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Journal

Anfang April startet das Athener Gastspiel der Documenta 14, die ihren Stammsitz immer noch in Kassel hat. Im Haus der Kunst in München reflektierte ihr künstlerischer Leiter Adam Szymczyk über seine Ambitionen: In beiden Städten wird sich das Kunstereignis als sozial- und politikkritische Denkfabrik präsentieren

Zwei Mal 100 Tage Protest



Okwui Enwezor und Adam Szymczyk diskutieren über die kommende Documenta

Okwui Enwezor und Adam Szymczyk diskutieren über die kommende Documenta

Als Botschafter seiner eigenen Veranstaltung versetzt Adam Szymczyk, künstlerischer Leiter der Documenta 14, seine Zuhörer nicht unbedingt in Euphorie. Wer ihn letzte Woche im Haus der Kunst im Gespräch mit seinem Kollegen Okwui Enwezor, 2002 Leiter der Documenta 11 und heute Direktor des Münchner Hauses der Kunst, erlebt hat, fürchtet ein Programm, das sich konzeptuell zwischen Occupy, Piratenpartei und antiimperialistischem Klassenkampf der 68er-Bewegung ansiedelt. Ästhetische Konzepte scheinen ihm weniger wichtig zu sein. In Zeiten der bedrohten Demokratie versteht er die Documenta als gesellschaftliches Experiment, in dem Menschen vor allem zur Kritik an den gegenwärtigen Verhältnissen mobilisiert werden sollen. Von den eingeladenen Künstlern und den Kunstwerken, die die Besucher zu sehen bekommen werden, war weniger die Rede. Aber vor allem von seiner Weltsicht.


Dass er sich zusätzlich zu Kassel für Athen als Austragungsort entschied, hat mit seinem Skeptizismus zu tun. Szymczyk misstraut den längst institutionalisierten Auffassungen von Identität und Eigentum und dem verallgemeinerten Geschichtsbild. Das Gegenteil davon heißt aus seiner Sicht Entortung und Enteignung. Griechenland ist in seinen Augen der Inbegriff des Kolonialismus innerhalb Europas. Einst Wiege der Menschheit und Geburtsstätte der Demokratie, dann im 19. Jahrhundert von einem König aus Bayern zur Nation geformt, heute ein Abbild der Deformationen des ungezügelten Finanzkapitalismus. Deswegen auch das Motto „Von Athen lernen“. Die Documenta 14 werde versuchen, auf die veränderte Situation in Europa zu antworten und die dringende Auseinandersetzung mit der Zukunft des Kontinents zu leisten, so der 46jährige Kunstkritiker und Kurator, der zuvor zehn Jahr Leiter der Kunsthalle Basel war.

Einen Vorgeschmack, wie das aussehen kann in den 100 Documenta-Tagen in Athen, haben bereits die „Freiheitsübungen“ im Parko Eleftherias – zu Deutsch: Freiheitspark – geliefert. Im sogenannten „Parlament der Körper“ traten Künstler und Aktivisten auf. Eine Indianerin aus Kanada als Verfechterin eines kulturellen Erbes legte einem Politologen einen Umhang ihres Stammes um die Schultern, der Spanier Daniel García Andújar stellte sein Buch über die politische Wirkung von Sprache vor, das in seiner Enthüllung von gegenwärtigen verbalen Machtmechanismen an die analytische Methoden Victor Klemperers in seinem Werk „LTI“ anknüpft. Die Intention solcher Aktivitäten ist wohl auch auf die Documenta zu übertragen. Es geht um eine neue, erweiterte soziale Wirkungsform von Kunst.

Dass sich auch die Kunstschauen mit dem Kunstbegriff ändern, darauf verwies Okwui Enwezor an diesem Abend. Während Harald Szeemann 1972 die Beschränkung auf Gemälde und Skulptur durchbrach und erstmals auch Performances und Ikonografisches aus der nichtkünstlerischen Bildwelt, etwa Titelseiten von Magazinen und Religiöses, präsentierte, hat Enwezor wie keiner vor ihm die Kunst Afrikas und Asiens einbezogen und die Documenta zu einer globalen Kunstschau gemacht. Welchen Trend Szymczyk setzen wird, das erklärt am besten sein Documenta-Magazin „South“. Dort heißt es, dass man die Begrifflichkeit der sogenannten „Large International Exhibitions“, die Kuratoren für ein arriviertes, kunstaffines Publikum inszenieren, hinterfragen und sich vom Event und Kunstspektakel als Warenform entledigen will. „Statt sich selbst zu einer Insel oder Plattform oder zu einem Forum spekulativer Reflexion zu erklären,… sind wir von der Möglichkeit überzeugt, über diese enge Definition hinauszugehen und auf andere Modelle und Produktionsweisen von Bedeutung hinzuarbeiten, die auch die Schaffung von Situationen, nicht nur von zu betrachtenden Artefakten umfassen würde“, heißt es in einem der Magazine. Dabei an Joseph Beuys und seine Aktion „7000 Eichen – Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung“ zu denken, ist nicht so abwegig.

Kann eine Kunstschau, die bewegen und nicht unter der Kategorie der von Wolfgang Ullrich geprägten „Siegerkunst“ verbucht werden will, sich von anderen als „antiautoritären, disziplinübergreifenden Ansätzen“ leiten lassen? Die Rhetorik des Widerstandes, die in allen Statements der kommenden Documenta anklingt, verheißt eine aufrüttelnde politische 100-Tage-Performance, ein sich permanent wandelndes Happening mit Theater, Film, Architektur, historischen Dokumentationen. Ein Magnet in Kassel, der die 100 Tage überstehen wird, soll auf jeden Fall Marta Minujíns „Parthenon der Bücher“ werden. Die argentinische Konzeptkünstlerin baut diesen antiken Akropolis-Tempel aus Büchern auf, die irgendwo in der Welt verboten waren oder es noch sind.

Documenta 14 in Athen vom 8. April bis 16. Juli 2017

Documenta 14 in Kassel vom 10. Juni bis 17. September 2017



21.02.2017

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Sabine Spindler

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Okwui Enwezor und Adam Szymczyk diskutieren über die kommende Documenta
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