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Plakatkunst steht im Mittelpunkt der Buch- und Grafikauktionen bei Venator & Hanstein in Köln

Farbe für Paris



Henri de Toulouse-Lautrec, Caudieux, 1893

Henri de Toulouse-Lautrec, Caudieux, 1893

Die Belle Époque muss schon eine aufregende Epoche in Paris gewesen sein. Nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 folgte eine ungewohnt lange Zeit des Friedens, die die Basis für einen deutlichen Aufschwung in Wirtschaft und Kultur war. Die Industrielle Revolution war die Triebfeder. Sie sorgte dafür, dass die Einkommen teils schneller stiegen als die Verbraucherpreise und sich eine neue, gut situierte bürgerliche Schicht ausbildete. Die Menschen fühlten sich materiell gesichert und blickten optimistisch in die Zukunft. Kein Wunder, dass in dieser gut gelaunten Atmosphäre auch das Vergnügungsgewerbe blühte. In Paris schossen Cafés, Theater und Cabarets, Ateliers und Galerien, Konzertsäle und Salons aus dem Boden, die alle um die Gunst der Besucher buhlten. Da musste also Werbung her. Die Weiterentwicklung der Farblithografie kam hier gerade recht. Sie ermöglichte den preiswerten Druck verlockender Plakate, die Straßenzüge in ein buntes Meer von Aushängen verwandelten. Die „Kunst der Straße“ befeuerte das Verlangen und wurde früh zum begehrten Sammelobjekt.


Davon ließ sich ab den 1960er Jahren auch ein rheinischer Privatsammler anstecken, der sich in Auktionshäusern, Galerien und Antiquariaten eine umfangreiche Kollektion an frühen französischen Affichen, Tourismuswerbung und modernen Künstlerplakaten zulegte. Sie kommt nun wieder auf den Kunstmarkt zurück und bildet das Zentrum der kommenden Auktion bei Venator & Hanstein in Köln. Den Auftakt bilden sechzehn Werke von Henri de Toulouse-Lautrec, der oft in ironischer Art den Protagonisten der damaligen Vergnügungsetablissements nahekam. Den dicklichen Sänger und Schauspieler Albert Caudieux, der von einem leichenblassen Souffleur auf der Bühne verfolgt wird (Taxe 12.000 EUR), hat er 1893 genauso überzeichnet wie den dandyhaften „Aristide Bruant, dans son cabaret“ im schwarzem Mantel und rotem Schal (Taxe 15.000 EUR). Dem Fernweh erliegt Toulouse-Lautrecs markante Schönheit „La Passagère du 54 – Promenade en yacht“ auf einem Ozeandampfer. Die Lithografie von 1895 gestaltete er ein Jahr später als Plakat für seinen Beitrag zu „Exposition Internationale d’Affiches“ im Salon des Cent um (Taxe 20.000 EUR). Als Eigenwerbung tritt er mit dem Aushang für seine Mappe „Elles“ mit Szenen aus dem Milieu der Pariser Prostituierten an, die ebenfalls 1896 im Rahmen der 20. Gemeinschaftsausstellung im Salon de La Plume gezeigt wurde (Taxe 5.000 EUR).

Über einige Blätter von Alphonse Mucha, darunter Sarah Bernhardt als ausdrucksstarke Kameliendame im Théâtre de la Renaissance von 1896 oder eine feinlinige Schönheit im Blumen- und Vogelkranz, die 1897 für Reisen mit der Eisenbahngesellschaft „Chemins de Fer“ nach Monaco und Monte Carlo wirbt (Taxe je 7.500 EUR), geht es zu Jules Chéret. Er war der Pionier und wohl auch des meist beschäftigte Plakatgestalter jener Epoche und prägte das Erscheinungsbild der Stadt Paris als „Dampf-Watteau unserer Tage“, so der Figaro, entscheidend mit. Dies spiegelt sich auch in den über 80 Losnummer der rheinischen Sammlung wider, die auf sein Konto gehen. Chéret arbeitete für nahezu alle Bereiche des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens der Metropole, darunter für Konzertcafés („Ambassadeurs“), Theater („Folies Bergère“), Ballhäuser („Bullier“), Eislaufbahnen („Palais de Glace“), Zeitungen und Zeitschriften, Pariser Ladengeschäfte, Getränke-, Parfüm- und Kosmetika-Fabrikanten. Künstlerisch war er vielleicht nicht so ambitioniert wie Toulouse-Lautrec, daher liegen die Preise für seine Plakate auch nur auf dreistelligem oder unterem vierstelligem Euro-Niveau.

Der Technik der Lithografie kommt man bei Chérets „Lidia“ von 1895 nahe. Denn die Varietékünstlerin unter dem markanten Schutenhut tritt nicht nur in der endgültigen Fassung auf, sondern auch mit vier Farbandrucken in Grün, Graublau, Dunkelblau und Rot, aus denen sich das Plakat zusammensetzt (Taxe 3.000 EUR). Das gleiche gilt für die Dame samt Katze, die den Aperitif „Quinquina Dubonnet“ anpreist. Das Plakat von 1895 und die sechs Farbandrucke kosten ebenfalls 3.000 Euro. Um die Plakatkunst kümmerte sich Jules Chéret zusammen mit seinem Druckerkollegen Napoléon Chaix zwischen 1896 und 1900 in „Les Maîtres de L’Affiche“, die in monatlichen Lieferungen an Abonnenten die jeweils besten Werbeplakate zusammenfassten. Die vollständige Ausgabe von 256 Tafeln, inklusive der 16 Bonusblätter, in fünf Jugendstilbänden verlangt 10.000 Euro. Hier war auch Théophile Alexandre Steinlen vertreten, der etwa noch mit dem Plakat für die Erstveröffentlichung des Romans „La Traîte des Blanches“ von Dubut de Laforest aus dem Jahr 1899 (Taxe 2.400 EUR) oder mit der noch textlosen Darstellung für das Theaterstück „L’Assommoir“ nach Emile Zolas gleichnamigen Sozialroman auf sich aufmerksam macht (Taxe 3.000 EUR).

Eugène Carrière entwarf 1897 in seiner charakteristischen verschwommenen Bildsprache ein Plakat für die Zeitschrift „L’Aurore“ (Taxe 1.500 EUR), heiter und unbeschwert zeigt Leonetto Cappiello 1900 die Schauspielerin Hélène Chauvin mit langer Perlenkette vor sonnengelbem Grund (Taxe 1.800 EUR), und Eugène Samuel Grasset wusste schon um die Verführungskraft der Frau. 1899 setzte er eine rothaarige Art Nouveau-Schönheit dominant ins Bild, während er den eigentlichen Werbegegenstand – ein Fahrrad – klein an den unteren rechten Bildrand drängte (Taxe 2.500 EUR). Neben der Übermacht der Franzosen, zu der sich etwa noch Lucien Métivets frierende Chansonsängerin „Eugénie Buffet“ auf verschneiter Straße von 1893 (Taxe 3.000 EUR) oder Manuel Robbes farbintensive Werbung für Petroleumlampen der Marke „L’Eclatante“ von 1895 gesellen (Taxe 1.500 EUR), tun sich andere Länder eher schwer. Eine russisch-französische Koproduktion ist Natalja Gontscharowas flächig abstrakter Entwurf für den „Grand Bal de Nuit“ am 23. Februar 1926 in der Salle Bullier (Taxe 2.000 EUR).

Der Tanz ist auch Thema bei Erwin von Kreibig. Für einen Tanzabend seiner Schwester Manda von Kreibig, die etwa mit Oskar Schlemmer den berühmten „Säbeltanz“ entwickelte, schuf er 1923 eine Plakatlithografie in expressionistischer Formensprache (Taxe 850 EUR). In eigener Sache ist der Baseler Künstler Burkhard Mangold unterwegs, der für eine gemeinsame Ausstellung mit seinem Künstlerkollegen Walther Klemm im Züricher Kunstsalon Wolfsberg zwei Frauen mit Hund defilieren lässt (Taxe 500 EUR). Richard Riemerschmid nahm für sein Plakat zur bayrischen Landesausstellung in Nürnberg von 1896 zwölf nackte Putten mit Symbolen der Handwerkszweige her, musste ihnen nach Protesten dann aber doch Lendenschürzchen anlegen (Taxe 800 EUR).

Ein zweiter Abschnitt des Katalogs listet Reiseplakate überwiegend der 1920er und 1930er Jahre mit dem Schwerpunkt auf den großen Schifffahrtsgesellschaften. Unter den rund 70 Positionen sind der Norddeutsche Lloyd, die Hamburg-Amerika Linie, White Star, Cunard et cetera mit den Reisezielen Afrika, Amerika, Südamerika, Polarkreis und Mittelmeer vertreten. Mit Exotik und Fernweh locken etwa Ottomar Carl Joseph Antons tiefblau gesättigtes Plakat „Im Herbst nach den Atlantischen Inseln – Amazonas-Brasil Reise“ für die Hamburg-Südamerikanische Dampfschiffahrts-Gesellschaft (Taxe 1.500 EUR) oder das schicke Art Déco-Paar, das einen Dampfer der Chargeurs Réunis Sud-Atlantique im Abendrot auf der Fahrt nach „Brésil – Plata“ beobachtet. Verantwortlich dafür ist der 1879 geborene Franzose Georges Taboureau, besser bekannt unter seinem Pseudonym Sandy Hook (Taxe 2.000 EUR).

Adolphe Jean-Marie Mouron, der sich den Künstlernamen A. M. Cassandre zulegte, präsentiert auf seinem Plakat für den „Chemin de Fer du Nord“ nicht mehr den eigentlichen Werbegegenstand, sondern nur noch Gleise, die in der Ferne verschwinden, und eine große Kompassnadel, die nach Norden weist. In der Verbindung von Art Déco und konstruktivem Gestaltungswillen liegt die Suggestivkraft (Taxe 3.000 EUR). Ludwig Hohlwein lässt für die „Mittelmeer-Fahrten“ des Norddeutschen Lloyd in Bremen einen jungen dunkelhäutigen Araber auf einem Esel auf den Betrachter zureiten (Taxe 1.200 EUR). Dass auch der große Lucio Fontana sich mit Plakatentwürfen sein Geld verdienen musste, macht die Lithografie „Expressdienst nach allen Erdteilen – Italia – Cosulich – Lloyd Triestino – Adria“ aus den 1930er Jahren deutlich. Doch die große Erdkugel, die ein Dampfer auf dem Äquator durchschneidet, scheint schon eine Vorwegnahme seiner berühmten „Concetti Spaziali“ zu sein (Taxe 1.500 EUR).

Den dritten Schwerpunkt legte der rheinische Sammler auf Ausstellungsplakate moderner Künstler. Pablo Picasso kommt mit seinem Farblinolschnitt der verzerrten Gesichtslinien für die Schau „Peinture et Lumiere Xe Anniversaire“ in Vallauris von 1964 für 3.000 Euro ebenso zu Wort wie Georges Braque. Bei ihm rangieren die Preise zwischen 300 Euro für die abstrakte Form „Theogonie“, die 1954 in der Galerie Maeght präsentiert wurde, bis zu 750 Euro für ein Konvolut mit fünf Plakaten aus den Jahren 1958 bis 1963. Für 2.000 Euro ist James Ensors „Affiche de la Plume“ von 1898 zu haben, auf der ein mittelalterlicher Mann wie der heilige Antonius von grotesk-grauenhaften Gestalten umgarnt wird. Neben Picasso ist Joan Miró der häufigste Name. Sein Höhepunkt ist ein Exemplar der Vorzugsausgabe für das Ausstellungsplakat „Miró – Sculptures Art Graphique“ aus dem Jahr 1950 in der Galerie Maeght (Taxe 1.200 EUR).

Die Auktion beginnt am 21. September um 15 Uhr. Die Besichtigung findet bis zum 20. September täglich von 10 bis 17:30 Uhr, samstags von 10 bis 16 Uhr und sonntags von 11 bis 15 Uhr statt. Der Internetkatalog ist unter www.venator-hanstein.de abrufbar.

Kontakt:

Venator & Hanstein KG

Cäcillienstraße 48

DE-50667 Köln

Telefax:+49 (0221) 257 55 26

Telefon:+49 (0221) 257 54 19



17.09.2017

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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