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Blumenstrauß mit Plastik vor Fenster, 1925 / Ernst Ludwig Kirchner

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Aktuellzum Archiv:Ausstellung

Alle haben plötzlich die Absicht, eine Mauer zu errichten: In der Ausstellung „Shifting Boundaries“ anlässlich des „European Photo Exhibition Award 03“ in den Hamburger Deichtorhallen werfen zwölf junge Fotografen einen ernüchternden Blick auf gesellschaftlich relevante Konflikte in Europa. Im Zentrum der sehenswerten Schau steht vor allem das Erstarken nationaler Egoismen

Junge Blicke auf einen alten Kontinent



Grenzen, so glaubte man lange Zeit in Europa, seien spätestens mit dem Fall der Mauer und dem Zusammenbruch des Warschauer Paktes zu einem Relikt rückwärtsgewandter, noch primär nationalstaatlich organisierter Epochen geworden. Doch schon 1991 mit dem ersten Jugoslawienkrieg wurden Optimisten eines Besseren belehrt. Die heutigen Verhältnisse in Ungarn und Polen, aber auch die Zustimmung für den Brexit in Großbritannien zeigen auf erschreckende Art und Weise, dass es in Europa offenbar gerade wieder en vogue ist, sich im Namen der eigenen nationalen Identität abzukapseln, ja sogar mit neuen Zäunen zu umgeben.


Die Ausstellung „Shifting Boundaries“ mit zwölf herausragenden jungen Fotografinnen und Fotografen aus neun europäischen Ländern, die jetzt im Haus der Photographie in den Hamburger Deichtorhallen zu sehen ist, stellt sich diesen und anderen virulenten Konflikten. Die Schau findet im Rahmen des „European Photo Exhibition Award 03“ (EPEA) statt, einem Gemeinschaftsprojekt der Hamburger Körber-Stiftung mit Stiftungen in Italien, Portugal und Norwegen. Die Ausstellung war zuvor bereits in Paris und Lucca zu sehen. Die letzte Station wird Oslo sein. Ziel ist es, junge europäische Fotografen dazu zu animieren, gesellschaftlich relevante Themen in künstlerische Projekte umzusetzen, die über die bildjournalistische Tagesaktualität hinausweisen. Etlichen der Teilnehmer ist das eindrucksvoll gelungen.

Vier internationale Kuratoren haben jeweils drei Künstler nominiert und diese bei der Erarbeitung ihrer Beiträge begleitet und unterstützt. Für die Auswahl der deutschsprachigen Teilnehmer war Ingo Taubhorn, der Kurator des Hauses der Photographie, verantwortlich. Erlaubt waren ausdrücklich auch Präsentationsformen, die über die rein fotografische Umsetzung des Themas hinausgehen. Daher sind in der Schau auch Filme, Videos, Soundarbeiten, skulpturale Ausformulierungen und Installationen zu sehen.

So präsentiert etwa die 1976 geborene Wienerin Christina Werner eine multimediale Installation, in deren Zentrum eine kurze Videosequenz steht, die den niederländischen Rechtspopulisten Geert Wilders während einer auf Deutsch gehaltenen Rede in der Wiener Hofburg zeigt. In reduzierter Schwarz-Weiß-Ästhetik ist Wilders zu sehen, dessen schneidende Stimme durch die ganze Ausstellungshalle schallt, aber nur von den Knien abwärts. Christina Werner setzt immer wieder auf Momente der Verdichtung und Reduktion, wenn sie sich den Inszenierungsstrategien rechter Gruppierungen nähert. Gleich sechs Fotografien von Flaggen der völkisch orientierten identitären Bewegung schichtet sie in der Collage „Identitarian Movement“ übereinander. Ingo Taubhorn dazu: „Durch den Akt des Wiederholens, der sich nicht nur in den Collagen, sondern auch in dem Plakat und in den Videoloops manifestiert, verdichtet Werner für sich die These, dass sich Geschichte immer wiederholt.“

Der Hamburger Robin Hinsch, Jahrgang 1987, wiederum hat die Ostukraine bereist und dort auf beiden Seiten des militärisch ausgetragenen Konfliktes fotografiert. Auch seine Aufnahmen gehen weit über die bildjournalistische Ebene hinaus. In „entsättigten“ Farben, die er als visuelles Äquivalent für verblassende Erinnerungen an friedlichere Zeiten auffasst, lässt Hinsch ein erbittert umkämpftes Niemandsland voller zerbombter Häuser, zerschossener Panzer, verängstigter Zivilisten und desillusionierter junger Soldaten auftauchen.

Die Italienerin Arianna Arcara schoss Aufnahmen von der 180 Kilometer langen Waffenstillstandslinie auf Zypern, die Ungarin Ildikó Péter lässt Bilder vom 170 Kilometer langen Stacheldrahtzaun zwischen Ungarn und Serbien zu einem filmischen Lamento über den Verlust von Freizügigkeit gerinnen, und die Französin Marie Sommer sucht in Kumrovec, dem Geburtsort von Marschall Tito, eine verfallene Bibliothek auf, die im früheren Jugoslawien zu einem nationalen Schulungszentrum für Funktionäre gehörte. Deren chaotischer Zustand spiegelt die aktuelle Lage der ganzen Region wider. Daneben versammelt die Schau ein Spektrum weiterer Positionen, die auch andere gesellschaftliche Fragestellungen in den Fokus nehmen. So untersucht der Brite Dominic Hawgood, geboren 1980, die Grenzen zwischen dem Virtuellen und dem Realen, indem er mit computergenerierten, bewegten Bildern, die Wirkung bewusstseinserweiternder pflanzlicher Drogen visualisiert.

Die Dänin Marie Hald, Jahrgang 1987, rückt die Auswüchse der Magersucht, eines von Modeindustrie, Supermodels, Fashion-Magazinen und sozialen Netzwerken mitverursachten Phänomens, in den Fokus ihrer dokumentarischen Beobachtungen. Hald verbrachte einen Sommer in einer polnischen Klinik für junge Frauen, die an Bulimie und Anorexie erkrankt sind. Ihre sensiblen Aufnahmen lassen erahnen, dass Hald tief in das Leben der Porträtierten eingetaucht ist und deren Vertrauen erworben hat. „Während überall auf der Welt Kriege stattfinden“, so die Fotografin, „ist eine große Gruppe sehr junger Menschen in einen ganz anderen Kampf, einen Kampf gegen sich selbst, verwickelt.“ Wie es für diese Teenager ist, zurück in ihr eigenes Leben zu finden, das habe sie mit ihren Bildern zeigen wollen.

Die Ausstellung stimmt nicht gerade optimistisch, was die zukünftige Entwicklung in einem wieder verstärkt auf Grenzziehungen und nationale Egoismen setzenden Europa angeht. Doch sie macht auch deutlich, dass es vielen jungen Fotokünstlern offenbar nicht gleichgültig ist, was zur Zeit passiert, und sie inhaltlich und formal dazu in der Lage sind, den Status quo des alten Kontinents in nachdenklich stimmende Bilder umzusetzen.

Die Ausstellung „Shifting Boundaries. European Photography Exhibition Award 03“ ist bis zum 1. Mai zu sehen. Das Haus der Photographie in den Deichtorhallen Hamburg hat täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr, jeden ersten Donnerstag in Monat von 11 bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 10 Euro, ermäßigt 6 Euro. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren haben freien Zutritt. Der 192seitige Katalog in englischer Sprache mit deutschsprachigem Beiheft kostet 20 Euro.

Kontakt:

Deichtorhallen Hamburg

Deichtorstraße 1-2

DE-20095 Hamburg

Telefon:+49 (040) 32 10 30

Telefax:+49 (040) 32 10 32 30

E-Mail: info@deichtorhallen.de

www.epeaphoto.org



06.03.2017

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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Veranstaltung vom:


03.03.2017, EPEA 03 − European Photo Exhibition Award - Shifting Boundaries

Bei:


Deichtorhallen Hamburg

Variabilder:

in der Ausstellung „Shifting Boundaries. European Photography Exhibition Award
 03“
in der Ausstellung „Shifting Boundaries. European Photography Exhibition Award 03“

Künstler:

Dominic Hawgood

Künstler:

Marie Sommer

Künstler:

Ildikó Péter

Künstler:

Arianna Arcara

Künstler:

Christina Werner

Künstler:

Robin Hinsch







in der Ausstellung „Shifting Boundaries. European Photography Exhibition Award 03“

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