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Vor 70 Jahren verstarb mit Adolf Erbslöh ein engagierter Manager der Künstler des Blauen Reiters. Als Maler waren revolutionäre Neuerungen aber nicht sein Ziel. Nun beleuchtet eine Ausstellung in Wuppertal seine Rollen

Macher der Moderne



Adolf Erbslöh, Der elterliche Garten in Barmen, 1912

Adolf Erbslöh, Der elterliche Garten in Barmen, 1912

Die Weltgewandtheit von Adolf Erbslöh deutet schon der Geburtsort New York City an. Der Spross einer Wuppertaler Kaufmannsfamilie erblickt hier am 27. Mai 1881 das Licht der Welt. Als Sechsjähriger kehrt er samt Familie ins heimatliche Barmen zurück. Nach dem Schulabschluss und zahlreichen Auslandsaufenthalten studiert er ab 1901 an der eher traditionell eingestellten Karlsruher Kunstakademie Malerei. Seine Ausbildung setzt er ab 1904 an der privaten Malschule von Moritz Weinholdt und der Akademie für Bildende Künste in München fort. Nach der Eheschließung im Jahr 1907 mit Adeline Schuchard, Kind einer gleichfalls sehr vermögenden Barmer Kaufmannsfamilie, kann er nun in München einen standesgemäßen großbürgerlichen Haushalt mit Atelier aufziehen. Aktbilder, für die ihm seine Frau Modell steht, Porträts, Genrebilder und Landschaften folgen ersten akademischen Anfängen im spätimpressionistischen Duktus. In dieser frühen Zeit klingen auch Elemente des Jugendstil nach; zudem versucht sich Erbslöh im Pointillismus, bleibt aber dem eher konservativen Charakterzug der Münchner Scholle-Maler verhaftet.


Ein Wendepunkt im Leben und Wirken zeichnet sich 1908 ab. Im November lernt Erbslöh Marianne von Werefkin, ihren Lebensgefährten Alexej von Jawlensky und Wladimir Bechtejeff kennen. In einer Aufbruchsstimmung entsteht die Idee, einen Künstlerverein als Ausstellungsplattform zu gründen. Am 22. März 1909 ist das Vorhaben mit der Eintragung der „Neuen Künstlervereinigung München“ (N.K.V.M.) ins Vereinsregister komplett. Zu den genannten gesellen sich Wassily Kandinsky, Karl Hofer, Alexander Kanoldt, Alfred Kubin, Gabriele Münter sowie weitere Nicht-Künstler als Gründungsmitglieder. Im Jahr 1910 finden bereits die ersten beiden Ausstellungen der Gruppe statt. Die Erstpräsentation in der Münchener Galerie Thannhauser ist dank weitreichender Kontakte Erbslöhs in anderen Städten zu sehen, darunter auch in Elberfeld und Barmen.

Im Januar 1911 wird Erbslöh Nachfolger von Kandinsky als erster Vorsitzender. Denn dieses Jahr ist geprägt von Differenzen unter den Vereinsmitgliedern, die in einem Streit um die Bildeinlieferung von Kandinskys Werk „Composition V“ eskalieren. In der Folge treten Kandinsky, Münter und Franz Marc aus der N.K.V.M. aus. Nunmehr erweist sich die Vereinigung klarer denn je als Vorspiel einer neuen, bedeutenderen Künstlergemeinschaft. Nach dem von Marc und Kandinsky herausgegebenen Almanach „Der Blaue Reiter“ benannt, stellt sich diese neue Gruppe erstmals ab dem 18. Dezember 1911 mit einer Ausstellung in der Galerie Thannhauser der Öffentlichkeit vor, übrigens zeitgleich mit der dritten Schau der alten „Neuen Künstlervereinigung München“.

In all den Jahren erweist sich Adolf Erbslöh als generöser Unterstützer jedweder Aktivitäten. Oft kauft er Bilder seiner Malerkollegen. Als einer der ersten in Deutschland erwirbt er im Jahr 1910 ein Werk Pablo Picassos, das „Stillleben mit Blumenstrauß“ von 1908. Um 1911 gründet Erbslöh zusammen mit Oscar Wittenstein die Flugwerk Deutschland GmbH in München, der allerdings kein Erfolg beschieden ist. Fortan beschäftigt sich Erbslöh wieder verstärkt mit der Malerei, so als Kriegsmaler während seiner Soldatenzeit im Ersten Weltkrieg zwischen 1915 und 1918. An der ersten Expressionistenausstellung in der wiedereröffneten Galerie Flechtheim in Düsseldorf kann er bereits im Jahr 1919 teilnehmen. Mit der Austragung der N.K.V.M. aus dem Münchner Vereinsregister im Folgejahr ist dieses Kapitel dann auch formal abgeschlossen. Bis 1934 reist Erbslöh viel, teils bis nach Südamerika. Danach schlägt er sein Quartier nicht zuletzt bedingt durch Einflussnahmen seitens der neuen politischen Machthaber in Irschenhausen im Isartal auf. Auf seinem Landsitz zieht er sich gesellschaftlich und künstlerisch vollends ins Private zurück. Am 2. Mai 1947 stirbt Adolf Erbslöh in München.

Das Von der Heydt-Museum in Wuppertal nimmt Erbslöhs 70. Todestag zum Anlass für eine chronologische Übersichtsschau und hat dazu 55 Ölbilder sowie 45 Arbeiten auf Papier versammelt, denen 60 Werke befreundeter Künstler dialogisch zur Seiten gestellt sind. Dabei wird deutlich, wie Erbslöh um 1910 seinen Stil, seine Themen und Motive findet, allerdings ohne einen revolutionären Geist zu entwickeln. Konstruktive Werke von Georges Braque und Picasso sowie abstrahierte Landschaften oder großflächige Frauenakte von Malern wie André Derain oder Pierre-Paul Girieud leiten Erbslöh zu einer eigenständigen kraftvollen Malweise, die in den nächsten Jahrzehnten vorherrscht. Um 1909/10 geschaffene Einzelfiguren gehören zu Erbslöhs wichtigsten und fortschrittlichsten Werken. In den beiden Gemälden „Mädchen mit rotem Rock“ und „Der rote Rock“ ist formal reduziertes, von sattem, dunkel abgetöntem Kolorit aufgewühltes Gepräge eindeutig im Expressionismus verhaftet.

Aus einem moderaten Kubismus und einem farbglühenden Expressionismus entwickelt Adolf Erbslöh dann einen ihm eigenen, von nüchterner Sachlichkeit und Empathie geprägten Stil. Zu den Leitbildern gehört Paul Cézanne, als weiterer Wegweiser gesellt sich Hans von Marées hinzu. Während Kandinsky Gegenständliches völlig tilgt, Jawlensky Porträts in Linien zerlegt und Marc die Unmittelbarkeit im bildnerischen Ausdruck betont, verharrt Erbslöh in einer gemäßigten Lyrik der Natur. In dunkel leuchtenden, blauvioletten Farben gestaltet er alpine Gebirgslandschaften. Breite Flächen münden in Spitzen, die 1912 bei Ansichten vom elterlichen Garten in schwellende, schwungvoll ineinander gleitende Formen übergehen. Dem Pendeln zwischen realem und innerem Erleben bleibt ein teils starrer Bildaufbau geschuldet.

In geradezu idealisierenden, teils idyllischen Ansichten hält er während der Kriegs bis 1918 fürchterliche Geschehnisse fest. Seine realitätsfernen Gegenbilder, die emotional distanziert und weit entfernt vom brutalen Kriegsgeschehen entstehen, sind von starken Hell-Dunkel-Kontrasten geprägt. Nach dem Krieg scheint sich Adolf Erbslöh von der avantgardistischen Künstlerschaft zu distanzieren. Seine Kunst wird ruhiger, er knüpft mit seiner Serie kristalliner Bilder wieder an den Kubismus an. Nachfolgende Naturszenen zeigen verschachtelte, mit Licht- und Schattenzonen verknappte Flächen, die Nah- und Fernsicht perspektivisch zusammenziehen. Kühl und distanziert die Oberflächen abtastende Landschaften und Porträts sind der Neuen Sachlichkeit zuzuordnen. Je mehr sich die Zeit auf die 1930er Jahre zubewegt, desto stärker sind Erbslöhs Bilder braun und dunkel abgetönt. Bei aller rationalen Sachlichkeit und versteckten Rhythmik der Landschaften, Porträts und Stillleben wird sein Bemühen ersichtlich, klare Gefüge als Mittel der Harmonie zu schaffen.

Die Ausstellung „Adolf Erbslöh – Der Avantgardemacher“ ist bis zum 20. August zu sehen. Das Von der Heydt-Museum hat täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr, donnerstags bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 12 Euro, ermäßigt 10 Euro. Zur Ausstellung ist ein Katalog zum Preis von 25 Euro erschienen.

Kontakt:

Von der Heydt-Museum

Turmhof 8

DE-42103 Wuppertal

Telefon:+49 (0202) 56 36 23 1

Telefax:+49 (0202) 56 38 09 1

E-Mail: von-der-heydt-museum@stadt.wuppertal.de



17.07.2017

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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11.04.2017, Adolf Erbslöh - Der Avantgardemacher

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Von der Heydt-Museum

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Adolf Erbslöh, Winter (Blick aus der Wohnung des Künstlers in der
 Königinnenstr., München), 1910
Adolf Erbslöh, Winter (Blick aus der Wohnung des Künstlers in der Königinnenstr., München), 1910

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Adolf Erbslöh, Straße mit Neubauten, 1910
Adolf Erbslöh, Straße mit Neubauten, 1910

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Adolf Erbslöh, Selbstbildnis, 1928
Adolf Erbslöh, Selbstbildnis, 1928

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Adolf Erbslöh, Schwebebahn, 1912
Adolf Erbslöh, Schwebebahn, 1912

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Franz Marc, Schöpfung der Pferde, 1913
Franz Marc, Schöpfung der Pferde, 1913

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Adolf Erbslöh, Mädchen mit rotem Rock, 1910
Adolf Erbslöh, Mädchen mit rotem Rock, 1910

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Adolf Erbslöh, Kirchdorf (Bigge in Westfalen), 1921
Adolf Erbslöh, Kirchdorf (Bigge in Westfalen), 1921







Adolf Erbslöh, Winter (Blick aus der Wohnung des Künstlers in der Königinnenstr., München), 1910

Adolf Erbslöh, Winter (Blick aus der Wohnung des Künstlers in der Königinnenstr., München), 1910

Adolf Erbslöh, Straße mit Neubauten, 1910

Adolf Erbslöh, Straße mit Neubauten, 1910

Adolf Erbslöh, Selbstbildnis, 1928

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Adolf Erbslöh, Schwebebahn, 1912

Adolf Erbslöh, Schwebebahn, 1912

Franz Marc, Schöpfung der Pferde, 1913

Franz Marc, Schöpfung der Pferde, 1913

Adolf Erbslöh, Mädchen mit rotem Rock, 1910

Adolf Erbslöh, Mädchen mit rotem Rock, 1910

Adolf Erbslöh, Kirchdorf (Bigge in Westfalen), 1921

Adolf Erbslöh, Kirchdorf (Bigge in Westfalen), 1921

Wassily Kandinsky, Sintflut, 1912

Wassily Kandinsky, Sintflut, 1912

Adolf Erbslöh, Haus im Garten, 1912

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Adolf Erbslöh, Callas, 1924

Adolf Erbslöh, Callas, 1924

Erma Bossi, Tänzerin in Rot, 1909

Erma Bossi, Tänzerin in Rot, 1909

Adolf Erbslöh, Zerschossener Wald, um 1917

Adolf Erbslöh, Zerschossener Wald, um 1917




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