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Zwischen Autobiografie und Experiment: Das Kunstforum der Bank Austria in Wien stellt erstmals das Schaffen von James Welling in Österreich vor

Der malende Fotograf



James Welling, IRMB, 2002

James Welling, IRMB, 2002

Disparat, einflussreich und wegweisend – so wird James Wellings Werk häufig beschrieben. In nahezu allen Gebieten der Fotografie hat der Künstler mit seinen experimentellen Arbeiten auf sich aufmerksam gemacht. Welling, der sich bereits früh mit den Werken von Malern wie Edward Hopper und Andrew Wyeth auseinandersetzte, studierte zunächst Malerei und Modernen Tanz, besuchte die im Kontext von Minimal und Conceptual Art konstituierte Post-Studio-Klasse von John Baldessari in Los Angeles und kam erst 1974 nach seinem Kunststudium, über seine Beschäftigung mit Arbeiten von Paul Strand, Walker Evans und László Moholy-Nagy als Autodidakt zur Fotografie. Seither bewegt sich der Künstler in den hybriden Grenzzonen zwischen Malerei, Bildhauerei, Architektur, Tanz, traditioneller und experimenteller Fotografie. In Europa bisher wenig bekannt und selten zu sehen, ist James Welling in den USA schon lange ein von Künstlern respektierter und von Kritikern und Sammlern geschätzter Fotograf. Dieses Versäumnis korrigiert momentan das Wiener Kunstforum und stellt das breite Spektrum des 1951 in Hartford, Connecticut, geborenen Künstlers in einer beeindruckenden Schau vor.


Die Ausstellung, die als Retrospektive angelegt ist, beginnt mit der frühen Werkserie „Hands“ von 1974/76, für die Welling bewegte Schatten seiner Hände ohne Objektiv direkt auf das Fotopapier belichtete. Die Serie zeugt von seiner Auseinandersetzung mit Werken von Moholy-Nagy und Man Ray, die die Fotografie von einer technisch definierten Perspektive befreiten. In direkter Nachbarschaft zu diesen Arbeiten veranschaulichen „Geometric Abstractions“ von 2008/12 das paradoxe Unterfangen, die abstrakte Malerei der Moderne ausgerechnet im realitätsverbundenen Medium der Fotografie wiederzubeleben. Dies erreicht James Welling, indem er Licht als das Material und den eigentlichen Referenten der Fotografie exponiert. Die Videoarbeit „Sun Pavillon“ aus dem Jahr 2010 entstand im Verlauf eines dreijährigen Aufenthalts in Connecticut, während dem er für die Serie „Glass House“ Philip Johnsons modernistisches Glass House und andere Gebäude wie den Lake Pavillon fotografierte. In dieser Werkserie untersucht Welling das transparente Einraumhaus mittels verschiedenfarbiger Linsen und behandelt die Architektur in einer Weise, als wäre sie selbst das Objektiv einer Fotokamera.

Neben Wellings quasi dokumentarischen Werkserien in der Tradition der klassischen Kunstfotografie eines Paul Strand zeigt die Schau abstrakte Fotogramme, wie sie die Avantgarde mit Moholy-Nagy, Christian Schad und Man Ray hervorbrachten: Die Aufnahmen von Faltenwürfen – „Drapes“ von 1981 – und Aluminiumfolien – „Aluminium Foil“ von 1980/81 – lassen Jackson Pollocks All-Over-Strukturen wiederauferstehen. Beide Serien markieren ein Schlüsselmoment in der Findung der eigenen künstlerischen Position. „Ich wollte Fotografien machen“, beschreibt Welling, „bei denen es weder möglich ist, sie zu beschreiben noch sich an sie zu erinnern, die aber dennoch scharf und klar sind.“ Gleichzeitig sind diese Arbeiten der komplexe und anspruchsvolle Versuch über die Möglichkeiten und Grenzen der Wirklichkeitsabbildung.

Zum ersten Mal werden in einem musealen Kontext die Unikate der Serie „Degradés“ von 1986/2006 zusammengeführt – abstrakt verlaufende Farbfotogramme, die vom Künstler in der Dunkelkammer mit reinem Licht gezeichnet wurden. Die an einer diffusen Horizontlinie zusammentreffenden pulsierenden Farbfelder erzeugen den Eindruck einer imaginären Landschaft und erinnern an die Farbfeldmalerei Mark Rothkos. Der wiederholt vorgebrachte Vergleich der Gemälde Rothkos mit Andachtsbildern lässt sich leicht auch auf Wellings „Degradés“-Serie anwenden. Es ist die Rothko folgende besondere Erlebnisstruktur von Wellings Werken, das Spannungsverhältnis zwischen Anblick und Tiefblick, zwischen Bildoberfläche und Bildraum, die den Betrachter anzieht und berührt. Mit ihren angedeuteten, tänzerisch bewegten Volumina kommen „Torsos“ von 2005/08 schließlich der menschlichen Form am nächsten, die sonst in Wellings Werk nahezu ausgespart bleibt.

Die aktuelle Fotoserie „Chemical“ aus dem Jahr 2016 stellt für James Welling eine Art Nullpunkt dar, da die Arbeiten keine genaue Differenzierung zulassen, ob es sich um Gemälde oder um Fotografien handelt. Die malerische Spur entsteht hier durch die Interaktion von Licht und Chemikalien mit dem Silbergehalt der Emulsionsschicht des Fotopapiers. „Fotografie“, erläutert Welling seinen Standpunkt, „ist nur eine andere Art, Material aufzutragen, und meine Fotografien isolieren diesen Prozess.“ Der Baum als ein topgrafisch wie emotional tief verwurzeltes Motiv durchzieht das gesamte Œuvre des Künstlers, etwa in „Oak Tree“ von 2012/14, Wellings Video „Sculpture 1970, Film 1971“ von 1971 und in den verschiedenen Bildschichten der Serie „Choreograph“ von 2014/17. Er wird zur Metapher der kontinuierlichen Einbeziehung des Autobiografischen in seine künstlerische Arbeit.

Auf die Spuren seiner eigenen Vergangenheit und die seiner Familie begab sich James Welling mit „Diary/Landscapes“ von 1977/86 und der unlängst fertiggestellten Videoarbeit „Seascape“ von 2017. Für die frühe Serie überblendete Welling zwei Formen von Landschaftsdarstellungen und verband die Geschichte seiner Familie – es handelt sich um das Reisetagebuch seiner Ur-Urgroßmutter – mit der Geschichte der Fotografie. Die im Tagebuch festgehaltene verflossene Zeit und vergangene Wirklichkeit gerinnen hier zum Medium eines Diskurses über die Welt im Bereich des Kleinen, Persönlichen und Kalligrafischen.

Für „Seascape“ kolorierte Welling auf digitalem Weg Schwarz-Weiß-Filmaufnahmen, die sein Großvater, der Sonntagsmaler William C. Welling, in den 1930er Jahren vom Atlantik gemacht hatte, um auf ihrer Grundlage Gemälde zu schaffen. Zu letzterem zählt das Bild über dem Kamin von Wellings Elternhaus, das in „Diary/Landscapes“ zu sehen ist. Der Soundtrack stammt von seinem Bruder, dem Musiker Will Welling. In seinem Video thematisiert James Welling grundlegende Probleme von Autorenschaft und Familien sowie typische Themen der Fotografie auf konzeptionell scharfsinnige und dabei höchst poetische Weise. Zugleich verknüpft er digitale und analoge Perioden von Fotografie und Film und löst damit die utopische Herausforderung, den Enkel mit den Augen seines Großvaters sehen zu lassen.

Die Ausstellung „James Welling“ ist bis zum 16. Juli zu sehen. Das Kunstforum der Bank Austria Wien hat täglich von 10 Uhr bis 19 Uhr, freitags zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt für Erwachsene 11 Euro, für Senioren 8,50 Euro und für 17- bis 27jährige 6 Euro, darunter 4 Euro. Der Katalog aus dem Prestel Verlag kostet 32 Euro.

Kontakt:

Bank Austria Kunstforum

Freyung 8

AT-1010 Wien

Telefon:+43 (01) 557 33 26

Telefax:+43 (01) 557 33 27

E-Mail: office@kunstforumwien.at



03.07.2017

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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 0481, 2013
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James Welling, Olson House in Snow, 2010
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 Welling, Otego, New York, 1990
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James Welling,
 Paris, 1996
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 Welling, Seascape, 2017
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 Welling, Torso 3-6, 2005/08
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James Welling, 0481, 2013

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James Welling, Paris, 1996

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James Welling, Hands #3, 1975

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James Welling, G19BC, 2012

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