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Malen als Identitätssuche: Die Hamburger Künstlerin Anita Rée galt in den 1920er Jahren als großes Talent. Nach ihrem Suizid 1933 geriet sie weitgehend in Vergessenheit. Die Hamburger Kunsthalle stellt jetzt das sehr persönliche Werk der empfindsamen Avantgardistin in einer großen Retrospektive vor

Bilder einer Getriebenen



Anita Rée, Selbstbildnis, 1930

Anita Rée, Selbstbildnis, 1930

Die Künstlerin Anita Rée muss im Hamburg des frühen 20. Jahrhunderts eine besondere Erscheinung gewesen sein. Zeitgenossen beschreiben ihr „wundersames, überaus ernstes und echtes Wesen“, dazu ihr „scharf geschnittenes Gesicht“ und ihr „rabenschwarzes Haar“. Geboren wurde sie 1885 als Tochter eines gut situierten Hamburger Kaufmanns jüdischen Glaubens und seiner aus Venezuela stammenden katholischen Frau. Die Familie war Teil der Hamburger Gesellschaft. Anita und ihre Schwester wurden protestantisch getauft und konfirmiert. Die künstlerischen Ambitionen ihrer Tochter stießen bei den bürgerlichen Eltern allerdings nicht unbedingt auf Begeisterung.


Diese biografischen Fakten sind nicht unwichtig, um das ungewöhnliche, zwischen Tradition und Moderne, Heimatverbundenheit und Sehnsucht nach der Ferne, Melancholie und Lebensfreude changierende Werk der Künstlerin Anita Rée angemessen zu würdigen. Die Hamburger Kunsthalle stellt es diesen Herbst und Winter in einer umfassenden Retrospektive vor. Die Ausstellung „Anita Rée“ im Sockelgeschoss der Galerie der Gegenwart umfasst rund 200 Werke, darunter Gemälde, Arbeiten auf Papier, Marionetten und weitere gestaltete Objekte bis hin zu mit Affen, Papageien und Ornamenten bemalten Schränken aus Hamburger Privatbesitz.

Auf dem Rundgang durch die von Karin Schick spannungsreich inszenierte Schau begegnen dem Besucher von Paul Cézanne inspirierte, aus Farbflecken zusammengesetzte Bilder aus dem Frühwerk ebenso wie kubistische Köpfe. Während eines dreijährigen Aufenthalts in Positano entstanden von der italienischen Frührenaissance angeregte Stadtansichten und Landschaften. Schließlich zurück in Hamburg, porträtierte Rée zahlreiche Persönlichkeiten aus dem Kulturleben der Stadt im Stil der Neuen Sachlichkeit.

„Die Künstlerin stand zwischen den Welten: eine stille Künstlerin im weiten Bereich zwischen Tradition und radikaler Moderne“, betont Kunsthallendirektor Christoph Martin Vogtherr die Hin- und Hergerissenheit der Malerin. Und weiter: „Viele der vorgeschlagenen Identitäten greifen bei Rée nicht. Sie sah sich selbst nicht als Jüdin, war trotz Interesse an der Bohème beharrlich bürgerlich und besetzte nie Positionen der radikalen Avantgarde.“

1904 begann Anita Rée, private Malstunden zu nehmen. Sie war schon als junge Frau an internationalen Kunstbewegungen interessiert und setzte sich über Bücher und Zeitschriften insbesondere mit dem Werk von Künstlern wie Paul Cézanne, Pablo Picasso und Paula Modersohn-Becker auseinander. Im Winter 1912/13 besuchte sie erstmals Paris. Ihr Interesse an der Avantgarde wurde durch diesen Aufenthalt weiter genährt.

Großen Raum in der Hamburger Ausstellung nehmen die zahlreichen Selbstporträts der Künstlerin ein, die intensiven, schmerzhaften Versuchen der Selbstverortung in einer unruhigen Zeit gleichkommen. Anita Rée war schwankte zwischen dem Gefühl des Dazugehörens und der von außen immer wieder an sie herangetragenen Ausgrenzung aufgrund ihres exotischen Aussehens, ihres Status als unverheiratete, kinderlose Frau oder ihrer jüdischen Wurzeln. Das bekannte „Selbstbildnis“ von 1930 aus der Sammlung de Hamburger Kunsthalle zeigt die Malerin mit bloßem Oberkörper und gekreuzten Armen, die auf diesem Bild ihre südamerikanische Herkunft ausdrücklich betont. Ein einzelner roter Korallentropfen als Ohrgehänge und der in verschiedenen Grünschattierungen gehaltene Hintergrund verleihen dem Bild eine exotische, gleichwohl wehmütige Aura.

1933, das Jahr der nationalsozialistischen Machtergreifung, wird für die Künstlerin zum Annus horribilis: Bereits im März verbieten die Nazis die 12. Ausstellung der von ihr mitgegründeten Künstlervereinigung Hamburger Sezession. Unter dem Druck der Verhältnisse beschließt diese im Mai ihre Selbstauflösung. Kunsthallendirektor Gustav Pauli, ein großer Fürsprecher der Künstlerin, wird im September entlassen. Und diverse Versuche, Einladungen zu Gastaufenthalten in Italien, Spanien oder der Schweiz zu erhalten, schlagen fehl. Von ihrer hoffnungslosen Lebenssituation, den Anfeindungen und den neuen Machthabern sichtlich in die Enge getrieben, setzte Anita Rée am 12. Dezember 1933 schließlich ihrem Leben auf der Insel Sylt mit einer Überdosis des Schlafmittels Veronal ein Ende.

Kurz vor ihrem Freitod schrieb sie an ihre Schwester Emilie: „Ich kann mich in so einer Welt nicht mehr zurechtfinden und habe keinen einzigen anderen Wunsch, als sie, auf die ich nicht mehr gehöre, zu verlassen. Welchen Sinn hat es – ohne Familie und ohne die einst geliebte Kunst und ohne irgendwelche Menschen – in so einer unbeschreiblichen, dem Wahnsinn verfallenen Welt weiter einsam zu vegetieren…?“

Die Ausstellung „Anita Rée – Retrospektive“ läuft vom 6. Oktober bis zum 4. Februar 2018. Die Hamburger Kunsthalle hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet. An Heiligabend bleibt das Haus geschlossen. Öffnungszeiten an den Feiertagen: 25. Dezember 12 bis 18 Uhr, 26. Dezember 10 bis 18 Uhr, 31. Dezember 10 bis 15 Uhr, 1. Januar 12 bis 18 Uhr. Der Eintritt beträgt 14 Euro, ermäßigt 8 Euro. Für Kinder und Jugendliche bis 17 Jahre ist er kostenlos. Der Katalog aus dem Prestel Verlag kostet im Museum 29 Euro, im Buchhandel 39,95 Euro.

Kontakt:

Hamburger Kunsthalle

Glockengiesserwall

DE-20095 Hamburg

Telefon:+49 (040) 428 131 200

Telefax:+49 (040) 428 543 409



06.10.2017

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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Anita Rée, Paar (Zwei römische Köpfe), 1922/25
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Anita Rée, Selbstbildnis, um 1913
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Anita Rée, Paar (Zwei römische Köpfe), 1922/25

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Anita Rée, Selbstbildnis, um 1913

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Anita Rée, Verirrtes Schaf in verschneiten Dünen, 1932/33

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Anita Rée, Marionetten für „Die schöne Galathée (Pygmalion und Galathée)“, 1930

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Anita Rée, 6. Doppelbüsi-Karte, 1929

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Anita Rée, Gelber Dünenhügel, 1932/33

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Anita Rée, Blaue Frau, vor 1919

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Anita Rée, Affenschrank, 1932

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Anita Rée, Bildnis Hilde Zoepffel, um 1928

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Anita Rée, Bildnis Hildegard Heise, um 1927

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Anita Rée, Weiße Nussbäume, 1922/25

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Anita Rée, Stillleben mit Orangenbaum, vor 1920

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