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Blumenstrauß mit Plastik vor Fenster, 1925 / Ernst Ludwig Kirchner

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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Resultate: Die Kunden pickten sich in der modernen Kunst bei Lempertz gezielt ihre Leckerbissen heraus

Farbwolken oder ein bunter Himmel?



In Landschaftsbildern erlaubt ein tief liegender Horizont, wie ihn bereits die Niederländer des 17. Jahrhunderts bevorzugten, den größten Raum für den Himmel. Besonders bei Sonnenauf- oder Sonnenuntergang kann er in einem Meer von Farbnuancen prangen. Eben dieses Phänomen beschäftigte Emil Nolde in der um 1930/35 aquarellierten, wohl friesischen „Weiten Marschlandschaft mit Bauernhöfen“. Das grüne Land mit den beiden beinahe schwarzen Höfen wirkt wie ein Auftakt zur Betonung des farbigen Treibens. Wolkenbänder aus Violett, Orange, Gelb, Hellblau und Beige wechseln sich ab, fließen ineinander und belassen den Betrachter im Unklaren, ob es sich hier um Wolken oder Farberscheinungen des Himmels handelt. Diese Frage mag sich der neue amerikanische Eigentümer dieser prächtigen Arbeit stellen, die er schon bei 132.000 Euro übernehmen konnte. Denn eigentlich hatten Lempertz und der Einlieferer dafür mindestens 140.000 Euro vorgesehen.


Dennoch gehört dieses farbtrunkene Blatt zu den drei teuersten Posten der Auktion „Moderne Kunst“ des Kölner Versteigerers vom 31. Mai. Das zweitteuerste Objekt war Maurice Utrillos verhalten frühjahrssonnige „Place St. Pierre et le Sacré Cœur de Montmartre“. 1938 malte Utrillo eine ruhige Straßenszene, über der die charakteristische Kuppel von Sacré Cœur in strahlendem Weiß mit dem hellblauen Himmel konkurriert. Das kleine Gemälde sorgte mit einem wilden Schlagabtausch der Gebote für Furore: Ein deutscher Sammler verteidigte das Werk erfolgreich bis zu den finalen 220.000 Euro (Taxe 80.000 bis 100.000 EUR). An der einsamen Spitze regierte unangefochten August Mackes farbfreudiges Familienbild der „Kaffeetafel im Garten“ von 1912. Das friedliche Idyll inmitten von saftigem Grün gewährte dem Verkäufer 480.000 Euro und blieb damit innerhalb der Schätzgrenzen von 400.000 bis 500.000 Euro.

Mit einer losbezogenen Zuschlagsquote von knapp 54 Prozent inklusive Nachverkauf bewegt sich die Lempertz-Auktion im durchschnittlichen Bereich. Auch einige Ausfälle bei den höher taxierten Positionen gab es. So fand Louis Hayets pointillistisches Portrait seines Freunds und Dichters Émile Verhaeren um 1894/96 ebenso wenig einen Abnehmer (Taxe 40.000 bis 50.000 EUR), wie Georg Kolbes Bronzeakt der kompakten „Kauernden“ von 1917 (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR). Dasselbe Schicksal teilten auch die Gouache „Gräben vor Reims I“ von Otto Dix aus dem Jahr 1916 sowie im höheren Preisbereich Philipp Bauknechts expressionistisches „Blumenstillleben mit Buch“ von 1929/32 (Taxe 100.000 bis 120.000 EUR) oder Paul Klees 1933 gespachtelte „Koniferen im Park“ (Taxe 130.000 bis 180.000 EUR).

Abstrakte Kunst

Die Käufer suchten vielmehr gezielt nach ihren Lieblingsstücken und fanden sie etwa in der abstrakten Kunst. Großes Interesse weckte dabei die um 1932 doppelseitig gearbeitete „Rechtwinkelige Durchdringung: Zeichen F auf Schwarz“ von Hermann Glöckner. Eine öffentliche Sammlung zahlte hierfür 130.000 Euro (Taxe 40.000 bis 50.000 EUR). Für Serge Poliakoff verlief das Prozedere unvorteilhafter. Seine „Composition abstraite“, eine dichte Farbverzahnung von Rot, Schwarz, Gelb und Weiß aus dem Jahr 1957, hielt verbittert an 105.000 Euro fest und scheute den Schätzwert von mindestens 120.000 Euro. Mehrere Euroklassen tiefer war Joseph Lacasses kompositionsverwandte „Dominante Verte“ von 1957/58 eingeordnet, die für 12.000 Euro zur oberen Schätzgrenze den Besitzer wechselte.

Gegenständliche Malerei

Doch die figurative Kunst überwog im Angebot. Hier musste sich Gert Heinrich Wollheims arbeitsame „Besenfrau“ von 1935/36 fern ab des Schätzwertes von 18.000 bis 22.000 Euro mit 12.000 Euro begnügen. Eine etwas bessere Figur, wenngleich ebenfalls unterhalb des angesetzten Preises von mindestens 18.000 Euro, machten Tsuguharu Foujitas elegische „Les Deux Religieuses“ von 1920 bei 17.000 Euro. Eine Mischung aus geheimnisvollen Tieren und einem Hauch Kubismus durchzieht Adolf Fleischmanns „Drei Katzen“ aus den späten 1920er Jahren. Die eine braune und die zwei weißen Samtpfoten sitzen diagonal leicht versetzt hintereinander. Trotz der abstrakten Elemente, so die gebrochenen Sitzgelegenheiten und Umgebung der Tiere, sind Hauseingänge und Passanten auszumachen. Das Gemälde mit den mysteriös wirkenden Tieren bezauberte das Publikum, das erst bei 25.000 Euro seinen Willen fand (Taxe 15.000 bis 17.000 EUR).

Etwas Rätselhaftes umweht auch Franz Radziwills Stillleben „Einmal Nah, Einmal Fern“ von 1956. Der Magische Realist spielt mit der Wahrnehmung und stellt die Frage, welches der zwei Motive Wirklichkeit ist: Auf einem kleinen Holzbrett sitzt ein kleiner Vogel. Daneben liegt eine Orange vor einer Birne. Die linke Seite des Bildes scheint ein Grauschleier zu bedecken, während dasselbe Motiv rechts in brillanten Farben leuchtet. Über Radziwills Ideen mag der neue Eigentümer, der 40.000 Euro zahlen musste, nun nachdenken (Taxe 35.000 bis 40.000 EUR). Ein eher nüchternes Stillleben voller Zurückhaltung sind die Blumen in einer Glasvase auf einer Tischplatte von Herbert Böttger. Die neusachliche Eleganz der Arbeit berückte die Bieter, so dass der Preis auf 13.000 Euro anstieg (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR). Gedrängtes In- sowie Übereinander von Türmen, Schächten und Gebäuden mit dicken schwarzen Konturen charakterisiert den unruhigen Hintergrund von Frans Masereels vergnügten „Deux Femmes au Port“. Die aquarellierte Tuschpinselzeichnung des Belgiers von 1927 verabschiedete sich erst bei 12.000 Euro (Taxe 3.000 EUR).

Landschaft

Paul Adolf Seehaus’ farbintensives und dynamisches „Keltische Dorf“ von 1919 erfreute das Herz so manchen Sammlers. Erfolgreich verteidigte ein Deutscher die kubistische Mischtechnik und hob den Preis mit 53.000 Euro ungefähr auf das Doppelte der Schätzung an. Die englische Hauptstadt inspirierte Jean Dufy 1958 zum kunterbunten Blatt „Tower Bridge London“. Vor rotem Himmel schwimmen viele kleine Dampfboote auf der blauen Themse, ganz so als wollten sie in chaotischer Reihung alle unter der berühmten Brücke hindurchfahren. Es sind vor allem die weißen Türme der Brücke, die ein ordnendes Element in das Treiben einfügen. Das dynamische Motiv führte bei regem Anklang zu 18.000 Euro (Taxe 10.000 bis 12.000 EUR). Grün und Blau bilden die Grundtöne in Karl Hagemeisters frischer „Landschaft mit blühendem Strauch an einem Ufer“. Um 1900 malte der Impressionist mit bewegtem sicherem Pinselstrich das hohe Ufergras mit weiß blühendem Gehölz. Das Spiel der Farbe mit und durch das Licht ist das Thema dieser frühlingshaften Arbeit, die ihren Wert auf 27.000 Euro verdoppelte.

Portrait

Eine Gewinnerin bei der Auktion war auch Mela Muters atmosphärische „Frau mit Pelzkragen“ von 1919. Die Dame, wohl Mme Fürstenberg, die Schwester der Künstlerin, erwirtschaftete mit ihrem melancholischen Blick beachtliche 95.000 Euro (Taxe 40.000 bis 50.000 EUR). Einfache Formen – die Wölbungen der Brüste geritzt und im Antlitz Augen, Nase und Mund schraffiert – charakterisieren Jean Fautriers „Buste de femme“. Die Materialität der Farbe ist hier nicht nur in den Ritzungen spürbar, sondern auch in den wolkenartigen Übergängen von Figur zu Grund. Die Simplifizierung der Form und die strenge Frontalität verliehen der Frau etwas Monumentales und Erhabenes. Das Gemälde von 1929 ging für den oberen Schätzwert von 60.000 Euro in deutschen Kunsthandel.

Etwas weniger als erhofft fuhr Edward Cucuels erotische Bild „Im Atelier“ ein. Die um 1920 gemalte Frau in Weiß musste sich mit 72.000 Euro bescheiden (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR). Einem ähnlichen Schicksal erlag auch Ernst Ludwig Kirchners Tuschezeichnung „Frauenbildnis“ von 1915. Es handelt sich wohl um die Partnerin des Expressionisten, Erna Schilling. Ihr spitz zulaufendes Kinn und die in den Höhlen versinkenden Augen weisen auf eine kranke Person hin, die der Maler mit rascher Verwischung und Schraffuren ausdrucksstark in Tusche festhielt. Das schwermütige Bildnis blieb mit den 13.500 Euro deutlich unterhalb der Erwartung von 18.000 bis 22.000 Euro. Gabriele Münter schuf 1908 den Farbholzschnitt „Schlafendes Kind“ mit einem großen grünen Bett und einem blond gelockten Mädchen. Bequemlichkeit und Wärme garantieren die großen Kissen und die rote Decke, auf der ein Teddybär und Harlekin als Gefährten liegen. Der lyrische Druck ist einer von lediglich sechs Abzügen und verlangte 12.000 Euro (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR).

Skulptur

Bei der Skulptur wusste Ernst Barlachs friedlicher „Singender Mann“ von 1928 keine rechte Begeisterung auszulösen, so dass der posthume Zinkguss von 1940 schon an 50.000 Euro hängen blieb (Taxe 70.000 bis 90.000 EUR). Einträgliche 10.000 Euro mehr konnte dagegen Auguste Rodins ebenfalls posthumer Guss „Jean de Fiennes“ aus den „Bürgern von Calais“ verbuchen. Die Bronze von 1960 wandert nun in die Neue Welt (Taxe 40.000 bis 50.000 EUR). Einen Gewinn auf geringerem Niveau können zudem Emy Roeders zärtliche „Campanische Bergziegen“ von 1948 mit 12.500 Euro verzeichnen (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR). Frech und freudig lacht Max Ernsts Bronze „Cheri Bibi“ den Betrachter an. 1973 ließ er die Arbeit nach einem 1964 geschaffenen Gips gießen. Der lustige Vogelmensch „Bibi“ mit Pagenschnitt muss zwar auf Arme verzichten, doch darf er sie imaginär für die erzielten 13.000 Euro hochreißen (Taxe 9.000 bis 12.000 EUR). Anders als Bibi wirkt Fritz Klimschs „Hockende“ von 1926 nachdenklich. Der leicht gedrehte Frauenakt scheint etwas zu betrachten, das verborgen bleibt. Die kleine Bronze erleichterte das Konto ihres Käufers um handfeste 11.500 Euro (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR). Ewald Matarés elegantes „Tänzelndes Pferd“ nötigte mit seinen arabesken Formen einem deutschen Sammler 44.000 Euro ab (Taxe 35.000 bis 40.000 EUR).

Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Kunsthaus Lempertz

Neumarkt 3

DE-50667 Köln

Telefon:+49 (0221) 92 57 290

Telefax:+49 (0221) 92 57 296

E-Mail: info@lempertz.com



04.07.2017

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/S. Hoffmann

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Ernst Barlach, Der singende Mann, 1928

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