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Barocke Marketerien aus Stroh in Lübeck

Carl Hinrich Hering, Kabinettschränkchen, 1712

Noch bis zum kommenden Sonntag bestreitet das St. Annen-Museum in Lübeck seine aktuelle Kabinettausstellung mit einer Seltenheit: Strohmarketerien von Carl Hinrich Hering. Der Lübecker Strohschachtelmacher stellte um 1700 unter Beweis, dass er aus dem billigen Material etwas Wertvolles fertigen konnte. Seine bis um 1730 mit Strohhalmen verzierten Kästchen und Dosen waren als Liebesgaben begehrt und bereicherten als Kuriosa fürstliche Kunst- und Wunderkammern. Der goldene Schimmer der polierten Halme und die wie Edelstein wirkenden, eingefärbten Strohplättchen machten diese Lübecker Spezialität berühmt. Doch aufgrund ihrer filigranen Verarbeitung sind nur wenige Werke aus der Lübecker Hering-Werkstatt heute noch erhalten. Ein gutes Dutzend seiner Arbeiten in Form kleiner Dosen und größerer Schatullen, Bildtafeln und Schmuckkästchen besitzt das St. Annen-Museum.

Dass diese empfindlichen Werke nun aus dem Depot ans Licht der Öffentlichkeit geholt werden, hat einen besonderen Anlass: Die Neuerwerbung eines spektakulären Kabinettschränkchens, das mit 13 bildlichen Szenen von Liebespaaren und Tugenden, feingliedrig aus gebügelten Strohhalmen geschnitten, wie mit Furnier belegt ist. Carl Hinrich Hering, der ab 1694 in Lübeck aktenkundig ist, hat den ebenholzschwarzen Kasten 1712 signiert und datiert und ihn auf den Innenflügeln der Türen und den Schubladenfronten mit den figürlichen Darstellungen in Landschaften bestückt. Der Verein der Freunde der Museen für Kunst und Kulturgeschichte der Hansestadt Lübeck hat dieses Meisterwerk für das Museum erworben und damit an seinen Entstehungsort zurückgeführt.

„Dieses prachtvolle Kammerstück hat den Anstoß gegeben, unsere 300 Jahre alten Kunstwerke neu wert zu schätzen, es hat aufs Neue die Forschung beflügelt: So sind jetzt an einigen Orten in Deutschland und Europa bislang unerkannte Strohmarketerien der Hering-Werkstatt aufgetaucht“, so Kuratorin Bettina Zöller-Stock. In Lübecker Privatbesitz kam beispielsweise eine Bibel mit einer Strohgestaltung von Hering ans Tageslicht. Die Besonderheit seiner Kunstobjekte liegt in den zusammengesetzten bildlichen Szenen und ornamentalen Verzierungen aus eingefärbten, geplätteten und in Form geschnitten Strohhalmen. Wie bei Barock-Möbeln werden sie passgenau auf einen Holzkorpus aufgeleimt und wirken wie Gemälde. Der goldene Schimmer der polierten Halmmarketerien machte diese Lübecker Spezialität berühmt. Die Fürsten in Kassel, Braunschweig oder Hannover erwarben sie für ihre Wunderkammern. Typisch für Werke aus der Hering-Werkstatt sind die emblematischen Szenen mit Sinnsprüchen, die die Funktion der meisten Kästchen als Liebesgaben ausweisen.

Die Ausstellung „Stroh, kostbar wie Gold. Lübecker Strohmarketerien des 18. Jahrhunderts“ ist bis zum 8. Oktober zu sehen. Das St. Annen-Museum hat täglich außer montags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 7 Euro, ermäßigt 3 Euro, für Kinder 2,50 Euro. Die 144seitige Ausstellungspublikation mit einem Werkverzeichnis der Hering-Werkstatt kostet 8 Euro.

St. Annen-Museum/Museumsquartier St. Annen
St. Annen-Straße 15
D-23552 Lübeck

Telefon: +49 (0)451 – 122 41 37
Telefax: +49 (0)451 – 122 41 83

Quelle: Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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Veranstaltung vom:


22.07.2017, Stroh, kostbar wie Gold. Lübecker Strohmarketerien des 18. Jahrhunderts

Bei:


Die Lübecker Museen - Kulturstiftung Hansestadt Lübeck

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Carl Hinrich Hering, Kabinettschränkchen, 1712
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Carl Hinrich Hering, Engel auf Strohdose
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Carl Hinrich Hering, Strohschachtel
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Künstler:

Carl Hinrich Hering








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