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Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Die Auktion mit Kunst des 19. Jahrhunderts bei Ketterer in München war ein Fest für Franz von Stuck

Und ewig lockt das Weib



Franz von Stuck, Susanna im Bade, um 1913

Franz von Stuck, Susanna im Bade, um 1913

Manchmal versteckt sich der wahre Schuldige einer fragwürdigen Situation hinter der Maske des Gerechten. Dies gilt auch für den Fall der „Susanna im Bade“. Die fromme und verheiratete Susanna, der sich zwei alte Richter lüstern näherten, wusch sich nackt, als sie ihrer Beobachter gewahr wurde. Aus Rachsucht verklagten die Voyeure die schuldlose Susanna des Ehebruchs. Doch dank der göttlichen Eingebung des Propheten Daniel konnte sie beim Gerichtsverfahren ihre Unschuld beweisen: Der Prophet entlarvte die Richter als die eigentlichen Missetäter. Dieses alte biblische Thema beschäftigte Franz von Stuck in den Jahren 1912 und 1913 häufiger. Es existiert fast ein Dutzend Werke der Susanna, wobei der Maler dem Motiv den christlich-religiösen Zusammenhang entzog. Die schöne und nackte Susanna bedeckt ihre Scham und dreht sich beunruhigt nach den zwei Alten um. So wie die Frau präsentiert und positioniert ist, gerahmt durch den an ein Portal erinnernden Badezugang, verweist sie über sich hinaus. Nach Heinrich Voss’ Analyse des Susanna-Themas geht es Franz von Stuck um eine allgemein menschliche, archetypische und symbolische Bedeutung: Den Lockruf des Verbotenen, die Verführung der Erotik und in diesem Fall des sinnlichen Körpers der Frau.


Diesem Sirenengesang fielen so manche Bieter in der Auktion „Kunst des 19. Jahrhunderts“ bei Ketterer zum Opfer. Um Franz von Stucks um 1913 entstandene Susanna-Version kämpfte vor allem Schweizer Handel, der 300.000 Euro aufbieten musste, um die starke Konkurrenz aus Deutschland, Zypern und Großbritannien auf die Plätze zu verweisen (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR). Die Versteigerung vom 24. Mai gestaltete sich sowieso zu einem Fest für den Münchner Malerfürsten. Er belegte die vordersten Plätze und setzte alle vier Arbeiten ab. Das zweitteuerste Gemälde der Auktion war mit 105.000 Euro seine junge Frau im strengen Profil, deren wallendes rot-braun gelocktes Haar ihre Nacktheit verdeckt. Wie Stucks Susanna ist auch sein „Aschenbrödel“ von 1899 der kindlichen Unschuld beraubt und strahlt seine sinnliche Erotik nun in einer britischen Sammlung aus (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR).

Näher an Grimms Märchen agiert Franz von Stuck bei der blonden Königstochter auf dem Gemälde „Es war einmal“ von 1891. Die unschuldig junge Prinzessin unterhält sich in einer golden leuchtenden Abendlandschaft gerade mit dem Froschkönig. Gleichzeitig verweisen das helle Gewand und die Krone schon auf die baldige Braut des Prinzen, die damit ihre Reife erreichen wird. Die quadratische Holztafel ging bei 56.000 Euro wiederum in Schweizer Besitz (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR). Der letzte Stuck war ein um 1912 gemaltes sanftes Pastellbildnis seiner geliebten Tochter Mary im Achteck und reduzierter Farbigkeit, das so manche Begeisterung entfachte und den Hammer erst bei 20.000 Euro fallen ließ (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR).

Ketterer zeigte sich mit der losbezogenen Verkaufsquote von gut 67 Prozent und dem Umsatz von über 1,3 Millionen Euro sehr zufrieden. Einige Wermutstropfen gab es dennoch. Für die war vor allem Ferdinand Georg Waldmüller zuständig. Weder sein liebevolles Genrebild „Ein alter Invalide mit drei Kindern“ von 1827 (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR), noch sein stiller „Landweg mit altem Bauerngehöft“ um 1850 fanden einen Abnehmer (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR). Franz von Defreggers „Zwei junge Dirndl mit Rechen und Sichel“ aus den 1890er Jahren mussten ebenfalls unverrichteter Dinge wieder ihren Heimweg antreten (Taxe 14.000 bis 18.000 EUR). Seine 1909 datierte, in die Musik vertiefte Zitherspielerin, der ein Bub und ein Mädchen andächtig lauschen, kam wenigstens auf 18.000 Euro (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR). Das strahlende Gesicht einer lächelnden Kleinen mit Puppe auf dem Schoß erleichterte das Konto eines Bieters um 17.000 Euro (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR).

Einen großen Sieg trug Friedrich Kallmorgens „Die Schule ist aus“ davon. 1916 malte der gebürtige Hamburger einige Mädchen, die entlang eines Flusses nach Hause laufen. Das schlichte Motiv führte zu einem Hagel der Gebote, die beinahe eine zehnfache Steigerung herbeiführten. Ein norddeutscher Sammler stoppte sie erst bei 50.000 Euro (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR). Kallmorgens vollends bildmäßig erstellter „Taufgang“ einer Familie an einem Frühlingstag des Jahres 1887 blieb an seiner unteren Schätzgrenze von 15.000 Euro stecken. So manches Bild musste sich sogar mit einem Wert unterhalb der Erwartungen begnügen. Dazu gehörten Alexander Koesters sieben weiße „Enten am Boden lagernd“. Das Ölgemälde um 1905/05 erwirtschaftete nur 14.000 Euro (Taxe 18.000 bis 24.000 EUR). Im schlankeren Portemonnaie-Bereich bewegte sich Carl Rottmanns Zeichnung des Küstenstreifens mit der Stadt „Scilla“ in Kalabrien von 1830/32. Die feine Arbeit wechselte bereits für 600 Euro den Besitzer (Taxe 1.000 bis 1.500 EUR). Selbiges Schicksal erfuhr Franz von Lenbachs Portrait „Helmut Graf von Moltke“. Diese Version im strengen Profil aus dem Jahr 1886 erspielte 3.800 Euro (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR). Dafür platzierte sich kurz danach Albert von Kellers Kopfstück der jungen „Altdeutschen Frau“ von 1884 bei 3.400 Euro (Taxe 1.000 bis 1.500 EUR).

Formeller und repräsentativer wirkt das Portrait der „Königin Therese von Bayern“ aus dem Jahr 1855. Josef Karl Stieler hielt die in ein kostbares dunkelgrünes Samtgewand mit reicher gold-weißer Bordüre gekleidete Schwiegertochter von König Maximilian I. von Bayern fest. Das schöne Gesicht rahmen dunkle Locken samt einem feinen Kopftuch. Die mit Perlen geschmückte Monarchin sicherte sich eine bayerische Institution für 54.000 Euro (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR). Auch mit der Landschaftsmalerei ließ sich einiges Geld verdienen. Das bewies bei Ketterer vor allem Edward Theodore Compton, der die Kunden in die Bergwelt der Dolomiten entführte. An seinen braunen zerklüfteten Felsen, einzig aufgelockert durch das partielle Weiß des Schnees, in der „Ansicht der Marmolata vom Piz Boè aus“ von 1917 erfreut sich nun bei 20.000 Euro ein Londoner Interessent. 3.000 Euro günstiger war der Erwerb von Comptons „Blick auf die Nordseite des Großglockners“ von 1919 (Taxe je 12.000 bis 15.000 EUR).

Doch auch Alois Flad überzeugte die Kunden mit seiner stimmungsvoll aquarellierten Ansicht des Klosters Schäftlarn von 1838 bei 5.800 Euro (Taxe 900 EUR), ebenso der Däne Thorald Læssøe mit seinem menschenleeren, aber sonnenüberfluteten Erechtheion-Tempel auf der Akropolis in Athen um 1850 bei 9.500 Euro (Taxe 3.500 bis 4.500 EUR). Für Carl Friedrich Heinrich Werners Aquarell einer Tänzerin mit Kastagnetten in der Alhambra von Granada aus dem Jahr 1856 blieben gute 3.600 Euro übrig (Taxe 800 EUR). Zurück ins Bayrische ging es mit Josef Wopfner, dessen Landschaften insbesondere vom Chiemsee geprägt sind. Charakteristisch, wie auch im „Fischerzug am Chiemsee“ um 1910/15, ist seine Vorliebe für Rückenfiguren. Die Fischer hantieren mit einem Netz im Wasser und scheinen sich der Gegenwart des Malers nicht bewusst zu sein. Hinter ihnen öffnet sich der weite und silbrig glänzende See mit den Bergen als Abschluss. Der Ruhe der Natur ist ein aufgewühlter Himmel mit grauen, teils weißen aufgerissenen Wolken entgegengesetzt. Das effektvolle Werk sicherte sich 17.500 Euro (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR).

Einen Wirbelwind aus energischen Pinselstrichen in Grüntönen im Kontrast zum kühlen Blau des Wassers und Himmels offerierte Karl Hagemeisters „Märkische Seenlandschaft“ von 1887. Einem Bieter aus der brandenburgischen Heimat des Malers war die Leinwand 31.000 Euro wert (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR). Beinahe pointilistisches Flirren des Grases in einer Landschaft mit kahlen Bäumen nutzte um 1894/95 Paul Baum für sein schlichtes Motiv „Waldrand im Vorfrühling“. Es mag das gekonnt eingefangene Licht des beinahe weißen Himmels und die Strahlkraft des Weges gewesen sein, die zur Verdoppelung des Werts auf 15.500 Euro führten (Taxe 7.000 bis 9.000 EUR). Ein ähnliches Flimmern geht von der sommerlichen Natur in Heinrich von Zügels „Schafherde mit Hirtin im schattigen Hohlweg“ aus den 1920er Jahren aus, die sich von 6.000 Euro auf 11.000 Euro verbesserte.

Nicht unbeachtet blieb ferner Christian Friedrich Gilles unprätentiöse Studie mit hohen Nadelbäumen im grünen Walddickicht um 1855/60 bei 8.000 Euro (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR). Erfolgreich ging zudem Hans Thomas symbolträchtige Landschaft „Sonnenuntergang am Oberrhein“ von 1916 ins Rennen. Der überhöhten Rolle der Natur mit goldenem Wasser und einem ungewöhnlich dichten Laubwald ordnet Thoma einen Knaben zu, der sichtlich beeindruckt das Geschehen beobachtet. Das auf Holz gemalte Ölbild passierte die Endgerade bei 13.000 Euro (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR). Faszinierend in der detailreichen und nuancierten Ausführung ist der Schuppenschild des „Testudo Imbricata“, den der Naturalienmaler Franz Anton von Scheidel wohl in den 1770/90er Jahren kunstvoll als Aquarell verewigte. Seine Mühe wurde prompt mit 2.600 Euro belohnt (Taxe 800 EUR).

Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Ketterer Kunst

Joseph-Wild-Straße 18

DE-81829 München

Telefon:+49 (089) 552 440

Telefax:+49 (089) 552 441 66

E-Mail: infomuenchen@kettererkunst.de



11.07.2017

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/S. Hoffmann

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