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Das Museum moderner Kunst in Wien stellt mit über 300 Werken die Speerspitze des Feminismus in der Kunst der 1960er und 1970er Jahre vor und hat sich dazu die Sammlung Verbund ins Boot geholt

Die Ideen der Frauen



Diese Ausstellung ist eine kleine Sensation. Nicht weil sie sich reißerisch um Aufmerksamkeit bemüht, obwohl ihr Thema schnell dazu hätte verführen können. Das was Gabriele Schor, die Direktorin der Sammlung des Energieversorgers Verbund zu dem Themenkomplex „Feministische Avantgarde der 1970er Jahre“ zusammengetragen hat, ist eine hochkarätige 600 Werke umfassende Kollektion von 48 Künstlerinnen, die sich bescheiden als vorläufiges Resümee vorstellt und doch nichts Geringeres tut, als den Kanon der Kunstgeschichte zu erweitern, indem sie die Termini „Feminismus“ und „Avantgarde“ miteinander verknüpft und bisher unbekannte Positionen in einen internationalen Kontext einbettet.


Gezeigt wird die Ausstellung nach Stationen in Rom, Madrid, Brüssel, London und Hamburg nun im Wiener Museum moderner Kunst (MUMOK), jener Institution, die sich mit einem ihrer Schwerpunkte, dem Wiener Aktionismus, als spannender Ort der Konfrontation und des Vergleichs anbietet. Die Schau ist keine Frauenausstellung, sondern eine Themenschau, die danach fragt, wie in einer Zeitspanne von circa zehn Jahren Künstlerinnen feministische Sensibilitäten und Forderungen in ihren Arbeiten formulierten.

Im Zuge der Bürgerrechts-, Antikriegs- und 1968er Bewegung postierte sich die Frauenbewegung mit dem weitreichenden Slogan „Das Private ist politisch“. Die Überlegungen und Ansätze, mit denen die Pionierinnen damals weltweit das nahezu ausschließlich von Männern dominierte „Bild der Frau“ dekonstruierten und die „Repräsentation der Frau“ in der bildenden Kunst völlig neu erschufen, sind ausgesprochen vielfältig. Auf der Suche nach einem neuen Frauenbild kehrten die Künstlerinnen der Malerei den Rücken und nutzten vor allem historisch unvorbelastete Medien wie Fotografie, Performance oder Videokunst. Sie lehnten sich gegen die tradierte Darstellungsweise des weiblichen Körpers, gegen Idealisierungen und männliche Dominanz auf und exponierten das Private als etwas öffentlich Relevantes.

Vor allem die stereotypen Rollenzuweisungen als Mutter, Haus- und Ehefrau wurden mit den Mitteln der Ironie radikal hinterfragt. Mit „Semiotics of the Kitchen“ von 1975 und „Hausfrauen-Küchenschürze“ schufen Martha Rosler und Birgit Jürgenssen im selben Jahr zwei Chef d’Œuvres der feministischen Kunst. Während Rosler in ihrer Video-Performance die alphabetische Ordnung mit Küchenengeräten von A bis Z durchdeklinierte, hängte sich Jürgenssen in ihrer Fotoperformance einen aus Blech gefertigten Herd als Schürze über den Körper. Auch Martha Wilson hinterfragt Begriffe wie Identität und Geschlecht: In ihrer performativen Arbeit „A Portfolio of Models“ interpretierte sie 1974 vor der Kamera verschiedene weibliche Stereotype: Hausfrau, Göttin, Lesbe, Prostituierte, Berufstätige und Mutter.

Annegret Soltau und Ulrike Rosenbach reflektieren das Thema Schwangerschaft. Soltau drückt in ihrem Video „Schwanger-Sein“ von 1977/78 die divergierenden Gefühle einer schwangeren Frau aus: Ängste, Verzweiflung und Aggressionen. Im Video „Einwicklung mit Julia“ von 1972 umschlingt Ulrike Rosenbach den Körper ihrer Tochter mit einer Mullbinde eng mit ihrem eigenen, als Ausdruck der Verbundenheit, aber auch der Abhängigkeit.

Ein wiederkehrendes Motiv der Schau ist das Eingesperrtsein. Fühlte sich Martha Wilson vor allem von sozialen Konventionen bedrängt, so thematisierten Künstlerinnen wie Elaine Shemilt, Anneke Barger, Francesca Woodman, Margot Pilz und Renate Eisenegger ihre isolierte Existenz als Frau und Künstlerin, indem sie ihren nackten oder bekleideten Körper in Plastikfolien einwickelten, sich mit Schnüren bandagierten oder mittels Fäden einen Kokon um sich spannten. Sehr eindringlich ist die Performance „Encoconnage“ von Françoise Janicot: Um das Unterdrücken der weiblichen Gefühlen sichtbar zu machen, bandagierte die Künstlerin ihr Gesicht so lange mit einem dünnen Seil, bis sie fast nicht mehr atmen konnte und das Publikum mithelfen musste, sie von den Schnüren zu befreien.

Die Ausstellung dokumentiert mit zahlreichen Exponaten, dass viele Künstlerinnen unabhängig und ohne voneinander zu wissen, zu thematisch und formal ähnlichen Ergebnissen kamen. Auch Annegret Soltau spann 1975 in „Selbst“ ihren Kopf mit Fäden ein, und Renate Eisenegger dokumentierte in „Isolamento“, einer achtteiligen Fotoserie von 1972, wie sie ihr Gesicht mit Klebeband einbindet. Die US-Künstlerin Donna Henes verstand die Einwicklung ihres Gesichts indessen als Verpuppung: „Als ich nicht mehr atmen konnte, streifte ich das Garn ab, um mein vereinigtes und gestärktes Ich zu enthüllen.“

Ähnliche Absichten verfolgte die Künstlerin Ana Mendieta: Für ihre „Earth-Body-Art“ ließ sie sich unter Erde, Gras und Steinen begraben. Parallelen zeigen sich zu Orlans „Vermessungen“ oder Valie Exports „Körperkonfigurationen“, so der Titel einer Fotoserie, für die Export ihren Körper den prächtigen Gebäuden an der Wiener Ringstraße anschmiegte. Auch Penny Slinger scheute sich nicht, erotische Reize für die Kunst einzusetzen. Geplant als ein Happening, trug die Künstlerin in ihren Fotocollagen ein Hochzeitstortenkostüm und posierte lachend und herausfordernd mit gespreizten Beinen. In einer dieser Collagen ersetzt sie ihre Scham durch ein großes Auge. Die weibliche Sexualität, meist reduziert auf passive Entblößung, wird hier zur provozierenden Akteurin und entkommt dem objektivierenden männlichen Blick.

Eine andere Strategie, sich dem männlichen Voyeurismus zu entziehen, verfolgen die neuseeländisch-englische Künstlerin Alexis Hunter und ihre serbisch-ungarische Kollegin Katalin Ladik. In Hunters Fotoserie „Approach to fear: Voyeurism“ von 1973 zieht sich die Künstlerin in mehreren Sequenzen ihren bodenlangen, dunkelgrünen Rock über den Kopf, bis schließlich ihre Beine entblößt und der Oberkörper komplett mit dem Tuch verhüllt sind. Einerseits spielt Hunter mit dem Klischee ‚Sexobjekt’. Gleichzeitig entzieht sie sich dem begehrlichen Blick, in dem sie die Enthüllung in eine Verhüllung transferiert. Ähnlich geht Ladik vor. Sie inszeniert mit „Blackshave Poem“ einen Striptease, entledigt sich ihrer Unterwäsche, gibt ihren Körper dennoch nicht dem voyeuristischen Blick preis, weil sie mit einem schwarzen Bodysuit bekleidet ist.

Renate Bertlmann, die in der Sammlung ebenso wie Birgit Jürgenssen mit zahlreichen Werken vertreten ist, konfrontiert das Publikum in ihrer Performance „Die schwangere Braut mit dem Klingelbeutel“ mit phallisch erotischen Anspielungen. Mit einem Klingelbeutel in Form eines Riesenpräservativs sammelt die Schwangere im Publikum für die Reliquie des „Hl. ERECTUS“. „Ich bin immer wieder für meinen Mut gelobt worden, aber für mich war das ganz normal, ich musste diese Kunst machen“, schildert die von der Sammlung Verbund vor neun Jahren wiederentdeckte und derzeit auch bei Sotheby’s in London ausgestellte Künstlerin, die schon früh Sexspielzeug für ihre Skulpturen und Performances einsetzte. Ebenso prangern Judith Bernstein mit ihren großformatigen Kohlezeichnungen oder Nancy Spero mit ihren zarten Gouachen „Sperm Bomb“ von 1966 männliche Allmachtsfantasien an.

Mit ihrem reichen Konvolut gibt die Sammlung Verbund einen profunden Überblick und reißt eine Vielzahl von gesellschaftskritischen Themen an. Ebenso bietet das Aufeinandertreffen von Arbeiten bekannter und unbekannter Künstlerinnen, spannende und überraschende Konfrontationen. Dass Namen wie etwa die von Lee Lozano oder Dorothy Iannone fehlen, vor allem aber die introspektiven Körperwahrnehmungen von Maria Lassnig und ihre filmischen Arbeiten weder in der Ausstellung zu sehen sind und noch im fundierten Katalog berücksichtigt wurden, überrascht. War die Grand Dame der österreichischen Kunstszene doch während ihres mehrjährigen Aufenthalts in New York in den 1970er Jahren auch Mitbegründerin der „Women/Artist/Filmmakers“, einer Vereinigung filmschaffender, feministischer Künstlerinnen. Gewidmet hat Gabriele Schor die eindrucksvolle Publikation, die mit Recht als Standartwerk bezeichnet werden kann, „all den Künstlerinnen, deren Werk noch zu entdecken ist“. Das trifft im Falle von Maria Lassnig, deren grafisches Œuvre derzeit in der Albertina gewürdigt wird, zwar nicht mehr zu, lässt auf eine baldige Ergänzung hoffen.

Die Ausstellung „Woman – Feministische Avantgarde der 1970er-Jahre aus der Sammlung Verbund“ ist bis zum 3. September zu sehen. Das MUMOK hat montags von 14 bis 19 Uhr und dienstags bis sonntags von 10 bis 19 Uhr, am Donnerstag zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 11 Euro, ermäßigt 8,50 Euro bzw. 7,50 Euro.

Kontakt:

Museum Moderner Kunst - Stiftung Ludwig Wien

Museumsplatz 1

AT-1070 Wien

Telefon:+43 (01) 525 00

Telefax:+43 (01) 525 00 13 00

E-Mail: info@mumok.at

Startseite: www.mumok.at



21.06.2017

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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06.05.2017, Woman – Feministische Avantgarde der 1970er-Jahre aus der Sammlung Verbund

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