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Schloss Hartenfels illustriert mit neuester Technik alte Räume

Der Wendelstein von Schloss Hartenfels

Besondere Herausforderungen stellen sich bei der Vermittlung von Werken oder Raumausstattungen, die nicht oder nur fragmentarisch erhalten sind. Auf Schloss Hartenfels in Torgau wurde am Tag des offenen Denkmals eine neue Dauerausstellung eröffnet, die unter Zuhilfenahme neuester technischer Illustrationsmethoden die verlorene Ausstattung der Fürstengemächer, ihre Bewohner und den Hofalltag eindrucksvoll vor Augen führt. „Standfest. Bibelfest. Trinkfest. Johann Friedrich I. – Der letzte Kurfürst“ heißt die in den authentischen Räumen für rund 500.000 Euro eingerichtete Installation.

Nach Aufspaltung des sächsischen Herrschergeschlechtes in zwei Stränge im Jahr 1485 stieg Torgau mit Schloss Hartenfels zur Hauptresidenz der ernestinischen Linie auf. Weithin sichtbar und hoch über der Elbe gelegen, baute Johann Friedrich der Großmütige die Landmarke zu einer imperialen Residenz aus. Den aufwendig verzierten Wendelstein zählen Experten zu den Hauptwerken der Frührenaissance in Deutschland. Doch als Kurfürst Johann Friedrich in Folge der Niederlage in der Schlacht bei Mühlberg 1547 die Kurwürde verlor, hatte dies Auswirkungen auf das Residenzschloss. Es gelangte in den Besitz der Albertiner, die lieber in Dresden residierten. Hartenfels diente fortan als Verwaltungssitz und wurde entsprechend umgestaltet.

Nach aufwendigen Untersuchungen wurden in den letzten Jahren Reste von Wandmalereien, Zierrat und weitere Details der zu Büros umgewandelten Fürstengemächer freigelegt. Darauf aufbauend, sind in einer multimedialen Darstellung nun die ursprüngliche Ausstattung und Nutzung erschlossen. Im Flaschenturm werden einleitend die Hauptpersonen Johann Friedrich und seine Ehefrau Sibylle von Cleve vorgestellt. Fußend auf zeitgenössischen Porträts begegnen sie dem Besucher in rückseitig beleuchteten Lichtboxen, wobei die Techniker geschickt Bewegungen und kleine Raffinessen einfließen ließen. In einem Videofilm stellt sich der Kurfürst persönlich vor und erläutert die baulichen Maßnahmen in einem erfreulich knappen, auf das Wesentliche konzentrierten Statement.

Der Saal darunter führt zwei Epochen vor Augen: Das rekonstruierte Renaissancegewölbe mit minimalistisch angedeuteter Tafelrunde als Verweis auf die damalige Funktion als Ort kulinarischer Genüsse sowie in der anderen Hälfte die karge Festungszeit mit eingestellter Kanone. Nur wenige Fragmente der Ausstattung wie etwa Wandmalereien wurden bei den Restaurierungen in den ehemaligen Appartements der Kurfürstin und des darunter gelegenen, durch eine Geheimtreppe damit verbundenen Appartements des Kurfürsten entdeckt. In enger Kooperation mit dem Gestaltungsbüro whitebox entwickelten die Forscher auf dieser Grundlage eine einprägsame Installation, die die einstige detailreiche wie farbenfrohe Innenausstattung wieder aufleben lässt. Wieder direkt vom Appartement des Kurfürsten ist nun auch die angrenzende Empore der Schlosskirche zugänglich. Sie ist die erste noch von Martin Luther konzipierte, nach protestantische Prinzipien gestaltete Kirche überhaupt.

Schloss Hartenfels hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 5 Euro, ermäßigt 4 Euro.

Schloss Hartenfels
Schlossstraße 27
D-04860 Torgau


Infos: www.schloss-hartenfels.de

Quelle: Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Der Wendelstein von Schloss Hartenfels
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