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Villa Romana-Preisträger 2018 stehen fest

Die Villa Romana-Stipendien für das Jahr 2018 sind vergeben. Der Künstler Nasan Tur und Bonaventure Soh Bejeng Ndikung, Documenta-Co-Kurator und Direktor von Savvy Contemporary in Berlin, kürten aus der Vorschlagsliste Jeewi Lee, Christophe Ndabananiye, Lerato Shadi und Viron Erol Vert. Die vier Kunstschaffenden, die alle ausländische Wurzeln, aber in Berlin ihr Quartier aufgeschlagen haben, werden nun von Februar 2018 für zehn Monate in der Villa Romana in Florenz leben und arbeiten. Für ihre Aufenthaltsdauer steht ihnen zudem ein monatliches Stipendium in Höhe von 1.500 Euro zur Verfügung.

Jeewi Lee, 1987 in Seoul geboren, studierte Malerei an der Universität der Künste Berlin sowie an der Hunter College University in New York. In ihren ortsspezifischen Rauminstallationen, Aktionen und Bildserien arbeitet sie mit performativen oder alltäglichen Ereignissen, die im Werk nur als Spur wahrgenommen werden können. Die Spur zeugt von Bewegungen im urbanen Raum wie in Ausstellungsräumen und reflektiert zugleich ihren eigenen Produktionsprozess. Jeewi Lee beteiligte sich an zahlreichen Gruppenausstellungen in Projekträumen und nimmt nach 2014 heuer zum zweiten Mal am „Festival of Future Nows“ in der Neuen Nationalgalerie in Berlin teil.

Christophe Ndabananiye, geboren 1977 in Lubumbashi in der Demokratischen Republik Kongo, kam 2009 nach Berlin. Er studierte an der Hochschule der Bildende Künste in Saarbrücken. In einer Folge von Selbstportraits thematisierte er traumatische Erfahrungen von Flucht, Familie, Heimat und Muttersprache. Inzwischen ist der Schuh als Verkörperung von individueller Bewegung und Schwerkraft an die Stelle des Portraits getreten. Ndabananiye fotografiert unbekannte Schuhe in seiner Heimat Kongo und portraitiert sie in Installationen und malerischen Interventionen. In seinen neuen Gemälden setzt er die Erinnerungsarbeit auf Papier und Styroporplatten fort. Christophe Ndabananiye war wissenschaftlicher Mitarbeiter im Medienlabor zur Kunst Afrikas an der FU Berlin und nahm an verschiedenen Ausstellungen teil, darunter in Berlin bei Savvy Contemporary und im Kunstraum Kreuzberg.

Lerato Shadi, geboren 1979 im südafrikanischen Mafikeng, studierte Kunst an der University of Johannesburg. Ihre künstlerische Praxis beschäftigt sich mit Körperpolitiken, mit dem Körper der Frau, vor allem der schwarzen südafrikanischen Frau. Ihr geht es dabei um institutionelle Gewalt, patriarchale und koloniale Strategien des Ausschlusses und Vergessens und unverwüstliche subjektive Narrationen. Shadi arbeitet in verschiedenen Medien, darunter Zeichnung, Performance und Film. Ihre Arbeiten waren bisher in zahlreichen internationalen Museen und Projekträumen sowie auf den Biennalen von Moskau und Dakar zu sehen.

Der 1975 geborene Deutschtürke Viron Erol Vert studierte an der Universität der Künste Berlin sowie an der Königlichen Akademie Antwerpen und ließ weitere akademische Studien im Bereich Mode- und Textildesign folgen. Vert beschäftigt sich in seinen Objekten und Installationen mit Narrativen der mediterranen Geschichtsschreibung und übersetzt Charaktere in seine optischen Codes. In der Galerie Wedding installierte Vert jüngst ein „Dreamatory“, einen künstlerischen Schlafraum, in dem die Besucher ihren Träumen Raum im Alltag geben können. Vert hatte Einzelausstellungen unter anderem im Künstlerhaus Stuttgart, in der Galerie Galerist in Istanbul und im Berghain in Berlin.

Der Villa Romana-Preis gilt als der älteste deutsche Kunstpreis und wurde 1905 von Künstlern und Mäzenen ins Leben gerufen. Er möchte herausragenden, vorzugsweise jüngeren bildenden Künstlerinnen und Künstlern, die in Deutschland leben, die Möglichkeit geben, sich während eines längeren Aufenthalts in Florenz künstlerisch weiterzuentwickeln. Dafür stehen 40 Zimmer in der um 1850 im neoklassizistischen Stil erbauten Villa zur Verfügung. Während ihres Aufenthalts in Florenz haben die Preisträger die Möglichkeit, Künstler, Wissenschaftler oder andere Dialogpartner für Kurzaufenthalte in der Villa und Kooperationen vorzuschlagen. So dient das Haus auch als Schnittstelle im kulturellen Networking und will mit Ausstellungen, Performances, Filmvorführungen, Konzerten und Symposien den internationalen interdisziplinären Dialog fördern.

Quelle: Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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