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Goldener Löwe für Carolee Schneemann

Die amerikanische Performance und Body-Art-Künstlerin Carolee Schneemann erhält den Goldenen Löwen der diesjährigen Biennale in Venedig für ihr Lebenswerk. Die Preisverleihung findet am 13. Mai im Palazzo Ca’ Giustinian statt. Die 1939 geborene Carolee Schneemann wurde von Christine Macel, Leiterin der 57. Biennale, vorgeschlagen. Für Macel ist Schneemann, die im Hudson Valley im US-Bundesstaat New York lebt, eine der wichtigsten Personen in der Entwicklung der Body Art und der Performance. In den frühen 1960er Jahren gehörte sie zu den Pionieren der feministischen Kunst.

In ihrer Begründung führt Macel weiter aus: „Schneemann setzt ihren eigenen Körper als zentrales Medium ein. Dadurch wird die Frau sowohl Erschaffer, wie auch aktiver Teil der Gestaltung selbst. So steht Schneemann im Gegensatz zur traditionellen Darstellung der Frau als nacktes Objekt und nutzt ihren Leib als ursprüngliche, archaische Kraft, die Energien vereinen kann. Ihr Stil ist direkt, sexuell, befreiend und autobiografisch. Sie ist die Vorkämpferin für die Wertschätzung von sinnlichem Genuss für Frauen und untersucht die Möglichkeiten einer politischen und persönlichen Emanzipation von vorherrschenden sozialen und ästhetischen Konventionen. Indem Schneemann verschiedene Medien erforscht hat, etwa Malerei, Film, Videokunst und Performance, schreibt sie ihre persönliche Geschichte der Kunst um und verweigert sich der Idee der ‚his-tory‘, die einzig einen männlichen Standpunkt einnimmt.“

Das Werk von Carolee Schneemann, die in den 1950er Jahren am New Yorker Bard College, der dortigen Columbia University und später an der University of Illinois Kunst studierte, kennzeichnen Experimente in kinetischen Technologien, das Untersuchen von archaisch visuellen Morphologien, die Genüsse, die aus unterdrückenden Tabus entrissen werden, und die Beziehung zwischen dem Körper des Künstlers und der Gesellschaft. Obwohl sie vorwiegend durch ihre Performances bekannt ist, beschreibt sich Schneemann selbst als Malerin. Ihren künstlerischen Prozess versteht sie als Fortentwicklung ihrer malerischen Prinzipien jenseits der Leinwand. So fügt sie Objekte auf der Leinwand zu Assemblagen zusammen. Die Performance „Meat Joy“ von 1964 gehört zu den Meilensteinen des Genres. Laut Schneemann werde hier dionysisch entgrenzt „Fleisch als Material gefeiert“: Acht leicht bekleidete Darsteller spielen mit unterschiedlichen Materialien, wie Fischen, gerupften Hühnern oder flüssiger Farbe.

Ihr Film „Fuses“ von 1968 gehört zu den ersten feministischen erotischen Videos. Carolee Schneemann hielt den Liebesakt mit ihrem damaligen Partner, dem Komponisten James Tenney, fest und wirbt für sexuelle Freiheit. Die Künstlerin kontrastiert oftmals Bilder täglicher Zuneigung und des Sakral-Erotischen mit Zerstörung und Krieg. In den 1980er Jahren thematisierte sie etwa die Invasion und Zerstörung des Libanons in Videoinstallationen, Fotografien und Gemälden. In den 1990er und 2000er Jahren wandte sie sich dem Tod zu, wobei sie sich zwischen der Welt des Bewussten und Unbewussten bewegte. Hier fungierten Kunstobjekte als mystische Kanäle in das Reich des Todes. Carolee Schneemann hat in internationalen Institutionen ausgestellt, wie dem Museum of Modern Art in New York, dem Museum der Moderne in Salzburg, Centre Georges Pompidou in Paris oder dem Kunstverein in Köln.

Quelle: Kunstmarkt.com/S. Hoffmann

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