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Aktuellzum Archiv:Messe-Nachbericht

Die 18. Art Rotterdam ist am Sonntag zu Ende gegangen. Trotz eisiger Kälte machten sich 26.500 Besucher auf den Weg in die Van Nellefabriek. Viele Galeristen und der Messedirektor Fons Hof ziehen eine positive Bilanz

Hunger nach Kunst



Zur Art Rotterdam

Zur Art Rotterdam

Ein elegischer Gesang erfüllte in den letzten Tagen den Außenraum zwischen den denkmalgeschützten Gebäuden der Van Nellefabriek in Rotterdam. Lieder von Sehnsucht und Hoffnung, von Soft Cell bis zu The Smiths, a cappella vorgetragen von der klaren und unverwechselbaren Stimme der 1965 geborenen schottischen Künstlerin Susan Philipsz. Die Klanginstallation gehört zu den acht Außenarbeiten im Rahmen der von Samuel Saelemakers, einem Kurator am Witte de With Center for Contemporary Art, betreuten „Open Art Section“ der Art Rotterdam. Die auch von vielen Belgiern und Deutschen besuchte wichtigste niederländische Kunstmesse ging am Sonntagabend mit der konstant hohen Besucherzahl von 26.500 Kunstliebhabern zu Ende. Damit wurde zwar kein neuer Besucherrekord aufgestellt. Die Vorjahreszahl konnte aber souverän gehalten werden. Susan Philipsz wird übrigens im März nach Rotterdam zurückkehren, um dann ihre permanente Klanginstallation „Seven Tears“ unterhalb der Erasmusbrücke einzuweihen. Sie wird Teil von „Sculpture International Rotterdam“, dem anspruchsvollen und international prominent besetzten Programm für Kunst im öffentlichen Raum in der niederländischen Hafenstadt.


Repräsentiert wird Susan Philipsz von der Amsterdamer Galerie Ellen de Bruijne Projects, die auf der Messe mit einem Stand im Hauptsektor zugegen war. 91 Galerien nahmen in diesem Jahr an der 18. Ausgabe der Art Rotterdam teil. Besonders die „New Art Section“ mit 21 jüngeren Galerien, die Soloprojekte von Newcomern auf die Beine stellten, erfreute sich großer Beliebtheit. Die Kuratorin Natasha Hoare vom Witte de With Center for Contemporary Art hatte die Galerien für diesen Sektor ausgewählt. Ebenfalls beliebt beim Publikum war auch in diesem Jahr wieder der Sektor „Projections“. In einer großen abgedunkelten Halle wurden zwölf Videopositionen präsentiert. Soundduschen und Bänke mit Kopfhörern ermöglichten hier ein konzentriertes und weitgehend ablenkungsfreies Betrachten auch längerer Videoarbeiten. Seit vier Jahren stößt die Videosektion nicht nur bei Sammlern sondern auch bei Kuratoren auf großes Interesse.

In diesem Jahr auffällig: Viele Werke hatten einen politischen Kontext. So etwa die Arbeit „To Move Mountains“ (2015) des 1986 in Soweto geborenen Südafrikaners Mohau Modisakeng. Modisakeng durchschreitet barfuß, weiß geschminkt und mit weißer Schutzkleidung eine gebirgsartige Asphalthalde am Rande eines schwarzen Townships. In den ebenso poetischen wie verstörenden und politisch aufgeladenen Arbeiten des farbigen Südafrikaners dient der eigene Körper des Künstlers als Projektionsfläche für individuelle und kollektive Erinnerung im postkolonialen Zeitalter. Modisakeng bespielt in diesem Jahr auch den südafrikanischen Pavillon auf der Biennale Venedig. Vertreten wird er von der Amsterdamer Galerie Ron Mandos, die auch Fotografien des Künstlers im Angebot hatte (7.200 bis 10.250 Euro + VAT, Auflage 5 bzw. 6 plus 2 AP).

Um ein Geschwisterverhältnis der etwas angespannteren Art ging es dann in der 2010 entstandenen Videoarbeit „Me and my sister“ der 1973 geborenen belgischen Künstlerin Elke Andreas Boon bei der Annie Gentils Gallery aus Antwerpen. In Nahaufnahmen zeigt Boon ein junges weibliches Zwillingspaar. Eine der beiden blonden Schwestern raucht. Wieder und wieder bläst sie ihrer Schwester, die das alles, ohne den Kopf abzuwenden, in stiller Duldsamkeit erträgt, den Rauch ins Gesicht, bis deren Augen zu tränen anfangen. Ein ambivalentes Spiel im Spannungsfeld zwischen Anziehung und Abstoßung, Geschwisterliebe und Geschwisterhass. Eine tiefenpsychologische filmische Recherchereise in das aufgewühlte Unterbewusstsein eines Drohnenpiloten, der aus Unachtsamkeit eine Schule in Pakistan zerstört und zahlreiche Menschenleben vernichtet hat, unternimmt dann David Verbeek in seiner Doppelprojektion „Full Contact“ von 2016. Die Flatland Gallery aus Amsterdam hat den 1980 geborenen niederländischen Künstler und Regisseur im Programm.

„Prospects & Concepts“, die Ausstellung innerhalb der Messe, versammelte 60 Künstler, die im Jahr 2015 eine Förderung der Mondriaan Fonds erhalten hatten. Die in Nebengebäuden angesiedelte Abteilung „Intersections“ konzentrierte sich dieses Mal auf Installationen und Performancekunst. Messedirektor Fons Hof zog am letzten Tag der Messe eine positive Bilanz: „Unser Ziel ist es, die Art Rotterdam einem internationalen Publikum zu präsentieren. Im Februar sind die Menschen extrem hungrig nach neuer Kunst, besonders die Professionals und die Sammler. Wir kreieren einen Moment des Hungers. Wir versuchen jedes Mal wieder, die Leute in die Stimmung zu bringen, dass sie sich für neue Kunst interessieren und sie im Idealfall auch kaufen.“

Über mangelnde Verkäufe konnten sich die meisten der niederländischen und internationalen Galerien denn auch nicht beklagen. Viele Arbeiten liegen auf der Art Rotterdam im mittleren und niedrigen Preissektor, dennoch gelangen auch 2017 einige spektakuläre Verkäufe. So verkaufte die Grimm Gallery aus Amsterdam eine 2,5 Meter hohe Skulptur von Matthew Day Jackson für einen sechsstelligen Betrag an die ING Bank. Ausverkauft war der Stand der C&H Gallery aus Amsterdam mit kinetischen Skulpturen des niederländisch-österreichischen Künstlers Zoro Feigl, Jahrgang 1983. Zwei davon erwarb der Großsammler Joop van Caldenborgh für sein im September 2016 eröffnetes Museum Voorlinden in Wassenaar.

Große Aufmerksamkeit erfuhren am Stand von Annet Gelink aus Amsterdam die Fotografien von Ed van der Elsken (1925-1990). Der Niederländer, bekannt für seine emotionale Street Photography, wird gerade mit einer großen Retrospektive im Stedelijk Museum in Amsterdam gewürdigt. Van der Elsken fotografierte unter anderem in Paris, Asien und in den Straßen von Amsterdam. Annet Gelink hatte rare Vintage Prints sowie neuere Abzüge, die der Fotograf 20 Jahre nach Entstehung der Aufnahme selbst in der Dunkelkammer gemacht hatte, und neuere Farbabzüge im Angebot (Vintage: ab 7.000 Euro + VAT, Farbaufnahmen: ab 925 Euro + VAT, Auflage: 20).

Sehr zufrieden mit der Messe zeigte sich auch die Zürcher Galeristin Barbara Seiler: „Es ging erst langsam los, aber dann hat es sich gut entwickelt. Die Mischung aus etablierten Positionen und jungen Newcomern kam gut an.“ Neben den Zeichnern Marcel van Eeden und Karl Haendel aus Los Angeles, der in den USA sehr gut etabliert ist, fielen vor allem die auf subtile Art den menschlichen Körper und seine „Optimierung“ durch Schönheitschirurgie thematisierenden Wandobjekte und Kompressionen aus Silikon der jungen schweizerisch-iranischen Künstlerin Vanessa Safavi, Jahrgang 1980, ins Auge (Arbeiten zwischen 3.000 und 3.500 Euro).

Am Stand der Hamburger Galerie Kai Erdmann stießen die Collagen des 1970 geborenen Städelschülers Martin Neumaier auf reges Interesse. Originale Buchseiten und Fotografien aus der deutschen Kolonialzeit kombiniert Neumaier mit geometrischen, diagrammartigen Zeichnungen, die in ihrer Ästhetik an Zellen, Moleküle oder Planeten erinnern (2.200 Euro). „Das Interesse war hier in Rotterdam recht groß. Wir warten jetzt auf das Nachgeschäft“, resümiert Kai Erdmann. Für den Hamburger war es die erste Teilnahme an der Art Rotterdam.

Auch für die Galerie Eastwards Prospectus aus Bukarest war es die erste Teilnahme in Rotterdam. Aussteller Andrei Breahna ist zufrieden: „Die lokalen Galeristen haben ein extrem gutes Netzwerk“, hat er beobachtet. „Das zieht auch andere an.“ Er präsentierte in der „New Art Section“ den jungen rumänischen Künstler Sebastian Moldovan, Jahrgang 1982, mit zarten, leicht surrealen Bleistiftzeichnungen und kraftvollen Holzskulpturen. Moldovans kontrastreiches ästhetisches Vokabular entstammt seiner unmittelbaren Umgebung. Er lebt in einem einfachen Haus im Wald rund 30 Kilometer von Sibiu entfernt. Ausgehend von dem ihm zur Verfügung stehenden Material, entstehen mittels simpler Eingriffe ausdrucksstarke Skulpturen. Seine Arbeit „Airbender“ etwa besteht aus einem Baumstamm, der auf einem hölzernen Podest mit Hilfe von straff gespannten Seilen unter eine maximale Spannung gesetzt wird – ohne jedoch zu brechen (Skulpturen 12.000 bis 15.000 Euro, Zeichnungen: 2.000 Euro).

Ein mit modernistischen Architekturmotiven bedruckter Vorhang schirmte den Stand der Pariser Galerie 22,48 m² ebenfalls in der „New Art Section“ ab. Doch wer sich dahinter begab, konnte vieles entdecken: Unter dem Titel „L’Architettura. Cronache e Storia“ zeigte die 1979 in Bregenz geborene Österreicherin Claudia Larcher Holzboxen mit präzise gearbeiteten, bühnenbildartig hintereinander geschichteten Collagen, voller räumlicher Dynamik und motivischer Dichte. Die verwendeten Vorlagen hat sie italienischen Architekturzeitschriften der 1950er bis 1970er Jahre entnommen. Aus laminierten Papiercollagen kreiert die Wienerin auch ebenso ungewöhnliche wie ästhetisch ansprechende Tisch-, Boden- und Deckenlampen. Wer hier rechtzeitig zu einer Kaufentscheidung gelangte, konnte für einen günstigen Preis formschöne Unikate erwerben (1.000 bis 4.000 Euro, C-Prints ab 300 Euro, Auflage: 5).

Zum ersten Mal in diesem Jahr wurde der NN Group Art Award vergeben. Der mit 10.000 Euro dotierte Preis geht an einen in den Niederlanden ausgebildeten Künstler, dessen Werk auf der Art Rotterdam vorgestellt wird. In diesem Jahr erhielten ihn die ursprünglich für ihre geometrischen Konstruktionen, in jüngerer Zeit aber für ihre metallisch glänzenden, gestischen und nahezu leinwandfüllenden Riesenpinselstriche bekannten und international durchstartenden französischen Brüder Florian und Michaël Quistrebert, Jahrgang 1982 und 1976. Sie stehen bei der Amsterdamer Galerie Juliette Jongma unter Vertrag.

Die Art Rotterdam ist eingebettet in die Rotterdam Art Week, ein jährlich stattfindendes Festival für Kultur und Kunst. So gingen in schnellem Zeitraffer viele Eröffnungen, Performances und andere Events über die Bühne. Im Witte de With Center for Contemporary Art überzeugten die Installation „the wet wet wanderer“ der französischen, in London lebenden Turner Prize-Trägerin Laure Prouvost, Jahrgang 1978, sowie eine thematisch dichte und politisch-historisch aufgeladene Schau des 1973 geborenen französisch-amerikanischen Künstlers Eric Baudelaire. Das Museum Boijmans van Beuningen eröffnete als zweite Station die Ausstellung „Mad about Surrealism“, die zuvor in der Hamburger Kunsthalle zu sehen war.

Hunger nach Kunst: Die Art Rotterdam machte zu Beginn des an Kunstereignissen nicht eben armen Jahres 2017 Appetit auf weitere spannende Kunsterlebnisse. Trotz winterlicher Temperaturen und zeitweisem Schneefall nahmen die Besucher offenbar gern den etwas beschwerlichen Weg zur Van Nellefabriek, dem modernistischen Industriedenkmal etwas außerhalb der Stadt, in Kauf, um sich ins Messegetümmel zu stürzen. Im nächsten Monat sind Wahlen in den Niederlanden. Der rechtspopulistische Islamgegner und Euroskeptiker Geert Wilders führt mit seiner Partei PVV zur Zeit in den Umfragen. Käme er an die Macht, so würde der Staat sich aus der Kunst- und Kulturförderung völlig zurückziehen. Für Messedirektor Fons Hof jedoch sind die Umfragen kein Grund zur Beunruhigung: „Dem sehe ich gelassen entgegen. Wir sind eine gefestigte Demokratie mit vielen kleinen Parteien. Eine mehrheitsfähige Koalition wird Wilders nicht hinbekommen. In der Kunst wird sich daher nicht viel ändern.“

Die nächste Art Rotterdam findet vom 6. bis 11. Februar 2018 statt. Der 320seitige Katalog zur vergangenen Ausgabe kostet 7,50 Euro.

www.artrotterdam.com



15.02.2017

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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