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Die Bonner Bundeskunsthalle zeigt eine Werkübersicht von Katharina Sieverding

Eine Ausstellung mit Gesicht



Feiner Goldstaub überzieht das Antlitz der weiblichen Person. Individuelle Merkmale sind dem harten, bewegungslosen Serienporträt entzogen. Die Miene der Künstlerin Katharina Sieverding gleitet wegen der oxidierenden Trübung ins Stereotype, ja geradezu Maskenhafte ab. Der konventionelle Porträtcharakter verschwindet in der Anonymität. Geradewegs stößt der Besucher am Beginn der Überblicksschau zu Katharina Sieverding in der Bonner Bundeskunsthalle auf den großformatigen Zyklus verfälschter Porträtfotos. Von links schiebt sich eine Wand vor. Auf einer grandiosen, vier auf siebeneinhalb Meter messenden Aufnahme durchkreuzt ein B-29 Bomber den bedrohlichen blaugrauen Nachthimmel. Dieser Flieger der United States Army Air Forces hatte am 6. August 1945 die erste Atombombe auf die japanische Stadt Hiroshima abgeworfen. „Die letzten Knöpfe sind gedrückt“ zeigt die eingefügte Leuchtschrift an. Basis dieser Arbeit ist ein Filmstill aus dem Dokumentarfilm „The Atomic Café“.


Sieverding verwendete dieses Motiv auch für ein Plakat, das ab 1981 das Anliegen zweier Bonner Bürgerinitiativen unterstützen sollte, eine Bundeskunsthalle zu etablieren. Der mit der Aufschrift versehene Aushang: „Bundeskunsthalle Bonn. Die letzten Knöpfe sind gedrückt“ sollte Druck auf die Realisierungsbemühungen ausüben. Diese dem Ausstellungsort speziell verbundene monumentale Arbeit „Kontinentalkern I“ sowie die Porträtserie „Die Sonne um Mitternacht schauen“ von 1973 signalisieren am Ausstellungsbeginn wesentliche Charakterzüge von Sieverdings Kunst. Ihre Ausdrucksform ist das extrem vergrößerte Serienfoto. Dabei geht sie seit ihrer Studienzeit vom Selbstbildnis aus, das sie als Richtmaß mit persönlichen, gesellschaftlich oder politisch relevanten Ereignissen verknüpft. Mit dieser fotografischen Neuinterpretation samt gewagten Stellungsnahmen zu politischen Begebenheiten fachte sie das Kunstgeschehen an.

Ein bekanntes Beispiel für das Zusammenziehen tagespolitischer Ereignisse auf visuell-inhaltlicher Ebene ist der „Stauffenberg-Block I-XVI“ aus den Jahren 1969/96. Aus acht reproduzierten und vergrößerten eigenen Passfotos zusammengesetzt, beschäftigte sich Sieverding in einer Art Selbstbefragung nach Moral und Verantwortung mit dem Widerstandskämpfer Claus Schenk Graf von Stauffenberg. Diese von einer kraftvollen Präsenz durchdrungene Serie thematisiert in überlebensgroßen, feurig roten Mienenspielen den Umgang mit historischer Verantwortung. Feministische Diskurse jener Jahre, die Untersuchung von Standpunkten der eigenen Person und die Intention, hinter die Oberfläche eines Menschen zu blicken, spielen hier mit hinein.

In den 1970er Jahren kombinierte Katharina Sieverding Filmstills mit Textzeilen zu Großfotos, die neue differenzierte Bedeutungs- und Assoziationsebenen eröffneten. In „Transformer“ von 1973 überlagerte die Künstlerin ihr eigenes Porträt mit dem ihres Gatten Klaus Mettig. Auch in der gleichzeitig entstandenen, nach dem Muster der „Filmstreifen-Ästhetik“ geschaffenen Folge „Motorkamera“ vermischen sich männliche und weibliche Züge, die Sieverdings Lust am Spielen mit Verwandlungen offenbaren. Die Serie „Nachtmensch“ von 1982 greift in bissig leuchtendem gelbrotem Kolorit die Geschlechter- und Identitätsfrage in bewusst androgynen Haltungen auf.

„Schlachtfeld Deutschland“, eine andere Arbeit von formaler Klarheit und reger Dynamik, kreierte Sieverding durch violettes Einfärben und Monumentalisierung eines Schwarzweißbildes aus dem Magazin „Spiegel“ im Jahr 1978. Dargestellt ist eine GSG 9-Einheit der Bundespolizei in Aktion. Hier schlägt sich die seinerzeit virulente RAF-Debatte in Kunst nieder. Für „Unwiderstehliche historische Strömung“ zog die Künstlerin eine Szene aus Charlie Chaplins Film „Der große Diktator“ heran. Der als Unterschrift implantierte Titel ist ein Zitat von Mao Tse-tung.

Katherina Sieverding, die 1944 in Prag zur Welt kam und an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg sowie an der Kunstakademie Düsseldorf als Meisterschülerin von Joseph Beuys studierte, betreibt ein Zusammenspiel von persönlichen, gesellschaftlichen und nicht zuletzt auch biografischen Aspekten. Hierzu zählt auch die Auseinandersetzung mit Radioaktivität, Atomproduktion und medizinischer radioaktiver Diagnostik. Schon im Werkskomplex „Kontinentalkern“ kombiniert Sieverding ihre Sujets mit Dokumenten über den ersten optischen Nachweis von Radioaktivität und dem ersten britischen Atomkraftwerk. Ihre persönliche Betroffenheit und latenten Ängste verdeutlichen die leuchtenden wie changierenden Farbumkehrungen, Überlagerungen, Verschiebungen, die sie während des Belichtungsprozesses austariert.

Eine Version daraus ziert auch die Lobby des Berliner Reichstagsgebäudes und soll zusammen mit Gedenkbüchern an die verfolgten Reichstagsabgeordneten der Weimarer Republik erinnern. Bei diesen Bildebenen handelt es sich um die Vereinigung aus Solaraufnahmen mit radiologischen Lichtbildern einer Tumorerkrankung. Auch die Titel der 1992 entstandenen „Kristallisationsbilder“ beziehen sich auf medizinische Verfahren, bei der Blut mit Kupferchlorid versetzt wird. Gewaltige Präsenz entfalten die bis in eine Höhe von neun Metern aufragenden und den Besucher fast erdrückenden Durchleuchtungen des menschlichen Organismus. An der Stelle des eigenen Abbildes stehen diesmal abstrakte, aus reinem Licht gebildete Strukturen.

Die ab 1957 von Kanada und den USA betriebene Weltraumüberwachung zur Abwehr interkontinentaler Raketenangriffe reizte Katharina Sieverding ebenfalls zur künstlerischen Auseinandersetzung. In der Serie „Norad“ von 1980 fußen figurative und nahezu abstrakt formale Kompositionen auf dokumentarischen und bildjournalistischen Quellen, die nun ineinander greifend neue Bezugslinien herstellen. Nicht das Abbild der Realität steht hier im Vordergrund, sondern die bildnerische Zuspitzung des dazugehörigen Empfindens und Verstehens. Kontraste mit stark gesättigten Farben sollen eine Brisanz erzeugen, die auf aktuelle Bedrohungen wie Atomkrieg oder Terrorismus verweisen.

Ein Höhepunkt der Schau sind die 1997 auf der Biennale in Venedig präsentierten „Steigbilder“. Journalistisches und wissenschaftliches Fotomaterial diente als Grundlage der digital bearbeiteten Bilder. Sieverding dekonstruierte die Ausgangsmotive und trennte einzelne Elemente zwecks isolierter Betrachtung heraus. Röntgenaufnahmen menschlicher Schädel oder Zeitungsaufnahmen von der Rückführung bosnischer Waisenkinder nach Sarajewo sind schon stark abstrahierte Darstellungen, die ahnungsvoll auf die schiere Unmöglichkeit verweisen, aktuelle Konflikte zu lösen. Mögen Sieverdings Befürchtungen hier einmal nicht eintreffen.

Die Ausstellung „Katherina Sieverding. Kunst und Kapital. Werke von 1967 bis 2017“ ist bis zum 16. Juli zu sehen. Die Bundeskunsthalle hat täglich außer montags von 10 bis 19 Uhr, dienstags und mittwochs bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 10 Euro, ermäßigt 6,50 Euro. Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog erschienen, der in der Bundeskunsthalle 32 Euro kostet.

Kontakt:

Kunst - und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland

Friedrich-Ebert-Allee 4

DE-53113 Bonn

Telefon:+49 (0228) 91 71 200

Telefax:+49 (0228) 91 71 209

E-Mail: info@kah-bonn.de



26.04.2017

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Veranstaltung vom:


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Künstler:

Katharina Sieverding










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