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Jérôme Zonder in Basel

Jérôme Zonder, Jeu d’enfant #1, 2011

Das Museum Tinguely hat Jérôme Zonder eingeladen, sich mit Jean Tinguelys „Mengele-Totentanz“ von 1986 auseinanderzusetzen. Der 1974 in Paris geborene Zonder, der als einer der herausragenden Zeichner der jüngeren Generation gilt, hat darauf nun mit rund 40 Blättern, einem großformatigen Wandbild und einer skulpturale Konstruktion reagiert. In seinen Zeichnungen verbindet er Hyperrealismus mit pointillistischer Fingerzeichnung, Kinderkritzeleien oder Cartoonelemente. In diesen Werken setzt er sich mit menschlichen Abgründen, Katastrophen und Ängsten des 20. Jahrhunderts und der Gegenwart auseinander. Auf den Kohlezeichnungen sieht man Häftlinge aus Konzentrationslagern, Szenen von Polizeigewalt, maskierte Kinder, die andere Kinder quälen, Gewaltdarstellungen aus dem Kanon der Kunstgeschichte oder einen unheimlich wirkenden Insektenkopf. Mit seinen verstörenden Bildwelten und der Darstellung menschlicher Grausamkeit stellt sich Zonder in die Tradition von Künstlern wie Hieronymus Bosch, Paul McCarthy oder Otto Dix.

Jérôme Zonders Auseinandersetzung steht am Beginn einer Reihe, in der sich junge Künstlerinnen und Künstlern mit dem „Mengele-Totentanz“ befassen. Dieses Hauptwerk von Jean Tinguely wird seit kurzem in einem sakral anmutenden Raum mit schwarzem Boden und schwarzgestrichener Decke neu präsentiert. Im Zentrum dieser vierzehnteiligen Maschinenskulptur steht eine historische Erntemaschine der Firma Mengele, jener Firma, die der Familie des berüchtigten KZ-Arztes gehörte. Sämtliche Teile der Skulptur sind Überreste eines Bauernhofbrandes in der Nähe von Tinguelys Atelier in Neyruz nahe Fribourg. Der Totentanz von Tinguely, der die verheerende Katastrophe des Zweiten Weltkriegs und die grausamen Verbrechen der Nazi-Diktatur reflektiert, wird so zum Anstoß, über vergangenes und gegenwärtiges Leid und Konflikte in der Gegenwart nachzudenken.

Die Ausstellung „Jérôme Zonder. The Dancing Room“ läuft bis zum 1. November. Das Museum Tinguely hat dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 18 Schweizer Franken, ermäßigt 12 Schweizer Franken. Für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren ist er frei. Der Katalog kostet 32 Franken. Anlässlich der Neueinrichtung von Tinguelys „Mengele-Totentanz“ erscheint im Kehrer Verlag eine Publikation für 24 Franken.

Museum Tinguely
Paul Sacher-Anlage 2
CH-4002 Basel

Telefon: +41 (0)61 – 681 93 20
Telefax: +41 (0)61 – 681 93 21


13.06.2017

Quelle: Kunstmarkt.com/Sebastian Schmitt

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