-Mail: info@kah-bonn.de



04.01.2017

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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