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Ruhr Museum zeigt religiöse Vielfalt seit der Reformation

Das Ruhr Museum auf der Essener Zeche Zollverein beschäftigt sich derzeit mit der religiösen Vielfalt an Rhein und Ruhr. Dabei kann es auf die Geschichte des Ortes bauen. Denn viele hier einst arbeitende Menschen wurden aus dem Ausland angeworben und brachten ihre religiösen Riten mit. Heute existieren rund 250 Religionsgemeinschaften im Ruhrgebiet. Das Reformationsjubiläum ist für das Ruhr Museum nun Anlass, das Verhältnis unterschiedlicher Religionen in der Region aufzuzeigen. Nach Jahrhunderten christlich-katholischer Dominanz veränderten die Reformation und vor allem die Migrationsbewegungen des 19. und 20. Jahrhunderts die einheitlichen Verhältnisse. Selbst die Vorfahren der Industriellenfamilie Krupp kamen als protestantische Glaubensflüchtlinge aus den Niederlanden. Tempel, Moscheen, Synagogen und Türme christlicher Kirchen verweisen optisch auf die weit gefächerte religiöse Aufgliederung. Über 800 kunst- und kulturhistorische Exponate von 250 Leihgebern versammelt die Ausstellung „Der geteilte Himmel. Reformation und religiöse Vielfalt an Rhein und Ruhr“, darunter Gemälde, Skulpturen, Altargeräte, Möbel, Textilien, Grafiken und Bücher.

Ausgangspunkt der chronologisch gegliederten Schau bilden Urkunden päpstlicher Ablassbriefe, an denen sich die Kritik der Reformatoren entzündete. Mit dem Geld inszenierte die Kirche eine überbordende Prachtentfaltung, wie eine spätgotische, reich verzierte Turmmonstranz aus Essen oder ein Kupferstich der gewaltigen barocken Anlage des Zisterzienserklosters Kamp mit seinem berühmten Terrassengarten visualisieren. Die Kanzel aus einer protestantischen Kirche sowie Messgeräte wie Kelche oder Abendmahlskannen vermitteln die unterschiedliche Glaubenspraxis. Zu den wertvollsten Stücken zählt die älteste gedruckte Ausgabe des Korans.

Nicht zu den Kernlanden der Reformation gehörig, beförderte die liberale Politik der rheinisch-bergischen Landesherren ein gemischtes und unterschiedlich intensives Aufgreifen der Reformbestrebungen. Aus den Niederlanden schwappten Ideen des Erasmus von Rotterdam herüber. Nachdrücklich wird auf den Einfluss der christlichen Kirchen im 19. und 20. Jahrhundert eingegangen. Strikte konfessionelle Trennungen beispielsweise auf dem Sektor des Schulwesens bestanden noch weit bis in die 1960er Jahre hinein. Auch soziale Belange beim Krankenhauswesen, beim Alten- und Waisenheimbau oder bei der Armenfürsorge werden angesprochen. Eine originale Predigtkanzel aus einer Bochumer Moschee, ein großer Pfauenleuchter aus einem hinduistischen Tempel in Hamm oder ein Chanukka-Leuchter aus der Synagoge in Gelsenkirchen verweisen auf die religiöse Vielfalt von heute.

Die Ausstellung „Der geteilte Himmel. Reformation und religiöse Vielfalt an Rhein und Ruhr“ ist bis zum 31. Oktober zu besichtigen. Das Ruhr Museum hat täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 7 Euro, ermäßigt 4 Euro. Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog erschienen, der im Museum 24,90 Euro kostet.

Ruhr Museum
Zollverein A 14
Gelsenkirchener Straße 181
D-45309 Essen

Telefon: +49 (0)201 – 24 681 444
Telefax: +49 (0)201 – 24 681 460

Quelle: Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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