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Töchterchen Marion mit Katze, 1898 / Franz von Lenbach

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Blumenstrauß mit Plastik vor Fenster, 1925 / Ernst Ludwig Kirchner

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Eine umfangreiche Schau im Düsseldorfer Museum Kunst Palast unternimmt den Versuch, Vorhänge zu lüften

Ein Korso der (Ent-)Täuschung



Tizian, Bildnis des Filippo Archinto, 1558

Tizian, Bildnis des Filippo Archinto, 1558

Nur schemenhaft gibt sich der Mailänder Erzbischof Filippo Archinto zu erkennen. Ein durchsichtiger Schleier verwischt den sitzenden Amtsträger zur Hälfte. Mitten durch die Pupille seines rechten Auges, des Symbols der Gerechtigkeit, fällt der Saum und lässt den Bischofsring an der rechten Hand weiter unten gerade noch frei. Der gekonnt illustrierte, scharfe und analytische Blick des umstrittenen Reformers missfiel Aristokratie und Klerus gleichermaßen. Sein konsequentes Anwenden notwendiger Neuerungen ließ sie um Privilegien fürchten. Obgleich Papst Paul IV. kategorisch Archintos Einsetzung befohlen hatte, konnte er das Bischofsamt nicht ausüben, da er aus Mailand verwiesen wurde. Wenige Monate später im Juni 1558 verstarb der 58jährige und hielt erst als Toter Einzug in die Kathedrale.


Mithilfe eines Schleiervorhangs als kritischen, die Zerwürfnisse aufdeckenden Instruments spielte Tizian noch im selben Jahr in seinem Portrait auf den gespaltenen Status des Würdenträgers an. Das vibrierende Spiel zwischen Sehen und Gesehenwerden, Präsenz und Distanz, Strafe und verhüllender Milde, Zu- und Aufziehen erweist sich auf dem im Philadelphia Museum of Art heimischen Gemälde als Herausforderung für den Betrachter. Gleichzeitig übernahm es nun die Rolle als Auslöser zu einer Ausstellung vor dem Hintergrund der antiken Legende über den Malerwettstreit zwischen Parrhasios und seinem Rivalen Zeuxis. Berichten des römischen Autors Plinius zufolge gewinnt der griechische Maler den Wettstreit mit seinem Gegenspieler, der zwar Vögel mit täuschend echt gemalten Trauben anzulocken vermochte, aber dann doch selbst Opfer einer Täuschung wurde, als er einen von Parrhasios gemalten Vorhang beiseiteschieben wollte, um das vermeintliche dahinter befindliche Bild anzusehen. Diese Szene hielt Jakob von Sandrart 1683 auf einem Kupferstich fest, der die Ausstellung begleitet.

Die Themenschau im Düsseldorfer Museum Kunst Palast entfacht mit 214 Exponaten von 138 Künstlern ein überaus breites Panorama, das sich Vorhängen, Stoffen, Tüchern allgemein, Kleidern, Sichtschutz, Verhüllungen, Inszenierungen und Doppelspielen annimmt, ohne dabei Inkonsequenzen zu scheuen. Gleich zu Beginn des Parcours wird der Besucher Opfer einer Täuschung. Erwartungsvoll blickt er von der Seite hinter den an einer goldenen Stange hängenden roten Samtvorhang von Hans-Peter Feldmann. Doch dahinter verbirgt sich nichts. Das Werk demonstriert einerseits die Begierde als Voraussetzung der Täuschung. Andererseits verweist es auf die seit der Antike erprobte Gepflogenheit, als Schutz vor Staub, Licht oder Abnutzung durch metaphorische Alltagsblicke Bilder hinter Vorhängen zu platzieren. Bewusst einkalkuliert war zudem bei der im 18. und 19. Jahrhundert abgeflachten Sitte die inszenatorische Funktion des Enthüllens.

Der Vorhang als Sichtschutz, Hintergrund, Abschirmung oder formale künstlerische Intuition an sich steht im Fokus nachfolgender Gemäldearrangements, getreu der Äußerung René Magrittes: „Wir sind umgeben von Vorhängen“, was er auch immer vieldeutig damit meinte. Reale Bildvorhänge ist die Kunstpraxis von heute nicht mehr gewohnt. Dafür sind gemalte Bildvorhänge durchgehend existent, wie die niederländische Malerei des 17. Jahrhunderts exemplarisch vor Augen führt. Geschickt verstehen es die Holländer, mit dem Motiv des Vorhanges zu spielen, etwa Cornelis Bisschop, der in einem Selbstporträt den rückseitigen Vorhang zur Seite zieht und den Blick auf eines seiner Werke freigibt. Auch Gemälde weiterer Maler wie Rembrandt oder Nicolaes Maes demonstrieren, wie sie mittels Vorhänge die Aufmerksamkeit des Betrachters gezielt steuern. Linien oder Farben werden damit eingeführt, uninteressante Randzonen gefüllt und Kompositionen aufgewertet.

Ein eigenes Kapitel gilt dem Vorhang im religiösen und göttlichen Kontext. Vorhänge, Tücher, Schleier und ausladende Faltenwürfe opulenter Mäntel mit Schutzfunktion, wie sie Hans Holbein d.Ä. oder Lucas Cranach d.Ä. schufen, oder die weit verbreitete Formel des repräsentativen Cortina-Motivs, bei dem Personen zwischen zwei Vorhängen platziert sind, bestimmen die Auswahl. Weit hergeholt allerdings muten Abdrucke auf Tüchern an, ein Bild-im-Bild-Typus, der am Beispiel des Schweißtuches der heiligen Veronika durchexerziert wird. Wie an den Ecken angenagelt erscheint das Tuch des Kölner Meisters von St. Laurenz, das um 1400 entstandene und damit älteste Werk in der Düsseldorfer Ausstellung.

Recht wahllos strukturiert gibt sich die nachfolgende Sektion, in der repräsentative, der inszenatorischen Machtdemonstration dienende Behänge tonangebend sind. Motivisch wie auswahltechnisch eher konträr gipfelt die Reihe im unheimlichen „Man in Blue I“ von Francis Bacon. In der Folge entführen Motive ins Schlafzimmer. Jahrhunderte lang war der Bettkasten von Vorhängen umschlossen und ein intimer Ort für Dramen von Begehren bis hin zum Tod. Recht banal mag die anschließend angesprochene Vermittlungsfunktion des Vorhanges zwischen Innen und Außen klingen. Besonders Künstler der klassischen Moderne nahmen sich der Verklammerung von inneren und äußeren Zonen, Situationen von Transparenz oder Verschließung in spielerischer, geheimnisvoller und dramatisierender Form an. Nicht nur Sigmar Polke narrt den Betrachter in seiner 1994 geschaffenen „Fensterfront“ durch einen geschickten Zusammenfall von Innen- und Außenraum, eine voller Intransparenz verfängliche, trügerische Lauterkeit.

Verschiedene thematische Stränge lässig aneinander gereihter Positionen erkunden im modernen Teil Gewichtungen von Vorhängen und Stoffen im 20. Jahrhundert bis heute. Das Motiv der Verhüllung löst sich weitgehend aus dem vormaligen Kontext. Der Vorhang wird nun selbst zum ausschließlichen Thema. Allen voran Christo und Jeanne-Claude eröffnen in den beginnenden 1960er Jahren hier ein weites Feld. Aber auch Berlinde de Bruyckere oder Schweizer Eric Hattan mit seiner originellen wie verfänglichen Installation eines Bades stehen für diese Formeln. Gleichwohl lassen sich auch weiterhin viele Maler von der rauschenden Wucht eines Vorhanges inspirieren, etwa Dieter Krieg mit seinen virtuosen Vorhangbildern oder Jörg Sasse mit der achtsamen Fixierung auf Muster, Säume, Falten und Farben von Gardinen. Am Anfang stehen die von innen bei strömendem Regen fotografierten Fensterscheiben Thomas Florschuetz’, wobei sich der Kenner seines Œuvres fragt, warum seine herrlichen Großaufnahmen wehender Vorhänge hier keinen Platz gefunden haben. „Man wollte auch mal einen Regenvorhang dabei haben“, lautete die Begründung.

Dies zeigt auch die Schwäche der Schau. Sei greift zu weit aus, verliert sich in Einzelaspekte und bietet eine kontraproduktive Überfülle. Allzu sehr wurde wohl auf einen effekthaschenden Blockbuster abgehoben. Wie Vorhänge Räume eröffnen, Dramaturgie evozieren und Bühnen des Spiels und der Täuschung sein können – all das hätte präziser unter Konzentrierung von gezielt ausgewählten Werken und Einzelaspekten auf den Punkt gebracht werden müssen. Mit der darüber hinaus ins Hintertreffen geratenen gestalterischen Umsetzung der Inhalte wurde des Weiteren eine wesentliche Komponente vernachlässigt. Weniger Ereignis, mehr zielgerichtete Erkenntnis hätte der für viele Besucher eher verwirrenden als plausiblen Ausstellung besser zugestanden.

Die Ausstellung „Hinter dem Vorhang. Verhüllung und Enthüllung seit der Renaissance – Von Tizian bis Christo“ ist noch bis zum 22. Januar zu sehen. Das Museum Kunst Palast hat täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr, donnerstags bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 12 Euro, ermäßigt 9,50 Euro. Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog erschienen, der im Museum 39,90 Euro kostet.

Kontakt:

Museum Kunst Palast

Ehrenhof 4-5

DE-40479 Düsseldorf

Telefon:+49 (0211) 566 42 100

Telefax:+49 (0211) 566 42 906

E-Mail: info@museum-kunst-palast.de



10.01.2017

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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01.10.2016, Hinter dem Vorhang. Verhüllung und Enthüllung seit der Renaissance – Von Tizian bis Christo

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Museum Kunst Palast

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Tizian, Bildnis des Filippo Archinto, 1558
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El Greco, Die heilige Veronika mit dem Schweißtuch, um 1580
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Edouard Vuillard, Le rideau jaune, um 1893
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Jean-Etienne Liotard, Liotard riant, um 1770
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Hans Holbein d.Ä., Maria mit dem schlafenden
 Christuskind, um 1520
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Ferdinand Hodler, Die Wahrheit, 1902
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Robert Delaunay, La tour aux rideaux, 1910
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El Greco, Die heilige Veronika mit dem Schweißtuch, um 1580

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Edouard Vuillard, Le rideau jaune, um 1893

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Jean-Etienne Liotard, Liotard riant, um 1770

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Hans Holbein d.Ä., Maria mit dem schlafenden Christuskind, um 1520

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Ferdinand Hodler, Die Wahrheit, 1902

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Robert Delaunay, La tour aux rideaux, 1910

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Arnold Böcklin, Trauer der Maria Magdalena an der Leiche Christi, 1867

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