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Zeitgenössische Reflexionen auf Franz Marc

Das Haus am Waldsee in Berlin widmet sich aktuell zeitgenössischen Künstlern, die auf der Suche nach dem verschollenen Gemälde „Der Turm der blauen Pferde“ von Franz Marc sind. Das Werk aus dem Jahr 1913 wird seit 1945 vermisst. Laut Kuratorin Katja Blomberg formulierte Marc mit seiner Arbeit die Vorahnung auf eine neue Zeit. Auf dieses Gemälde beziehen sich die jungen Kunstschaffenden und reflektieren seine Geschichte mit den Mitteln der Malerei, der Zeichnung, der Bildhauerei, der Fotografie, Installation und Literatur aus heutiger Sicht. In der Schau sind unter anderem Martin Assig, Birgit Brenner, Johanna Diehl, Marcel van Eeden, Julia Franck, Arturo Herrera, Christian Jankowski, Rémy Markowitsch, Tobias Rehberger und Peter Rösel vertreten.

„Der Turm der blauen Pferde“ gilt als das zentrale Werk der Künstlergruppe „Der Blaue Reiter“ und zudem als eines der Hauptwerke des deutschen Expressionismus. Die gestaffelten, blau durchleuchteten Pferdeleiber wurden zu einer Art Kultbild während der Weimarer Republik. Die aufgeschlossene bürgerliche Gesellschaft dieser Zeit schätzte die Qualität des Gemäldes, kannte aber auch das tragische Schicksal von Franz Marc, der 1916 bei Verdun gefallen war. Es befand sich seit 1919 im Besitz der Berliner Nationalgalerie und wurde bis 1936 im Kronprinzenpalais Unter den Linden ausgestellt. Offenbar überlebte das „entartete“ Kunstwerk den Zweiten Weltkrieg, denn angeblich wurde es in den Jahren 1945 sowie 1948/49 dreimal in Berlin gesehen. Eine der Überlieferungen besagt, dass „Der Turm der blauen Pferde“ in den ersten Nachkriegstagen nahe des Amtsbereichs von Hermann Göring am Leipziger Platz gesehen und vermutlich durch russische Offiziere in das heutige Haus am Waldsee in Sicherheit gebracht wurde. Sein Verbleib ist bislang unbekannt.

Die jungen Künstler beschäftigen sich nun mit der Frage, warum dieses Wiederauftauchen eines so bedeutenden Artefakts bis in die 1970er Jahre verschwiegen wurde. Im Mittelpunkt der Berliner Ausstellung steht vor allem der Verlust des Originals, die Gerüchte um sein Verschwinden und das Schweigen der Nachkriegszeit. So inszenierte Norbert Bisky „Den Turm der blauen Pferde“ 2017 neu. Sein Gemälde „Untitled“ stimmt weitgehend mit den Maßen, den Farben, dem Rahmen und der Rückseite von Marcs Arbeit überein. Doch direkt nach Fertigstellung beschädigte Bisky es, um sowohl auf den Soldatentod des Expressionisten als auch auf den Verlust des berühmten Gemäldes aufmerksam zu machen. Via Lewandowskys Arbeit „You, You, You, Unforgettable Blue“, ebenfalls aus dem Jahr 2017, ist ein ausgestopftes, mit Pfeilen gespicktes Pferd, das im Gegensatz zu Marcs geistig-überzeitlichen Prinzipien steht, die er in seiner Kunst suchte. Aus dem Gemälde wird so eine fast naturalistische Skulptur.

Die Schau „Vermisst – Der Turm der blauen Pferde von Franz Marc“, die als Doppelausstellung mit der Staatlichen Graphischen Sammlung München konzipiert ist, läuft bis zum 5. Juni. Das Haus am Waldsee hat täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt regulär 7 Euro, ermäßigt 5 Euro. Zur Ausstellung erscheint Mitte März ein Katalog in deutscher und englischer Sprache für 24,80 Euro.

Haus am Waldsee
Argentinische Allee 30
D-14163 Berlin

Telefon: +49 (0)30 – 801 89 35
Telefax: +49 (0)30 – 802 20 28

Quelle: Kunstmarkt.com/Anja Schmidbauer

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03.03.2017, Vermisst - Der Turm der blauen Pferde von Franz Marc

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Haus am Waldsee

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