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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Neuer Rekordpreis für Max Beckmann bei Christie’s in London

Verstörende Höllenvision



In kräftigen Farben präsentieren sich die großen, mit Messern bewaffneten Vögel und ebenso eine vierbrüstige Frau, die gerade aus einem Ei hervorkommt und grüßend den Arm hochstreckt. Dieser Geste antwortet eine Gruppe grüner Menschen im Hintergrund mit der gleichen Bewegung. Vorne liegt ein nackter Mann bäuchlings und gefesselt auf einer Holzbank, dem von einem orange-blauen Vogel Verletzungen zugefügt werden. Das zeitpolitisch inspirierte Bild, das als Allegorie auf den Nationalsozialismus und dessen Opfer gewertet wird, entstand, als Max Beckmann Deutschland im Sommer 1937 verließ und ins Exil nach Amsterdam ging. Ein Jahr später vollendete er es in Paris. Die albtraumhafte Folterszene aus der Sammlung des Kunsthändlers Richard Feigen war mit einer Erwartung von 30 Millionen Pfund das Starlos der Auktion „Impressionist and Modern Art“ bei Christie’s in London und hielt ihr Versprechen ein. Mit einem Zuschlag von 32 Millionen Pfund, die der Galerist Larry Gagosian wohl im Auftrag des Kunstsammlers Leon Black bewilligte, ist Beckmanns monströse „Hölle der Vögel“ nicht nur das teuerste Gemälde in seinem Schaffen, sondern auch das bestbezahlte Kunstwerk des deutschen Expressionismus überhaupt.


Den zweithöchsten Preis verzeichnete am 27. Juni Pablo Picassos Portrait „Femme écrivant (Marie-Thérèse)“ von 1934. Vor einem Fenster sitzt die damalige Geliebte des Malers mit entblößten Brüsten und schreibt einen Brief. Die farbenfrohe Komposition zeichnet sich durch die für den Kubismus charakteristische Mehransichtigkeit aus, die vor allem bei dem Gesicht der Portraitierten zum Einsatz kommt. Stolze 31 Millionen Pfund erwirtschaftete die Arbeit aus einer europäischen Privatsammlung (Taxe 25 bis 40 Millionen GBP). Die losbezogene Zuschlagsquote von 94 Prozent verrät den Erfolg der Auktion mit impressionistischer und moderner Kunst, und auch der Bruttoumsatz von 149,5 Millionen Pfund kann wieder sich sehen lassen. Lag er doch im vergangenen Jahr bei schwachen 25,6 Millionen Pfund. So lief die Londoner Sommersaison für Christie’s deutlich einträglicher und konnte wieder an das strake Jahr 2010 anknüpfen.

Impressionismus und Moderne Kunst

Doch ein kleiner Wermutstropfen blieb: Ein weiteres Spitzenobjekt hätte Egon Schieles Ölgemälde „Einzelne Häuser (Häuser mit Bergen)“ von 1915 werden sollen, doch für einen Preis von 20 bis 30 Millionen Pfund zeigten sich die Bieter nicht interessiert. Auch bei Claude Monets Blick in das dichte, fast abstrakte Grün von „Saule pleureur“ von 1918/19 stoppten die Gebote bereits bei unerwartet niedrigen 7,8 Millionen Pfund (Taxe 15 bis 25 Millionen GBP). Dafür verabschiedete sich seine sommerliche Meeresansicht „Le chemin creux“ von 1882 bei guten 4,9 Millionen Pfund (Taxe 2 bis 3 Millionen GBP). Monets dritte Arbeit stellt nun für 1,5 Millionen Pfund eine idyllische, leicht diesige Landschaft mit der Seine und den Hängen von Chantemesle aus dem Jahr 1880 vor (Taxe 1,2 bis 1,8 Millionen GBP). Bietfreude kam bei Vincent van Gogh und seinem „Moissonneur (d’après Millet)“ von 1889 auf. Bei der Rückenansicht des Schnitter mit Sense in satten Gelb- und Blautönen setzte sich ein amerikanischer Sammler am Telefon erst bei 21,5 Millionen Pfund durch (Taxe 12,5 bis 16,5 Millionen GBP).

Für eine Loslösung vom Impressionismus trat Henri Matisse ein, der neben André Derain als Wegbereiter und Hauptvertreter des Fauvismus gilt. Sein weiblicher Akt „Nu sur fond rouge“ von 1922 posiert selbstbewusst vor einer roten gemusterten Wand und erleichterte das Konto des Käufers um 3,8 Millionen Pfund (Taxe 4 bis 6 Millionen GBP). Auf Platz 5 der Top Ten-Liste platzierte sich Amedeo Modiglianis von der afrikanischen Kunst inspirierte „Cariatide“. Zum unteren Schätzwert von 6 Millionen Pfund wechselte der stilisierte weibliche Akt aus dem Jahr 1913 nun den Besitzer. Wie in einem Traum erscheint Marc Chagalls „Le paradis“ von 1978. Die schwebenden Gestalten mit Engel, Menschenpaar und vielen Tieren in Blau, Rot, Grün und wenigen gelben Akzenten konnten 2,45 Millionen Pfund verbuchen (Taxe 2,5 bis 3,5 Millionen GBP).

Die Nachfrage nach deutscher Kunst war gemischt. Alexej von Jawlenskys ausdrucksstarkes und buntes Gesichtsbild der „Infantin (Spanierin)“ von 1912/13 ergatterte sich ein Käufer für 2,7 Millionen Pfund (Taxe 2,5 bis 3,5 Millionen GBP). Mit einem Zuschlag von taxgerechten 3,5 Millionen Pfund positionierte sich Wassily Kandinskys farbfreudige Stadtvedute „Weilheim – Marienplatz“ von 1909 ebenfalls unter den ersten Zehn (Taxe 3,5 bis 5,5 Millionen GBP). Dagegen kamen Emil Noldes in Grün und Rot getränkte, pastos gemalte „Friesenhäuser III“ von 1910 nicht über 750.000 Pfund hinaus; mindestens 800.000 Pfund hätten es schon sein sollen. Bei Max Liebermann und seinem charakteristischen „Reiter am Strand nach links“ von 1900 bleiben die Gebote mit einer Schätzung von 250.000 bis 350.000 Pfund vollständig aus. Dafür gehörte Hannah Höch zu den Siegerinnen der Versteigerung. Ihr kubistisch inspiriertes, marktfrisches Gemälde „Frau und Saturn“ von 1922 – vielleicht eine Anspielung auf das Ende der Beziehung mit Raoul Hausmann – reüssierte zum neuen Rekordpreis von 900.000 Pfund (Taxe 400.000 bis 600.000 GBP).

Auch die gegenstandslose Moderne fand ihre Liebhaber, etwa Georges Vantongerloo. Der De Stijl-Künstler stellte 1930 auf seiner Leinwand „Composition dans le carré avec couleurs jaune-vert-bleu-indigo-orangé“ einfarbige Rechtecke ohne Diagonalen und damit ohne Tiefenstaffelung zu einer quadratischen Komposition zusammen und heimste damit ebenfalls 900.000 Pfund ein – auch hier der neue Spitzenwert in seinem Auktionsranking (Taxe 350.000 bis 450.000 GBP). Auch zwei gegenstandslose Kunstwerke, die Christie’s sonst bei der Nachkriegskunst einordnet, listete der Katalog. Jean-Paul Riopelles kleinteilig gespachteltes Farbgewirr „Profil d’orage“ von 1956 traf mit 800.000 Pfund in etwa die Mitte des Schätzrahmen, ebenso wie Lucio Fontanas strahlend rote Leinwand „Concetto spaziale, Attese“ von 1964. Am Ende fuhr das Schnittbild des italienischen Avantgardekünstlers 1,2 Millionen Pfund ein (Taxe 900.000 bis 1,4 Millionen GBP).

Britische und irische Kunst der Moderne

Bereits am 26. Juni stand bei Christie’s die Versteigerung „Modern British & Irish Art“ auf dem Programm. Mit einer losbezogenen Zuschlagsquote von 69 Prozent und einem Umsatz von 20,2 Millionen Pfund verlief sie nicht ganz so erfolgreich wie die der impressionistischen und modernen Kunst, doch auch hier gab es einige hohe Zuschläge. Besonders begehrt waren die Bronzeskulpturen von Henry Moore und Barbara Hepworth. So erfuhr Moores grün patinierte „Family Group“ mit Eltern und zwei Kindern von 1946 eine Wertzuwachs von 1,5 Millionen Pfund auf 3,3 Millionen Pfund und wurde damit zum Spitzenobjekt der Auktion. Dicht folgt der Vierergruppe die abstrakte Bronze „Curved Form (Bryher II)“ der bedeutenden Bildhauerin. Hepworths elegante Form von 1961 fand für 2,8 Millionen Pfund einen Abnehmer (Taxe 1,5 bis 2,5 Millionen GBP). Für einträgliche 660.000 Pfund gab es die ähnliche, aber mit 56 Zentimetern nur ein Viertel so hohe Bronze „Curved Form (Bryher)“, die Hepworth 1961 noch mit Fäden verspannt hat (Taxe 200.000 bis 300.000 GBP). Etwas komplexer ist da ihre „Oval Form (Trezion)“ aus dem Jahr 1963, die mit 550.000 Pfund unter den Erwartungen von 600.000 bis 800.000 Pfund blieb.

Bei Henry Moore erreichte die stilisierte Frauenskulptur „Seated Woman“ mit einem Zuschlagswert von 580.000 Pfund ebenfalls die untere Schätzgrenze von 600.000 Pfund nicht. Um einiges farbenfroher ist das aus geometrischen Versatzstücken konstruierte Stahlobjekt „London“ von Anthony Caro, das er 1966 mit roter Farbe anmalte. Taxkonforme 500.000 Pfund kostete die Arbeit aus der Tuttleman Collection. Aus der großen britischen Bildhauertradition des 20. Jahrhunderts kamen etwa noch William Turnbull mit seiner schlanken, auf wenige Merkmale reduzierten „Female“ von 1989 für 410.000 Pfund (Taxe 200.000 bis 300.000 GBP), Kenneth Armitage mit seiner alle Viere von sich streckenden „Sprawling Woman“ von 1957 für 110.000 Pfund (Taxe 120.000 bis 180.000 GBP) oder Lynn Chadwick mit seiner kantigen Figruenbronze „First Girl Sitting on Bench“ von 1988 für 220.000 Pfund zum Zug (Taxe 200.000 bis 300.000 GBP).

Bei den Gemälden erzielte Sean Scullys Farbbahnenbild „Wall of Light Pink Pink“ von 2011 mit 650.000 Pfund den Höchstpreis. Viel einladender erscheint eine grüne Hügellandschaft von Stanley Spencer. Die 1940 fast fotorealistisch gemalte „Landscape, Gloucestershire“ lädt den Betrachter ein, seinen Blick über die Wiesen, Felder und Wälder schweifen zu lassen. 620.000 Pfund war einem Bieter diese Aussicht wert (Taxe je 600.000 bis 800.000 GBP). Eine belebte Hafenszene gab es von Laurence Stephen Lowry, der für seine Stadtlandschaften mit vielen kleinen Figuren bekannt ist. „The Estuary“ von 1944 erreichte mit 500.000 Pfund nicht ganz den Schätzwert von 600.000 bis 800.000 Pfund. Einen neuen Spitzenpreise für eine Zeichnung Lowrys warf dann sein mit stilisierten Figuren überbevölkerter „Station Platform“ von 1939 mit 220.000 Pfund ab (Taxe 120.000 bis 180.000 GBP).

Rekordträchtig waren zudem die 230.000 Pfund für Henry Lambs noch recht klassisches, stilles „Portrait of Edie McNeill“ vor neutralem grünem Hintergrund aus dem Jahr 1909 (Taxe 100.000 bis 150.000 GBP) und die 270.000 Pfund für Victor Pasmores minimalistische Abstraktion „Linear Motif in Black and White“ von 1960/61 (Taxe 120.000 bis 180.000 GBP). Ein Stillleben stellte Ben Nicholson zur Verfügung, den es 1932 nach London zog, wo er unter anderem mit Piet Mondrian in Kontakt kam. Seine abstrahierte Gitarre in matten Brauntönen entstand im Jahr des Umzugs und ging für 500.000 Pfund über den Tisch (Taxe 500.000 bis 800.000 GBP). Der Jüngste im Bunde der Briten war Nic Fiddian Green, der vor allem für seine realistischen Pferdeköpfe bekannt ist. Die bronzene, auf ihren Nüstern stehende, überlebensgroße Variante „Still Water“ von 2015 besetzt nun mit 170.000 Pfund den ersten Platz im Auktionsranking des 1963 geborenen Bildhauers (Taxe 150.000 bis 250.000 GBP).

Alle Preise verstehen sich als Zuschläge ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Christie’s

8 King Street, St. James’s

GB-SW1Y 6QT London

Telefon:+44 (020) 78 39 90 60

Telefax:+44 (020) 78 39 83 26

E-Mail: info@christies.com



25.07.2017

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Maren Janka Hopp

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