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Mit neuen Forschungsergebnissen wirft das Düsseldorfer Museum Kunst Palast einen aktuellen Blick auf Schaffen Lucas Cranachs

Der Medienstratege Luthers



Lucas Cranach d.Ä., Bildnis einer jungen Frau, 1526

Lucas Cranach d.Ä., Bildnis einer jungen Frau, 1526

Lucas Cranach d.Ä. zählt neben Albrecht Dürer zu den erfolgreichsten deutschen Malern der Renaissance. Wiederholt waren ihm und seiner von geschäftiger Produktion gekennzeichneten Bildermanufaktur in den vergangenen Jahren Ausstellungsprojekte gewidmet, allen voran 2010 die große Retrospektive im Brüsseler Bozar oder 2015 die erste umfassende Schau zu Lucas Cranach d.J. in Wittenberg. Seit 2009 widmet sich das vom Museum Kunst Palast in Düsseldorf gemeinsam mit der Technischen Hochschule Köln initiierte Projekt „Cranach Digital Archive“, abgekürzt „cda“, der Erforschung des weltweit verstreuten Œuvres, der detaillierten Analyse und digitalen Erfassung der einzelnen Werke. Von den rund 5000 Gemälden, die die betriebsame Werkstatt wohl verlassen haben dürften, konnten bislang über 1500 Gemälde erfasst werden.


Um die von hochauflösenden Fotografien und modernen kunsttechnologischen Untersuchungsmethoden begleiteten Recherchen anschaulich zu vermitteln und die Begegnung mit den Objekten zu ermöglichen, trat nun – idealerweise auch noch im Reformationsjahr – eine Ausstellung im Museum Kunst Palast hinzu. Der Titel der insgesamt rund 230 Exponate versammelnden Auswahl „Meister − Marke − Moderne“ verweist bereits auf die Schwerpunkte, die sich diesmal abseits wichtiger altmeisterlicher Bilder auch auf die Markenbildung in der wohl organisierten Cranach-Werkstatt sowie auf die Wirkungsgeschichte bei nachfolgenden Künstlergenerationen konzentrieren.

Einleitend stellt das einzige erhaltene autonome Selbstbildnis Cranachs den Maler mit inständigem Blick im Alter von fast 60 Jahren dar. Volles braunes Haar, ergrauter Vollbart und pelzbesetztes Gewand gehen bruchlos in den schwarzen Hintergrund über. Der 1472 in der fränkischen Gemeinde Kronach geborene Sohn eines Malers nahm nach der Ausbildung beim Vater den Namen seines Heimatortes an, ehe es ihn nach Wien verschlug. Im Jahr 1505 folgte er dem Ruf des sächsischen Kurfürsten Friedrich III. als Hofmaler nach Wittenberg. Cranach arbeitete zunächst in der Malerstube des Wittenberger Schlosses, bevor er sich ab 1518 im heute noch erhaltenen Cranach-Hof mit seinen Unternehmungen einrichtete.

Neben Gemälden für Kirchen, Schlösser, weltliche und geistliche Herrschaften schuf er in seinen Werkstatt Inneneinrichtungen sowie Dekorationen für Feste und Ritterspiele, betätigte sich als Buchillustrator, Verleger und Drucker. Immer behielt er dabei seinen Hauptkonkurrenten Albrecht Dürer im Blick und bezog sich oft auf dessen originelle Bildfindungen, um sie dann noch zu übertreffen. Dürer arbeitete langsamer, minutiöser, während die schlagkräftige Cranach-Werkstatt schneller und gefälliger ausführte. „Pictor celerrimus“ – Schnellmaler – heißt es treffend auf Cranachs Grabstein. Mit der Arbeitsweise in Serien schuf Cranach einen neuen Kompositionsstil samt hohem Wiedererkennungswert. Hinzu kam ein neu zum Ausdruck gebrachtes Empfinden für Landschaften. Das Bild „Büßender heiliger Hieronymus“ etwa lodert nicht nur durch einen expressiven Ausdruck. Die Landschaft ist keine Hintergrundfolie mehr, sondern verschmilzt als eigenständiger Ausdrucksträger mit den Figuren.

Eingebunden in einen regen Informationsfluss nahm Lucas Cranach Tendenzen südlich der Alpen wahr und transferierte italienische Bildkonzepte nach Norden. Augenfälliges Beispiel dafür ist die Tafel „Venus und Cupido“. Sie gilt als erste lebensgroße Darstellung einer nackten Göttin nördlich der Alpen. Entstanden im Jahr 1509 dokumentiert das aus der St. Petersburger Eremitage entliehene Starstück den seinerzeitigen Innovationsdrang, der sich auch auf neue künstlerische Techniken wie den Farbholzschnitt ausweitete. Eine Auswahl von Aktdarstellungen zeigt darüber hinaus, wie sich Cranach von klassisch-antiker Starrheit löste und ein eigenes Konzept mit dem Fokus auf Sinnlichkeit und Ästhetik verfolgte. Immer wieder verwandte er dabei den durchsichtigen Schleier, wie er auch bei den „Die drei Grazien“ von 1535 zu sehen ist.

Meisterhaft ausgeführt sind die zahlreich gefertigten Lucretia-Gemälde. Versionen dieser Tafelbilderserie von ausgeprägter Sinnlichkeit und Erotik beschäftigten den Maler über 30 Jahre hinweg. Zu den Highlights der Düsseldorfer Ausstellung zählt das lange verschollene Gemälde „Madonna mit Kind“ aus den Jahren um 1510. An Pracht und Ausdruckskraft ist es ein Meisterstück im Œuvre Cranachs. Nach Ersatz durch eine Kopie im Breslauer Dom absolvierte das Gemälde nach 1947 eine Odyssee, ehe es erst 2012 von der Schweiz an die Erzdiözese Breslau restituiert werden konnte und nun nach Düsseldorf großzügig ausgeliehen wurde.

Im Lutherjahr 2017 steht zudem Cranachs künstlerisches Wirken für die Reformation im Mittelpunkt. Das Aufeinandertreffen von Lucas Cranach und Martin Luther in Wittenberg führte zu einer Win-Win-Situation. Meisterhaft verstand es Cranach, Themen im Sinne der Reformation in einer bestechenden, allgemein verständlichen, plakativ propagandistischen Charakteristik umzudeuten. So reihte der Maler Bildnisse von Martin Luther und seiner Ehefrau, der ehemaligen Nonne Katharina von Bora, in die Tradition von Ehebildnissen ein, um der nach altgläubiger Vorstellung illegitimen Ehe eine Rechtfertigung mit den Mitteln der Kunst zu verschaffen. Cranach erschloss sich auf diesem Wege neue Themen. Das Gemälde „Christus und die Ehebrecherin“ beispielsweise ist eine Komposition, die dem Betrachter aus nächster Nähe das Wirken Christi vor Augen führt. So wird die dichte, vielfigurige Szene unmittelbar erfahrbar. Cranach ging autonom mit weltlichen und religiösen Themen um, vermischte sie und setzte sich über Regeln mittelalterlicher Malerei hinweg. Bilder entstanden um ihrer selbst willen, Cranach verstand sie nicht mehr als Gegenstand der Anbetung.

Gleich in zwei Versionen stellt die Auswahl das Motiv des „Ungleichen Paares“ vor, das die Verwirrungen oberflächlicher Liebe vor Augen führen soll. Über 40 Versionen sind bekannt, eine wird in Düsseldorf verwahrt. Das Werk leitet in die Ausstellungsteile über, die sich mit Cranachs Kunstmanufaktur und der Wirkungsgeschichte seiner Bilder befassen. Die Signatur der geflügelten Schlange bestätigt die Bilder als Produkt der Cranach-Werkstatt, stellt aber kein Zeichen für die meistereigene Handschrift dar. Röntgentechnische Untersuchungen brachten Erkenntnisse über Vorzeichnungen Cranachs zu Tage, die bei der weiteren malerischen Ausführung von Mitarbeitern oft unter deren eigenen Auslegungen vollendet wurden. Mit zunehmenden Alter zog sich der Senior aus dem Tagesgeschäft zurück. Mittels Pausen oder des Gebrauchs von Punktiermaschinen konnten Grundmuster schnell und komplikationslos kopiert werden, um darauf aufbauend individuelle Merkmale einzufügen.

Motive, Markenbildung und Arbeitsweise übten nachhaltigen Einfluss auf moderne Künstler aus. Wie sehr sich Otto Dix während seiner Düsseldorfer Zeit von Cranach inspirieren ließ, zeigt sein „Ungleiches Paar“ aus dem Jahr 1925. Die Darstellung von Hässlichkeit nicht scheuend, rückt seine Version des Aufeinandertreffens von Jung und Alt die Käuflichkeit der Liebe als moralisch verwerflich in den Mittelpunkt. Im „Portrait of a Woman“ verfremdet Andy Warhol 1984/85 Cranachs „Bildnis einer jungen Frau“. Wenn man sieht, wie der amerikanische Pop Art-Künstler die Hofdame in einen Star der 1980er Jahre überführt, tun sich auf frappante Weise Korrespondenzen zu Cranach vor 500 Jahren auf. Warhol vermischt die Grenze zwischen Hoch- und Populärkultur, tut sich als Prominentenmaler hervor und nennt seine Bildermanufaktur „Factory“.

Die Ausstellung „Cranach. Meister − Marke – Moderne“ ist bis zum 30. Juli zu sehen. Das Museum Kunst Palast hat täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr, donnerstags und samstags zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt dienstags bis freitags 12 Euro, ermäßigt 9,50 Euro, am Wochenende und Feiertagen 14 Euro, ermäßigt 11 Euro. Kinder und Jugendliche von 7 bis 17 Jahre zahlen 1 Euro. Der Katalog aus dem Hirmer Verlag kostet im Museum 39,90 Euro.

Kontakt:

Museum Kunst Palast

Ehrenhof 4-5

DE-40479 Düsseldorf

Telefon:+49 (0211) 566 42 100

Telefax:+49 (0211) 566 42 906

E-Mail: info@museum-kunst-palast.de



13.04.2017

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Lucas Cranach d.Ä., Venus und Cupido, 1509
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Lucas Cranach d.Ä., Venus und Cupido, 1509

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Maria Blanchard, Stehender weiblicher Akt, um 1912/14

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Andy Warhol, Porträt einer Frau (nach Lucas Cranach), 1984

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Lucas Cranach d.Ä., Caritas, 1534

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Lucas Cranach d.Ä., Madonna mit dem Kind, um 1510

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Lucas Cranach d.Ä., Das ungleiche Paar, um 1530

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Lucas Cranach d.Ä., Selbstbildnis, 1531

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Lucas Cranach d.Ä., Kapselbildnis des Martin Luther, 1525

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Lucas Cranach d.Ä., Bildnis Martin Luthers als Junker Jörg, 1521

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Hans Cranach, Bildnis des Kanzlers Gregor Brück, 1533

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Lucas Cranach d.Ä., Gesetz und Gnade, 1529

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