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Otto Bartning in Berlin

In gängigen Kunstdiskursen weniger geläufig, gehört der Architekt, Theoretiker, Kritiker und Berater Otto Bartning zu den beherrschenden deutschen Baumeistern der 1920er und 1950er Jahre. Modelle, Zeichnungen, Pläne und Fotografien vereint nun eine umfangreiche Retrospektive in der Berliner Akademie der Künste, zu der erstmals der komplette private Nachlass herangezogen werden konnte. Der Titel „Otto Bartning (1883-1959). Architekt einer sozialen Moderne“ verweist bereits auf die bestimmende Komponente der ethischen Haltung in seinem Werkschaffen.

Geboren 1883 in Karlsruhe, studierte Bartning ebendort und in Berlin Architektur, wo er 1905 sein eigenes Architekturbüro eröffnete. Deutlich setzte sich das Werkbundmitglied vom Historismus ab. Formal reduzierte, kubische Gestaltungen etwa bei den bis 1914 realisierten Kirchen wiesen ihn als Reformer aus. Nach dem Ersten Weltkrieg gehörte Bartning zur prägenden Gestalt der Avantgarde. Die 1922 konzipierte, nicht ausgeführte Sternkirche, eine zentralisierte Predigtkirche aus hohen Bögen und äußerem Schuppenpanzer, zählt zu den expressionistischen Höhepunkten im Kirchenbau. Erstmals überhaupt schuf er für die Internationale Presseausstellung in Köln 1928 mit der Stahlkirche ein Gotteshaus aus vorproduzierten Bauteilen mit sichtbaren Stahlpfeilern. Als Synthese beider Kirchen gilt die 1930 eröffnete Essener Sternkirche mit kreisförmigen Grundriss sowie die 1934 eingeweihte Berliner Gustav-Adolf-Kirche in Fächerform. Neben Wohnanlagen, Siedlungen, Läden und Industriebauten erarbeitete sich Otto Bartning auch einen Ruf auf dem Gebiet des Krankenhausbaus. Seine Kinderklinik in Berlin-Lichterfelde von 1927/28 gilt als erstes Terrassenhaus der Weimarer Republik.

Nach der Zerstörung seines Berliner Ateliers verlegte er sein Büro nach Heidelberg. In den Wiederaufbaujahren besticht Bartnings Architektur durch sachliche Schlichtheit. Für reichlich Furore sorgt er mit einem protestantischen Notkirchenprogramm. Unter Verwendung einfacher Holzbinderkonstruktionen und Trümmerteilen werden deutschlandweit 43 Notkirchen errichtet, von denen 41 noch erhalten sind. Als Berater, Preisrichter, Gutachter, Organisator sowie Vorsitzender des BDA und Werkbundmitglied ist Bartning in den 1950er Jahren eine viel gefragte und geachtete Persönlichkeit. Als Ergebnis der Darmstädter Gespräche kann er eine Frauenklinik als Meisterbau realisieren. Höhepunkt seines Lebenswerkes ist die Planung der 1957 ausgerichteten Internationalen Bauausstellung „Interbau“ im Berliner Hansaviertel. Als der Nestor der deutschen Architektenschaft 1959 in Darmstadt verstirbt, war er schon längst die in Deutschland beherrschende Symbolfigur einer verantwortungsvollen Baukultur.

Die Ausstellung „Otto Bartning (1883-1959). Architekt einer sozialen Moderne“ ist noch bis zum 18. Juni zu sehen. Die Akademie der Künste am Standort Hanseatenweg hat täglich außer montags von 11 bis 19 Uhr, dienstags bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 6 Euro, ermäßigt 4 Euro. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, der in der Akademie 19,90 Euro kostet. Anschließend wandert die Schau in Städtische Galerie Karlsruhe und nach Darmstadt, wo Otto Bartning seine letzten Lebensjahre verbrachte.

Akademie der Künste
Hanseatenweg 10
D-10557 Berlin

Telefon: +49 (0)30 – 200 57 2000
Telefax: +49 (0)30 – 200 57 2175

Quelle: Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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31.03.2017, Otto Bartning (1883–1959). Architekt einer sozialen Moderne

Bei:


Akademie der Künste

Künstler:

Otto Bartning








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