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Shirin Neshat in Tübingen

Die Kunsthalle Türbingen widmet der iranischen Künstlerin Shirin Neshat eine Retrospektive. In ihren Fotografien und Videos thematisiert die 1957 in Qazvin geborene Neshat die Situation von Frauen in muslimischen Gesellschaften ebenso wie die Widersprüche zwischen westlichen und orientalischen Kulturtraditionen. Dies schildert die international agierende Shirin Neshat laut Kunsthallendirektor Holger Kube Ventura in ihrer Kunst mit „poetischer, geheimnisvoller Ambivalenz“. Neben aktuellen Arbeiten sind auch wichtige Werke wie die Schriftfotografien der 1990er Jahre sowie Single- und Multi-Channel-Videoinstallationen zu sehen. Ferner gibt die Ausstellung auch Einblick in Neshats Serien, darunter „The Book of Kings“ von 2012, und in Werke, die erstmals in Europa präsentiert werden.

Shirin Neshat wuchs in einem westlich orientierten Elternhaus auf und besuchte ein katholisches Internat in Teheran. 1979 verließ sie ihre Heimat, um in den USA Kunst an der University of California in Berkeley zu studieren. Zeitgleich wurde der Schah im Iran gestürzt, und Ayatollah Khomeini kam an die Macht. Erst nach dem Tod des Ayatollah kehrte die mittlerweile in New York lebende Künstlerin in den Iran zurück. Das Land hatte sich durch die Revolution verändert, was Neshat zwischen 1993 und 1997 zur schwarz-weißen Fotoserie „Women of Allah“ inspirierte, die sie international bekannt machte. Diese Portraits halten bewaffnete islamische Frauen im verhüllenden Tschador fest. Die unbedeckten Stellen, etwa Füße, Gesicht und Hände, überzog Neshat mit Texten iranischer Lyriker, wie in „Allegiance with Wakefulness“ von 1994. Zwischen den nackten Füßen einer Frau ist ein Gewehrlauf positioniert, wobei auf ihren Fußsohlen die Verse in Farsi geschrieben sind.

Dann wandte sich Shirin Neshat vermehrt der Videoinstallation zu. Ihre Filmtrilogie „Turbulent“, „Rapture“ und „Fervor“ von 1998/2000 gewann den Internationalen Preis der 48. Biennale von Venedig. Es folgte nun die Auseinandersetzung mit westlichen Wertvorstellungen, die sich etwa in der Kooperation mit der Sängerin und Performancekünstlerin Sussan Deyhim äußerten. Eine dritte Phase begann mit der Videoinstallation „Mahdokht“ von 2004, dem ein Jahr später entstandenen „Zarin“, „Faezeh“ von 2008 und den Arbeiten „Munis“ und „Farokh Legha“ von 2009. In „Zarin“ sucht eine Prostituierte im Iran nach einem besseren Leben. Mit ihrem ersten Spielfilm „Women without Men“ aus dem Jahr 2009 gewann die Künstlerin den Silbernen Löwen für die Beste Regie auf den 66. Filmfestspielen in Venedig. Die Verfilmung des gleichnamigen Romans der Autorin Shahrnush Parsipur berichtet von den Schicksalen mehrerer iranischer Frauen zur Zeit des Militärputsches im Jahr 1953.

Die Ausstellung „Shirin Neshat – Frauen in Gesellschaft“ läuft bis zum 29. Oktober. Die Kunsthalle Tübingen hat täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr, dienstags bis 19 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 7 Euro, ermäßigt 5 Euro. Der Katalog kostet 20 Euro, im Buchhandel 29,80 Euro.

Kunsthalle Tübingen
Philosophenweg 76
D-72076 Tübingen

Telefon: +49 (0)7071 – 96 910
Telefax: +49 (0)7071 – 96 91 33

Quelle: Kunstmarkt.com/S. Hoffmann

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