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Im Mauritshuis im Den Haag treffen hochrangige Genrewerke des goldenen Zeitalters aus dem Besitz der britischen Königin Elisabeth II. auf den ehemaligen Gemäldebestand der Oranier

Liebevolle majestätische Kreuzungen



Jan Vermeer, Die Musikstunde, 1660/62

Jan Vermeer, Die Musikstunde, 1660/62

Weit hinten und doch genau in der Bildmitte platziert, spielt die Musikerin am Virginal. Sie kehrt dem Betrachter den Rücken zu, ihr Antlitz ist aber im Spiegel über dem Instrument zu erkennen, direkt unter dem Fußgestell der Staffelei des Malers Jan Vermeer. Gestützt auf das Virginal sowie einen Stock, steht rechts daneben der Sänger, erkennbar am leicht geöffneten Mund. Im Gegensatz zum wenig bedeutenden Geschehen stehen Licht und Atmosphäre im Zentrum des malerischen Interesses. Weniger die diskrete Platzierung der Personen, sondern vielmehr in das Bild leitende Elemente aus Vermeers üblichem Formenvokabular wie der weißschwarz gerasterte Fußboden oder der den Tisch bedeckende, kraftvoll gemusterte Teppich mit Silbertablett und Karaffe dienen als Blickfänger. Sie führen vorbei am blauen Stuhl und auf dem Boden liegenden Cello zur eigentlichen Handlung. Jan Vermeer ließ sich bei der Konzeption der seltsamen Perspektive wohl von der Camera obscura inspirieren und kreierte auf diese Weise zwischen 1660 bis 1662 ein Werk voller scharfsinniger räumlicher Effekte in einem für die damalige Zeit typischen Salon mit Balkendecke und kleinteilig bleigesprossten Fenstern.


Nicht zu vergessen: Auch die Liebe ist natürlich mit im Spiel, symbolisiert durch die Musik und den lateinischen Spruch „Musik – Des Glückes Gefährtin und Heilmittel für Kummer“ auf dem Instrument. Als dieses Gemälde im Jahr 1762 der englische König Georg III. erwarb, wurde es noch dem Künstler Frans van Mieris d.Ä. zugeschrieben. Erst später erfolgte die Zuweisung zum Œuvre Jan Vermeers, von dem heute 36 Gemälde bekannt sind. „Die Musikstunde“, so der Titel, gehört darunter zu den außergewöhnlichsten des Malers und ist das meist reproduzierte aus dem Kunstbestand der britischen Königin. In ihrer Sammlung ist die Malerei aus dem holländischen Goldenen Zeitalter stark vertreten, wobei die Genredarstellungen einen besonderen Platz einnehmen. 22 hochkarätige davon wurden für eine Sonderausstellung im Mauritshuis in Den Haag ausgewählt, ergänzt durch das Gemälde „Die junge Mutter“ von Gerrit Dou aus dem eigenen Bestand. Dieses war bis 1700 Teil der Royal Collection und kam dann durch den königlichen Statthalter Wilhelm III. in niederländischen Besitz.

Die Sammlung des Hauses Windsor, eine der letzten verbliebenen europäischen königlichen Kollektionen, und die des Mauritshuis eint vieles. Der englische König George IV. erwarb im frühen 19. Jahrhundert eine Reihe qualitätvoller Gemälde, die heute zu den Spitzenstücken des Fundus zählen. Derzeit verwaltet die amtierende Königin Elisabeth II., die auch Kunstgeschichte studierte, den zu den bedeutendsten Sammlungen der Welt zählenden Kunstbestand ihrer Familie, der sich normalerweise auf über einen Dutzend Residenzen verteilt. Gründer der Sammlungen des Mauritshuis waren die Statthalter Wilhelm IV. und V. Ihr Nachkomme, König Wilhelm I., übereignete im Jahr 1816 die Sammlung dem niederländischen Staat. Trotzdem firmiert das Museum bis heute immer noch unter der Bezeichnung „Königliches Gemäldekabinett Mauritshuis“.

Für die Ausstellung im Mauritshuis konzentrieren sich die Kuratoren auf Genrestücke und –szenen, die tägliche Begebenheiten in einer breiten Vielfalt vorstellen und Einblicke ins private Zuhause oder in eine Taverne gewähren. Erzählt wird vom Beruf, von Besitztümern oder Charakteren von Personen, die exquisit oder vernachlässigt, anzüglich oder respektvoll gewandet sind. Blicken sie glücklich oder fragend, wie agieren und wohin schauen die Figuren? Mehrdeutige Objekte können verborgene Botschaften oder moralische Aussagen andeuten. Was hier ins Auge sticht, ist das Agieren von Personen am Rand oder im Hintergrund. Verzaubernde Liebschaften spielen sich diskret ab, der Betrachter wird im Unklaren gelassen. So repräsentieren die ausgewählten Bilder symptomatisch das auf Diskretion bedachte Agieren der blaublütigen Besitzer.

Dies gilt auch für das Gemälde „Frau in einem Schlafzimmer“ von Jan Havicksz Steen, einen weiteren Höhepunkt der Zusammenstellung. Früher war das 1663 gemalte Werk unter dem Titel „Die Morgentoilette“ bekannt. Eine Frau sitzt auf der Bettkante und zieht ihre Strümpfe aus. Dabei schaut sie durch das Rundbogenportal, doch wer mag der Betrachter sein? Ihr eigentlicher Liebhaber, ein Hund, liegt im Bett. Socken waren seinerzeit das Symbol für Weiblichkeit. Doch gibt Steen zugleich eine Warnung mit auf den Weg: Auf der Portalstufe ordnete er im Vordergrund über einem Notenblock eine Laute mit gerissener Saite sowie einen Schädel an, aus dem Weinlaub sprießt – ein klarer Verweis auf die Flüchtigkeit physischer Vergnügungen. Der wohl geformte, den Blick fokussierende Türrahmen, delikates Kolorit und zartes Licht verleihen dem Gemälde einen immensen Reiz.

Insgesamt tun in der erfreulich konzentrierten Schau die besten Maler des Goldenen Zeitalters das alltägliche Leben von damals kund. Weitere Illustrationen Jan Havicksz Steens entführten das Publikum ins Wirtshaus. Die belebten, figurenreichen Szenen deuten anrüchige, despektierliche und indiskutable Vergnügungen von betrunkenen Personen an und sind Situationen, die dem heutigen Alltag nicht allzu fern erscheinen. Vom Hauptmeister holländischer Interieurmalerei, Pieter de Hooch, demonstrierten exemplarisch zwei Gemälde dessen Vorliebe für klar geordnete Räume und den Einfall hellen Sonnenlichts in einheitlichen Farblufttönen. Aber auch weniger gelungen disponierte Kompositionen aus seinen malerischen Anfängen legt die Auswahl offen. Als 28jähriger scheint er noch lange nicht ausgereift, wie sich beim 1657 entstandenen Gemälde „Ein Hof in Delft am Abend: Eine spinnende Frau“ zeigt, auf dem die beiden Frauengestalten sichtlich zu groß konzipiert wurden, wie umliegende Mauern und Tore unschwer erkennen lassen.

Ludolf de Jongh machte mit Einzel- und Gruppenbildnissen sowie Landschaften mit Staffagefiguren von sich reden. Im Bild „Formaler Garten mit drei Frauen und einem Mann“ nimmt er den Betrachter in den weitläufigen Garten eines vornehmen Landhauses mit. Den aristokratischen Lebensstil verkörpern die vier vornehm gewandten jungen Personen in der linken unteren Ecke. Im Schatten einer Hecke stehend, hält jemand eine Rose, eine andere Frau liest einen (Liebes)-Brief, während der Mann seine Liebste zur Seite zu nehmen versucht. Das um 1655 entstandene Werk „Mädchen verkauft Weintrauben an eine alte Frau“ des Leidener Malers Frans van Mieris d.Ä. gilt als eines der ersten Gemälde überhaupt, das eine von Haustür zu Haustür ziehende Verkäuferin festhält. Wie sein Lehrer Gerrit Dou war Mieris fasziniert von unterschiedlichen Stoffen und Materialien, wie sie auch hier in der Form von Körben oder Früchten aufeinandertreffen.

Zu den rätselhaftesten Bildern zählt der „Cellospieler“ von Gabriel Metsu aus den Jahren um 1658. Der Leidener Meister des eher intimen Genrebildes setzte nur wenige Figuren in Szene und war um liebevolle Wiedergabe alles Gegenständlichen bemüht. Hier inszenierte er geschickt einen kreisförmig wandernden Blick, beginnend mit dem links unten auf einer Bank sitzenden Cellospieler. Ein Hund leitet zur rechts angeordneten Treppe über, auf der eine Sängerin steht. Welche Person mag oben zwischen den Köpfen aus dem dunklen Korbbogenfenster so düster mit verschränkten Armen das kongeniale Zusammenspiel davor beäugen? Leidenschaftlich, elegant, verführerisch, ungebunden – so lassen sich die Eigenschaften beschreiben, die die weiteren Sujets von Willem van Mieris, Adriaen van Ostade, Hendrick Gerritsz Pot, Godfried Schalcken, Nicolaes Maes oder Gerard ter Borch auszeichnen. Die Liebe, das Leben, der Alltag: die Maler des Goldenen Zeitalters erzählen vom Gang der Dinge ihrer Epoche. Doch so allzu weit scheinen die vielen mitgeteilten Episoden gar nicht vom heutigen Geschehen entfernt zu sein.

Die Ausstellung „Zuhause in Holland. Vermeer und seine Zeitgenossen aus der British Royal Collection“ ist noch bis zum 5. Februar zu sehen. Das Mauritshuis hat montags von 13 bis 18 Uhr, dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr und donnerstags zusätzlich bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 14 Euro, ermäßigt 12,50 Euro. Für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre ist er kostenlos. Zur Ausstellung ist ein umfangreicher erschienen, der im Museum 29,95 Euro kostet.

Kontakt:

Mauritshuis

Plein 29

NL-2511 CS Den Haag

Telefon:+31 (070) 302 34 56

Telefax:+31 (070) 365 38 19



20.01.2017

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Hendrick Gerritsz Pot, Lady und Gentleman in einem Interieur, um 1632
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Gabriel Metsu, Selbstportrait in einem Fenster, um 1655/58
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Jan Steen, Lustbarkeiten in einer Taverne mit tanzendem Paar, um 1670
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Jan Steen, Ein ausgelassenes Dorffest, 1673
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Gabriel Metsu, Der Cellospieler, um 1658
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Hendrick Gerritsz Pot, Lady und Gentleman in einem Interieur, um 1632

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Frans van Mieris d.Ä., Ein Mädchen verkauft Weintrauben an eine alte Frau, um 1655

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Gabriel Metsu, Selbstportrait in einem Fenster, um 1655/58

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Jan Steen, Lustbarkeiten in einer Taverne mit tanzendem Paar, um 1670

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Gabriel Metsu, Der Cellospieler, um 1658

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Ludolf de Jongh, Formaler Garten mit drei Frauen und einem Mann, um 1676

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Pieter de Hooch, Kartenspieler in einem sonnenbeschienen Zimmer, 1658

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Jan Havicksz Steen, Frau in einem Schlafzimmer (Die Morgentoilette), 1663

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in der Ausstellung „Zuhause in Holland. Vermeer und seine Zeitgenossen aus der British Royal Collection“

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