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Streitfall Kunst: Im Münchner Prozess um angeblich überhöhte Preise für Postimpressionisten und ein Jawlensky-Gemälde geht der schillernde Kunstvermittler Patrick H. straffrei aus. Nur geklärt ist dieser Fall, in dem eine erfundene Kunstsammlung eine Rolle spielte, deswegen noch lange nicht

Teure Pseudosammlung



Ein millionenschwerer Kunstsammler und ein gewiefter Kunstvermittler sind selten ein Gespann für die Ewigkeit. Nach vielen Jahren der Vertrautheit verklagte im Sommer 2016 der ehemalige Ingolstädter Textilfabrikant Hans Bäumler in München seinen schillernden Berater Patrick H. wegen Betrugs. Der heute 77jährige ist der Überzeugung, dass die zwölf postimpressionistischen Gemälde und das „Porträt Toni Kirchhoff“ von Alexej von Jawlensky im Jahr 2011 nur 1 Million Euro wert waren. Hingeblättert hat er aber 4,2 Millionen Euro plus eine Provision von 2 Millionen Euro für Patrick H. Das Gericht zog sich nun etwas aus der Affäre und stellte das Verfahren ein. Wegstecken aber muss der 43jährige, der im Sommer gegen einen Kaution von 1 Million Euro die Untersuchungshaft verlassen durfte, ein nicht unerhebliches Bußgeld in Höhe von 500.000 Euro.


Nur die Sache stinkt. So kommentierte der Richter nach Anhörung vieler Zeugen die Causa. Und er meinte nicht die saftigen Preise. Der Hautgout weht aus einer anderen Ecke. Patrick H. war bis 2011 im Auktionshaus seines Vaters Holger H. in München tätig, in dem Hans Bäumler ein gern gesehener Kunde war. Das Verhältnis wurde enger, Patrick H. sollte sogar Kurator von Bäumlers Museums „Kunst und Natur“ in Hohenems in Österreich werden. Von der Finte seines Kunstberaters erfuhr er erst während des Verfahrens. Im Frühjahr 2011 entdeckte Bäumler in einer Kleinanzeige die Impressionisten-Sammlung Van Leuwen und zog Patrick H. zu Rate. Nicht ahnend, dass die Annonce von Patrick H. selbst stammte. Als Strohmann diente ein Finanzberater aus der Schweiz. Angeblich konnte Patrick H. den Zwischenhändler ausschalten und gleich mit der imaginären Sammlerin Van Leuwen verhandeln. Dadurch sollte der Preis um 30 Prozent fallen. Ein Schnäppchen, weil weit unter dem tatsächlichen Marktwert von 10 Millionen Euro, suggerierte Patrick H.

Doch diese Sammlung existierte nie. Spätere Ermittlungen einer Detektei und der Kriminalpolizei ergaben, dass etwa die Hälfte der Gemälde noch kurz vor der Verkaufsaktion im Kunstmarkt nachweisbar waren, unter anderem in der Amsterdamer Galerie Noortman, die seit 2007 zum Auktionshaus Sotheby’s gehört. Eines davon ist Lucien Adrions „Fischerhafen von Cannes“. Im Frankfurter Auktionshaus Arnold blieb das Gemälde 2009 zur Taxe von 6.000 bis 8.000 Euro hängen, wurde dann für 3.000 Euro erworben. Der Eigentümer verkaufte es im März 2010 an die Galerie Noortman in Amsterdam für 25.000 Euro. Die nächste bekannte Station ist Hans Bäumler, der 340.000 Euro zahlte.

Solche Enthüllungen werfen Fragen auf, beispielsweise wem die 13 Bilder tatsächlich gehörten, wer an den – sagen wir – ausgereizten Preisen noch verdiente. Ominös an dem Deal: es floss viel Bargeld, Rechnungen wurden zurückdatiert in die 1990er Jahre. Patrick H.s Provision in Höhe von 2 Millionen Euro tilgte ein angebliches Darlehen Bäumlers an seinen Kunstexperten in der selben Höhe. Und Hans Bäumler, der eine Vereinbarung über die Provision schriftlich fixiert hatte, glaubte damals immer noch mit dem Auktionshaus H. zu tun zu haben. In wessen Auftrag handelte Patrick H. wirklich? Der Prozess ist zu Ende, der Fall selbst ist längst nicht geklärt.

Vertrauensbruch ist kein justiziables Vergehen. Aber auch im Kunsthandel ist man mit unbewiesenen Behauptungen über angeblich weit höheren Marktpreisen, die weit über dem geforderten liegen, eher vorsichtig. Auch im Kunsthandel ist Vortäuschung falscher Tatsachen kein Kavaliersdelikt. Kommt Kunst aus einer Sammlung, wie hier aus der erfundenen Van Leuwen-Kollektion, hat sie den Nimbus der Marktfrische oder Autorität und das ist ein preisbildender Faktor.

Der Streit offenbart zudem einmal mehr die Schwierigkeiten in der Bewertung von Kunst. Viele Begriffe wirbelten durch den Gerichtssaal: Marktwert, Verkehrswert, Wiederbeschaffungswert. Als Verkehrswert wurde der Hammerpreis von vergleichbaren Gemälden auf internationalen Auktionen gewertet. Dass zu diesen Preisen 25 bis 33 Prozent Aufgeld hinzukommt, blieb unberücksichtigt. Auch die Einbindung von Taxen unverkaufter Werke, wie am Beispiel von Jawlenskys „Porträt Toni Kirchhoff“ ist problematisch. Das Gemälde blieb im Februar 2011 bei Christie’s in London zur Schätzung von 180.000 Pfund unverkauft, eingeliefert hatte es eine Londoner Galerie. 635.000 Euro hat ein paar Monate später der Sammler bezahlt. Abgesehen davon, dass das Gemälde nicht zu jener Kategorie gehört, die den Ruf Alexej von Jawlenskys als Avantgardist der Moderne begründet, diktieren häufig Einlieferer die Preisvorgaben in Auktionshäusern und verzerren so das Wertbild.

Das Gericht orientierte sich am maximalen Wiederbeschaffungswert im Kunsthandel jenseits von Auktionen. Der könne, so der von der Staatsanwaltschaft beauftragte Gutachter, durchaus das Dreieinhalbfache des Verkehrswertes betragen, wenn es sich um sehr bedeutsame Hauptwerke handelt. Wie es sich im Falle von Gemälden durchschnittlicher Qualität verhält, kam nicht zur Sprache. Zu dieser Klasse zählte der Gutachter beispielsweise Lucien Adrions „Fischerhafen von Cannes“. Mit diesem Multiplikationsfaktor als Instrumentarium zog der Richter den Schluss: Der Sammler hat 4,2 Millionen ausgegeben und er hat diese Summe auf jeden Fall als Vermögenswert in seinem Eigentum behalten. Ganz zurücklehnen kann sich Patrick H. aber nicht. Die Sache wird höchstwahrscheinlich vor einem Zivilgericht wieder aufgerollt.



24.02.2017

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Sabine Spindler

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