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Aktuellzum Archiv:Ausstellung

Die alte Dom- und Residenzstadt Zeitz wird heuer 1050 Jahre alt. Der letzte hier residierende katholische Bischof Julius Pflug (1499-1564) gilt als Vordenker der Ökumene. Eine große kunsthistorische Schau ruft beides in Erinnerung.

Hochkultur im vergessenen Winkel



Bildnis des Bischofs Julius Pflug, unbekannter Meister, um 1568

Bildnis des Bischofs Julius Pflug, unbekannter Meister, um 1568

Es waren bewegte, unsichere Zeiten. Anfang 1541 wählte das Naumburger Domkapitel Julius Pflug zum neuen Bischof. Der Reformator Martin Luther setzte mit dem Theologen Nikolaus von Amsdorf einen Vertrauten als Gegenspieler ein. Gegen den Widerstand des Domkapitels ordinierte ihn der greise Reformator im Januar 1542 im Naumburger Dom zum ersten lutherischen Bischof der Welt. Doch durch unkluges Agieren schuf er sich viele Gegner. Im Zuge der Niederlage der Protestanten im Schmalkaldischen Krieg 1546/47 musste Amsdorf nach Eisenach fliehen. Jetzt konnte Julius Pflug das Bischofsamt antreten. Der überaus gebildete, europaweit vernetzte Humanist mit engen Kontakten zu Philipp Melanchthon und vielen anderen Gelehrten beriet Papst und Kaiser als allseits hoch respektierter Vermittler zwischen den Religionen. Als Landesherr und Bischof agierte er über eine weitgehend schon evangelische Bevölkerung, war aber stets um Schlichtung, Ausgleich und kirchliche Einheit bemüht. Dies brachte ihn den Ruf als Wegbereiter der Ökumene ein. Mit seinem Tod am 3. September 1564 in Zeitz endete nach 600 Jahren der Bestand des Bistums Naumburg-Zeitz.


An Julius Pflugs Wirken im „Dialog der Konfessionen“ sowie die Bistums- und Stadtgeschichte erinnert jetzt eine facettenreiche Schau auf der Moritzburg in Zeitz mit rund 250 kunst- und kulturgeschichtlich Objekten. Vor 1050 Jahren, auf der Synode von Ravenna im Jahr 967, wurde Zeitz erstmals urkundlich erwähnt. Hier beschlossen Kaiser Otto I. und Papst Johannes XIII. zwecks Christianisierung der slawischen Bevölkerung die Gründung des Bistums Zeitz. 968 trat der Benediktinermönch Hugo das Amt als erster Bischof an. Der Burgberg diente fortan als Bischofssitz. Zugleich begann man hier mit dem Bau der Kathedrale St. Peter und Paul. Erst ins Jahr 1028 datiert die Verlegung des Bischofssitzes nach Naumburg. Die Burg blieb aber Wohnsitz des Bischofs, ab 1285 residierte er hier dauerhaft und gründete ein Kollegiatsstift.

Das Ensemble von Dom und Burg erlitt 1644 durch schwedische Truppen starke Zerstörungen und wurde vom fürstlich-sächsischen Landbaumeister Johann Moritz Richter als Residenzschloss wieder aufgebaut. Im Jahr 1656 nämlich war Zeitz zur Hauptstadt des Herzogtums Sachsen-Zeitz aufgestiegen. Die Türme des Domes wurden abgetragen. Fortan diente die gotische Hallenkirche als Schlosskapelle und fürstliche Grablege. Das auf alten Bastionen hoch über den Niederungen der Weißen Elster errichte Residenzschloss Moritzburg zählt heute zu den zu den stattlichsten Dreiflügelanlagen des frühen Barock. Nach Erlöschen der Linie Sachsen-Zeitz im Jahr 1718 fiel das Schloss an Kursachsen zurück. Mit dem Wiener Kongress ging Zeitz dann an Preußen über.

Der zentrale Ausstellungsteil im Hauptflügel des Schlosses beleuchtet die 65 Lebensjahre von Julius Pflug. Hochrangige Persönlichkeiten seiner Zeit, mit denen er in engem Kontakt stand, darunter Bischöfe, Päpste, Fürsten und Gelehrte wie Erasmus von Rotterdam oder Martin Luther, durchziehen in der Form von Porträtbildnissen, Plastiken und Reliefs die Auswahl, bereichert durch liturgisches Gerät, persönliche Aufzeichnungen oder Gegenstände aus seiner Familie. Glanzstück dürfte ein aufwendig mit geätztem und punziertem Dekor versehener Harnisch für den Turnier- und Feldgebrauch aus den Jahren um 1540 sein. Der Aufriss der 1393 errichteten Hauskapelle und Grablege der Familie an der Leipziger Universitätskirche unterstreicht die beherrschende Stellung von Pflugs Sippe.

Unter den Urkunden und Dokumenten, wie Pflugs Kirchenordnung für das Bistum, überraschen seine als Leipziger Student gefertigten Mitschriften. Nicht ohne Talent hat er sie mit kleinen Skizzen illustriert, die humorvoll seine Freude dokumentieren. Weiteres Schmunzeln mögen heute auch protestantische Spottmedaillen entfachen. Die aus dem Metall eingeschmolzener katholischer Messkelche gefertigten Plaketten überführen mittels Drehungen Papstbildnisse in Teufelsköpfe und veranschaulichen die heftigen Polemiken der Reformationszeit. Als einer der Höhepunkte der Leistungen des Scriptoriums des Klosters Bosau bei Zeitz gilt die 1168/80 mit feinen Silhouetten und Rankeninitialen gefertigte Prachthandschrift „De civitate Dei“ von Augustinus. Am Ende steht das 1568 von einem unbekannten Meister geschaffene Epitaph des Bischofs.

In den Parcours einbezogen ist die Fürstenloge des Doms, von der sich ein Blick in das prachtvolle Innere der heute als katholische Pfarrkirche dienenden Kathedrale bietet. Im angrenzenden Christophorusgewölbe wird die Volksfrömmigkeit am Beispiel sakraler Stücke visualisiert, etwa der Pankratius Grueber zugeschriebenen Johannesschüssel aus dem Jahr 1509 oder des qualitätvollen Altarretabels aus der Naumburger Othmarskirche von 1518 mit individuell und scharf charakterisierten Hauptfiguren. Den letzten Ausstellungsteil im Torhaus verketteten die Kuratoren mit der hier ansässigen Zeitzer Stiftsbibliothek. Herzstück der einzigartigen Bestände ist der für die Reformations- und Kulturgeschichte so bedeutsame Nachlass samt Bücherkollektion des Bischofs Julius Pflug. Bis auf wenige Exemplare ist seine rund 1000 Einheiten zählende Privatbibliothek bis heute erhalten und zählt zu europaweit zu den größten ihrer Art.

Eine „Raum im Raum-Installation“ gestattet den Besuchern im Eingangssaal Einblicke in das nachgebildete Gelehrtenzimmer Pflugs. Angelehnt an erhaltene Inventarlisten wurden Vergleichsobjekte zur Erzeugung eines authentischen Bildes zusammengestellt. Kleinmöbel wie ein prachtvolles Schreibkabinett, eine Renaissancetruhe sowie Bildnisse, Landkarten, ein Himmelsglobus umgeben den an einem originalen Wangentisch aus dem 16. Jahrhundert sitzenden Bischof. Die Figurenbildhauerin Lisa Büscher gestaltete unter Bezugnahme auf Porträtmedaillen und Gemälde die lebensecht wirkende Figur Pflugs aus Silikon. Exemplarisch sind in den angrenzenden Sälen der Bibliothek Schriften, Manuskripte und Briefe Pflugs versammelt. Am Ende der Auswahl steht sein eigenhändig verfasstes Testament.

In der nahen Pfarrkirche St. Michael im Stadtzentrum findet sich ein weiteres Schaustück. 1882 wurde in der Bibliothek der Kirche ein originaler „Plakatdruck“ von Luthers 95 Thesen aus dem Jahr 1517 entdeckt. Er gehört zu den weltweit sechs erhalten Exemplaren des seltenen Dokuments. Auffällig sind bei diesem nicht zum Anschlag vorgesehenen Druck setzungsbedingte Fehler, die fälschlicherweise Luthers Lehrsätze in 87 Nummern gliedern. Die ungemein urtümlich wirkende Kirchenarchitektur geht auf das Jahr 1154 zurück und wurde um 1450 spätgotisch überformt. Seit 1539 ist das Gotteshaus protestantisch.

Fallen heute die Namen Julius Pflug oder Zeitz, lösen sie zumeist Unkenntnis aus. Gelegen in einem „stillen Winkel“ Deutschlands abseits gängiger Routen, bewirkte die Landesgartenschau von 2004 eine Verbesserung der Infrastruktur der geschichtsträchtigen Stadt. Erschreckend viele leere Hausruinen bestimmen aber immer noch das Bild ganzer Straßenzüge. Einige historische Bauten sind mittlerweile jedoch vorzüglich restauriert. Dazu zählt das um 1250 geweihte Franziskanerkloster, das seine Erhaltung der ab 1541 erfolgten Schulnutzung verdankt. Sehenswert ist zudem das spätgotische Rathaus aus dem Jahr 1509 mit aufwendigen Zwerchhäusern und üppig verzierten, mit Fialen besetzten Prachtgiebeln.

Nicht übersehen sollte der Kunstkenner das 1928 nach Plänen des Erfurter Architekten Carl Fugmann errichtete Kino Capitol mit der tiefroten, aus Rochlitzer Porphyrtuff im Stil des Expressionismus verkleideten Fassade. Trostlos dagegen wirkt eine Reihe ungenutzter, imposanter Fabrikbauten. Eindrucksvoll zeigt sich das 1908 errichtete Hauptgebäude der ehemaligen Kinderwagenfabrik E.A. Naether, die von Zeitz’ ehemaliger Funktion als „Hauptstadt der deutschen Kinderwagenproduktion“ kündet. Zahllose Artikel aus den ehemals rund 20 Kinderwagenfabriken versammelt die Dauerausstellung im Schloss Moritzburg. Betrachtungen des Designs über 150 Jahre hinweg mögen gegenwärtig eher schwermütige Erinnerungen an eine besser situierte Vergangenheit auslösen.

Die Ausstellung „Dialog der Konfessionen. Bischof Julius Pflug und die Reformation“ ist bis zum 1. November zu sehen. Das Schloss Moritzburg hat täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 9 Euro, die Ermäßigungen liegen zwischen 7 Euro und 2 Euro. Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog erschienen, der im Museum 39,95 Euro kostet.

Kontakt:

Museum Schloss Moritzburg

Schlossstraße 6

DE-06712 Zeitz

Telefon:+49 (03441) 21 24 81

Telefax:+49 (03441) 61 93 31

E-Mail: moritzburg@stadt-zeitz.de

www.reformation-zeitz2017.de



08.08.2017

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Veranstaltung vom:


05.06.2017, Dialog der Konfessionen. Bischof Julius Pflug und die Reformation

Bei:


Museum Schloss Moritzburg

Bericht:


Künste im Umfeld der Reformation

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Blick auf den Dom St. Peter und Paul und das Schloss Moritzburg in Zeitz
Blick auf den Dom St. Peter und Paul und das Schloss Moritzburg in Zeitz

Variabilder:

Torhaus
 von Schloss Moritzburg, Zeitz
Torhaus von Schloss Moritzburg, Zeitz

Variabilder:

Julius Pflug als Silikonfigur in
 Lebensgröße in seinem nachgebildeten Arbeitszimmer am Schreibtisch
Julius Pflug als Silikonfigur in Lebensgröße in seinem nachgebildeten Arbeitszimmer am Schreibtisch

Variabilder:

Mitschriften und Skizzen Julius Pflugs als Leipziger Student um 1515/17
Mitschriften und Skizzen Julius Pflugs als Leipziger Student um 1515/17

Variabilder:

Die
 Pfarrkirche St. Michael in Zeitz
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Variabilder:

Das eigenhändig verfasste Testament von Julius Pflug, 1563
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Blick auf den Dom St. Peter und Paul und das Schloss Moritzburg in Zeitz

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Torhaus von Schloss Moritzburg, Zeitz

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Julius Pflug als Silikonfigur in Lebensgröße in seinem nachgebildeten Arbeitszimmer am Schreibtisch

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Mitschriften und Skizzen Julius Pflugs als Leipziger Student um 1515/17

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Die Pfarrkirche St. Michael in Zeitz

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Das eigenhändig verfasste Testament von Julius Pflug, 1563

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Dom St. Peter und Paul in Zeitz mit der Fürstenloge

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Epitaph für Julius Pflug, Mitteldeutschland, nach 1568

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Prachthandschrift „De civitate Dei“ aus der Klosterbibliothek Bosau, um 1168/80

Prachthandschrift „De civitate Dei“ aus der Klosterbibliothek Bosau, um 1168/80

Die Stiftsbibliothek in Zeitz

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Schloss Moritzburg in Zeitz

Schloss Moritzburg in Zeitz

Schloss Moritzburg in Zeitz

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